Bergisch Gladbachs Attraktivität auf junge Familien macht sich nicht nur in den Kindergärten bemerkbar, sondern inzwischen auch in den Grundschulen und in der Offenen Ganztagsschule, vor allem in Bensberg und in Refrath. Das hat in beiden Stadtteilen starke Auswirkungen – sowohl auf Eltern und Erstklässlern, die leer ausgehen als auch auf die Schulstrukturen.

Besonders eng wird es ab dem kommenden Schuljahr in einigen der Refrather Grundschulen. Aber auch die OGS  laufen kurzfristig in große Probleme – dazu weiter unten mehr.

An Refraths Gemeinschaftsgrundschulen fehlen bereits 23 Plätze

In Refrath sind für das kommende Schuljahr 223 Erstklässler angemeldet worden, 35 mehr als im Vorjahr und deutlich mehr als im Schnitt der vergangenen Jahre, teilte die Schulverwaltung am Dienstag im zuständigen Ausschuss mit. 

Das wäre eigentlich kein Problem – denn die fünf Grundschulen in Refrath haben für exakt 225 neue Schüler Platz. Aber nur in der Theorie, denn die Anmeldungen verteilen sich nicht gleichmäßig auf die zwei Gemeinschaftsgrundschulen (GGS) und die drei Katholischen Grundschulen (KGS). 

In den GGS fehlen nun jedoch 23 Plätze, in den KGS sind dagegen sind 25 nicht belegt. Eine Umverteilung durch die Schulverwaltung ist nicht möglich: wenn eine GGS zur Verfügung steht, haben Eltern dort einen Anspruch auf einen Platz und dürfen nicht an eine Bekenntnisschule verwiesen werden. 

Insgesamt 50 freie Plätze in den Katholischen Grundschulen

Kurzfristig löst die Verwaltung das Problem im kommenden Schuljahr, indem in der GGS Wittenbergstraße der letzte überhaupt noch existierende Fachraum in ein Klassenzimmer umgewandelt wird. Gleichzeitig sind 2017/18 in den drei Katholischen Grundschulen insgesamt 50 Plätze ungenutzt. 

In Richtung Bensberg können die Eltern der Grundschüler auch nicht ausweichen, denn auch dort sind die Schulen voll belegt, die GGS Bensberg muss daher demnächst bereits erweitert werden. 

Vor diesem Hintergrund schlug die Stadtverwaltung im Ausschuss für Bildung, Kultur, Schule und Sport (für manche überraschend) eine radikale Lösung vor: die Elternschaften der drei Katholischen Grundschulen sollen darüber abstimmen, ob sie katholisch bleiben sollen – oder künftig ebenfalls als Gemeinschaftsgrundschulen geführt werden. 

In der Praxis hat das wenig Auswirkungen, auch in einer GGS gibt es Religionsunterricht und Gottesdienstbesuche.

Gibt es in Refrath bald keine einzige KGS mehr?

Allerdings könnte ein solches Vorgehen dazu führen, dass sich alle drei Schulen für den Namenswechsel entscheiden – und keine einzige KGS in Refrath erhalten bleibt.

Umgekehrt könnte es auch sein, dass in allen drei Schulen die Elternschaften dagegen stimmten. Dann bliebe der Stadt nichts anders übrig, als die Schulen für viel Geld zu erweitern, erläuterte Ko-Dezernent Bernd Martmann. Das sei zwar machbar, grundsätzlich setze die Stadt aber zunächst auf organisatorische Lösungen – um das eingesparte Geld sinnvoller einzusetzen.

Bei der CDU stieß der Vorschlag auf zum Teil heftige Reaktionen. Elke Lehnert kritisierte die Dynamik dieser Entwicklung und wünschte mehr Zeit für eine gründliche Beratung; auf keinen Fall solle man die Befragung gleich in allen drei Schulen durchführen. „Es hilft doch nichts, ein neues Türschild aufzuhängen – wir müssen die strukturellen Ursachen herausfinden”, sagte Lehnert. 

Welche Ursachen es für die Ungleichgewichte gegen könnte deutete Martin Kraus (CDU) an: es sei in Refrath bekannt, dass die Regeln an einigen Schulen restriktiver ausgelegten werden würden als an anderen. Das führe zu Gerüchten und das wiederum zu Wanderungsbewegungen zu unbeliebten zu beliebten Schulen. Angesichts der Tatsache, dass der Zuzug in Refrath anhält plädierte auch Kraus dafür, nicht gleich an drei Orten „den Schulfrieden zu gefährden”, sondern neu zu bauen. 

Sowohl Martmann als auch Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg argumentierten engagiert für die kostengünstige, organisatorische Lösung – und Vertreter aller anderen Fraktionen pflichteten ihnen bei. Bei der Abstimmung zeigte sich dann, dass auch die CDU in dieser Frage nicht einer Meinung ist – drei Fraktionsmitglieder stimmten dagegen, die anderen drei mit dem Rest des Ausschusses für die Verwaltungsvorlage. 

Damit sollen möglichst schnell Informationsveranstaltungen in den Schulen stattfinden, bei denen auch die katholische Kirche beteiligt ist und bald nach den Sommerferien in den drei Schulen abgestimmt werden. Denn schon im November beginnt die Anmeldefrist für das Schuljahr 2018/19.

Zu wenig Plätze in der  Offener Ganztagsbetreuung

Auch bei den Offenen Ganztagsgrundschulen gibt es erhebliche Ungleichgewichte. Im laufenden Jahr war das Angebot um 34 auf 2635 Plätze ausgebaut worden, damit wird eine Versorgungsquote von 65,5 Prozent für die ganze Stadt erreicht. 

Für das kommende Jahr haben die OGS-Träger einen Bedarf von 2710 Plätze angemeldet. Das wären erneut 75 mehr  – und zehn mehr, als bislang vom Stadtrat genehmigt. Dennoch schlägt die Verwaltung vor, bis zu 2710 Plätze zu fördern.

Damit ist das Problem aber nicht gelöst, denn auch hier gibt es starke Ungleichgewichte – in diesem Fall zwischen den Stadtteilen. In Bensberg kann zwar die GGS mit 40 neuen Plätzen den voraussichtlichen Bedarf decken, die EGS Bensberg sucht aber noch nach einer Lösung für 20 fehlende Plätze. 

In Refrath wird an der GGS Refrath eine weitere Schulklasse eingerichtet, die Offene Ganztagsschule hat aber über die bislang schon angebotenen 100 Plätze hinaus keine Raumreserven mehr und kann nicht mitziehen. Gebaut worden war die OGS dort für 75 Plätze.

Daher, so die Prognose der Stadtverwaltung, „werden an dieser Schule beim aktuellen Sachstand viele Kinder bzw. Eltern nicht versorgt werden können”. 

Am Ende entscheidet das Los

Und auch an anderen Standorten, so die Verwaltung weiter, hätten die Träger signalisiert, dass sie eigentlich mehr Plätze benötigen

Eine Lösung – vor allem für das akute Problem in Refrath – könne die Stadt derzeit nicht anbieten, räumten die Vertreter der Verwaltung ein.

Bei der OGS gibt es – anders als beim Kindergarten – auch keinen Rechtsanspruch der Eltern, erinnerte Elke Lehnert. Bislang habe Bergisch Gladbach bei der OGS relativ gut abgeschnitten, jetzt entstehe aber Handlungsbedarf.

Um wenigstens die Eltern zu versorgen, die am dringendsten eine Betreuung ihrer Kinder benötigen, habe man eine Kriterienkatalog erarbeitet und im Jugendhilfeausschuss beschlossen, erklärte die Verwaltung. Dabei spiele die Berufstätigkeit eine große Rolle.

Wo diese Kriterien aber auch nicht mehr zu einer Priorisierung führe müsse am Ende das Los entscheiden. Was in Refrath wohl häufiger der Fall sein wird. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Es gibt auch bei den konfessionellen Schulen keine freien Plätze. Die Stadt sollte lieber geeignete freie Grundstücke nicht für den Bau von weiteren Reihenhäusern, Doppelhäusern oder Mehrfamilienhäusern verwenden, sondern lieber für Schulen und Kitas.

    Jedes Grundstück wird so eng wie möglich bebaut und man wundert sich über zu wenige Schulplätze…

  2. Die Umwandlung halte ich für den richtigen Schritt. Zum einen weil ich persönlich die Meinung habe, dass keine öffentliche Einrichtung einen religiösen Träger haben sollte, oder aber unabhängig vom Träger die gleichen Rechte und Pflichten gelten. Zum zweiten, wenn Schulen nicht voll ausgelasstet sind, in einer derzeit angespannten Situation, gehören sie reduziert und neu neuorganisert. Weiterhin, stellt sich für mich auch die Frage wieviele Katholische Familien es in Refrath derzeit noch gibt. Ich persönlich habe das Gefühl, das dies deutlich abgenommen hat. Der Mangel an Grundschulplätzen wird steigen. Durch die Nachverdichtung in Refrath ziehen weitere Familien hinzu. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

  3. Ich finde die Elternbefragung, ob die katholischen Grundschulen zu Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt werden sollen, eine gute und richtige Sache. Zurecht haben die Eltern ein Anrecht auf eine bekenntnisfreie Schule. Wenn aber dafür nicht ausreichend Plätze vorhanden sind, jedoch aber immer mehr freie Plätze bei Bekenntnis-Schulen vorhanden sind, so ist dies ein nachvollziehbarer Weg.
    Selbst wenn Herr Kraus mit seinem Einwand Recht hat, dass die KGS aus strukturellen und organisatorischen Gründen unbeliebt sind und nicht aufgrund des Bekenntnisses, so hat doch die Schulverwaltung keinerlei Einfluss auf die Ausgestaltung des Schulalltags. Die Verwaltung muss also versuchen, Spielraum zu erlangen.
    Dies kann durch einen teuren Neubau geschehen oder eben durch eine Umwandlung.