Michael Schubek, der Kandidat der SPD für das Bürgermeisteramt

Ein Bürgermeister moderner Prägung ist nicht mehr der Zeremonienmeister, sondern Manager – der im Fall Bergisch Gladbachs mehr als 1000 Mitarbeiter führen und 110.000 Kunden zufrieden stellen muss. Daher ist es folgerichtig, dass die Parteien Männer (weibliche Kandidaten sind nicht in Sicht) ins Rennen schicken, die das Gefühl vermitteln können, ein Großunternehmen steuern zu können.

In diesen Trend (die FDP hatte Ex-Bayer-Manager Jörg Krell nominiert) passt der einstimmige Vorschlag des SPD-Vorstands, den über Hand hinaus unbekannten Michael Schubek gegen Lutz Urbach (CDU) ins Rennen zu schicken. Denn der 53-Jährige ist seit viele Jahren Manager bei der Lufthansa und seit zwölf Jahren für die Finanzen des Tochter-Unternehmens Cityline in Köln verantwortlich – die in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten immer wieder schmerzhaft umstrukturiert werden musste.

Diese Erfahrungen will Michael Schubek, sollte ihn die SPD-Mitgliederversammlung am 20. Januar aufstellen und die Bergisch Gladbacher am 25. Mai wählen, auf die Stadt Bergisch Gladbach übertragen. Aber nicht als Sanierer der harten Hand. Ganz im Gegenteil.

Mein Thema ist das Miteinander. Ich will eine Politik ganz anderer Art machen – und die Bürger viel stärker beteiligen, als das bislang der Fall ist”,

sagte Schubek bei seiner Vorstellung am Dienstag. Wörter wie Finanznot, Einsparungen oder Haushaltssicherungskonzeptes fallen während des ganzen Gespräches nicht.

Auch SPD-Chef Robert Winkels und Fraktionschef Klaus Waldschmidt betonen, dass es ihnen bei der Kandidatensuche nicht darum gegangen sei, einen „besseren Urbach“ zu finden. Sondern etwas ganz anderes.

Über den Tellerrand der Politik hinaus

„Wir wollten jemanden, der auch schon mal über den politischen Tellerrand hinaus geblickt hat, der sich nicht nur in der Verwaltung hochgearbeitet hat”, sagt. Waldschmidt. So einen Kandidaten hat die SPD nun.

Allerdings, gefunden haben ihn Waldschmidt und Winkels gar nicht – Schubek hat sich selbst gemeldet, als er las, dass Amtsinhaber Urbach sich im Mai vorzeitig der Wahl stellen will. Die drei SPD-Mitglieder kannten sich zwar, aber eher flüchtig. Schubek, der (mit Auslandsunterbrechung) seit 1987 in Bergisch Gladbach wohnt, war zwar mit 16 in die SPD eingetreten und aktiver Juso, danach aber nur im Ortsverband Hand aktiv. Und im Vorstand der Kita-Initiative Bollerwagen in Refrath sowie der Elternpflegschaft der IGP in Paffrath.

Dass Schubek gerade jetzt den Finger hob, führt er auf seine Lust zurück, „immer wieder etwas Neues zu machen”. So wollte er zunächst Journalist, dann Entwicklungshelfer werden – und wurde dann doch Manager (Details zum Lebenslauf siehe unten.). Zwar ist er seit Jahrzehnten für die Lufthansa tätig, aber in verschiedensten Positionen im In- und Ausland. Bislang.

Denn er befindet sich ohnehin beruflich in einer Umbruchsituation: unabhängig von der Bürgermeisterkandidatur will er sich bis 2015 schrittweise aus der Beschäftigung bei der Lufthansa zurückziehen und parallel eine selbständige Tätigkeit aufbauen: mit Gleichgesinnten hatte er dazu schon im vergangenen Jahr das Beratungsunternehmen SolidarConsult gegründet, mit Sitz im im Schloß Eulenbroich in Rösrath.

Michael Schubek vor der Parteifahne

Doch jetzt ist erst einmal Wahlkampf angesagt, mit voller Kraft. Und einem Thema: Bürgerbeteiligung. Das sei kein Selbstzweck, sondern führe zu einer lebendigeren Stadt: „Mitsprache bei politischen Projekten, Wünsche und Ideen der Bürger für ein Leben miteinander aufgreifen, eine lebendige Stadt gestalten – für uns alle. Das ist mein Ziel für Bergisch Gladbach“ sagt Schubek. Und immer in der Tradition der SPD.

Was das konkret heißt? Da will sich der Kandidat gar nicht festlegen. Sondern die Inhalte gemeinsam festlegen, erst in Form eines Wahlprogramms in der SPD, dann mit den Bürgern in Bergisch Gladbach. Dazu bringe er selbst vor allem die „Methodenkompetenz“ mit, gesammelt bei durchaus schmerzhaften Restrukturierungsprozesses bei der Lufthansa.

Bürgerbeteiligung heißt nicht Bürgerentscheid

Klar ist für Schubek auf jeden Fall, was Bürgerbeteiligung nicht heißen muss: Bürgerentscheid. Diese Form der direkten Demokratie mit dem Zwang zu einem Ja oder Nein sei den komplexen Entscheidungen wie zum Beispiel der Neugründung von Stadtwerken nicht angemessen. Die Bürger müssten bei Entscheidungen wie etwas über ein Gewerbegebiet sehr viel früher – und ernsthafter – mitgenommen werden.

Mit diesem Konzept, da ist sich die neue Bergisch Gladbacher SPD-Troika einig, habe man durchaus Chancen, die Kommunalwahl zu gewinnen. Bei der Landtagswahl 2012, argumentiert Fraktionschef Waldschmidt, habe in Bergisch Gladbach schließlich die SPD-Vertreterin (Helene Hammelrath) immerhin  fünf Prozentpunkte vor dem CDU-Kandidaten (Holger Müller) gelegen. Daher sei auch ein Sieg bei der Bürgermeisterwahl machbar. Dass das Ergebnis bei der Bundestagswahl vor wenigen Monaten umgekehrt ausfiel und der CDU-Vorsprung weit höher war, erwähnt er allerdings nicht.

Wie auch immer, Schubek will sich ab sofort der Kommunalpolitik „zur Verfügung stellen”. Das gelte auch für den Fall einer Niederlage. Zwar würde der Kandidat, der mit Listenplatz 23 kein Spitzenkandidat ist, kaum in den Stadtrat einziehen, aber er könne sich ja auch anders einbringen.

Der offizielle Lebenslauf

  • Michael Schubek wurde am 10. März 1960 in Oberhausen geboren, ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne.
  • Nach dem Studium der  Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Internationale Wirtschafts­beziehungen und Entwicklungshilfe sowie Politikwissenschaften an den Universitäten Bochum, Trier und Wien ist er mit seiner Familie erstmals 1986 nach Bergisch Gladbach gezogen, als er seine berufliche Laufbahn bei der Deutschen Lufthansa in Köln begannn.
  • Ab 1993 arbeitete er als Finanzdirektor für ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen der Lufthansa in Peking.
  • 1997 zog Schubek nach Hamburg und war verantwortlich für die Gründung der Lufthansa Technik Logistik GmbH.
  • 2001 kam er als Kaufmännischer Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung zur Kölner Lufthansa-Tochter „CityLine“, die mit ca. 2.400 Mitarbeitern für die Lufthansa fliegt. Seitdem wohnt er in Bergisch Gladbach-Hand.
  • Daneben ist er Gründer und Partner der Organisationsberatung SolidarConsult, die insbesondere sozialen Organisationen bei ihren Restrukturierungsprozessen hilft diese durch Beteiligung der Mitarbeiter solidarisch zu gestalten.
  • Weiterhin engagiert sich Michael Schubek aktiv im Vorstand des Bergisch Gladbacher Vereins „mitein-anders“, der sich für die Entwicklung neuer Wohnformen  in unserer Stadt einsetzt.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

3 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Sehr geehrter Herr Schubek,
    in Ihrer Vorstellung als Bürgermeisterkandidat der SPD hat mich ein Punkt außerordentlich irritiert: Ihre Einstellung zu Bürgerentscheiden. Ihre -kurze und unzutreffende- Charakterisierung von Bürgerentscheiden entspricht leider genau der von Herrn Bosbach und damit dem Kern der einzigen Partei, die -im Gegensatz von mehr als 80% der Bevölkerung- bundesweite Volksentscheide ablehnt. Ja, schlimmer noch, Sie gehen noch einen Schritt zurück und wenden sich gegen kommunale Bürgerentscheide, die nicht einmal die CDU ablehnt, obwohl der letzte Bürgerentscheid in Bergisch Gladbach zum Sturz der CDU-Bürgermeisterin und zur Wahl eines SPD-Bürgermeisters geführt hat, wie Sie doch sicher wissen dürften. Entscheidende Teilnehmer der Bürgerentscheids-Initiative, zu denen ich auch gehörte, kamen übrigens aus der SPD. Was betreiben Sie also mit dieser Rolle rückwärts? Es gibt allerdings den Verdacht, dass die SPD in Wirklichkeit gar nicht für Bürgerentscheide ist. Wenn Sie ernsthaft als Oberbürgermeister dieser Stadt kandidieren, sollten Sie Ihre Haltung zu Bürgerentscheiden ausführlich begründen oder überdenken.
    Hochachtungsvoll
    Engelbert Manfred Müller

  2. Das ist doch erfreulich für uns Wähler:
    Parteien hin oder her, haben wir nun schon einmal zwei interessante Kandidaten für das Bürgermeisteramt und als Alternative zum gegenwärtig amtierenden.

    Sowohl Herr Schubeck als auch Herr Krell weisen bemerkenswerte Profile auf, die per Kompetenz, Erfahrung und „Performance“, wie man zu Neudeutsch sagt, fraglos geeignet erscheinen, einen entsprechend „guten Job“ zu machen.

    Der gerne vorgebrachte Einwand, ein Bürgermeister müsse unbedingt oder könne eigentlich nur ein ausgewiesener (öffentlicher) Verwaltungsfachmann sein, greift nicht. Denn Verwaltungsfachleute und entsprechend routinierte -praktiker gibt es in genügender Zahl in jedem Fachbereich der Verwaltung, und es ist gerade von Vorteil, wenn ein gewählter Bürgermeister mit Führungs- und Organisationserfahrung aus einem ganz anderen Bereich plus einschlägigem, etwa wirtschaftlichem Profil, hier belebende Akzente setzt und entsprechendes Wissen einbringt.

    Vor allem muss oder sollte es eine Person sein, die als Scharnier von sozusagen innerer und äußerer Führung, das heißt auch als öffnender und bindender Vermittler, Erklärer, Moderator zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern fungiert.

    Nehmen wir da zum Beispiel den aktuellen Fall des auch hier bereits diskutierten Stadtwerke-Projekts, so zeigt sich, dass allein auf diesem Feld Einiges im Argen liegt.
    Am Ende, so scheint es, bekommt der Bürger hier die bloß Mitteilung über den Vollzug eines -sehr diskret ausgedrückt- sehr diskret ausgehandelten Geschäfts und ganz am Ende auch noch die Rechnung dafür.

    Auch die Grünen überlegen, so war zu lesen, ein eigenes und beachtliches Gewicht auf die Kandidatenwaage zu legen, Herrn Prof. Dr. Baeumle-Courth, und man kann sie nur auffordern, es auch zu tun, anstatt sich auf einen fragwürdigen und letztlich fraglichen Macht-Vorvertrag mit Schwarz einzulassen.

    Ich für meinen Teil freue mich über eine möglichst offene und vielfältige Kandidatenauswahl. Schön wäre es auch, wenn möglichst viele der aufgebotenen Kandidaten erkennen lassen, dass sie fähig und willens sind, über Parteigrenzen hinaus zu sehen, auch jenseits rein taktischer Überlegungen.