Spielt Landrat Hermann-Josef Tebroke mit dem Feuer, wenn er eine eigene Seite der Kreisverwaltung auf Facebook eröffnet? “Nein”, lautet die knappe Antwort des ersten Mannes im Kreis. Auch bei der Einführung des Internets, von Telefax und E-Mail habe es viele warnende Stimmen gegeben. Doch der Rheinisch-Bergische Kreis habe sich nach reiflicher Überlegung und Vorbereitung entschlossen, dieses Abenteuer jetzt zu wagen.

Seit heute ist der Kreis unter facebook.com/Rheinisch.Bergischer.Kreis auf der sozialen Plattform vertreten. Als “Fanpage” ist die Seite für jeden zugänglich – auch für diejenigen, die gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Kommentieren, eigene Beiträge abgeben und sich als “Fan” des Kreises bekennen, kann allerdings nur, wer ein eigenes Facebook-Profil hat. Und das Angebot kommt offenbar an: schon vier Stunden nach Freischaltung der Seite hat sie die Marke von 100 “Gefällt mir”-Angaben geknackt.

Damit geht der Kreis einen Schritt, vor dem zum Beispiel die Stadtverwaltung Bergisch Gladbach zurück scheut. Aber auch die Landesregierung NRW. Dabei hat Tebroke einige Argumente auf seiner Seite:

Die Transparenz im Verwaltungshandeln ist für uns zentral. Wenn wir möglichst viele Menschen erreichen wollen, dann sind die sozialen Medien das Gebot der Stunde. Hier finden uns auch Bevölkerungsgruppen, die uns sonst nicht so wahrnehmen. Bislang wussten wir offiziell noch nicht mal, wer im Netz was über uns sagt. Das wollten wir ändern.”

Zudem will der Kreis die Seite als weitere Plattform neben seiner klassischen Website nutzen, um im Fall einer akuten Krise sehr schnell informieren zu können. Kreis-Sprecherin Birgit Bär erinnert an den Meningitis-Ausbruch 2001: “Damals gab es noch kein Facebook, wir mussten über Nacht 25.000 Flugblätter drucken, um die Eltern in den Kindergärten und Schulen informieren”.

Sprecherin Birgit Bär, Landrat Herman-Josef Tebroke und Social-Media-Managerin Hannah Weißgerber

Die Kreisverwaltung sieht aber auch die Risiken einer solchen Präsenz – und hat sich von Hannah Weißgerber, Volontärin in der Pressestelle und Social-Media-Managerin, ein gründliches Konzept ausarbeiten lassen.  Demnach soll die Seite vor allem über Neuigkeiten aus dem Kreisgebiet  berichten, orientiert an der Lebenswirklichkeit der Menschen, und Service bieten. Daher informieren die ersten Beiträge auf der Seite über die Veranstaltungen “unverDHÜNNt” und “Expedition Heimat”, die in den nächsten Tagen anstehen.

Nicht gedacht ist die Seite für echte Verwaltungsarbeit. Konkrete Anträge kann man hier nicht stellen, Anzeigen gar an die Adresse der Kreispolizei und andere datenschutzrelevante Dinge haben an dieser “modernen Dorflinde” nichts zu suchen, betont Tebroke. Wer aber Fragen stellt, kann mit einer Antwort rechnen. Allerdings in der Regel nicht öffentlich, sondern über eine Direktnachricht.

Allerdings: die Kreisverwaltung ist am Ende des Tage eine Behörde. Daher hat sie eine Facebook-Öffnungszeit eingerichtet, auf die sie in der Netiquette ausdrücklich hinweist:

Unsere Redaktionszeiten sind Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr. Falls Fragen oder Kommentare am Wochenende oder abends gepostet werden, kann es also sein, dass unsere Redaktion etwas mehr Zeit braucht.”

Jedoch ist die Kreisverwaltung nicht so naiv zu glauben, die Facebook-Gemeinde würde sich daran halten. Das dreiköpfige Team der Pressestelle hält die Seite auch “nach Dienstschluss” und am Wochenende im Auge – und würde einschreiten, wenn das notwendig sein sollte.

Zusätzliches Personal wird die Pressestelle dafür nicht bekommen. Und sie hat sich schon weitere Schritte im Zuge ihrer Social-Media-Strategie vorgenommen: demnächst soll der Kreis auch bei Twitter und youtube aktiv sein.

Nur die Übertragung von Kreistagssitzungen per Livestream schließt Tebroke vorerst aus. Dem stünde das Recht der Abgeordneten am eigenen Bild entgegen. Soviel Transparenz wie im Bundestag wird es im Kreishaus am Rübezahlwald also erst einmal nicht geben.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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