Stadtkämmerer Jürgen Mumdey hatte schon vor Monaten zähneknirschend zugestanden, dass der Stadtverwaltung nichts anderes übrig bleibt, als dem SV Bergisch Gladbach 09 ein Stundung zu gewähren. Der Verein konnte seinen zugesagten Beitrag in Höhe von 135.000 Euro für die Sanierung der Belkaw-Arena nicht aufbringen und stellte im November einen Stundungsantrag. Ganz vor die Wand fahren lassen wollte/konnte die Stadt den großen Verein nicht.

Seither ging es vor allem um die Höhe des Zinssatzes, den der Verein an die Stadt für den gestundeten Betrag zahlen muss. Klar war, dass die Stadt einen Aufschlag auf den sehr günstigen Satz berechnen muss, den sie selbst am Kapitalmarkt zahlt. Aus rechtlichen Gründen – aber auch, um den anderen Vereinen der Stadt das Gefühl zu nehmen, gegenüber dem SV 09 benachteiligt zu werden.

Die Politik bleibt außen vor

Gerade noch rechtzeitig vor der Kommunalwahl wurde nun eine Einigung erzielt. Am Mittwoch hätten Mumdey und „die Vertreter des Traditionsvereins“ eine Stundungsvereinbarung unterzeichnet, teilte die Verwaltung am Mittag mit. Der Verein zahle die ausstehende Summe über zehn Jahre „zum angemessenen Zinssatz“.

Bürgermeister Lutz Urbach hatte im Vorfeld erläutert, dass dieses Thema zum Bereich der normalen Verwaltungstätigkeit gehört, der Stadtrat demnach nicht gehört werden müsse. Forderungen u.a. aus der SPD, der SV 09 müsse auf Teile seiner Werbeeinnahmen bei der Belkaw-Arena verzichten, waren zurückgewiesen worden und jetzt kein Thema mehr.

Was ist ein angemessener Zinssatz?

Zunächst hatte die Stadt 3,5 Prozent und damit einen marktüblichen Zins verlangt. Den bekommt man jedoch nur, wenn man auch die üblichen Sicherheiten vorlegen kann – und das konnte der Verein nicht. Aber auch die 3,5 Prozent schienen dem SV 09 zunächst noch zu teuer. Ganz am Anfang hatten die damaligen Verantwortlichen des Vereins auf einen KfW-Kredit zum Preis von 1,9 Prozent gehofft.

Den genauen Zinssatz, auf den man sich nun geeinigt hat, muss der Verein nicht nennen, schließlich geht es um einen privatrechtlichen Vertrag. Auf Nachfrage geben SV 09 und Stadtverwaltung die genaue Zahl aber doch raus: 3,5 Prozent.

Reaktionen aus Sport und Verwaltung

Rolf Menzel, Ex-Landrat, Vorsitzender des SV-09-Beirats und Verhandlungsführer des Vereins bei diesem Thema, kommentierte:  „Ich denke, dass wir den einzig möglichen Weg gegangen sind. Im Rückblick hätte vieles anders laufen müssen, aber dies konnten wir jetzt nicht mehr ändern.“

Der Vorsitzende der 09er, Patrick Duske, wird in der Pressemitteilung so zitiert: „Das Sportliche in der 1. Mannschaft stimmt aktuell, mit dem Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag bieten wir den Fußballfreunden in der Region eine Attraktion“, resümiert Duske.

Hart am Finanzthema blieb dagegen Jürgen Mumdey: „Wir haben die Stundungsvereinbarung nach den Vorgaben des § 26 GemHVO geschlossen und konnten somit ein umfangreich diskutiertes Thema klären.“

§ 26 enthält allerdings einige Ermessensspielräume: „Ansprüche dürfen ganz oder teilweise gestundet werden, wenn ihre Einziehung bei Fälligkeit eine erhebliche Härte für den Schuldner bedeuten würde und der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet erscheint. Gestundete Beträge sind in der Regel angemessen zu verzinsen.“

Weitere Informationen: Alle Beiträge zur Belkaw-Arena

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Diese Entscheidung zeigt doch, dass die Stadt Geld locker machen kann, trotz gebetsmühlenartiger Wiederholung, dass man THEAS ja durchaus sehr schätze, aber finanziell nichts tun kann. Wem soll man da noch glauben?