Dauerhafte Unterkünfte wie in Lückerath ersetzen die Turnhallen-Provisorien

Die Zahl der Flüchtlinge, die von der Stadt Bergisch Gladbach betreut werden, geht weiter zurück. Die Erstaufnahme im Auftrag des Landes ist auf Null gefallen, die Zahl der ordentlich zugewiesenen Flüchtlinge ist im Juni erneut um gut 30 Menschen auf 1398 gefallen.

Die Zuweisungen durch das Land wurden nicht, wie erwartet, wieder aufgenommen. Da die Bezirksregierung eine Vorwarnzeit und Vorab-Gespräch angekündigt hat ist frühestens im August mit neuen Flüchtlinge zu rechnen. Wieviele das sind ist wie immer völlig unklar, die Stadt kalkuliert nach wie vor mit 70 bis 75 (und nicht mit 40, wie in KSTA/BLZ berichtet) Personen.

Auf dieser Basis würde die geschätzte durchschnittliche Flüchtlingszahl für 2016 von zuletzt 1700 auf rund  1500 schrumpfen. Damit sind die aktualisierten Zahlen, die heute im Haupt- und Finanzausschuss vorliegen, schon wieder reif für die Tonne. Das hat Auswirkungen auf die Finanzen und auf die benötigten Unterbringungskapazitäten.

Die Erstaufnahme in der Turnhalle in Sand ist bereits geräumt, allerdings steht hier die ohnehin lange geplante Grundsanierung aus. Im Moment prüft ein Architekt, ob Sanierung oder Neubau günstiger ist. Wann die Arbeiten beginnen und wann sie abgeschlossen sein könnten ist daher völlig offen.

Die Turnhalle Schwerfelstraße ist bereits wieder an die Schule zurück gegeben worden, hier waren nur ein paar kosmetische Arbeiten nach dem Auszug der Flüchtlinge nötig.

Ein knappes Jahr zurück: Im Oktober war die Dreifachturnhalle Feldstraße in aller Eile umgerüstet worden, erst später wurden Trennwände eingezogen

Die Erstaufnahme in der Feldstraße ist ebenfalls leergezogen, der Vertrag mit dem Land endet an diesem Freitag. Allerdings hat die Stadt hier noch 51 Menschen aus der Regelzuweisung untergebracht, die bis zum 15. Juli in andere Unterkünfte verlegt werden sollen. Dann wird auch hier die Notunterkunft geschlossen, nach den Ferien soll die Turnhalle wieder deutlich früher als geplant für Berufskolleg und Vereine offen sein.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Fuß-, Hand- und Basketballspiele sind hier nicht erlaubt, weil die Deckenkonstruktion saniert werden muss. Auch das ist lange bekannt, die Kosten werden auf 1,4 bis 2 Millionen Euro geschätzt. Wann das geschehen soll ist laut Stadtverwaltung noch offen.

In den Leichtbauhallen in Katterbach mit maximal 350 Betten sind derzeit nur noch 82 Personen untergebracht. Diese Unterkunft zu schließen, wäre die nächste Option. Das DRK hat sein Personal bereits deutlich herunter gefahren, Kündigungen sind von Monat zu Monat möglich.

In der neuen Containerunterkunft in Paffrath (150 Plätze) wohnen mittlerweile 111 Menschen.

Das Kenfenheuer-Gebäude in Heidkamp, das die Stadt seit dem 1. Juni zu Mieten von 11,50 Euro pro Quadratmeter angemietet hat, wurde bislang noch nicht belegt. Über das Internationale Begegnungszentrum, dass hier eingerichtet werden soll, wird noch innerhalb der Verwaltung diskutiert.

Die neue Containerunterkunft in Lückerath schreitet voran, die ersten Module wurden aufgestellt, die Belegung ist ab Herbst geplant.

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Damit scheint die Stadt bei der Unterbringung der Flüchtlinge, für die auch immer noch neue Wohnungen angemietet werden, mittelfristig auf der sicheren Seite zu sein – und auch eine Schließung des Camps Katterbach wäre möglich. Offiziell fährt die Stadt aber hier nach wie vor auf Sicht.

Für den Stadthaushalt bedeutet der Rückgang eine deutliche Entlastung. Bereits vor zwei Monaten hatte die Sozialverwaltung kalkuliert, dass nun doch nicht 20 Millionen sondern nur 15,8 Millionen für die direkten Flüchtlingskosten benötigt werden. Das entspricht einer Entlastung des Haushalts um 4,2 Millionen Euro (siehe Grafik und Dokumentation unten).

Die gesamten direkten Ausgaben im Bereich „Asyl und Integration” hatte die Stadt zunächst mit 28,1 Millionen Euro beziffert; sie steigen nicht wie befürchtet auf 33,7 Millionen, sondern fallen leicht auf 26,6 Millionen Euro. Diese Zahlen stehen in der Vorlage, die heute im Haupt- und Finanzausschuss auf dem Tisch liegen, sind aber schon wieder überholt.

Dokumentation: Mitteilungsvorlage für die Sitzung des HFA

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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