LAS = Legales Anhalter-System würde ich es nennen, eine kostengünstige Maßnahme, die zu einer deutlichen Entlastung des (zunächst) innerstädtischen Verkehrs führen könnte. Wie kann das funktionieren?

Ich möchte zunächst daran erinnern, dass ich wie manche ältere Mitbürger durch das Fahren per Anhalter in den 50er und 60er Jahren auf preiswerte Art und Weise das damalige Europa kennengelernt habe, mit vielen unvergesslichen menschlichen Begegnungen, vielleicht auch manchem Abenteuer. Hinzu kamen auch innerstädtische Fahrten, zum Beispiel zur Schule oder ins Zentrum (von Köln).

Dieses Per-Anhalter-Fahren ist mittlerweile aus etlichen verschiedenen Gründen aus der Mode geraten: aus versicherungstechnischen Gründen, aber auch weil heute viel mehr Menschen –vor allem auch junge Leute- selber ein Auto besitzen, vielleicht auch aus einem allgemein gewachsenen Misstrauen oder der Furcht vor Verbrechen.

Sicherheit ist notwendig

Um nun eine neue Phase des Per-Anhalter-Fahrens zu propagieren und zu installieren, müsste zunächst der Sicherheitsaspekt angegangen werden. Ich stelle mir dazu eine Versicherung vor, die vom Staat oder von den Kommunen abgeschlossen werden sollte, und in der sowohl der aktive Teilnehmer (der Fahrer) als auch der passive Teilnehmer (der Anhalter) gegen Unfälle oder eventuelle Regressansprüche geschützt werden. Dazu hätte jeder Teilnehmer eine deutlich sichtbare Versicherungskarte oder eine Karte, die das System LAS ausweist.

Mit dieser Karte könnte man sich an eine Haltestelle oder auch einfach auf der Straße an einem möglichen Haltepunkt hinstellen und dort auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Vielleicht müssten dazu auf Dauer, wenn das System sich etabliert hat, zusätzliche Haltepunkte an zumindest sehr befahrenen Straßen eingerichtet werden.

Man kann aber ja jetzt schon in vielen Städten ein Taxi auch auf der Straße anhalten. Warum sollte das also nicht mit dieserm vorgeschlagenen LAS-System möglich sein?

Je mehr Mitglieder, desto effektiver

Viele Fahrten aus den Außenbezirken in die Innenstadt und umgekehrt in einem Auto, welches nur von einer einzigen Person besetzt ist, würden somit wegfallen. Natürlich bedürfte es einer entsprechenden Propaganda durch Bund oder Kommunen, wenn man dieses System wirklich will. Und seine Effektivität würde mit der Zahl der Mitglieder enorm steigen.

Lesen Sie mehr: alle Beiträge zum Thema Verkehr

Es muss auch erwähnt werden, dass dieses System nur eine Möglichkeit darstellt, unser Verkehrssystem vor dem schon abzusehenden Kollaps zu retten. Daneben sind natürlich viele andere Maßnahmen nötig, auch Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrs. Doch das ist ein anderes, breiter angelegtes Thema.

Was sonst noch helfen kann

Ich nenne hier lediglich die –meist bekannten- Stichwörter Förderung des Radverkehrs, Förderung von Elektroautos und E-Bikes, Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs durch unterschiedliche Maßnahmen, Dolmuschtaxen, Förderung von Bürgerzentren in Randbezirken. Vor allem letzteres Thema bedarf einer ausführlichen Erörterung.

Der wichtigste Gedanke sollte dabei sein, immer eine Vielfalt von Maßnahmen im Auge zu behalten, nicht eine einzige, angeblich als Allheilmittel wirkende. Diversität ist Trumpf! Weil die Menschen unterschiedlich sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Und nur wenn auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, kann sich etwas ändern.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ich danke für die überwiegend positiven Kommentare, auch auf Facebook. LAS unterscheidet sich von anderen ähnlichen Einrichtungen wie die Mitfahrerzentrale und “Uber” durch 3 Aspekte:
    1. Kostenlosigkeit
    2. Unkompliziertheit (kein Telefonieren)
    3. Geeignetheit für den innerstädtischen Verkehr

    Dieses System böte, wenn es in Bergisch Gladbach angewendet würde, die Gelegenheit, Bergisch Gladbach bundesweit in die Schlagzeilen zu bringen. Eine Imagekampagne sondergleichen! Das müsste doch alle Kommunalpolitiker schon aus diesem Grund zum Nachdenken bringen. Leider erfolgten die entsprechenden Kommentare bisher “nur” von Seiten der Grünen. LAS soll durch die Benutzung der Ausweise das Trampen aus der Schmuddelecke herausbringen. Die Frage ist natürlich, ob es einem Einwand wie dem von Frau Wirrkopf, den ich ernst nehme, ausreichend entgegenkommt. Ich würde mich freuen, wenn der LAS-Gedanke durch weitere Kommentare weiter verfolgt und vielleicht auch verbessert würde.

    Der Zusammenbruch unseres Verkehrssystems ist nicht mehr allzu weit entfernt, wenn nicht entscheidende Weichenstellungen vorgenommen werden, und zwar jetzt!

  2. Die Idee an sich ist nicht schlecht. Ich würde jedoch nur mitmachen, wenn sich sowohl Fahrer als auch Fahrgast ausweisen können, zum “System” zu gehören. Sonst würde ich niemals in ein fremdes Auto steigen, nicht mal mit Hund.

  3. Interessante Idee! Findet in den sogenannten Mitfahrzentralen ja auch schon Anwendung!

    Aus den Diskussionen in der hiesigen Lokalpolitik kann man aber auch schließen, dass eine solche Idee manschen leider zu visionär sein wird!