Rainer Adolphs, Michael Schubek

Wie gut oder schlecht seine Chancen auf den Sieg bei der Wahl zum Bürgermeister am 25. Mai sind, das blendet Michael Schubek aus. „Ich als Bürgermeister werde …“ gehört bereits zu den Standardwendungen des Mannes, der vor 28 Jahren nach Bergisch Gladbach zog, für die meisten Bewohner aber noch unbekannt ist. „Ich als Bürgermeister habe eine Verantwortung für die ganze Stadt“, stellt der SPD-Kandidat sein Amtsverständnis schon mal klar.

Nach seiner offiziellen Wahl durch den SPD-Ortsverein macht sich Schubek jetzt daran, für sich und  sein Programm zu werben. Erste Station war am Dienstag der politische Stammtisch des Bürgerportals. Dabei wird deutlich, dass der 53-jährige Politik-Seiteneinsteiger einen ganz eigenen Blick auf die Lokalpolitik mitbringt.

Veränderungen für den dritten Lebensabschnitt

Schubek ist Finanzdirektor der Lufthansa-Tochter Cityline, hat dort in den letzten fünf Jahren „unangenehme Sanierungserfahrungen“ gemacht und will nun, in seinem dritten Lebensabschnitt, etwas Neues anfangen. Beruflich in der eigenen Beratungsfirma SolidarConsult. Und als Lokalpolitiker in Bergisch Gladbach. Auch wenn er auf der SPD-Liste nicht ganz oben steht, werde er nach der Wahl seine Erfahrungen vor Ort einbringen, kündigt Schubek an. Selbst dann, wenn er nicht Bürgermeister werden sollte.

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Aber davon geht er im Moment nicht aus. Im Zentrum der Schubek’schen Philosophie, egal ob im Unternehmen oder in der Politik, stehe die Beteiligung. Der Mitarbeiter oder eben der Bürger. Allerdings, betont Schubek, Bürgerbeteiligung heißt nicht Bürgerentscheid. Er wolle „die Klugheit der Bürger“ nutzen, um Verwaltung und Politik zu zwingen, so einfache wie klare Lösungen für akute Probleme zu finden.

„Die Spitze muss vorleben und begeistern.“

Beispiele, wo das in letzter Zeit nicht so ganz optimal gelaufen  ist muss Schubek nicht lange suchen. Drei Jahre lang hätten Fachleute miteinander über die Neugründung von Stadtwerken diskutiert, aber bis vor einer Woche nie mit den Bürgern geredet.

Rainer Adolphs, Michael Schubek

Verantwortlich für fehlende Kommunikation, Missstände in der Verwaltung und Fehler bei der Bewertung der Stadtwerke-Angebote macht Schubek „den amtierenden Bürgermeister“ Lutz Urbach. „Eine Kultur wird von oben gemacht, die Spitze muss vorleben und begeistern.“ Es wisse zwar noch zu wenig über die Interna, aber er höre einige Dinge, die ihm Sorgen machten.

So gebe es nirgendwo ein knappes Papier, in dem die Stadt auf zwei Seiten verständlich darstelle, was sie in Sachen Stadtwerke eigentlich wolle: Was ist der Zweck, wie erreichen wir diesen Zweck. Statt dessen jede Menge Verweise, wie komplex der Sachverhalt sei. Höchst suspekt, urteilt Schubek. Und die externen Berater? Auch die müssten geführt werden. Und vor allem richtig ausgewählt, so der SPD-Mann.

Das gesamte Gespräch zum Nachhören:

Mit Kopfschütteln schaut Schubek auf die städtische Haushaltspolitik. „Besetzungssperren sind absurd. Statt einige Stellen für ein Jahr nicht zu besetzen muss man sich doch überlegen, auf welche Stellen man ganz verzichten kann.“ Für die Sanierung des Stadtetats bringt Schubek kein fertiges Konzept mit. Aber er sehe Möglichkeiten, mit kreativen Ideen und solidem Handwerk aus der Haushaltssicherung zu kommen.

Controller – aber mit sozialer Verantwortung

Als Bürgermeister wolle er dafür sorgen, dass die Verwaltung effizienter arbeite, dass alle Verbesserungspotenziale gehoben würden. Und das nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter. „Das kann ich besser”, konstatiert Schubek trocken.

Ruben Sowa, Klaus Wagner, Jörg Krell

Rückendeckung bekommt er am Stammtisch ausgerechnet von Jörg Krell, der für die FDP bei der Bürgermeisterwahl antritt, ebenfalls Manager ist – und ein hochkarätiges Controlling in der Verwaltung vermisst. Hier haben sich zwei Männer aus der Wirtschaft gefunden, die mit einem erstaunten Entsetzen auf die Mühlen der Verwaltung blicken. Und sich gegen den Vorwurf wehren, als kalte Controller die soziale Verantwortung einer Kommunalverwaltung nicht zu erkennen.

Bei aller Kritik macht Schubek aber auch deutlich, dass er Bergisch Gladbach nicht als Sanierungsfall sieht. Die Stadt sei relativ reich und attraktiv. Statt in Sack und Asche zu gehen und nicht einmal mehr die Grünanlagen zu pflegen, müsse man mit Stolz die richtigen Themen anpacken.

Für den Autobahnzubringer

Was er unter Bürgerbeteiligung versteht, kann Schubek vielleicht beim Autobahnzubringer konkret zeigen. Da die SPD sich klar für diese Schnellstraße über die alte Bahndammtrasse positioniert hat, sei das nun auch seine Haltung, sagt Schubek. Für ihn zähle, dass damit gleich drei Gewerbegebiete im Herzen der Stadt an die Autobahn angebunden werden können. Zudem gebe es unter dem Strich mehr Bürger, die davon profitieren als solche, die Nachteile erlitten.

Eine Entscheidung für die Bahndammtrasse dürfe aber auf keinen Fall die Stadt spalten, dass sei ihm „als Bürgermeister“ wichtig. Der „amtierende Bürgermeister“ hingegen drücke sich offenbar um eine klare Haltung herum, kritisiert Schubek.

Noch ein Zauberwort: Vernetzung

Zum Schluss wird Schubek nach seinem Lieblingsthema gefragt, jenseits von seinem Motto „Beteiligung“. Da hätte der SPD-Kandidat noch etwas zu bieten: „die Vernetzung des bürgerschaftlichen Engagements”. Dabei greift er nicht nur auf seine Managementerfahrung zurück, sondern auch auf die als Mitglied der Schulpflegschaft der IGP. In Paffrath gebe es ja nicht nur die Gesamtschule, sondern nebenan ein Altersheim, Sportvereine, Betriebe, die man alle zusammenbinden könne.

Auch das sei eine Aufgabe des Bürgermeisters: „Allein die Tatsache, dass er hinschaut, dass er hingeht, kann eine Menge bewirken,“ glaubt Schubek. Und lässt keinen Zweifel daran, dass er genau das gerne machen würde. Daher wird jetzt Wahlkampf gemacht – und „auf Sieg gespielt“.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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8 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Müller,

    ich glaube, dann sind wir uns weitgehend einig. Ich würde mich freuen, wenn wir uns mal unterhalten könnten, vielleicht am Rande einer Veranstaltung. Ist doch immer ein wenig langwierig, so nur per Text und ohne Gesicht gegenüber.

    Ne fröhlische Fasteleer,

    Thomas Sussenburger

  2. Sehr geehrter Herr Sussenberger,
    ich stimme Ihnen vollkommen zu in dem, was Sie über die Bedeutung von Bürgerbeteiligung sagen. Auch dem, was Herr Schubek darüber sagt. Nirgendwo habe ich die Meinung geäußert, dass ich gegen Bürgerbeteiligung bin. Das wäre auch grotesk. Ich habe auch nirgendwo die Meinung geäußert, dass jede Bürgerbeteiligung zu einem Bürgerentscheid führen muss. Wir alle wissen, dass an vielen Stellen die Bürger zu wenig beteiligt werden. Das kann nur besser werden. Wogegen ich mich nur wende, ist das Ausschließen von Bürgerentscheiden und die Argumentation, die dabei manche Politiker benutzen, die in die Irre führende Argumentation mit der Komplexität der Sachverhalte, die auch leider Herr Schubek anführt.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Engelbert Manfred Müller

  3. Sehr geehrter Herr Müller,

    Bürgerbeteiligung MUSS nicht zwingend einen Bürgerentscheid hervorrufen. Nein, sie kann. Bürgerbeteiligung fängt viel früher an, nicht erst an der Wahlurne, wo man nur “ja” oder “nein” sagen kann. Die Bürgerbeteiligung fängt dort an, wo der erste Mensch betroffen ist.

    Ich konnotiere “Beteiligung” auch scheinbar positiver als Sie. Es freut doch, wenn Menschen sich engagieren. Und die Menschen vor Ort, sei es in ihrer Nachbarschaft oder an ihrem Arbeitsplatz, die kennen sich doch am Besten aus.
    Dieses Wissen wollen wir mitnehmen.

    Mit ebenfalls demokratischen Grüßen

    Thomas Sussenburger

  4. Sehr geehrter Herr Schubek, ich will jetzt nicht rechthaberisch lange nachkarten, dass unser E-Mail-Verkehr nicht da abgebrochen ist, wie Sie es darstellen, sondern erst nach meiner Mail, in der ich Sie bat, Ort und Termin zu nennen. Tatsache ist, dass Sie es nicht zu dem von Ihnen versprochenen Treffen kommen ließen, obwohl Sie es gekonnt hätten.

    Aber viel wichtiger ist eigentlich Ihre Haltung zu Bürgerentscheiden, die Sie mit dem selben Argument ablehnen, wie es der harte Kern der CDU tut. Ich zitiere aus dem Artikel vom Januar:

    “Klar ist für Schubek auf jeden Fall, was Bürgerbeteiligung nicht heißen muss: Bürgerentscheid. Diese Form der direkten Demokratie mit dem Zwang zu einem Ja oder Nein sei den komplexen Entscheidungen wie zum Beispiel der Neugründung von Stadtwerken nicht angemessen.”

    Man muss hier den Verdacht haben, dass Sie nicht richtig wissen, wie ein Bürgerentscheid abläuft, wie sehr hier vorherige Informationen und Meinungsaustausch eine Rolle spielen. Dieses Nichtwissen oder Nichtwissenwollen ist ja gerade der Grund für die Ablehnung von Bürgerentscheiden bei den wenigen Politikern in unserem Land, die bisher bundesweite Volksentscheide ablehnen. Umso enttäuschender, dass mit Ihnen ein SPD-Kandidat solch eine Haltung vertritt!
    Mit demokratischen Grüßen,
    Engelbert Manfred Müller

  5. Sehr geehrter Herr Müller,

    unser mehrfacher Austausch per mail Ende Januar ist an dem Punkt abgebrochen, als ich zur Abstimmung eines Termins mit Ihnen telefonieren wollte und Sie das ablehnten. Außer einer email Adresse gab es keine erkennbaren Angaben zu Ihrer Person, weder Adresse noch Telefonnummer. Deswegen kam es zu keinem persönlichen Treffen.

    Ich habe in mehreren Stellungnahmen betont, dass Bürgerbeteiligung sich nicht in Bürgerentscheiden erschöpfen darf. Vielmehr ist die Beteiligung der Bürger durch eine frühe und umfassende Einbindung in den politischen Willensbildungsprozess erforderlich und sinnvoll. Weshalb Sie daraus eine grundsätzliche Ablehnung von Bürgerentscheiden interpretieren ist für mich nicht nachvollziehbar und auch nicht richtig.

    Beste Grüße
    Michael Schubek

  6. Sehr geehrter Herr Schubek, meinen Sie nicht, dass es Zeit ist, aus der Deckung zu kommen? Wenn Berichte im Bürgerportal angeblich nicht Ihre Meinung richtig und vollständig wiedergeben, wäre es ehrlicher und bürgernäher, wenn Sie dies selber korrigieren würden.
    Die Beantwortung meiner Frage vom 3. Februar steht immer noch aus.
    Mit demokratischen Grüßen,
    Engelbert Manfred Müller

  7. @Engelbert Manfred Müller: Bei diesem Bericht handelt es sich um eine Zusammenfassung, die nicht jede Aussage enthält. Zum Thema Autobahnzubringer und Bürgerbeteiligung hatte Schubek gesagt, dass dieses natürlich ein Fall für eine gründliche Bürgerbeteiligung sei, sonst laufe man Gefahr die Stadt zu spalten.

  8. Alles nur Wortgeklingel?

    Sehr geehrter Herr Schubek,
    Sie haben bis heute meinen Kommentar unter Ihrer Vorstellung vom 21.1. nicht beantwortet. Hier ist er deshalb noch einmal:

    Engelbert Manfred Müller
    3. Februar 2014 at 18:16 | Permalink

    Sehr geehrter Herr Schubek,
    in Ihrer Vorstellung als Bürgermeisterkandidat der SPD hat mich ein Punkt außerordentlich irritiert: Ihre Einstellung zu Bürgerentscheiden. Ihre -kurze und unzutreffende- Charakterisierung von Bürgerentscheiden entspricht leider genau der von Herrn Bosbach und damit dem Kern der einzigen Partei, die -im Gegensatz von mehr als 80% der Bevölkerung- bundesweite Volksentscheide ablehnt. Ja, schlimmer noch, Sie gehen noch einen Schritt zurück und wenden sich gegen kommunale Bürgerentscheide, die nicht einmal die CDU ablehnt, obwohl der letzte Bürgerentscheid in Bergisch Gladbach zum Sturz der CDU-Bürgermeisterin und zur Wahl eines SPD-Bürgermeisters geführt hat, wie Sie doch sicher wissen dürften. Entscheidende Teilnehmer der Bürgerentscheids-Initiative, zu denen ich auch gehörte, kamen übrigens aus der SPD. Was betreiben Sie also mit dieser Rolle rückwärts? Es gibt allerdings den Verdacht, dass die SPD in Wirklichkeit gar nicht für Bürgerentscheide ist. Wenn Sie ernsthaft als Oberbürgermeister dieser Stadt kandidieren, sollten Sie Ihre Haltung zu Bürgerentscheiden ausführlich begründen oder überdenken.
    Hochachtungsvoll
    Engelbert Manfred Müller

    Außerdem muss ich erwähnen, dass Sie mich zu einem persönlichen Gespräch eingeladen hatten, nachdem ich Ihnen die o.a. Fragen per E-Mail gestellt hatte. Als Sie mir Ort und Zeit nennen sollten, habe ich nie wieder etwas von Ihnen gehört. Es verstärkt sich immer mehr der Eindruck, dass Ihr Gerede von Bürgerbeteiligung nichts als Augenwischerei ist. Interessant ist im Übrigen, dass Sie bei der Frage des Autobahnzubringers auf einmal nicht mehr von Bürgerbeteiligung reden, sondern einfach die Position der SPD übernehmen. Also was nun, Bürgerbeteilung oder/und klares Wahlprogramm und/oder Einhalten von Zusagen?
    Mit demokratischen Grüßen,
    Engelbert Manfred Müller