Paula Wiefering, Konrad Müller, Lutz Urbach, Rolf Schmid, Simon van Elten (hinten) und Jana Bittner.

Paula Wiefering, Konrad Müller, Lutz Urbach, Rolf Schmid, Simon van Elten (hinten) und Jana Bittner.

Jugendliche und junge Erwachsene haben ihre eigene Sicht auf  Bergisch Gladbach und lokale Projekte  – zum Beispiel in Sachen Flächennutzungsplan. Das wurde jetzt bei einem Pressegespräch des sogenannten „Team Zukunft” mit Bürgermeister Lutz Urbach deutlich. Bezahlbarer Wohnraum, bessere öffentliche Verkehrsverbindungen und mehr Freizeitangebote stehen auf der Prioritätenliste ganz oben; für den Protest gegen neue Baugebiete gibt es weniger Verständnis. 

Eigens für den Neujahrsempfang von Bürgermeister Lutz Urbach im Bergischen Löwen war das „Team Zukunft” zusammen gestellt worden – dem mit Paula Wieferig, Simon van Elten, Jana Bittner, Rolf Schmid, Jana Koch und Konrad Müller sechs Jugendliche angehörten, die Bildungseinrichtungen in Bergisch Gladbach besuchen. Immerhin trug der Empfang das Motto „Mit jungen Menschen Zukunft gestalten – leben und arbeiten in Bergisch Gladbach”.

BürgerportalTV: „Am Ende zählt das Allgemeinwohl”

Allerdings hatten sich die älteren Protagonisten des Empfangs nicht an ihre Redezeiten gehalten, ausgerechnet der Auftritt des Zukunftsteams fiel aus. Nur der kurze Film, in dem die junge Gruppe Passanten nach ihrer Meinung zur Stadt und ihrer Führung befragt hatten, wurde gezeigt.

In dem Film waren der Bürgermeister und die Verwaltung nicht so gut weg gekommen, dabei stehen die Jugendlichen inhaltlich eher auf Seiten der Stadtspitze – die sich dafür stark macht, dass der neue Flächennutzungsplan neben Gewerbegebiete auch große potenzielle Flächen für den Wohnungsbau bereit stellt. 

„Für wen machen wir das eigentlich?”

Urbach war es wichtig, auch den jungen Stimmen Gehör zu verschaffen – denn sie seien es ja, für die die Stadt plane: „Ich werde nicht mehr Unternehmer und werde wohl auch nicht bauen – aber vielleicht meine Kinder. Und die würden dann Gewerbe- oder Bauflächen brauchen.”

Über das NCG, die FHDW und die Handwerkskammer hatte Anne Linden, die den Neujahrsempfang in der Verwaltung organisiert, ein paar Jugendliche gefunden, die bereit waren, sich mit dem Thema zu befassen – oder über den Flächennutzungplan schon im Erdkundeunterricht gesprochen hatte. 

Fächerpalette der FHDW reicht vielen nicht aus

Mit dem lokalen Studienangebot sind die meisten Oberschüler nicht zufrieden, die Fächerpalette der FHDW reicht für viele Studienwünsche nicht aus. Daher gehen sie in der Regel davon aus, schon bald zum Studium weg zu ziehen. Aber sie schließen nicht aus, später zurückzukommen – und sehen Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden. 

Das ist ein Problem, mit dem Studenten und Auszubildende bereits jetzt kämpfen. Ein halbes Jahr habe sie gesucht, bevor sie ein Unterkunft in Bergisch Gladbach gefunden hat, berichte Jana Bittner, die aus Marburg stammt und an der FHDW studiert. 

„Warum gibt es hier nicht mehr Hochhäuser?”

Ähnlich geht es Simon van Elten, Auszubildender zum Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima bei der Firma Verbert. Er würde gerne in der Nähe der Arbeitsstelle wohnen, fand aber bezahlbare Wohnungen erst in Kürten – und wohnt zunächst einmal bei seiner Schwester in der Stadt. „Hier müsste ich mindestens 13 Euro zahlen, mehr als acht Euro sind bei mir aber nicht drin”, berichtet er. Weiter draußen zu wohnen würde neue Probleme geben – denn außerhalb der Stoßzeiten seien die Busverbindungen schlecht. 

Aber auch van Elten ist es wichtig, dass die Natur rund um Bergisch Gladbach nicht zugepflastert wird. Daher plädiert er offensiv für eine Verdichtung: „Warum gibt es in der Stadt nicht mehr Hochhäuser?”

Macht aus Bergisch Gladbach eine Stadt!

In Nussbaum wohnt der NCG-Schüler Konrad Müller, wo er die Debatte über das Nussbaumer Wiese und das „Kölner Fenster” mit Kopfschütteln beobachtet. Viele Anwohner lehnten sie Pläne ab, kaum jemand denke über die Argumente nach, die dafür sprächen. 

FNP: Nussbaum fordert Dialog ohne Vorfestlegung

Rolf Schmid, der Wirtschaftsingenieurwesen in Aachen studieren möchte, hatte im Erdkunde LK eine Facharbeit zur Überplanung des Buchmühlenplatz geschrieben und lobt die Nachhaltigkeit des Projektes; vor allem das Konzept eines Wohnhauses auch für Behinderte und sozial Schwächere des Vereins MiteinAnders

mitein-anders arbeitet an zwei konkreten Projekten

Paula Wiefering hatte sich ebenfalls am NCG in einer Projektwoche bereits mit dem Flächennutzungsplan beschäftigt. Dabei hatten die Schüler sogar schon Pläne für das Zanders-Gelände entwickelt. Nach dem nicht ganz ernst gemeinten ersten Vorschlag (noch ein Shoppingcenter) hatte die Gruppe dann eine gemischte Nutzung von Wohnen und Gewerbe mit viel Grünflächen vorgeschlagen. 

Team Zukunft am Ende – Jugendrat geht an den Start

Das „Team Zukunft” hat seinen Auftrag mit dem Pressegespräch erfüllt und die gemeinsame Arbeit beendet. Die Mitglieder würden es aber begrüßen, wenn es in Bergisch Gladbach ein politisches Forum für Jugendliche wie zum Beispiel ein Jugendparlament geben würde. Nur wenige Stunden nach dem Gespräch, wurde bekannt, dass genau so etwas – von einer ganz anderen Gruppe und völlig unabhängig von der Verwaltung – gerade geplant ist.

Weitere Beiträge zu den genannten Themen:

Das müssen Sie zum Flächennutzungsplan wissen

Flächennutzungsplan: Wer sich (nicht) wehrt

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Wie man heute im Kölner Stadt-Anzeiger lesen kann, bin ich nicht die einzige Leserin, der dieser Artikel übel aufgestoßen ist. Aus meiner Sicht wurden hier 5 Jugendliche instrumentalisiert. Allein schon die Vermarktung des Artikels mit der Überschrift “fordern Wohnraum” passt doch “zu perfekt” in das Vorhaben der Stadt, sich an der Bebauung von Landschaftsschutzgebieten und anderen schützenswerten Grünflächen für die Naherholung zu bereichern. Die Stadt lässt auch regelmäßig Unternehmer für ihren FNP in der Öffentlichkeit sprechen und merkt nicht, dass diese lächerlichen PR-Kampagnen den Bürger noch wütender machen.

    Wie auch im heutigen Leserbrief eines Herrn Krämers, den ich nicht kenne, steht, kommen die 4600 Eingaben bzw Kritikpunkte der Bergisch Gladbacher in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung gar nicht vor. Da fühlen sich die Bürger erneut für dumm verkauft. Wer fällt denn auf solche PR- Veranstaltungen und Parade – Interviews für den FNP rein, wenn einem der Lebensraum weggenommen wird? Zumal die ganze Stadt dagegen ist!

    Hier ein paar Fotos von einer Fläche, welche die Stadt zerstören will:
    https://www.facebook.com/Naherholungsgebiet.Nussbaum/
    So eine Idylle muss man doch für die nächsten Generationen erhalten! An dieser Meinung der Bevölkerung können alle Manipulationsversuche auch nichts ändern.

  2. Liebe Jugend,

    ich kann eure Sichtweise zwar verstehen, aber leider sieht die Realität anders aus… Mehr Wohnungen heißt nicht billigere Wohnungen, denn wie schon der Mietspiegel für Bergisch Gladbach (und alle anderen Städte) klar aufzeigt: Neue Wohnungen sind IMMER teurer als ältere. Wo in Bergisch Gladbach man allerdings 13 Euro zahle soll ist mir höchst unklar, zumal das auch weit über dem Mietspiegel liegt und somit nicht legal ist. Der Mietspiegel für Bergisch Gladbach liegt bei maximal ca. 11€, über diesem darf der Vermieter maximal 10% drüber liegen => 12,10€. Der Durchschnitt der Mieten liegt aber WEIT darunter. Meine Frau und ich vermieten selbst, sind Mitglied bei Haus und Grund und kennen auch viele andere Vermieter. Das Bild das euch hier gezeichnet wird entspricht leider nicht wirklich der Realität…

    Es werden zudem jetzt schon pro Jahr zwischen 300 und zuletzt 600 neue Wohneinheiten im Stadtgebiet geschaffen. Im Schnitt der letzten 20 Jahre sind so locker geschätzt 6.000 – 10.000 Wohneinheiten (Wohnungen, Häuser etc.) entstanden. Sind die Mieten deswegen gesunken oder die Grundstückspreise? Nein, ganz im Gegenteil… Als ich meine erste Wohnung 1992 bezogen habe, haben wir 6,00DM (heute 3€)/m² im Altbau bezahlt. Gleiche Wohnungen würden heute etwa 8 – 9 € kosten – trotz zig tausend neuer Wohnungen und Häuser. Wo bitte ist da der positive Einfluß zu sehen von Bauen auf den Mietpreis? Grundstücke haben noch vor 20 Jahren in Nussbaum um die 200DM gekostet, wir liegen jetzt bei ca. 400€, also dem 4-fachen. Trotz zusätzlicher Siedlungen (Nussbaumer Wiese, Nussbaumer Bungert, Steinerne Kreuz usw. usw. usw). Wo also ist die lenkende Wirkung, die Herr Urbach hier sieht? Sie existiert nicht, ganz im Gegenteil: Neue Wohnräume ziehen in erster Linie zusätzliche Menschen in die Stadt. Es ist genau umgekehrt wie man euch glauben machen will: es gibt diesen massiven Siedlungsdruck nicht, der entsteht erst, wenn mehr Wohnraum da ist…

    Mit Stadt ist aber hier wahrscheinlich Köln gemeint, da zahlt man in der Tat je nach Stadtteil deutlich mehr, teilweise sogar bis 15 oder 16€. Das ist immer noch gut, in München werden teilweise über 25€/m² gezahlt, Berlin und Stuttgart sind ähnlich teuer, Frankfurt auch. Köln ist da noch moderat…

    Und bitte lasst euch von Herrn Urbach und anderen keinen “Bären aufbinden”: die “älteren” sind nicht gegen eine Bebauung sondern gegen einen Raubbau an den Erholungsgebieten der Stadt. Was Herr Urbach und der FNP wollen, ist schlicht und ergreifend mehr Gebiete ausweisen anstatt bestehende Gebiete besser zu nutzen, da diese Strategie für die Stadtkasse deutlich lukrativer ist. Da ist dann das Bürgerwohl nicht so wichtig, Naturschutzgebiete mit nomadischem Wildbestand werden umbaut, wodurch dort der Tierbestand abwandert und die Biotope ihren Charakter verlieren. Hauptsache, die Stadtkasse klingelt.

    Ihr habt ja selbst auch erkannt, das “höher Bauen”, also Verdichtung der Fläche das Thema sein kann. Es gibt aber auch andere Bereich und auch viele Städtische Brachflächen, die Herr Urbach nicht angehen will. Warum ist klar: hier würde er bzw. die Stadt keine zusätzlichen 25% Flächen von den Bürgern abkassieren und diese dann höchst bietend verkaufen können…

    Sprecht daher gerne auch uns mal an, die wir uns intensiv mit dem Thema ebenfalls beschäftigt haben und immer noch beschäftigen. Schonen der Ressourcen und gleichzeitig Wohnraum schaffen müssen keine Widersprüche sein, auch wenn das die Stadtplanung und Herr Urbach euch so einimpfen möchten. Hört euch doch einfach auch mal die Argumente der Gegenseite an und schaut mal, ob wir wirklich gegen eine Bebauung sind.

    Konrad, Rolf, ihr kennt mich ja. Kommt doch einfach mal rum und wir sprechen drüber :-)

    LG

    Lothar Eßer