Der Schulhof

Die Debatte um die Schulstandorte geht weiter! Der Ratsausschuss für Bildung, Kultur, Schule und Sport wird sich in Kürze mit dem Thema beschäftigen. Zwar hat sich Bürgermeister Lutz Urbach gegen einen Umzug des Nicolaus Gymnasium Gymnasium zum Ahornweg ausgesprochen, aber erschreckend ist, wie sehr sich die Perspektive verengt hat.

Derzeit wird von der Stadtverwaltung einzig der Umzug des NCG in den Gebäudekomplex Kleefeld geprüft. Schulentwicklung wird von der Stadtspitze vor allem als „Einsparbrocken“ gesehen.

Am Tag der Offenen Tür stellten neue und alte Eltern viele Fragen zur Standortdiskussion. Die Antworten der Elternpflegschaft:

1. Ist die Entscheidung nicht längst gefallen?
Nein, aber der Bürgermeister meint es ernst! Für den noch vom Stadtrat zu verabschiedenden Doppelhaushalt 2012/2013 hat er eine Sparliste vorgelegt, wonach jährliche Kosten von 900.000 Euro für das NCG durch Aufgabe des Standorts eingespart werden können. Das ist eine Scheinrechnung: Umgezogen würde nach unserer Kenntnis frühestens 2016, bis dahin würde aber kein Euro Betriebskosten eingespart.

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2. Was treibt die Stadt zur Schließung eines Schulstandortes?
Nicht vorrangig bildungspolitische Überlegungen, sondern vor allem die Sanierung des städtischen Haushaltes. Wir aber möchten für unsere Kinder bestmögliche Lernbedingungen und kein Sonderangebot.

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3. Passt das NCG ins Schulzentrum Kleefeld?
Unserer Ansicht nach nicht, weil in einer jetzt schon beengten Schule deutlich mehr Schüler des NCG noch weniger Platz fänden. Schulkonzepte und Raumbedürfnisse sind nicht beliebig übertragbar. Im Übrigen möchten Haupt- und Realschule gar nicht umziehen.

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Debatte zum Kleefeld in der offenen Facebook-Gruppe Politik in Bergisch Gladbach

4. Warum betrifft ein Umzug 2016 auch die jetzigen Schüler am NCG?
Schule ist immer ein Ort des Lernens und des Lebens! In Räumlichkeiten, die zum Abriss freigegeben werden, wird nicht mehr investiert – weder finanziell noch emotional. Entwicklungen würden gelähmt, der Stillstand wäre demotivierend.  Vandalismusschäden wären zu befürchten. Die jetzige Schülerschar wäre bei einem Umzug 2016 in ihrem Lernen und Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt.

5. Wird mit offenen Karten gespielt?
Nein. Die Debatte ist eine Spardebatte. Aber Zahlen werden nicht auf den Tisch gelegt. Ein Fachmann hat die wenigen uns zugänglichen Zahlen geprüft und eklatante Widersprüche gefunden. Wir ermittelten eine Differenz in der Nutzfläche von 1332 bis 1916 Quadratmetern, während die Stadt mit 660 Quadratmetern rechnet.

6. Wurde in das Schulgebäude nicht schon zu viel investiert, um es abzureißen?
Ja! Jüngst wurden Mensa und Cafeteria eingeweiht, vor gut zwei Jahren die neuen naturwissenschaftlichen Fachräume. Alleine der überaus gelungene Neubau mit seinem einzigartigen Musikraum hat rund zwei Millionen Euro gekostet. Weitere Investitionen wurden getätigt für zwei Turnhallen, die Schüleroase im Außenbereich und die bestens ausgestattete und sanierte Schulbibliothek. Nebenbei: Auch der Abriss des Gebäudes einschließlich des weitläufigen Bunkers wäre teuer.

7. Könnte bei den Umbau- und Betriebskosten gespart werden?
Denkbar! Alleine der notwendige Austausch der Fenster würde die Betriebskosten deutlich senken. Weitere Energiesparmaßnahmen erscheinen möglich, beispielsweise ein Blockheizkraftwerk.

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8. Ist das NCG eine “Bruchbude” wie Bürgermeister Lutz Urbach es formulierte?
Nein. Zweifellos muss etwas getan werden. Viele Klassenräume sind nicht mehr in einem guten Zustand, insbesondere die Fenster. Auch Fassade und Schulhof sind eine finanzielle Herausforderung. Aber es wurde auch schon viel getan. Wer die Sanierung jetzt abbricht, könnte im Steuerzahler-Schwarzbuch auftauchen.

9. Warum hängen Eltern, Lehrer und Schüler so am Standort Reuterstraße?
Das NCG ist eine Traditionsschule! Gebäude und Gelände bieten Freiräume zur persönlichen Entfaltung und Realisierung von pädagogischen Konzepten. Die Schule braucht Luft für künftige Herausforderungen, beispielsweise Inklusion und Ganztagsunterricht. Die enge Kooperation mit der Musikschule und der Sportunterricht in der nahen Belkaw-Arena sind feste Bestandteile des Schullebens. Der Standort ist etabliert und akzeptiert bei Nutzern und Anwohnern. Durch seine fußläufige Nähe zum Stadtzentrum ist das Gelände verkehrstechnisch bestens erschlossen.

Sympthieaktion: "Das NCG bedeutet für mich .... "

10. Welche Visionen bietet das Areal zwischen Reuterstraße und City?
Bergisch Gladbach will mit bester Bildung überzeugen. Das Gelände bietet aufgrund seiner zentralen Lage und dem großflächigen Areal vielfältige Möglichkeiten für Bildung über den eigentlichen Schulunterricht hinaus. In einem “Campus für Bildung” könnte Raum sein fürLerninseln statt Frontalunterricht, für eine Schule, die nicht nur Lern- sondern auch Freizeitort ist und für lebenslanges Lernen mit Angeboten vom Vorschulalter bis zur Erwachsenen- und Familienbildung (VHS, Musikschule). Einmal aufgegeben, ist es für solche Ideen zu spät.

11. Was wäre mit den vielen Kulturveranstaltungen im Falle eines Umzugs?
Die Aula ist einzigartig und mit professioneller Bühnentechnik ausgestattet. Sie wird jetzt schon vielfältig genutzt – weit über die Schule hinaus. Das ließe sich ausbauen!

12. Warum wird nicht mehr über das Schulzentrum Saaler Mühle gesprochen, dessen Sanierung doch viel teurer ist?
Die Sanierung der sogenannten OHSchulen wird mit 16 Mio. Euro veranschlagt, die des NCG mit 12 Millionen. Viele Kölner Kinder besuchen weiterführende Schulen in Bensberg. Das verursacht hohe Kosten für die Stadt.

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13. Sind die weiterführenden Schulen in der Stadt ausgewogen verteilt?
Die Karte der Stadtverwaltung ist aufschlussreich. Wenn man die Gesamtschule Paffrath als Angebotsschule für die ganze Stadt außen vor lässt, sieht man: Einem Überangebot im Süden stehen im Norden nur ein Gymnasium sowie eine Haupt- und Realschule gegenüber. Die Schulvielfalt im Norden muss erhalten bleiben!

14. Hat Bergisch Gladbach wirklich kein Geld für Sanierungsmaßnahmen des NCG?
Jährlich kommen rund 2,7 Mio. Euro vom Land für die Instandhaltung aller Schulgebäude. Zwar wurden in Bergisch Gladbach viele Schulen umfassend saniert, das NCG musste jedoch bei den notwendigen großen Sanierungsmaßnahmen immer hinten anstehen. Bei privat finanzierten Maßnahmen (sog. Public-private-Partnership-Projekte) gingen die Hauptschulen vor (vgl. Chronik unten), bei den Gymnasien zuletzt das DBG, weil dort plötzlich der Schadstoff PCB entdeckt wurde und das AMG, bei dem aus Mitteln des Konjunkturpakets II die Fassade saniert wurde.

15. Was ist mit den Belkaw-Millionen?
Im Jahr 2000 hat die Stadt die Belkaw für rund 50 Mio. Euro an die Rheinenergie verkauft. Das Geld floss der Bädergesellschaft zu, die es in Fondsanteilen anlegte. Inzwischen ist das Vermögen auf rund 35 Mio. Euro geschrumpft, mit den Erlösen wird derzeit das Defizit der Bäder ausgeglichen. Bürgermeister Lutz Urbach favorisiert offenbar den Rückkauf der Belkaw und die Gründung eigener Stadtwerke. Das Geld könnte man auch für die Sanierung der Schulen aufwenden.

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16. Gibt es einen fertigen “Schulentwicklungsplan”?
Nein! Es handelt sich lediglich um eine studentische Projektarbeit, die auch im Ausschuss für Bildung, Kultur, Schule und Sport deutlich kritisiert wurde. Die Verwaltung wurde beauftragt, eine neue Entscheidungsgrundlage zu formulieren. U.a. konnte die Aufhebung der Grundschulempfehlungen, die den Gymnasien mehr Zulauf bringen könnte, von den Studenten nicht berücksichtigt werden. Trotz der Kritik steht das Papier im Internet weiter unter dem irreführenden Titel “Schulentwicklungsplan” zum Abruf bereit.

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17. Was wäre, wenn das NCG an der Reuterstraße und die Schulen im Kleefeld erhalten blieben?
Alle drei Schulen könnten ihre Kooperation verstärken, so dass eine „Bildungslandschaft Nord“ die Schulvielfalt erhalten und weiterentwickeln würde. Die denkbare Sekundarschule bräuchte ein Gymnasium als Partner. Das NCG würde sich anbieten.

Chronik: NCG und Schulentwicklungsplanung in Bergisch Gladbach

  • 1958: Das NCG bezieht den Neubau an der Reuterstraße
  • 1961: Turnhalle und Gymnastikraum werden fertig
  • 1966: Aula und Musikraum sind fertig gestellt
  • 1972 und 1979: Der Raumnot am NCG wird mit provisorischen Pavillons begegnet
  • 1986: Eine Ausstellung im NCG beschäftigt sich mit der Architektur des Gebäudes. Es sei, wie z.B. die deutsche Schule in Madrid, ein niveauvolles Beispiel der Architektur der 50er Jahre, dessen Charakter aber durch Umbauten gelitten habe
  • 1988: Das NCG – erstes Gymnasium in Bergisch Gladbach – wird hundert Jahre alt
  • 1994: Die Bibliothek wird renoviert
  • 1994: Das gesamte Schulgebäude (17.500 qm Wandfläche) wird in Eigeninitiative von Eltern, Lehrern und Schülern mit lichten Farben farblich gestaltet
  • 2000: Am NCG wird mit Mitteln des Fördervereins das alte Sprachlabor zu einen Multimediaraum für moderne Fremdsprachen umgebaut
  • 2000: Die Sporthalle NCG-I wird saniert
  • 2005: Am NCG wird der Neubau mit zehn Klassenräumen und einem Musiksaal bezogen
  • November 2005: In der Aula feiert das Bläserorchester des NCG sein 25-jähriges Jubiläum
  • 2006: Der Abriss des „Westtraktes“ macht Platz für einen freundlichen, multifunktionalen Schulhof mit großzügiger Begrünung
  • 2007: Die Sporthalle NCG-II wird saniert
  • 2008: Ein neuer Fachraum für Informatik am NCG kann in Betrieb genommen werden
  • 2008: Skulpturengarten und Schüler-Oase entstehen
  • 2009: Nach fünf Jahren Planung und Bau sind am NCG alle naturwissenschaftlichen Fachräume saniert
  • 2010: Die schuleigene Veranstaltung „Kultursplitter“ feiert 25-jähriges Jubiläum in der NCG-Aula
  • 2010: Im November erscheinen erste Zeitungsartikel zu den Plänen der Stadt bezüglich der weiterführenden Schulen
  • Februar 2011: Das Lehrerkollegium am NCG kritisiert in einem offenen Brief die Schulentwicklungsplanung der Stadtverwaltung und fordert die weitere Sanierung des NCG
  • März 2011: Trotz der Standortdiskussion hat das NCG regen Zulauf. Im Schuljahr 2011/12 wird es fünf Eingangsklassen geben
  • März 2011: Binnen weniger Tage unterstützen 2000 Menschen die Position der Elternvertretung am NCG: Pädagogik statt Sparen und zeitnahe Modernisierung am Standort Reuterstraße
  • März 2011: Der Ausschuss für Bildung, Kultur, Schule und Sport (ABKSS) beschäftigt sich in Folge mit einer studentischen Projektarbeit zum “Schulentwicklungsplan“. Die Verwaltung wird beauftragt, durch einen Arbeitskreis eine neue Entscheidungsgrundlage zu entwickeln.
    Weitere Infos: Schulentwicklung braucht Zeit, Presseschau 23.3.2011, Presseschau 24.3.2011, CDU Bürgerversammlung
  • Juli 2011: Schulkonsens NRW und bildungspolitische Initiativen (Sekundarschule, Klassenstärken, Inklusion, Sonderschulstandorte, Ganztagsunterricht) Materialien zum Schulkonsens, Fragen und Antworten zum Schulkonsens
  • Sommer 2011: Die Zusammenarbeit in Schulfragen über Gemeindegrenzen hinweg wird öffentlich thematisiert, eine zweite Gesamtschule – Standort Bensberg – ins Spiel gebracht. Schulamtsleiter Dr. Lothar Speer wird in der Presse mit den Worten zitiert: „Bevor wir den Vorschlag machen, das AMG oder das OHG umzuwandeln, müssten Sie mich erschießen.“ Speer war Lehrer am AMG.
  • September 2011: Am NCG wird die neue Mensa samt Cafeteria eingeweiht
  • Herbst 2011: Neue Optionen werden diskutiert:
    • Zusammenfassung von AMG und OHG an der Saaler Mühle, Sekundarschulzentrum am Ahornweg
    • Umzug des Berufskollesg an den Ahornweg
    • OHG zieht zum Ahornweg, Sekundarschulen Kleefeld und Johannes-Gutenberg-Schule
    • Schließung Schulzentrum Herkenrath (1 Mio. Euro Schülerbeförderungskosten)
    • Umzug von Teilen der Stadtverwaltung an den Ahornweg, Umnutzung Gebäude
  • Dezember 2011: Bürgermeister Urbach schließt Umzug des NCG an den Ahornweg aus
  • Januar 2012: Arbeitskreis soll prüfen, ob Schulzentrum Kleefeld NCG aufnehmen könnte
  • Januar 2012: Schulkonferenz NCG spricht sich für den Standort Reuterstraße aus.

Fazit: Die Position der Elternvertretung

Schulentwicklung mit Augenmaß!
Wir fordern eine ausgewogene Schulentwicklungsplanung aus einem Guss. Dabei müssen neue landespolitische Vorgaben und pädagogische Aspekte berücksichtigt werden (Inklusion, Sekundarschulen, Lehrer-Raum-Konzept, Ganztag). Statt vorschneller Beschlüsse sind Zukunftsvisionen gefragt. Dieser sensible Prozess braucht Zeit.

Schulvielfalt im Norden!
Wir erwarten eine ergebnisoffene Prüfung bezogen auf alle Schulstandorte unter Berücksichtigung von bildungspolitischen Aspekten, der gerechten Verteilung von Schulstandorten im Stadtgebiet sowie der Schülerzahlenentwicklung bezogen auf die Stadtteile (Neubaugebiete).

Schulen mit Zukunft, Stadt mit Zukunft!
Wir erwarten phantasievolle Alternativen zur Umzugslösung und eine sorgfältige Kosten-Nutzenanalyse aller Varianten. Das innenstadtnahe Areal mit der Nachbarschaft von NCG, Musikschule, Turnerschaft und Belkaw-Arena bietet als “Bildungscampus” hervorragende Chancen für ein zukunftsträchtiges Miteinander und innovative Lösungen – gerade zusammen mit den Schulen am Kleefeld. Die Perspektive einer „Bildungslandschaft Nord“ sollte man nicht leichtfertig verspielen.

Wir sprechen uns eindeutig für den Erhalt des Nicolaus Cusanus Gymnasiums am bisherigen Standort Reuterstraße aus. Wir fordern den Schulträger auf, verstärkt nach Möglichkeiten zu suchen, wie das NCG saniert, der Standort Reuterstraße dauerhaft erhalten und innovativ weiterentwickelt werden kann.

Herausgegeben von der Elternvertretung des NCG, 1.02.2012

Kontakt per e-mail: Elternvertretung@ncg-online.de

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Die NCGler

Hinter diesem Namen stehen Eltern, denen die Zukunft des NCG am Herzen liegt. Sie erreichen uns unter Elternvertretung@ncg-online.de

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