Ingeborg Schmidt bei der Gesprächsrunde des Bürgerportals in Sand

Es waren die engagierten Worte von Ingeborg Schmidt bei der Bürgerversammlung in Sand zum Thema Flüchtlinge, die mich aufgerüttelt hatten. Es müsse unbedingt etwas gegen die Langeweile und  Beschäftigungslosigkeit der Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung  getan werden, sagte die DRK-Kreisvorsitzende und damalige Leiterin des Camps in der Sander Turnhalle.

Daraus ist das Projekt „Being Refugee“ mit vielen Tausenden Fotos entstanden, von denen einige ab Sonntag in einer Ausstellung in der VHS an der Buchmühle gezeigt werden.

Nach der Bürgerversammlung hatte ich mich entschlossen, meine fotografischen Kompetenzen einzubringen und den Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, ihre Situation fotografisch zu dokumentieren.

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Dazu brauchte ich Kameras. Es gelang mir durch eine Spende des Kölner Fotografen, Kunstförderers und Stiftungsgründers Michael Horbach und durch einen Spendenaufruf in Facebook  30 hochwertige Kameras, einen Drucker und Zubehör zu sammeln.

Inzwischen ist die Turnhalle zweimal besetzt worden; entsprechend den zwei Belegschaften gab es auch zwei Fotogruppen, die zusammen rund 4500 Fotos abgeliefert haben.

Das Interesse der Flüchtlinge, sich an dem Projekt zu beteiligen, war riesengroß. Ich legte jeweils Wert darauf, auch Frauen zur Teilnahme zu gewinnen, was in beiden Gruppen gelang. Nach einer Einführung, insbesondere über den Aspekt Persönlichkeitsrechte, überließ ich jedem Teilnehmer seine Kamera.

Ausstellung „Being Refugee“
Eröffnung: Sonntag, 29.11.2015, 13 Uhr
Volkshochschule Bergisch Gladbach, Buchmühlenstr. 12, 51426 Bergisch Gladbach
Ausstellungszeiten: Montags – freitags, 8.00 – 21.00 Uhr

250 der Fotos wurden unter Beteiligung befreundeter Fotografen für die Ausstellung ausgewählt und thematisch geordnet. Den Schwerpunkt bildet natürlich das Leben im Camp, aber auch die Portraits, insbesondere auch der Kinder.

Es ist zu sehen, wie die Flüchtlinge den Ortsteil Sand, die umgebende Natur erleben, es werden neue Freundschaften über alle Nationalitäten und Religionen dokumentiert und natürlich wurden auch die Helfer des DRK, Ehrenamtliche und auch das Fotoprojekt zum Gegenstand der Dokumentation.

Was mich überrollt und manchmal auch überfordert hat ist die emotionale Seite des Projektes. Ich habe eine Vielzahl außergewöhnlich liebenswürdiger Menschen kennen gelernt, woraus sich in einigen Fällen enge freundschaftliche Beziehungen entwickelt haben, die weiterhin bestehen.

Vor der Abreise dokumentierte Hartmut Schneider die Fotografen der ersten Gruppe.

Trotzdem halte ich es für falsch, die Flüchtlingsproblematik zu romantisieren. Ich habe unzählige Diskussionen geführt, die mir gezeigt haben, welche große und schwierige Aufgabe in der Integration dieser Menschen besteht, wenn z.B. eine sympathische orthodox-muslimische Frau mir sagt, dass sie die Steinigung von Ehebrecherinnen befürwortet oder ein Palästinenser, der noch nie außerhalb von Flüchtlingscamps gelebt hat, sagt, dass die Juden ins Meer gejagt gehören.

Auf der anderen Seite bin ich davon überzeugt, dass die Integration der Flüchtlinge unser Land in vielerlei Hinsicht bereichern wird. Ich zum Beispiel habe durch dieses Projekt, das ich mit der nächsten Besetzung in Sand fortführen werde, mehr erhalten als ich investiert habe.

Die Ausstellung wird am Sonntag Birgitt Killersreiter, der Leiterin der VHS eröffnet, Bürgermeister Lutz Urbach wird ein Grußwort sprechen. Als Initiator des Fotografieprojektes werde ich eine Einführung geben. Für die musikalische Einstimmung sorgen Ilkay, Evin und Meral mit anatolischer Musik. Einige der Fotografinnen und Fotografen werden bei der Eröffnung anwesend sein.

Hartmut Schneider

Hartmut Schneider, geb. 1946. Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land. Gearbeitet, studiert und gelebt in Köln. Seit 1983 wohne ich in Bergisch Gladbach. Fotografiebegeistert seit dem 10. Lebensjahr, als eine Agfa Box auf dem weihnachtlichen Gabentisch lag. Als Lehrer habe ich 35 Jahre analoge und...

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