Zwei junge Männer haben sich vorgenommen, eine Lücke in der politischen Szene Bergisch Gladbachs endlich zu schließen: Marten Pigorsch und Paul Pütz rufen zur Gründung eines „Gladbacher Jugendrats” auf. Eine Website haben sie bereits eingerichtet, die konstitutierende Sitzung soll am 8. Februar stattfinden, möglichst im Ratsaal des historischen Rathauses. 

Dabei streben die beiden 20-Jährigen keine formelle städtische Institution wie den Integrations- oder den Seniorenrat an, sondern ein informelles Forum für alle Bergisch Gladbacher zwischen 14 und 24 Jahren. „Wir wollen, dass wir Jugendliche unsere eigenen Interessen diskutieren, in der Öffentlichkeit vertreten und auch im Stadtrat einbringen”, erläutert Pigorsch. Paul Pütz tritt demächst ein Studium an und ist gerade im Ausland unterwegs; daher muss sein Mitstreiter das Konzept im Moment alleine vorstellen – das durch eine Veröffentlichung in der Facebook-Gruppe „Politik in GL” voreilig in die Öffentlichkeit geraten war.

Das Projekt „Für eine Woche Politiker” besuchte auch Bürgermeister Lutz Urbach 

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Pigorsch hat sich bislang vor allem in der Pfarrjugend St. Clemens in Paffrath engagiert, hat nach der Realschule eine Lehre begonnen und abgebrochen und ist jetzt Selbständig im Bereich Handwerkerservice. Politisch interessiert ist er schon lange, und er hat einen entsprechenden Freundeskreis. In der Realschule im Kleefeld hatte er auch die Aktion „Für eine Woche Politiker” kennen gelernt (Details siehe unten). 

Diese Clique hatte im Herbst spontan beschlossen, zum Auftritt des AfD-Sprechers Jörg Meuthen im Bergischen Löwen eine Gegendemo zu organisieren. Die war dann unbeabsichtigt ins Fahrwasser der Linken geraten, wurde aber dennoch zur Initialzündung für der Initiatitve für den Jugendrat, die mit der Linken oder anderen Parteien nichts zu tun hat.

„Wir haben zuerst sogar darüber nachgedacht, selbst eine Partei zu gründen”, berichtet Pigorsch. Das war dann aber doch zu aufwendig, daher sei die Idee eines Jugendrats entstanden. Dafür gibt es in anderen Städten Vorbilder – woraus die beiden Initiatoren ein eigenes Konzept bastelten, eine Website auf eigene Kosten einrichteten und mit Inhalten bestückten. 

Jeder ist stimmberechtigt, jeder kann Themen vorschlagen

Dabei handelt es sich nicht um ein Jugendparlament mit festen Mitgliedern wie zum Beispiel in Kürten, sondern um eine regelmäßige offene Versammlung. Alle sechs Wochen sollen sich die Interessierten treffen, stimmberechtigt ist jeder zwischen 14 und 24 mit Wohnsitz in Bergisch Gladbach. Themen kann jeder über die Website einreichen, dort wird auch abgestimmt, was diskutiert wird. 

Das könnte, so Pigorsch, zum Beispiel der Flächennutzungsplan sein. Aber eben auch Themen wie Aus- und Fortbildung, ein Skatepark oder Jugendzentren. Im Idealfall soll der Jugendrat eine Position erarbeiten, die dann von einer kleinen Arbeitsgruppe ausgearbeitet, noch einmal diskutiert und dann in die Öffentlichkeit oder auch in den Rat getragen werden soll. 

Bei der ersten Sitzung am 8. Februar sollen Satzung und Konzept diskutiert werden, bei einer zweiten Sitzung dann ein Leitungsteam und ein Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit gewählt werden. Für die Satzung gibt es bereits einen Entwurf (siehe Dokumentation unten).

Unterstützung erhofft sich Pigorsch von allen Jugendeinrichtungen, mit der Katholischen Jugendagentur und dem Q1 Jugendzentrum hat er bereits Kontakt aufgenommen. Viel Geld sei nicht notwendig, man brauche nur einen Versammlungsraum und einige Flyer. 

Inzwischen hat sich Pigorsch schriftlich an Bürgermeister Lutz Urbach gewandt, um das Projekt vorzustellen. 

Weitere Informationen finden sich auf der Website „Gladbacher Jugendrat” und auf Facebook

Zum Hintergrund: Vor sieben Jahren hatte die Linke-Fraktion im Stadtrat vorgeschlagen, ein Jugendparlament einzurichten, war damit aber gescheitert. Schon 1999 hatte der Stadtrat einen Prüfauftrag für ein Partizipationsmodell für Jugendliche beschlossen, daraus hatte ein interfraktioneller Arbeitskreis das Projekt „Eine Woche Politiker” entwickelt, das seither in unterschiedlichen Schulen, zuletzt vor allem im Kleefeld, durchgeführt wird. Berichte darüber finden Sie hier und hier. Mit der Kiditiative hatte es zudem eine Partei gegeben, die von Jugendlichen gegründet worden und sogar im Stadtrat vertreten war.

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Dokumention: Satzungsentwurf

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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