Die Bezirksregierung Köln hat mit den “Strukturdaten 2013” den Fokus auf das Verhältnis von Großstadt und Umland gelegt. Zum ersten Mal werden konkrete Pendlerzahlen vorgelegt.

Zwar bestätigen sie, was jeder wusste: die Großstädte (neben Köln auch noch Bonn und Leverkusen) dominieren den Arbeitsmarkt, den umliegenden Städten droht der Status einer Schlafstadt, weiter entfernt liegende Orte im Oberbergischen Kreis gar ein schleichendes Aussterben.

Aber diese Zahlen sind dann doch krass:

  • 295.000 Menschen aus dem Umland bewegen sich jeden Tag nach Köln hinein, um dort zu arbeiten
  • 135.000 Menschen fahren zur Arbeit aus Köln heraus

Für den Rheinisch-Bergischen Kreis bedeutet das:

  • 65 Prozent aller Berufstätigen pendeln aus dem Kreis heraus, ihre Arbeitsstätte liegt also nicht im Heimatkreis; diese Quote dürfte je höher sein, je näher die Großstadt – und damit in Bergisch Gladbach noch deutlich höher als weiter im Bergischen hinaus sein. Im Oberbergischen Kreis liegt die Auspendlerquote bei 59 Prozent.
    (Mehr Infos: Alle Beiträge zum Thema Pendler)
  • 40 Prozent aller Beschäftigen im Rheinisch-Bergischen Kreis sind Einpendler, wohnen also außerhalb.

Wie sich die Pendlerströme weiter entwickeln, kann die Studie nicht beantworten. Sie gibt aber eine Prognose ab, wie sich die Bevölkerung in den Großstädten und Kreisen bis 2030 verändert:

  • Regierungsbezirk Köln insgesamt: plus 2 Prozent
  • Köln: plus 10 Prozent
  • Rheinisch-Bergischer Kreis: minus 2,3 Prozent
  • Oberbergischer Kreis: minus 12 Prozent

Konkret heißt es in dem Report der Bezirksregierung:

Der Rheinisch-Bergische Kreis wird aufgrund seiner Lage im Ballungsraum an der Rheinschiene bis zum Jahr 2030 nur geringe Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen, die Prognose geht von einem Rückgang um 2,3% auf 270.500 Einwohner aus. Aber auch hier ist der Trend zur Alterung der Gesellschaft deutlich: Der Anteil der über 65-Jährigen wird um fast 7% steigen, der Anteil 18- bis 65-Jährigen um 6% abnehmen. Die Gruppen der unter 18-Jährigen bleibt hingegen relativ stabil.”

Besonders wichtig für die Zukunft des Kreises (und gerade auch Bergisch Gladbachs) ist ein starkes Missverhältnis zwischen der Wirtschaftskraft der Region und dem verfügbaren Einkommen der Bewohner:

Während das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen im Kreis bei knapp 52.000 Euro und damit im unteren Bereich liegt ist das verfügbare Einkommen je Einwohner mit 22.650 Euro Spitzenreiter im Regierungsbezirk und ein Hinweis darauf, dass der Rheinisch-Bergische Kreis weniger Bedeutung hat als Produktionsstandort, sondern als Wohnstandort für Besserverdienende.”

Das passt einerseits zum Stichwort “Arme Stadt, reiche Bürger”, stützt aber auch die These der lokalen Industriellen, dass die Bedingungen für die Produktion vor Ort nicht ausreichend gefördert wird, das es zum Beispiel zu wenig neue Gewerbeflächen und Verkehrsanbindungen gebe.

Darüber hinaus bieten die Strukturdaten eine Menge spannenden Lesestoff, nicht nur für Stadtplaner, Lokalpolitiker und Unternehmer. Klicken Sie sich durch – und teilen Sie uns mit, was Sie daran bemerkenswert halten.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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