Der Kartenausschnitt zeigt eine Großteil der Maßnahmen. Die ganze Karte finden Sie weiter unten

Verkehr überschreitet Stadtgrenzen, Verkehrsprobleme sind daher von benachbarten Städten häufig nur gemeinsam zu lösen. Daher hatte Bürgermeister Lutz Urbach Vertreter der Städte Bergisch Gladbach und Köln, des Rheinisch-Bergischen Kreises und des Region Köln/Bonn e.V. an einen Runden Tisch „Verkehr im Rechtsrheinischen“ eingeladen, der jetzt die Ergebnisse seiner Beratungen vorstellte.

Herausgekommen ist allerdings kein Konzept, sondern eine Liste mit 33 Prüfaufträgen und Einzelmaßnahmen. Allerdings, ein Projekt wird zweimal genannt (7 und 9).

Die Maßnahmen zielen darauf ab, den Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel und den Radverkehr umzuleiten. So wollen der Rheinisch-Bergischen Kreis und die Stadt Köln ein gemeinsames Konzept für regionale Radwege entwickeln. Schnellbusse sollen den ländlichen Raum besser mit dem S-Bahnverkehr verbinden und Pendler zum Umsteigen bewegen. 

Mitglieder des Runden Tisches präsentieren die Ergebnisse.

Damit sind die beiden einzigen wirklich neuen Konzepte bereits genannt, alle anderen Maßnahmen sind alte Bekannte wie das zweite S-Bahngleis, der sechsspurige Ausbau der A4 oder die Verlängerung der Linie 1. Eine Übersicht aller 33 Maßnahmen finden Sie ganz unten)

Die kurzfristigen Maßnahmen ( bis vier Jahre)
Änderung Signalisierung Bergisch Gladbacher Straße, Johann-Bensberg Straße

Umweltsensitive Ampel Clevischer Ring/Bergisch Gladbacher Straße bei Erhalt des ÖPNV-Vorrangs

Tempo 30 aus Lärmschutzgründen Bergisch Gladbacher Straße vom Clevischen Ring bis Stadtgrenze

Anlage eines Radschutzstreifens in Dellbrück auf der Bergisch Gladbacher Straße zwischen Eschenbruchstraße und Möhlstraße

Einziehung einer Spur im Bereich der zweispurigen Richtungsfahrbahn der Bergisch Gladbacher Straße

Prüfung möglicher Radschnellwege/ Regionaler Radweg zwischen Köln , Bergisch Gladbach und Rheinisch Bergischen Kreis

Prüfung, ob Kapazitäten der P + R-Anlagen an der Haltestelle Thielenbruch, Bahnhof Dellbrück und Haltestelle Duckterath möglich und gegebenfalls Alternativen prüfen

Prüfung der Veränderung der Tarifgrenze zwischen Köln und Bergisch Gladbach durch den VRS Ausbau

Bike + Ride System an allen Haltestellen

Barrierefreier Ausbau S-Bahnhof Bergisch Gladbach

Verteilung des Anschlussverkehrs der S11 in Köln Deutz

Die mittelfristigen Maßnahmen (5 – 8 Jahre)
Umbau Kreuzung Bergisch Gladbacher Straße A 3

Lärmoptimierter Belag Bergisch Gladbacher Straße vom Clevischen Ring bis Von-Quadt-Straße

Prüfung der Umweltampel bzw. Optimierung der Lärmschutzanlage zur Vermeidung von Schleichverkehren zur Stadtgrenze Bergisch Gladbach

Herstellung einer durchgehenden Radverkehrsanlage auf der Bergisch Gladbacher Straße möglichst auf der Fahrbahn (siehe auch kurzfristige Projekte)

Zweigleisieger Ausbau S 11 K-Dellbrück – Bergisch Gladbach, um 10-Minuten-Takt fahren zu können Erhöhung P+R Duckterath, Car Sharing, B+R

Neubau S-Bahnhof Köln-Kalk West (CFK-Gelände/Odysseum)

Neubau S-Bahnhof Köln-Berliner Straße (S 6)

Neue Schnellbuslinien von Kürten bis Bensberg zur Linie 1

Neue Schnellbuslinien von Kürten bis Bergisch Gladbach S11

Regionalradwege Ausbau regionaler Radwege insbesondere interessant für Pendler in Richtung Köln/Leverkusen Kreisweite Betrachtung notwendig

Schnellbuslinie Erschließung Wermelskirchen und Burscheid unter Einbeziehung Schienenverkehr entlang der Rheinschiene

Schnellbuszubringer Altenberg – Odenthal – Schildgen – Köln-Mülheim (Wiener Platz)/zur Linie 4

Schnellbuszubringer RBK- OBK- RSK zu Haltestellen RB 25 Mobilstationen fördern

Die langfristigen Maßnahmen (mehr als 8 Jahre)
Neue S-Bahnlinie S 16 Köln – Leverkusen-Rheindorf (10- Minuten-Takt mit S 6)

Kapazitätserhöhung auf der Linie 4 im Rechtsrheinischen

Verlängerung der Linie 4 6-spuriger Ausbau A4 von AK Köln-Ost bis AS Moitzfeld

Vollanschluss AS Mülheim und Anbindung am Dünnwalder Kommunalweg

RRX-Halt in Köln Mülheim

Verlängerung Linie 1 bis AS BAB A4 Moitzfeld / Wohnpark bzw. bis Herkenrath /Spitze

L 286 N (Autobahnzubringer auf der Bahndamtrasse)

Aber allein die Tatsache, dass alle Akteure diesen Katalog  gemeinsam zusammen getragen und sich zur Umsetzung verpflichtet haben, wurden von Urbach, von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, von Landrat Hermann-Josef Tebroke und von Reimer Molitor, Geschäftsführer des Region Köln/Bonn e.V., als Erfolg gewertet. „Die Herausforderungen betreffen uns alle gemeinsam, jetzt gehen wir sie auch gemeinsam an”, sagte Reker bei einer Pressekonferenz in Bensberg. 

Köln steht unter einem besonderen Druck, weil entlang der Bergisch Gladbacher Straße die Luft so stark verschmutzt ist, dass Fahrverbote drohen. Bergisch Gladbach leidet vor allem unter den Staus, die den Verkehr zu den Autobahnanschlüssen und nach Köln hinein erschweren. Daher können auch Bergisch Gladbacher von Maßnahmen auf Kölner Gebiet profitieren – vor allem von einigen Verbesserungen auf der Bergisch Gladbacher Straße und einem Ausbau der Autobahnanschlussstelle Köln-Mülheim.

Bei den mittel- und langfristigen Projekten geht es häufig um den Schienenverkehr wie dem Bau neuer S-Bahnhöfe in Köln, dem RRX-Halt in Mühlheim oder der Verlängerung der KVB-Linie 1.

Obwohl der ÖPNV und der Radverkehr im Fokus stehen finden sich auf der Liste auch einige Themen, die den Autoverkehr fördern, um Staus abzubauen. Das Thema Elektromobilität sucht man auf der Liste vergeblich; allenfalls bei der Förderung von Mobilstationen sollen Lademöglichkeiten integriert werden.

Der Runde Tisch tagte im Kardinal-Schule-Haus in Bensberg – mit Blick über die Kölner Bucht

Im Moment betonen alle Akteure ihren breiten Konsens, ein paar alte Streitthemen wurde dennoch nicht ausgeräumt. So erreichten die Kölner, dass „die Sinnhaftigkeit einer Umweltampel im Bereich der Stadtgrenze zu Bergisch Gladbach” geprüft wird.

Auch die L 286 N, als Autobahnzubringer auf der Bahndammtrasse bekannt, taucht auf der Maßnahmenliste auf. Allerdings bei den langfristigen Zielen als letztes Projekt. Die Kölner Vertreter betonten, dass es sich dabei um ein ausschließlich Bergisch Gladbacher Ding handelt. Alle drei Verwaltungen seien sich jedoch einige, dass es ein „bedeutsames Projekt” sei. 

Die Maßnahmenliste soll nun den Stadträten in Bergisch Gladbach und Köln sowie dem Kreistag vorgelegt werden. Allerdings nicht zur Entscheidung, sondern nur als Mitteilungsvorlage – wie Bürgermeister Urbach erläuterte: „Wir können ja nicht über Kölner Maßnahmen entscheiden.” Eine kräftige Unterstützung durch die Lokalpolitik sei dennoch sehr hilfreich, warb Landrat Tebroke, um die Projekte zügig umzusetzen. 

Die komplette Karte. Ein Klick vergrößert die Ansicht.

Auch Molitor appellierte, diese Zusammenschau von Einzelprojekten wirklich als Paket zu sehen; nur dann  bestehe eine Umsetzungschance. Dabei sollten auch Leverkusen und Teile des Rhein-Sieg Kreises einbezogen werden. Am Runden Tisch bereits beteiligt waren die Landesregierung, der Nahverkehrsverband Rheinland und die Verkehrsunternehmen KVB, RVK und Wupsi.

Der Runde Tisch hat die einzelnen Projekte nicht nach ihrer Bedeutung gewichtet, sondern nur danach sortiert, was sich wie schnell umsetzen lässt – kurzfristig (innerhalb von vier Jahren), mittelfristig (innerhalb von vier bis acht Jahren) und langfristig (mehr als acht Jahre). Die Kosten sind bislang nur für einen Teil der kurzfristigen Projekte geschätzt worden.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Bahndammtrasse: „Die Kölner Vertreter betonten, dass es sich dabei um ein ausschließlich Bergisch Gladbacher Ding handelt.“ Ah, ja, so geht gemeinsame Lösung! Gäbe es einen gemeinsamen Willen, gäbe es auch einen gemeinsamen Weg aus Bergisch Gladbach und auch aus Köln Dellbrück heraus: zurück zur ursprünglichen Planung, direkte Anbindung an die Reste des Merheimer Kreuzes zum Vorteil beider Städte….und den Bahndamm könnte man vernünftig nutzen, Vorschläge gibt es genug.

  2. Ich vermisse einfache, sofort wirksame Maßnahmen:
    Carpool-Spuren auf der A4, Förderung von Homeoffice-Arbeitsplätzen, Subventionierung von Fahrpreisen im ÖPNV für alle Berufstätigen, Entwicklung von Apps für Mitfahrgelegenheiten, kostenfreie Fahrradmitnahme in Bus und Bahn etc.
    Ich hoffe jedenfalls, dass ich von den Erfolgen der Stau-Projekte noch vor Renteneintritt profitieren kann.

  3. Großartig, diese Initiative gegen Stau, Staub und Lärm, längst überfällig, nun endlich geschafft. Ein kleiner Schritt auf einem langen Weg. Auch großartig die zeitliche Festlegung für die Umsetzung der Maßnahmen.

    Das Bergische Land, Bergisch Gladbach, gelegen am Rande der Großstadtregion (Siegburg, Bonn, Köln, Leverkusen, Düsseldorf) mit (guter) Infrastruktur, mitten in Europa, bietet Rahmenbedingungen die gerade für die Beschäftigungsverhältnisse der Zukunft von enormer Relevanz sind. Die natürliche Verschiebung vom produzierenden Gewerbe hin zum Dienstleistungsgewerbe ist in vollem Gange.

    Bei Licht betrachtet erkennt man allerdings, dass die verkehrlichen Maßnahmen allein schon einen immensen Zeitbedarf in Anspruch nehmen. Es wäre ein glücklicher Zeitpunkt und sehr hilfreich, auch in diesem Kreis der Teilnehmer die Digitalisierung der Region zu diskutieren und mit einem entsprechendem Maßnahmenkatalog zu versehen. Zur Verringerung von Stau, Staub und Lärm kann durch die Digitalisierung in der Region sehr viel erwartet werden.

    Bei dieser großen industriellen Veränderung ist allerdings eine ebenso große Umorientierung erforderlichen. Kritischer Erfolgsfaktor als Voraussetzungen für eine erfolgreiche zukünftige Entwicklung der Digitalisierung in der Region ist die Einsicht, dass wir dafür nicht vordringlich einen Ausbau der Autobahnen benötigen, sondern einen Ausbau der „Datenautobahnen“. Schnelle Kommunikationsverbindungen sind gerade hier im Bergischen Land für den zukünftigen Erfolg ausschlaggebend.

    Ob man es nun Dienstleistungsgesellschaft, Informationsgesellschaft oder Wissensgesellschaft nennt, die Definitionen sind in Bewegung. Auch und gerade für die mittelständisch geprägte Industrie, das wirtschaftliche Rückgrat unserer Region ist heute schon zunehmend die schnelle „Datenverbindung“ der Wettbewerbsvorteil. Natürlich eine schnelle Datenverbindung von „Wissensbasis“ zu „Wissensbasis“ und von Nutzer zu Nutzer. Sie setzt die Information in Bewegung und nicht die Menschen.

    Die Industrie 4.0 kommt nicht über den „Bahndamm“ oder die sechsspurige A 4 und das Gewerbegebiet auf den Bergischen Höhen ist dafür auch nicht hilfreich. Diese eher aus der Vergangenheit bekannten und heute rückwärtsgerichteten Maßnahmen in „Flächenverbrauch“ sind geeignet, unsere Alleinstellungmerkmale für eine erfolgreiche Zukunft dieser Region zu beschädigen.

    Die Angst vor Veränderung ist bei solchen Umbrüchen häufig ein schlechter Berater für den Erfolg aber eben auch häufig der Grund für Stillstand und falsche Schwerpunktsetzung. Dem „Runden Tisch Verkehr Rechtsrheinisch“ möchte ich zurufen, nutzen sie die Möglichkeiten der Digitalisierung diese Region zukunftsfähig zu gestalten. Es ist ebenso die Maßnahme zur Verbesserung der Verkehrssituation in der Region.

    Mit den besten Grüßen aus dem Naturpark Bergisches Land

  4. Ich vermisse den Punkt: Verlängerung der Stadtbahnlinie 3 und/oder 18 über Thielenbruch hinaus?
    Der tauchte doch manchmal noch hier und da auf…

  5. Die Verlängerung der Haltestellen der Linie 1 ist bereits beschlossen. Alle Haltestellen sollen Dreierzüge ermöglichen

  6. Diese Initiative ist sehr zu begrüßen. In meiner Zeit als Bürger dieser Stadt kann ich mich an keine vergleichbare Runde erinnern. Es wurde aber auch wirklich Zeit.

    So hoffe ich jetzt auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit und darauf, dass schon bald spürbare Verbesserungen erzielt werden.

    Einen Punkt habe ich aber vermisst: Die Prüfung der Realisierbarkeit der Verlängerung von Haltestellen der Linie 1, um mit längeren Bahnen fahren zu können. Denn die Fahrgastzahlen sind ja jetzt bereits hoch und werden (vermutlich) in den nächsten weiter ansteigen. Und die Alternative „Erhöhung der Taktung“ kann auf Kölner Gebiet im Bereich von Knotenpunkten ja möglicherweise zu Problemen führen.