Als erste Maßnahme zur Umsetzung des Mobilitätskonzeptes Bergisch Gladbach 2030 (MobiK GL) wurden vor wenigen Wochen auf der Kölner Straße beidseitige Radfahrstreifen beziehungsweisen Radschutzstreifen   angelegt. Diese neuen Wege haben wir vom ADFC inzwischen ausprobiert. Dabei sind uns mehrere Sachen aufgefallen.

Diese Streifen, in anderen Orten schon lange vorhanden (und schon unkenntlich gefahren), sehen hier in Bergisch Gladbach neu, erfrischend, ja schon fast revolutionär aus. Als Radfahrer merkt man zum ersten Mal, dass hier seit einiger Zeit ein neuer (Fahrrad-)Wind weht.

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Die Kölner Straße zu befahren, war bisher für Radfahrer eher unangenehm – jetzt fühlt es sich relativ sicher an. Die Autos blieben auf „ihrer” Seite und die Radfahrer durften sogar an der Ampel ganz nach vorne.

Ich kann nur alle Radler auffordern, diesen Weg zu befahren, um das neue Feeling zu erleben.

Die Fahrplanaufteilung auf der Kölner Straße

Der Verwaltung von Bergisch Gladbach gebührt ein dickes Lob, dass sie sich über die Widerstände hinweggesetzt hat. Weiter so – es gibt noch viel zu tun!

Nun noch ein Wort zu den weggefallenen Parkplätzen: Wir alle werden in den nächsten Jahren Änderungen erfahren, das betrifft nicht nur unsere Stadt, sondern die Neuaufteilung des Straßenraumes wird in ganz Deutschland angegangen. In Großstädten anderer Länder funktionieren alternative Verkehrsmodelle bereits, so z. B. in Amsterdam, Kopenhagen, Utrecht, Sevilla oder Bordeaux.  Auch in Deutschland werden die Zweiradfahrer – mit und ohne Elektroantrieb – die Nutznießer sein; das ist politischer Konsens, insbesondere im Hinblick auf eine lebenswerte Zukunft.

Je sicherer das Radfahren, desto leichter fällt der Umstieg

Denn: Es kann und wird mit dem anwachsenden Verkehr nicht so weitergehen, wie wir das aktuell erleben – nicht nur im Hinblick auf Ressourcen-Knappheit und Schadstoffausstoß. Vielmehr hat mittlerweile der “Nerv-Faktor” verstopfter Straßen und fehlender bzw. teurer Parkmöglichkeiten die Schmerzgrenze erreicht. Das spiegelt sich in zunehmender Aggressivität – nicht nur im Straßenverkehr – wider.

Ein erster lokaler Schritt zur Beruhigung der Situation ist die Schaffung alternativer Wege, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Fahrradschutzstreifen in der Kölner Straße ist so ein Weg.

Je sicherer, komfortabler – und letztendlich auch schneller –  man mit dem Rad voran kommt, umso mehr Spaß macht Radfahren und umso leichter fällt das Umsteigen von vier auf zwei Räder. Denjenigen, deren Parkplätze wegfallen, schlagen wir vor, probeweise ihr Rad aus dem Keller zu holen und die Emanzipation vom Auto einfach mal auszuprobieren.

Ausschüsse verabschieden Mobilkonzept

Häufig ist es leider nicht unbedingt die Vernunft, die einen Wechsel der Mobilität vorantreibt. Beispielsweise geben in Großstädten bereits viele ihr Fahrzeug auf, weil sie es satt haben, abends nach der Arbeit noch eine Stunde und mehr das Viertel auf der Suche nach einem Parkplatz zu umkreisen. Erst dann werden ÖPNV oder das Fahrrad als Alternative interessant.

Die Hoffnung ist, dass ab 2030 die Sache mit den Diesel- und Benzinmotoren ein Ende hat. Es lohnt sich für uns alle: Der Lärm wird reduziert und die Luft, heute mit Feinstaub und übel riechenden, gesundheitsschädlichen Abgasen erfüllt, wird wieder atembar, insbesondere beim Radfahren.

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Bernhard Werheid

Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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1 Kommentar

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  1. Wann hat denn der ADFC die beiden Radfahrer erwischt, die auf dem Foto zu sehen sind?

    Es ist ohne Zweifel sehr richtig, dass dem motorisierten Individualverkehr endlich Einhalt geboten werden muss. Dass da die Rdfahrer und ihr Verein vorangehen wollen, ist auch absolut legitim. Nur sollten sie nicht außer 8 lassen, dass sie hier auf einen Zug springen, den BIs, besorgte Bürger,die Grünen und die Politiker, die wissen, wovon sie reden, losgeschickt haben, um auf die Missstände in der Stadt hinzuweisen. Früher war vom ADFC wenig zu hören, jetzt will er mitfahren.

    Den himmelwärts rechts liegen Weg hätte man sich sparen können, da fährt keiner bis noch weniger. Die Wege als sicher und komfotabel zu bezeichnen hilft höchstens, den eigenen Anspruch zu beruhigen. Die Wirklichkleit sieht anders aus. Die Kölner Straße ist auch stark von Bussen und LKWs genutzt. Ein solchess Fahrzeug muss sich nur auf der einen Straßenseite bewegen, und schon ist die Gefaht für Radfahrer groß. Aus diesem Grund und wegen der Steigung Richtung Berg befährt so gut wie kein Radfahrer diesen Radweg. Daraus jetzt eine Errungensschaft für Radfahrer zu machen und die Verwaltung über den grünen Klee zu loben ist reiner Populismus. Ich halte die beiden, kaum 100 m langen (!?) Streifen für ein reines Alibi und der ADFC fällt drauf rein.