In Bergisch Gladbach gibt es rund 52.000 Wohnungen, der Trend geht zum Zweipersonen-Haushalt, die mittlere Größe der Wohnungen beträgt rund 90 Quadratmeter. Etwa 3.500 Kilowattstunden Strom verbraucht ein Durchschnittshaushalt pro Jahr. Auf den Informationsveranstaltungen zur “Neuausrichtung der Energieversorgung” hieß es, dass 80 Prozent der Haushalte Kunden der Belkaw sind, also 42.000. Die Tochter der Kölner Rheinenergie ist in Bergisch Gladbach Grundversorger. Laut “Finanztest” beziehen mehr als 40 Prozent der Haushalte Strom zum Grundtarif.

Konservativ gerechnet wird also bei 17.000 Bergisch Gladbacher Haushalten der Strom nach dem Tarif “FairRegio basis” abgerechnet. Das hört sich zwar fair an, ist aber vor allem teuer.

Belkaw preislich weit hinten

Der Strompreisvergleich Verivox.de nennt nach Eingabe von Postleitzahl (51465) und Stromverbrauch (3500 kWh) 344 Angebote. Das billigste Belkaw-Angebot ist auf Platz 236 der Tarif ” FairRegio plus online” mit Jahresstromkosten von 983 Euro. Der Grundtarif “FairRegio basis” kommt mit 1.013 Euro auf Platz 277.

Wer jetzt wirklich den billigsten Anbieter wählt könnte gegenüber dem Grundtarif jährlich bis zu 337 Euro sparen. Aber Vorsicht!

(Anm. der Redaktion: diese Zahl gab Verivox am 5.4. mit den oben genannten Parametern aus, “Fair Region basis” im Vergleich zum billigsten Tarif).

Vorsicht Stromdiscounter

„Angelockt und abgezockt“ titelte die Stiftung Warentest im Februar-Heft beim Vergleich von 49 Stromdiscountertarifen. Laut “test” erwiesen sich davon nur zwei Tarife als fair. Boni und freie Kilowattstunden seien eine “beliebte Marketingmasche, um sich in den Ergebnislisten der Vergleichsrechner möglichst weit nach oben zu schieben”, sagen die Tester. Dass schätzungsweise 40 Prozent der Deutschen noch nie den Stromlieferanten gegen einen billigeren Anbieter ausgetauscht haben liegt an diesen schrägen Lockvogelangeboten. Auch die Pleite des Billiganbieters Teldafax ist vielen noch im Ohr.

Die Lage beim Gas
Laut “Finanztest” beziehen mehr als 20 Prozent der Haushalte Gas zum überteuerten Grundtarif. Die Bundesnetzagentur soll den Anteil der Kunden, die in zu teuren Tarifen stecken, gar auf 90 Prozent der 20 Millionen Gaskunden beziffern. Nach Modellrechnungen der Stiftung Warentest (Finanztest 12/2012) könnten Haushalte je nach Verbrauch und Wohnort beim Gas bis zu 656 Euro jährlich sparen.

Faires Angebot von der Förde

Aber es gibt sie, die “gute Wahl”. Bei „test” lässt sich hier eine Liste fairer Tarife abrufen – mit monatlicher Zahlung, Preisgarantie, kurzen Kündigungsfristen, kurzen Anschlusslaufzeiten und ohne verzerrende Bonus-Regelungen.

Für Köln wird zum Beispiel der Tarif “Flensburg extra” der Stadtwerke Flensburg genannt. Er ist im Beispiel 12 Prozent günstiger als die Grundversorgung bei der Rheinenergie. Auch in Bergisch Gladbach kann man seinen Strom von den Flensburger Stadtwerken beziehen. Der genannte Tarif landet mit Jahreskosten von 904 Euro für 3.500 Kilowattstunden auf Platz 109.

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl anderer attraktiver Angebote. Doch das Beispiel zeigt, dass ein durchschnittlicher Grundtarif-Kunde ohne Probleme pro Jahr 100 Euro sparen könnte.

1,7 bis 4 Millionen Euro zuviel

Bezogen auf die schätzungsweise 17.000 Haushalte, die noch den teuren “FairRegio basis”-Strom beziehen, zahlen die Gladbacher also mindestens 1,7 Millionen Euro zuviel für ihren Strom.

Man kann es auch anders rechnen: Der Energieexperte Gunnar Harms aus Leverkusen hat für die grüne Bundestagsfraktion errechnet, dass schon 2012 die Bundesbürger drei Milliarden Euro zu viel für ihren Strom zahlten. Der Bund der Energieverbraucher meint, die Versorger würden 2,1 Milliarden Euro mehr als nötig kassieren.

Da in Bergisch Gladbach 0,136 Prozent aller Bundesbürger leben, kommt man auf diesem Wege auf eine Summe zwischen 2,8 und 4 Millionen Euro, die in Bergisch Gladbach zu viel für den Strom bezahlt werden. Einen besonders günstigen Grundversorger haben wir hier ja offenkundig nicht.

Grauer Strom von Belkaw und Rheinenergie

Besonders sauber oder grün ist der Strom des Grundversorgers auch nicht. Zwar betonte der kaufmännische Geschäftsführer der Rheinenergie, Dieter Hassel, bei der dritten Informationsveranstaltung, dass die Rheinenergie “auch” in Windräder investiere. Doch schon auf der Belkaw-Internetseite heißt es: “Die BELKAW bezieht ihren Strom von den RheinEnergie AG. Wichtigster Energieträger für die Stromerzeugung ist hier die Kohle. Auch Kernenergie und Erdgas kommen in den Kraftwerken der RheinEnergie zum Einsatz.”

Das zeigt sich auch beim Blick auf die Stromkennzeichnung, die jeder Belkaw-Kunde auf seiner Stromrechnung finden kann. Die Zahlen stehen – etwas versteckt – auch im Netz: Die Gesamtstromerzeugung der Belkaw fußt zu 7,8 Prozent auf Kernenergie und zu 33,9 Prozent auf Kohle. Damit verbunden sind CO2-Emissionen von 433 Gramm pro Kilowattstunde.

Strompreisvergleiche im Internet
www.verivox.de
www.tarifvergleich.de
www.toptarif.de
www.check24.de
www.energieverbraucher.de/de/Ihr-guenstigster-Stromanbieter__2195/

Zwar gibt es bei der Belkaw auch zertifizierte Ökostrom-Angebote, doch scheinen diese in der Unternehmenspolitik keine besonders große Rolle zu spielen. Die Stadtwerke Flensburg nennen für den Standardstrom CO2-Emissionen von 346 Gramm pro Kilowattstunde und 387 Gramm für den sogenannten “Residual Mix”. Das Unternehmen bietet aber 3500 kWh “Flensburg eXtra Öko”-Strom für 925 Euro an – aus 100% Wasserkraft in “ok-power-Label”-Qualität – immer noch 88 Euro günstiger als der Belkaw-Grundtarif. Die Aachener Stawag verkauft seit diesem Jahr nur noch Strom “frei von Kohle- und Kernenergie”. Pro Kilowattstunde werden bezogen auf die Gesamtstromlieferung nur 241 Gramm CO2 in die Luft gepustet.

Nicht ärgern – sondern wechseln

Unter “Strom: Der Wechsel lohnt” hat die Stiftung Warentest eine Infoseite im Netz zusammengestellt. Doch eigentlich ist alles ganz einfach: “Der Kunde schließt einen neuen Vertrag ab. Um den Wechsel kümmert sich der neue Anbieter.”

“Mit neuen Produkten, erfolgreichen Aktionen zur Bindung und Rückgewinnung von Kunden und gezielter Werbung hat die BELKAW GmbH auch im Geschäftsjahr 2011 ihre Kundenverluste unter dem Bundesschnitt halten können”, heißt es im Belkaw-Geschäftsbericht 2011. Ein Jahr später ist der Satz leicht verändert: “Mit neuen Produkten, erfolgreichen Aktionen zur Bindung und Rückgewinnung von Kunden und gezielter Werbung hat die BELKAW auch im Geschäftsjahr 2012 ihre Kundenverluste auf moderatem Niveau halten können.”

Das klingt, als kehrten mehr Bergisch Gladbacher dem Grundversorger den Rücken. Die Berater zur “Neuausrichtung der Energieversorgung” rechnen mit einem Kundenschwund von höchstens 30 Prozent in den kommenden 20 Jahren. Übrigens beträgt die Kündigungsfrist für den Stromtarif der Grundversorgung nur zwei Wochen.

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1 Kommentar

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  1. Mensch, sind Sie wahnsinnig?! Schwarz und Rot wollen sich kommenden Dienstag einen 78 Millionen EUR-Kredit als kleine Hochzeitsgabe im Namen des Bürgers bescheren – um damit WAS zu machen?

    Richtig! – Um von der RheinEnergie Anteile von der Belkaw zurückzukaufen! Und da fordern Sie zur Belkaw-Flucht auf?! Das ist ja geradezu … Energiekraftzersetzung ist das!

    Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus: Jetzt alle zur Belkaw wechseln, koste es, was es wolle, genau wie das ganze Belkaw-Projekt selbst.Tun wir also etwas für die Versorgungszukunft von wem oder was auch immer!