Ein – zugegebener Maßen subjektiver – Erfahrungsbericht aus dem Arbeitskreis über den zukünftigen Standort des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums

Meinen Ausführungen voranstellen möchte ich eine Klarstellung: Ich schreibe hier nicht als offizieller Vertreter des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums, sondern ich gebe meine persönliche Meinung zu den Erfahrungen aus dem Arbeitskreis zwischen Stadtverwaltung und NCG wieder.

  • Ich schreibe hier auch als Vater, der in zwei Jahren eine Entscheidung fällen muss, welche weiterführende Schule sein Sohn besuchen soll und auf welche Grundschule er seine Tochter schicken soll.
  • Außerdem schreibe ich als Mitglied der CDU, also der Partei, die im Stadtrat die größte Fraktion stellt.
  • Und ja, ich werde an einigen Stellen vereinfachen und polemisieren. Nehmen Sie es als Ausdruck meiner Verärgerung und meiner Enttäuschung.

Der Würfel vor dem NCG-Eingang

Als Vertreter des Lehrerkollegiums in diesem Arbeitskreis muss ich feststellen, dass dieser gänzlich gescheitert ist und von der versprochenen ergebnisoffenen Diskussion am Ende keine Spur zu erkennen war.

Im Gegenteil hat sich der Eindruck massiv verstärkt, dass die Verwaltung der Stadt Bergisch Gladbach keine wirkliche Diskussion über die Zukunft der Schulen in Bergisch Gladbach zulässt und Schulpolitik sich seit November 2010 auf einen einzigen Punkt fokussiert, nämlich die Schließung des Standortes an der Reuterstraße und die Verlagerung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums an das Kleefeld – und dies ohne irgendeinen pädagogischen Zugewinn, sondern allein auf Grund von angeblichen Kosteneinsparungen zur Haushaltskonsolidierung.

Die Schulgemeinschaften des NCG und die Haupt- und die Realschule im Kleefeld werden somit vermutlich zum Bauernopfer für ein Sparkonzept des Bürgermeisters, dessen Erfolg und Nachhaltigkeit in keiner Weise gesichert ist. Man verlangt von uns, nicht nur eine, sondern jede Menge Kröten zu schlucken, ohne dass es auch nur irgendeinen positiven pädagogischen Anreiz gibt.

Dass eine ergebnisoffene Diskussion, in der alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander sprechen, von vorneherein nicht angestrebt war, mache ich vor allem an den folgenden Punkten fest:

  • Die Verwaltung macht uns gegenüber Daten zur Erhebung der Sanierungskosten des Gebäudes an der Reuterstraße nicht transparent und gibt uns nicht die Möglichkeit, die veranschlagten Kosten zu überprüfen oder gar alternative Finanzierungsmodelle in die Diskussion einzubringen.
  • Die Verwaltung weigert sich, belastbare Angaben über Kosten von nötigen Umbauten zur Erreichung eines gymnasialen Standards am Kleefeld jetzt zu ermitteln, womit sie eine Gegenrechnung mit den angeblichen Sanierungskosten am Standort Reuterstraße verunmöglicht. Eine entsprechende Kostenübersicht soll erst erstellt werden, wenn entschieden ist, dass (ich sage bewusst nicht: ob) das NCG ans Kleefeld umzieht.
  • Die Verwaltung behauptet, dass das NCG mit einer prognostizierten Schülerzahl von 900 Schülerinnen und Schülern in 2016 in das Gebäude am Kleefeld passen wird, obwohl die Schulleiter der Haupt- und der Realschule nach eigenen Aussagen kaum Platz für derzeit etwas mehr als 800 Schülerinnen und Schüler haben.
  • Die Verwaltung macht uns gegenüber geltend, dass das NCG hinsichtlich der Ausstattung mit Naturwissenschaftsräumen und Schulhofgelände deutlich besser gestellt sei als das von ihr als Standard angesehene Albertus-Magnus-Gymnasium in Bensberg (ja, liebe Kolleginnen und Kollegen in Bensberg, sie sind das Standardgymnasium, wussten Sie das schon?).
    Sie verschweigt aber, dass Schulhofflächen, die Aula und andere Räumlichkeiten am Kleefeld deutlich unter diesem Standard des AMG liegen. Auf den Bau eines Mensagebäude wie am AMG werden wir am Kleefeld vermutlich bis zum Sankt Nimmerleinstag warten müssen, da dort einfach kein Platz mehr ist. Die frisch sanierte Mensafläche im NCG ist derzeit dreimal so groß wie die im Kleefeld. Auch hier müsste das NCG also deutliche Abstriche gegenüber dem jetzigen Zustand und gegenüber dem AMG machen, obwohl auch wir in nicht wenigen Jahren wie alle Schulen in den Ganztag gehen werden. Ähnliche Rechnungen ließen sich für unsere moderne Schulbibliothek aufmachen. Uns in den Gesprächen das AMG also als das Gymnasium vorzustellen, auf dessen Standard sich das NCG zurückschrauben müsse, ist also nichts anderes als eine Frechheit.
  • Andere Szenarien zum Abbau eines Schulgebäudes sind laut Vertreter der Verwaltung zwar angeblich durchdacht worden, werden aber vermutlich in den entscheidenden Rats- und Ausschusssitzungen – wenn überhaupt – nur am Rande vorgestellt werden.

Die Zukunft der Schullandschaft in Bergisch Gladbach insgesamt in den Blick zu nehmen, war im Rahmen dieses Arbeitskreises kaum möglich und auch nicht erwünscht.

Aus meiner Sicht wäre es nötig, zunächst einmal die Zukunft der Grund-, Haupt- und Realschulen zu klären und z. B. über die Einrichtung von Sekundarschulen nachzudenken, bevor übereilte Umzugsentscheidungen getroffen werden.

Dass der Rat der Stadt Bergisch Gladbach Ende Januar 2012 ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (kurz: ISEK) beschlossen hat, wird von der Verwaltung geflissentlich ignoriert. Dort wird als Ziel für das Jahr 2030 (!) unter anderem eine differenzierte Bildungslandschaft von verschiedenen, intensiv miteinander kooperierenden Bildungsanbietern festgelegt. In der jetzigen Diskussion um den Umzug des NCG wird völlig ausgeblendet, dass eine solche Bildungslandschaft im Gladbacher Norden schon vorliegt bzw. mit wenig Mühe noch ausgebaut werden könnte. So kooperieren das NCG und die Schulen im Kleefeld intensiv mit der Musikschule, das NCG nutzt die Sportstätten am Stadion, die Turnerschaft umgekehrt Hallen am NCG, zugleich gibt es intensive Kooperationen des NCG mit der Volkshochschule sowohl räumlicher als auch inhaltlicher Art.

Das, was als Ziel für 2030 formuliert werden soll, liegt also jetzt schon vor und soll nach dem Willen der Verwaltung aus Kostengründen zerschlagen werden. Mit anderen Worten: Das ISEK ist offensichtlich nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde, und wohl erst recht nicht die Kosten, die zu seiner Erstellung angefallen sind. Ich frage mich, ob die Mitglieder des Stadtrates sich im Klaren darüber sind, dass die Verwaltung sich ganz offensichtlich nicht an politische Beschlüsse gebunden sieht.

Keine Antworten konnte oder wollte die Verwaltung auch zu folgenden pädagogischen und praktischen Fragen liefern:

  • Wie soll der musisch-künstlerische Schwerpunkt des NCG ohne entsprechende Räumlichkeiten nach dem Umzug an das Kleefeld weiter forciert werden?
  • Wie soll sich binnendifferenzierter, von individueller Förderung geprägter und zunehmend inklusiver Unterricht im Kleefeld in einem deutlich kleineren Schulgebäude und -gelände realisieren lassen?
  • Wo ist der Parkraum für Lehrerinnen und Lehrer, die zu einem großen Teil aus dem Bergisch Gladbacher Umland kommen, und für motorisierte Oberstufenschüler? (Ja, liebe Anwohner, wir kommen in 4 – 5 Jahren, freuen sie sich schon darauf?)

Diese Liste ließe sich um viele Punkte erweitern.

Statt der geforderten Antworten ernteten wir im Arbeitskreis unter anderem noch einmal die ziemlich unverhohlene Drohung, das NCG könne ja doch an den Ahornweg umziehen, eine Option, die der Bürgermeister ja selbst kurz zuvor ausgeschlossen hatte. Oder man sagte uns, mit unserer Blockadehaltung würden wir zukünftige Investitionen in Schulen verhindern, denn ohne das Sparkonzept des Bürgermeisters würden Sanierungen in Schulen auf lange Sicht nicht bezahlbar sein.

Achtung, ich vereinfache wieder grob: Wenn wir also am Standort Reuterstraße festhalten, sind wir es schuld, wenn weder bei uns noch bei anderen Schulen die nötigen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden können!

Klammer auf, Ironie an: Ach ja, das berühmte Sparkonzept! Bürgermeister Urbach will einen Finanzplan vorlegen, damit die Stadt dem Haushaltssicherungskonzept entkommen kann, um dann – neue Schulden machen zu können. Das Sparprogramm würde also – übertragen auf einen Privathaushalt – etwa so funktionieren: Man holt sich Peter Zwegat von RTL ins Haus und lässt sich von ihm einen Finanzplan für die kommenden Monate aufstellen, weil man ja bisher nicht mit seinen Ein- und Ausgaben über die Runden kommt und am Ende des Geldes immer zuviel Monat übrig ist. Wenn man dann die Finanzplanung von Herrn Zwegat bekommen hat, läuft man schnurstracks in die nächste Bank, um dort einen neuen Kredit aufzunehmen. Nur das keine Bank sich darauf einlassen würde. Klammer zu.

Aus meiner Sicht können die betroffenen Schulgemeinschaften das Verhalten der Verwaltung jedenfalls nicht akzeptieren und ich nehme deshalb die Entscheidungsträger im Rat und im zuständigen Ausschuss in die Pflicht: Viele der jetzt zu treffenden Entscheidungen haben weitreichende Konsequenzen über die derzeitige Legislaturperiode hinaus. Mit den negativen Folgen von vorschnellen Entscheidungen, die jetzt getroffen werden sollen, werden in aller Regel nicht mehr die derzeit in Verwaltung und Rat tätigen Personen, die diese zu verantworten haben, zu kämpfen haben, sondern viele Kolleginnen und Kollegen an den betroffenen Schulen und vor allem die kommenden Schülergenerationen und deren Eltern.

Das kann nicht im Interesse einer Stadt sein, für die Bildung nach eigenen Aussagen eine der wichtigsten Ressourcen sein soll.

Außerdem haben wir nach den Erfahrungen der letzten Jahre erhebliche Zweifel, ob Umbauten am Kleefeld, die uns jetzt vollmundig versprochen werden, in fünf oder zehn Jahren realisierbar sein werden. Wer garantiert uns denn, dass eventuell durch das Sparprogramm mögliche Investitionen überhaupt in die Schulen, geschweige denn in unsere Schule getätigt werden. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte geben Anlass genug, da misstrauisch zu sein.

Deshalb appelliere ich an die Ratspolitikerinnen und -politiker, bei der Stadtverwaltung darauf zu insistieren, dass alle Informationen im Rat und in den Ausschüssen offengelegt werden und verschiedene Szenarien für die schulpolitische Zukunft durchdacht werden.

Eine Anmerkung zum Schluss: Eine kürzere Version dieser Ausführungen habe ich einzeln allen Mitgliedern der CDU-Stadtratsfraktion per Mail zukommen lassen. Darin habe ich auch zum Ausdruck gebracht, dass ich als CDU-Mitglied mir Gedanken über einen Parteiaustritt mache, da ich mich vom Bürgermeister und meiner Partei nicht mehr angemessen vertreten fühle. Auf die Antworten bin ich gespannt.

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1 Kommentar

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  1. Ich kann mich nur zu 100% den Ausführungen Herrn Schmitters anschließen. Man hätte es kaum treffender auf den Punkt bringen können. Ich möchte an alle Eltern der jetzigen und zukünftigen Schüler des NCG und der Schulen am Kleefeld appelieren, diesen Irrsinn nicht kommetarlos über sich ergehen zu lassen. Unsere Kinder werden es die nächsten Jahre schmerzlich ausbaden, was gerade hier in der Politik in falsche Bahnen gelenkt wird. Zweck dieser Sparorgie ist nicht die Schullandschaft in Bergisch Gladbach sinnvoll auf die Anforderungen der Zukunft einzustellen und mit den bestmöglichen Voraussetzungen dafür auszustatten.
    Man will diese Schritte gehen um schlicht und ergreifend aus dem Nothaushalt rauszukommen, um dann nach herzenslust ohne fremde Bevormundung über die begrenzten Mittel zu verfügen. Und für diesen Moment stehen Investitionen in Sachen Schulen nicht zur Disposition!

    Auch hier noch eine sehr persönliche Anmerkung: Es regt mich maßlos auf, mit welcher arroganten Überheblichkeit hier überhaupt nicht auf die sehr stichhaltigen Bedenken der Schulleitungen und der Eltern eingegangen wird.

    Es ist ja nicht so, dass wir „einfach um dagegen zu sein“ einen Umzug ablehen, sondern wir haben sehr detailiert dargelegt, dass ein Umzug nicht funktioniert. Wäre ein Umzug so machbar, dass alle Beteiligten hierdurch gleich oder vielleicht sogar minimal besser gestellt wären, dann hätten wir die Umzugskartons doch schon längst gepackt….

    Es ist in der Stadtverwaltung niemand an wirklichen Lösungen interessiert, sondern hier lautete die Parole anscheinend: „Umzug durch drücken, ohne Rücksicht auf Verluste“ !