Den Hungerstreik hatte ein Gruppe von Flüchtlingen im Camp Katterbach in der vergangenen Woche nach vier Tagen abgebrochen, jetzt demonstrieren sie auf dem Konrad-Adenauer-Platz für einen Zugang zum Asylverfahren. Rund 40 Männer und Frauen hatten am Montag um zehn Uhr mit ihren Plakaten  unter dem Dach der stillgelegten Bushaltestelle Position bezogen, etwa 20 weitere standen im strömenden Regen für Gespräche bereit.

Die Demonstranten bedankten sich bei Deutschland und zeigten Sympathie für Bergisch Gladbach, drängen auf eine Klärung ihres Aufenthaltsstatus durch einen „gerichtlichen Beschluss” und fragten, wie die Integration unter diesen Bedingungen funktionieren soll.

Die Flüchtlinge gehören zu den rund 1000 Personen allein in Bergisch Gladbach, die bislang noch nicht vom BAMF registriert wurden und daher bislang keinen Zugang zum Asylverfahren haben. (Mehr Infos dazu finden Sie hier.)

Angesichts der Uhrzeit und des miserablen Wetters fand die Demonstration so gut wie ohne Publikum statt. Nur sehr wenige Bürger passierten die Kundgebung. Einige wenige ließen sich im Gespräch von den Flüchtlingen erläutern, warum sie demonstrieren.

Die Stadtverwaltung sieht im Moment keinen Anlass, auf den Protest zu reagieren – da er sich nicht an die Adresse der Stadt richte. Bürgermeister Lutz Urbach könne die Situation zum Großteil nicht ändern, da weder die Verfahrensdauer, noch die Bereitstellung von Mitteln für die Integration der Flüchtlinge eine kommunale Angelegenheit seien. Die Flüchtlinge hätten sich auch nicht aktiv an die Verwaltung gewandt.

Einige der Flüchtlinge setzen dennoch ihre Hoffnungen auf den Bürgermeister: „Er hat mir vor ein paar Wochen zu meinem Deutsch-Abschluss in der VHS gratuliert,” sagt einer der Demonstranten. „Vielleicht kommt er ja noch raus aus dem Rathaus und redet mit uns.”

Aktualisierung 15:00 Uhr: Etwas später bekamen einige Flüchtlinge tatsächlich die Gelegenheit, mit Lutz Urbach im Rathaus zu sprechen. Sie schlossen sich einer von Klaus Farber geleiteten Gruppe an, die ohnehin einen Termin hatte. Urbach nutzte die Gelegenheit, um die Position der Stadt zu erläutern.

Die Demonstranten kamen bis auf wenige Ausnahmen aus dem Camp in Katterbach. Sie hatten nach eigenen Angaben jeweils zwei Euro in einen Topf getan, um Papier, Pappe und Stifte zu kaufen. Das DRK, das das Camp in Katterbach betreut, hält sich strikt neutral. Vertreter von Flüchtlingsinitiativen waren bei der Demonstration nicht zu sehen.

Am Freitag hatten die Flüchtlinge in Katterbach in einer Vollversammlung die Situation diskutiert, den Hungerstreik auch offiziell für beendet erklärt und die Demonstration vorbereitet. Dazu gab es auch am Sonntag eine Zusammenkunft in Katterbach.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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