Das Gelände an der Bensberger Straße soll Container für bis zu 300 Flüchtlinge aufnehmen, ist aber belastet. Rechts die Helene-Stöcker-Siedlung.

Bei der Bürgerversammlung zur Flüchtlingsunterkunft Lückerath hatte das Thema Bodenkontamination eine Rolle gespielt: Anwohner hatten kritisch nachgefragt, warum sie beim Bau ihrer Häuser in der benachbarten Helene-Stöcker-Siedlung den Boden meterweise abtragen mussten, was bei den geplanten Containeranlagen nicht nötig sein soll. Immerhin hatte die belgische Armee das gesamte „Carpark”-Gelände fast 50 Jahre lang für ihren Fuhrpark genutzt und jede Menge Dreck hinterlassen.

Ein Mitarbeiter der Bauverwaltung sagte bei der Bürgerversammlung, die Stadt habe den Boden untersuchen lassen und keine gravierenden Belastungen gefunden. Seine Erklärung: die Belgier hätten den Teil des Geländes nicht für die Fahrzeuge, sondern als Sportplatz genutzt – was dieses Luftbild stützt:

Ein Luftbild aus dem Zeitraum 1988 bis 1994: im Bereich des Sportplatzes sollen die Container stehen. Foto: Geobasis.NRW

Eine Auskunft, mit der gerade einige alteingesessene Lückerather dennoch nicht zufrieden waren – und die auch nur zum Teil stimmt.

Tatsächlich wurden beide Teilbereiche des Carpark-Geländes nach dem Zweiten Weltkrieg von den Belgiern als Betriebshof ihres militärischen Fuhrparks genutzt. Das belegt dieses Luftbild aus dem Jahr 1957 aus dem Stadtarchiv. Im Zentrum der Carpark an der Bensberger Straße, unten rechts das Lokal Kaisersch Baach:

Aufnahme von Hamburger Aero Lloyd, veröfftl. in: Eßer, Albert: Rundflug über Bergisch Gladbach und Bensberg (WL 5/56, WM 3136), Stadtarchiv

Erst später, ab 1976 hatte die  nördliche Teilfläche – dort, wo die Flüchtlingsunterkünfte entstehen sollen – als Sportplatz gedient. Auf dem restlichen Gelände wurden weiterhin Fahrzeuge abgestellt und gewartet, bis die Truppen in den 1990er Jahren abzogen.

Die Stadtverwaltung ist der Sache jetzt noch einmal auf den Grund gegangen und korrigiert ihre Aussagen, kommt aber weiterhin zur alten Schlussfolgerung: Der Boden sei „nicht unbelastet, aber mit entsprechenden Vorkehrungen unbedenklich bebaubar”, heißt es jetzt auf Basis eines Gutachtens.

Ein aktuelles Luftbild – mit der Helene-Stöcker-Siedlung und dem Seniorenwohnheim Lerbacher Wald. Foto: Google Maps

Im Dezember 2015, als der Plan aufkam, auf dem unbebauten Teil des Carpark-Geländes Container für bis zu 500 (später: 300) Flüchtlinge aufzustellen, gab die Stadt ein Bodengutachten in Auftrag. Wie die Verwaltung jetzt einräumt kam der Gutachter zu dem Ergebnis, dass auch im nördlichen Flächenteil Schwermetalle im Boden vorhanden sind.

Insbesondere einzelne Bleiwerte sind demnach höher, als es die gesetzlichen Schadstoffgrenzen vorsehen.

Der Lageplan der Unterkunft in Lückerath. Zwischen Containeranlage und Siedlung wird ein breiter Wall aufgeschüttet, zudem bleibt ein breiter Streifen Brachland.

Gutachten von 1993 und 1994 für das gesamte Gelände

Schon 1993 und 1994 hatten zwei Gutachterbüros den Boden des gesamten Carparkgeländes untersucht, bevor der dortige Bebauungsplan neu aufgestellt wurde. Auch in diesem Bebauungsplan gibt es laut Stadtverwaltung Hinweise zur Belastung: Für eine unbedenkliche Nutzung müsse ein direkter Kontakt mit dem belasteten Bodenmaterialien unterbunden werden.

Das hatte nach Angaben der Bewohner der Helene-Stöcker-Siedlung dazu geführt, dass sie den Boden einen Meter tief abtragen mussten; zur Sicherheit habe sein Architekt sogar drei Meter ausbaggern lassen, sagte ein Anwohner bei der Bürgerversammlung.

Detaillierte Vorgaben

Auch die Autoren des aktuelle Gutachtens empfehlen, jeden Kontakt mit dem möglicherweise kontaminierten Boden zu verhindern; die dafür geplante Maßnahmen fallen aber weniger massiv aus.

Zunächst soll das Gelände mit einer mindestens 30 Zentimeter starken Schicht aus Kies, Sand oder Schottertragschichten überdeckt werden. Anschließend sollen Wege und Straßen gepflastert oder asphaltiert werden.

Die übrigen Freiflächen sollen mit einer Mutterbodenschicht mit Raseneinsaat überdeckt werden. In der Baugenehmigung der zuständigen Behörde für die Wohncontainer sind diese Hinweise aufgenommen worden.

Daher will die Stadtverwaltung jetzt eine Reihe von (weiteren) Sicherheitsvorkehrungen beachten:

  • Aushubmaterialien werden geprüft, bevor sie entsorgt werden.
  • Nicht versiegelte Bereiche rund um die Wohngebäude herum werden „intensiv eingegrünt, um einen möglichen Kontakt mit verbliebenen schwermetallbelasteten Bodenmaterialien weitestgehend zu vermeiden.”
  • In Bereichen, die als Nutzgärten in Betracht kommen, soll der Boden in einer Höhe von 50 Zentimeter ausgetauscht oder aufgestockt werden.

Mit allen diesen Maßnahmen, das betont die Stadtverwaltung, könnten „nach fachlicher Einschätzung gesundheitliche Gefahren aus Bodenverunreinigungen ausgeschlossen werden”. Dem Aufbau der drei L-förmigen, zweistöckigen Containerbauten für bis zu 300 Flüchtlinge stehe daher nichts im Wege.

Weitere Informationen:
Lückerather leisten weiter Widerstand
Rodungen für Container in Lückerath starten, 24.2.2016
Stadt verkleinert Unterkunft für Flüchtlinge in Lückerath, 20.2.2016
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Redaktion

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