Das Marien-Krankenhaus in Bergisch Gladbach gehört zu den wenigen Kliniken, die noch eigenständig arbeiten

Zum Jahreswechsel soll das MKH an die Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) verkauft werden, die schon in Bensberg vertreten sind. Die Gespräche laufen, MKH-Chef Merten ist zuversichtlich. Er erläutert, was ein Übergang für Klinik, Mitarbeiter und Patienten bedeuten würde.

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Herr Merten, auch das Marien-Krankenhaus soll in einen größeren Verbund übergehen. Wie ist der Stand der Dinge, wer wird die Klinik kaufen?
Benedikt Merten
: Wir reden schon lange mit der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO). Wir befinden uns jetzt in der Endphase der Verhandlungen und wollen das MKH zum 1.1.2016 aus der Trägerschaft der Kirchengemeinde St. Laurentius in die GFO überführen – aber noch ist nichts entschieden.

Welches Interesse hat die GFO am Marien-Krankenhaus?
Die GFO führt in der Region bereits elf Krankenhäuser; neben dem VPH in Bensberg sind das vor allem Häuser in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Mit dem MKH kann die GFO ihre Position hier im Rheinisch-Bergischen Kreis deutlich ausbauen.

Benedikt Merten, Geschäftsführer des MKH

Warum gibt das Marien-Krankenhaus seine Eigenständigkeit auf?
Innerhalb des Erzbistums Köln sind wir das vorletzte Krankenhaus, das noch keinem Verbund angehört. Der Trend in der Gesundheitspolitik geht zu größeren Einheiten, dem können wir uns nicht verweigern.

Was bringt der Verbund mit der GFO konkret?
Die Franziskanerinnen betreiben 40 Einrichtungen mit insgesamt 8000 Beschäftigten, das MKH hat bei 320 Betten 700 Mitarbeiter. Im Verbund können wir in den Verhandlungen mit den Krankenkassen, der Bezirksregierung und auch der Politik ganz anders auftreten. Und das wird in diesen Zeiten immer wichtiger.

Es geht also nicht um betriebswirtschaftliche Vorteile?
Nein, das steht eindeutig nicht im Vordergrund.

Wie wird die Zusammenarbeit zwischen dem MKH und dem VPH aussehen, das ja bereits dem Verbund der GFO angehört. Behalten beide ihre Eigenständigkeit oder wird es bald die „Kliniken Bergisch Gladbach” geben?
Dass das irgendwann kommt ist nicht undenkbar, aber auf keinen Fall von jetzt auf gleich. Jetzt geht es darum, uns noch besser miteinander abzustimmen. Die Einzugsbereiche beider Häuser überschneiden sich nur zum Teil, da sehe ich keine großen Veränderungen.

Die Krankenhäuser der GFO. In Bergisch Gladbach gehört das VPH bereits zum Verbund

Wie sieht es bei den Fachbereichen im MKH und VPH aus?
Die Verteilung der Fachgebiete hat in Bergisch Gladbach ja eine gute Tradition. Das MKH ist in der Urologie stark, in der Geriatrie, Neurologie und Orthopädie. Unser Schwerpunkt liegt auch mit der Reha Reuterstraße also in der Altersmedizin. Dazu passt das VPH mit der Onkologie, Palliativmedizin und Unfallchirurgie ganz gut.

Das bleibt auch so?
An der Grundstruktur wird sich nichts ändern, da wird es allenfalls eine geringe Anpassung geben. Auf jeden Fall bekommen wir die Chance, unser Angebot noch mehr zu schärfen und etwas enger zusammen zu rücken.

Sie haben sich also in den Zukunftsmärkten der Gesundheitsvorsorge gut aufgestellt?
Das kann man so sehen. Aber das Evangelische Krankenhaus (EVK) steht mit der Kardiologie, Gynäkologie und Psychatrie ja auch sehr gut da.

Team des MKH bei einer Prostata-Operation

Die entscheidende Größe für ein Krankenhaus ist die Bettenzahl, wird es da Veränderungen geben?
Wir haben aufgrund des neuen Bettenplans NRW um zehn auf 320 Betten zugelegt, auch das EVK hat leicht gewonnen, das VPH etwas abgebaut. Aber das ist unabhängig von den Verhandlungen mit der GFO.

Was würde der Verbund mit der GFO für die Patienten konkret bedeuten?
Zunächst würden sie die Veränderung wahrscheinlich gar nicht merken. Bei der Qualität geht nichts verloren, im Gegenteil.  Aber wir können ihnen – wenn es denn so kommt – eine noch reibungslosere Versorgung aus einer Hand anbieten. Wenn zum Beispiel in Bensberg ein urologischer Befund festgestellt wird, kann der Patient ohne Verzug bei uns behandelt werden. Insgesamt würde der Verbund bedeuten, dass die Versorgung hier vor Ort für die nächsten Jahre auf noch sicherere Beine gestellt wird.

Über dem Rathaus und der Innenstadt thront das MKH Foto: Stefan Krill

Was ist mit den Mitarbeiten, müssen Sie Personalkürzungen oder schlechtere Verträge befürchten?
Nein, es werden alle Mitarbeiter mit in die neue Gesellschaft gehen, das war auch der Kirchengemeinde sehr wichtig. Sie bekommen einen neuen Arbeitgeber, aber an ihre Besitzständen geht nichts verloren. Die Mitarbeiter werden auch durch bessere Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten profitieren.

Wann werden Sie das Ergebnis verkünden können, sind Sie noch im Zeitplan?
Uns war von Anfang an klar, dass das dauert, da sind viele Dinge zu klären und Genehmigungen einzuholen – das ist ja kein Autoverkauf. Jetzt geht es noch um Details, aber wir sind sehr zuversichtlich.

Herr Merten, danke für das Gespräch.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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