Die Bürgermeister bei der Unterschrift

Vertreter der Stadt Bergisch Gladbach und des neuen Fördervereins für die Partnerschaft mit Ganey Tikva unter Leitung von Bürgermeister Lutz Urbach und Pfarrer Achim Dehmel haben sich in dieser Woche auf die Reise gemacht – nach Israel und Palästina.

(Der Bericht von Mittwoch wurde aktualisiert, weiter unten finden sich Infos und Fotos aus Beit Jala und Betlehem)

1. Etappe: Ganey Tikva – Israel

Zur Begrüßung in Ganey Tikva

Schon am Montag bei der Ankunft in Ganey Tikva erwartet und die erste Überraschung: Mitten im Kreisverkehr stand ein Transparent, mit dem wir in der neuen Partnerstadt begrüßt wurden.

Nach einer Stadtrundfahrt besichtigten wir ein ökologisches Projekt der besonderen Art. Das Schmutzwasser von rund  3.000 Einwohnern wird durch eine neue Biofilteranlage derart gereinigt, dass es letztlich zum Bewässern der Außenanlagen verwendet werden kann. Ein schönes Stadtbild ist Ganey Tikva sehr wichtig – Kunstgegenstände sind im öffentlichen Raum allgegenwärtig.

Im Sport Center sind viele Menschen aktiv, wir werfen einen Blick in die verschiedensten Bereiche des großen Sport-Komplexes, der Anlaufpunkt für viele Tausend Menschen auch über die Stadtgrenzen hinaus ist. Die vorletzte Station ist ein Mahnmal für die gefallenen Soldaten aus Ganey Tikva. Die besondere Lebenssituation der Israelis wird hier ein Stück greifbarer.

Avishay Levin begrüßt die Gäste

Mit diesen Eindrücken geht es weiter ins Center of Stage Theatre – zur feierlichen  Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunde durch die beiden Bürgermeister.

Als Gastgeber empfing und Avishay Levin bereits vor dem Eingang zum Center of Stage Theatre. Im Theater fand zunächst ein Empfang statt, wo wir mit vielen Gästen anstoßen konnten.

Jugendliche aus Ganey Tikva zeigen ihr Können

Anschließend begann die eigentliche Zeremonie, die ganz im Zeichen der Jugend von Ganey Tikva stand. Mit emotionalen, musikalischen Einlagen und Tanzakrobatik stimmten die Kinder und Jugendlichen gemeinsam auf den Moment der Unterzeichnung ein. Moderiert wurde die Zeremonie von Ruthy Vortrefflich.

Nach der Rede von Avishay Levin begrüßte auch Lutz Urbach die Gäste – auf hebräisch. Beide Bürgermeister fanden die passenden Worte – und der echte Wille nach Freundschaft zwischen den beiden Städten war mehr als spürbar.

(Weitere Fotos eines israelischen Fotografen gibt es hier.)

Nach der Unterzeichnung der Urkunden überraschten sich dann beide Bürgermeister mit Geschenken. Im Anschluss an die Zeremonie waren wir bei Avishay Levin zu Hause eingeladen. Gemeinsam mit seiner Familie und Freunden verbrachten wir dort einen tollen Abend.

Yad Vasehm und Jerusalem

Die Halle der Namen in Yad Vashem – mit Fotos der Holocaust-Opfer

Am nächsten Tag besuchten wir die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und die die Altstadt von Jerusalem. Am späten Abend steht ein Treffen mit den Pfadfindern in Ganey Tikva an, bevor wir am Abend zum Abschiedsessen in die Altstadt von Tel Aviv eingeladen sind.

Beim Rundgang durch Yad Vashem lässt wohl jedem Besucher  unweigerlich einen Kloß im Hals wachsen. Ein beeindruckender Ort, der in seiner Ausstellung mit Leben beginnt und – weil das laut unserem Guide die wichtigste Botschaft ist – auch mit Licht und Leben endet. Dazwischen aber ist viel Dunkelheit.

Danach ging es in die Altstadt von Jerusalem – die Heilige Stadt für Juden, Christen und Muslime. Auf engstem Raum leben hier drei Weltreligionen beieinander. Ein Gang durch die kleinen, endlosen Gassen der Altstadt und der Besuch der Klagemauer darf natuerlich nicht fehlen.

Die Pfadfinder in Ganey Tikva

Auf dem Weg zurueck zum Hotel schauen wir noch bei den Scouts (Pfadfindern) von Ganey Tikva vorbei. Dienstags und freitags ab 17 Uhr treffen sich hier Kinder und Jugendliche, um gemeinsam ihre Freizeit zu verbringen. Die Senior-Scouts (18 Jahre alt) finden es schade, dass wir nicht am Freitagnachmittag vorbeikommen können – dann seien immer “viele” Kinder und Jugendliche (ca. 600!) rund um das Jugendheim der Scouts aktiv. Heute seien es ja “nur” 200(!) .

Der Spass und die Freude an ihrem Hobby ist allen Scouts anzusehen. Nicht nur Nadine Janke, aktives Mitglied des Stammes Ommerborn der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg ist beeindruckt. Und ein Ziel ist auch klar im Blick: Im Jahr 2014 veranstaltet die DPSG Ommerborn zum fünften Mal das “International Scout Meeting” in Bergisch Gladbach. Sowohl Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Ganey Tikva als auch aus Beit Jala sollen daran neben Scouts aus weiteren Laendern teilnehmen!

Zum Abschied bekommen wir von den Jugendlichen in Ganey Tikva die Pfadfinder-Abzeichen ihrer Gruppierung übergeben. Als durch und durch sozialisierter KjG’ler hätte ich nie gedacht, mich mal über das Geschenk einer Pfadfinder-Lilie zu freuen – doch genau dies ist heute geschehen, vielen Dank :-) Ich wuensche dem International Scout Meeting 2014 schon jetzt viel Erfolg und viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ganey Tikva und Beit Jala!

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(Zur Großansicht Fotos anklicken, dann mit den Pfeiltasten weiterklicken)

Den Abschluss des Tages bildet die Einladung von Buergermeister Avishay Levin und seinem Team zu einem leckeren Abschiedsessen in die Altstadt von Tel Aviv (Old Jaffa). Es waren tolle Tage h in Ganey Tikva, belebt durch eine tolle Gastfreundschaft! Wir kommen gerne wieder und wünschen uns, dass viele Menschen unserer beiden Städte miteinander in Kontakt kommen!

Die Delegation in Jerusalem: Achim Dehmel, Michael Zalfen, Lutz Urbach, Stephan Dekker, Nadine Janke, Christian Buchen (v.l.)

Inzwischen sind unsere Zimmer geräumt, die Taschen und Koffer im Minibus verstaut. Wir verlassen Ganey Tikva und besuchen nun unsere Freunde in Beit Jala.

Der Minibus fährt uns durch den Checkpoint. Ziel ist die Abrahams Herberge in Beit Jala. Wir freuen uns auf noch mehr freundliche Menschen und gute Gespräche. Heute Abend treffen wir die Pfadfinder von Beit Jala. Morgen Vormittag findet dann ein Gespräch mit Dr. Nael Salman, dem im Herbst letzten Jahres neu gewählten Bürgermeister von Beit Jala statt.

2. Etappe: Beit Jala – Palästina


Die Mauer zwischen Israel und Palästina

Das zweite große Reiseziel unserer Reisegruppe ist erreicht und wir sind gut in der Abrahams Herberge in Beit Jala angekommen.

Dieses Haus ist ein Projekt der Evangelisch-lutherischen Kirche Jordaniens sowie Palästinas und bereits seit Jahren Anlaufpunkt für viele Gruppen aus Bergisch Gladbach. Entsprechend freundlich werden wir begrüßt – man kennt uns.

Achim Dehmel, Michael Zalfen und Lutz Urbach im Gespräch

Den besonderen Charme der Abrahams Herberge macht neben der wunderschönen Bauweise das angeschlossene Kinderheim aus. Derzeit leben acht Jungen aus Beit Jala mit den Gästen der Herberge unter einem Dach und fühlen sich hier sehr wohl. Daher freuen wir uns auch ganz besonders darüber, als wir bei unserer Ankunft zum gemeinsamen Mittagessen in die Küche des Kinderheims eingeladen werden.

Pünktlich zum Kaffee steht dann überraschenderweise Dr. Nael Salman, der neue Bürgermeister von Beit Jala, in der Tür und begrüßt uns. Ein erster Austausch findet statt und wir verabreden uns auf ein Glas Wein am Abend.

Zu Fuß nach Betlehem

Die Delegation aus Bergisch Gladbach, …

… 3140 km von der Heimat entfernt.

Anschließend treten wir einen Ausflug nach Betlehem an. Von der Abrahams Herberge geht es zu Fuß quer durch Beit Jala erst bergab und dann wieder bergauf bis wir ca. 30 Minuten später in der Altstadt von Betlehem ankommen. Eine Führung durch die Geburtskirche Jesu mit dem Besuch der Geburtsgrotte darf natürlich nicht fehlen – es ist schon ein tolles Gefühl, was sich bei einem an diesem Ort einstellt.

Große Sorgen in Beit Jala

Wieder in der Abrahams Herberge angekommen heißt es, sich schnell frisch machen und Abendessen, denn es gibt im Anschluss zwei parallele Gesprächstermine. Zum einen mit den drei vor Ort aktiven Pfadfindergruppen und zum anderen mit Bürgermeister Dr. Nael Salman und weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus Beit Jala.

Die Sorgen und Anliegen unserer Freunde in Beit Jala werden dabei sehr deutlich. Eines ist uns allen dabei klar: Unsere Städtepartnerschaft kann den Konflikt hier vor Ort mit Sicherheit nicht lösen, doch kann dies auch nicht unser Ziel sein. Wir wollen Brücken bauen und Begegnungen zwischen Menschen aus Bergisch Gladbach, Beit Jala und Ganey Tikva ermöglichen.

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Wirtschaftliche Projekte in Beit Jala

Am Donnerstag, unser letzter Tag im Heiligen Land, starten wir mit einem weiteren Gespräch mit Bürgermeister Dr. Nael Salman – dieses Mal in seinem Büro in der Stadtverwaltung von Beit Jala. Bei diesem Gespräch stehen wirtschaftspolitische Themen in Vordergrund.

Konkret geht es um die Frage, bei welchen Projekten in Beit Jala Unternehmen aus Bergisch Gladbach als Geschäftspartner tätig werden könnten. Wir nehmen einige Ideen aus dem Gespräch mit und die Stadtverwaltung wird an diesem Thema weiterarbeiten.

Lutz Urbach überreicht als Bergisch Gladbacher Geschenk ein Buch über unsere Heimatstadt sowie das Gohrsmühle-Papier der Firma Zanders. Dr. Nael Salman bedankt sich seinerseits mit dem Geschenk einer Handstickerei aus Beit Jala.

Zu Besuch bei Lifegate

Ein Gruppenraum bei Lifegate

Der Minibus steht bereits vor der Tür, so dass es zügig weitergeht. Wir besuchen Lifegate Rehabilitation, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit körperlicher oder geistiger Behinderung in Beit Jala. Vielmehr muss man “DIE” Einrichtung sagen, denn Fördermaßnahmen und Bildungsprogramme von öffentlicher Seite, die diesen Kindern und Jugendlichen eine Chance für ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, sind so gut wie nicht vorhanden.

Das frisch bezogene Lifegate-Haus, welches wir besichtigen, beinhaltet eine Servicewerkstatt, eine Beschützende Werkstatt, die medizinische Rehabilitation und die Verwaltung.

Das Therapie-Becken bei Lifegate

Wenn alles fertig ist, können hier 50 Kinder mit Behinderung in den Kindergarten und 100 Kinder in die Förderschule gehen. Zudem werden 80 Ausbildungsplätze entstanden sein. Lifegate Rehabilitation ist bereits jetzt der einzige(!) Betrieb im Westjordanland, welcher jungen Menschen mit Behinderung eine Ausbildung ermöglicht. Wahnsinn, welche Arbeit Burghard Schunkert und sein Team hier leisten!

Abschied von der Abrahams Herberge

Mit diesen Eindrücken geht es zurück zur Abrahams Herberge. Eigentlich direkt zum Tasche packen, denn aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen bei der Ausreise aus Israel rund um den Flughafen ist ein entsprechender Puffer immer einzuplanen. Doch kaum in der Herberge angekommen, werden wir erneut in das angegliederte Kinderheim zum Mittagessen eingeladen. Eine Einladung, die wir nicht ausschlagen können.

Zumal dort auch zwei weibliche Mitglieder des Stadtrates von Beit Jala auf uns warten. Zum Abschluss ergibt sich für uns somit noch ein weiteres inhaltsvolles Gespräch. Dieses Mal über die Frage, wie die Jugend Beit Jalas in die politische Gestaltung der Zukunft ihrer Heimat eingebunden werden kann. Nach einem arabischen Kaffee heißt es dann jedoch wirklich: Tasche packen und aufbrechen.

Christian Buchen, Stephan Decker, Michael Zalfen, Nael Salman, Lutz Urbach, Achim Dehmel, Nadine Janke

Per Minibus geht es durch den Checkpoint zum Ben Gurion Flughafen nach Tel Aviv. Während der Rückreise tauschen wir uns in unserer sechsköpfigen Delegation über die Erlebnisse der letzten Tage aus. Nach Tagen vieler Gespräche und vieler Termine endet nun unsere Reise durch das Heilige Land zu unseren beiden Partnerstädten Ganey Tikva und Beit Jala.

Wir hatten als Gruppe viel Spaß zusammen und jeder von uns muss die ganzen Eindrücke in den kommenden Tagen ersteinmal für sich sortieren. Wir sind vielen, vielen freundlichen Menschen begegnet, die uns echte Freundschaft haben spüren lassen. Vielen Dank für die letzen vier Tage bei Euch! Wir kommen mit Sicherheit wieder – ebenso wie hoffentlich viele weitere Menschen aus Bergisch Gladbach!

Weitere Fotos finden sich auf meiner Facebook-Seite.

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Christian Buchen

40 Jahre alt, lebt seit seinem 7. Lebensjahr in Bergisch Gladbach. Er ist in Herkenrath aufgewachsen, seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Stadt aktiv und seit 11 Jahren Mitglied des Rates. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr und seit vier...

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1 Kommentar

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  1. Ich gehörte zwar nicht zu der gerade beschriebenen Ganey-Tikva-Delegation, bin aber ganz zum Schluss ohne mein Zutun dahinein “gerutscht”, da Bürgermeister Urbach mich in Tel Aviv auf meinem Wartesitz im Flughafengebäude “entdeckte” und dafür sorgte, dass ich im Auto bis nach Bensberg mitgenommen wurde. Ich konnte ihm gleich meine Freude darüber zum Ausfdruck bringen, dass ich am 6.Mai in Ganey Tikva eine interessante Entdeckung gemacht hatte. Dort hatte ich , zusammen mit meiner Jerusalemer Freundin, mit der ich seit 1967 freundschaftlich und partnerschaftlich verbunden bin, in einer Schule hospitiert und dabei zwei sehr aufgeweckte Schülerinnen kennen gelernt. Diese zeigten uns an Hand ihres Laptops, mit dem sie ganz gekonnt hantierten, wie sie zusammen mit einer arabischen Schulklasse aus Ramle einen sog. Blog erstellt hatten. Darin erklärten sie ihren Partnern, wie sie das Pesachfest feiern, während diese ihnen erzählten, wie bei ihnen Ramadan begangen wird. Sie waren so erfüllt von ihrer Arbeit, dass der Funke sofort auf uns übersprang.Es stellte sich heraus, dass sie eine ähnliche Beziehung auch mit einer Klasse aus der arabischen Stadt Umm El Fahm entwickelt haben. Auch der kurze Besuch in der schräg gegenüber liegenden Schule war sehr lohnend. Dort haben, wahrscheinlich Jugendliche, vielleicht auch Lehrer, ein zweisprachiges Projekt entwickelt, über das ich nur staunen konnte.Es handelt sich um selbst erdachte Tiergeschichten, die auf Hebräisch und Arabisch erzählt werden und auf ganz unaufdringliche Weise pädagogische Probleme behandeln..Ich nehme an, dass diese Geschichten im Kindergarten oder auch im ersten Schuljahr eingesetzt werden.
    Als Kölner ” Frau in Schwarz” habe ich mich im weiter entfernten Jerusalem natürlich an einer Mahnwache der dortigen “naschim b`schachor” beteiligt, aber auch von dem nahe gelegenen Petach Tikva aus mit Hilfe einer Freundin, die zu den Machsomwatch-Frauen gehört, eine Exkursion zu dem ehemaligen Checkpoint Huwara in den besetzten Gebieten gemacht.Meine übrigen Erfahrungen, die sich während eines ganzen Monats ansammelten, werde ich in einem ausführlicheren Bericht festhalten, denn die passen natürlich nicht in einen Kurzkommentar hinein.
    Annelise Butterweck