Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: Was läuft in Bergisch Gladbach nicht so toll, was könnte schöner sein? Dann mussten Vorschläge her – inklusive der  Finanzierung. Eine Schulwoche hatte der Sowi-Kurs der 8. Stufe der Realschule am Kleefeld bei einer Projektwoche Zeit. Am Ende standen sechs konkrete Ideen, die die 25 Schüler dem echten Bürgermeister von Bergisch Gladbach, Lutz Urbach, präsentierten.

Einige der Kritikpunkte wird Urbach nicht gerne gehört haben, er hat sie schon zu oft gehört. Die neue Fußgängerzone sei trist und kalt, viele Geschäfte in den Einkaufszentren langweilig, das Viktoria-Kino habe eine schmerzhafte Lücke hinterlassen, der Busverkehr verlaufe nicht gerade reibungslos – und warum eigentlich gibt es immer noch keinen Skate- und Freizeitpark?

Bei der abschließenden Abstimmung zeigte sich, dass den Schülern vor allem das Thema Kino auf den Nägeln brennt. Gleich zwei der Arbeitsgruppen beschäftigten sich damit, am Ende zog der Vorschlag die meisten Stimmen auf sich, nach dem Wegzug der Stadtverwaltung vom Konrad-Adenauer-Platz dort ein neues Kino zu bauen.

Lutz Urbach in der Realschule im Kleefeld

Der Bürgermeister nahm den Ball auf: das alte Viktoria-Kino habe nicht mehr in die Zeit gepasst, aber er habe bereits mit dem Betreiber des Bensberger Cineplex darüber gesprochen. Und der sei durchaus bereit, über ein neues Kinozentrum in der Innenstadt nachzudenken. Allerdings: der Umzug der Stadtverwaltung in einen Neubau am S-Bahnhof werde gerade erst durchgerechnet. Doch wenn das finanzierbar sei, dann stünde das schon in drei Jahren an.

Zur Kritik an der Fußgängerzone erläuterte Urbach, dass der Architekt sich bei seiner (vom Stadtrat genehmigten) Planung durchaus etwas gedacht habe: er wollte mal richtig aufräumen. Ein paar Blumenkübel, wie von den Schülern vorgeschlagen, könnten da schon etwas bringen. Aber sie müssten zum Stil des neuen Pflasters passen.

Die Projektwoche geht auf eine Idee der Kiditiative zurück und wird vom Leiter
des Ufo-Jugendkulturhauses, Guido Lohmar,und Petra Liebmann vom Jugendamt 
organisiert. Bislang jedes Jahrin der Realschule im Kleefeld. Aber es spricht 
nichts dagegen, dass sich auch andere Schulen so eine Projektwoche mal vornehmen.

Was die Geschäftswelt in Bergisch Gladbach angeht, hatten die Schüler ebenfalls eigene Vorstellungen. Dass H&M kommt, begrüßen sie einhellig. Aber in der RheinBerg-Galerie und im Marktkauf gebe es viel zu viele überflüssige Geschäfte. Optiker und Unterwäsche zum Beispiel.

Urbach warb dafür, dass es doch auch für das “Mittelalter” wie ihn selbst und auch für die Senioren Geschäfte geben müsse. Aber er würde einen Kontakt zu den Betreibern der Einkaufszentren herstellen, die interessieren würde, was bei der Jugend gefragt sei. Im Marktkauf sei bereits aufgefallen, dass das Konzept nicht stimmt – hier werde der Lebensmittelmarkt womöglich verkleinert, statt dessen könne man zum Beispiel ein Sportgeschäft ansiedeln.

Bei der Kritik der Schüler an ganz bestimmten Busverbindungen (“die 430 überfliegt an der Hebborner Kirche oft die Haltestelle”, “wir brauchen einen dritten Schulbus”), wurde Urbach hellhörig. Die Schüler berichteten, dass die Wupsi zwar automatisch zähle, wieviele Schüler durch den vorderen Eingang im Bus einsteigen – aber nicht diejenigen, die hinten einstiegen. Daher seien die offiziellen Nutzungszahlen weit niedriger als die echten.

“Ihr seid wertvolle Unternehmensberater für uns”, lobte Urbach. Dass es diese Zählungen überhaupt gebe, höre er zum ersten Mal. Und auch die Spezialisten in der Stadtverkehrsgesellschaft wüssten nicht immer, bei welchen Buslinien es hakt: “Wer den ganzen Tag im Rathaus sitzt, kann das alles nicht wissen.”

Das Projekt Freizeitpark

Auch die Forderung nach einem Freizeitpark auf dem brachliegenden Gelände an der S-Bahn waren nicht neu. Hier könne man doch, so die Schüler, ein Gelände für Skater, Radfahrer, Inliner und Parcour-Fans einrichten. Sicher nicht billig, aber eine echte Lücke, trugen die Schüler vor.

Genau das habe die Stadt vorgehabt, berichtet Urbach. Die Pläne seien weit fortgeschritten gewesen, dann aber an zwei Dingen gescheitert. Erstens an den Anwohner, die Angst vor Lärm gehabt hatten und protestierten. Zweitens an den Jugendlichen selbst: in der Facebook-Gruppe “Wir wollen einen Skatepark in GL” habe er nach Leuten gefragt, die sich für ein solches Projekt wirklich stark machen wollen.

Das Ergebnis, so Urbach, habe ihn frustriert: “Gerade mal drei Jugendliche haben sich gemeldet. Dafür ist mir der Aufwand, mich mit den Anwohner anzulegen, dann doch zu hoch. Da muss mehr Eigeninitiative kommen.”

Damit die Ergebnisse der Projektwoche im Kleefeld nicht auf ähnliche Weise versickern, verteilte der Bürgermeister am Ende ein paar Hausaufgaben. Für die drei Projekte, die die Schüler am wichtigsten fanden (Kino, Geschäfte, Stadtbild), suchte er sich jeweils einen Ansprechparter, gab denen seine Visitenkarte – und den Auftrag, ihre Wünsche per Mail zu formulieren.

Preiswerter kann er eine kompetente Unternehmensberatung nicht bekommen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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