Aus der Sicht des Radfahrers: Der Schutzstreifen ist zu schmal und wird von Autofahrern nicht respektiert. Foto: ProVelo

Die Interessensgemeinschaft ProVelo hat nachgemessen und grundsätzliche sowie handwerkliche Fehler bei der Einrichtung der Radstreifen auf der Kölner Straße entdeckt. Sie schlägt eine Lösung vor, die Rad- und Autofahrern hilft – und auch noch einige Parkplätze erlaubt. 

Die anhaltende Debatte über Sinn und Unsinn der Radfahr- und Radschutzstreifen auf der Kölner Straße hat nach dem ADFC nun auch die Interessensgemeinschaft ProVelo auf den Plan gerufen. Die Aktivsten um Christoph Claes, Mike Gürgens und Artem Gojdenko haben die Markierungen vermessen und sind zu einem vernichtenden Ergebnis gekommen.

Jeder Schutzstreifen sei schmaler als in den Plänen angegeben, die dem Stadtrat zur Entscheidung vorlagen. Zum Teil seien sie sogar schmaler, als es die gesetzlichen Regeln erlauben, schreiben sie auf der ProVelo-Website. Zudem gebe es klare Empfehlungen, diese Art von Markierungen nicht auf Straßen mit Schwerlastverkehr anzulegen. 

Grundsätzlich bleibe für die Autofahrer zu wenig Platz, um mit einem sicheren Abstand zu überholen, daher  sei der „Schutzstreifen in der Praxis ein Gefährdungsstreifen”.

Nur wenige Meter lang ist der breite, komfortable Radfahrstreifen; die restliche Strecke besteht aus einem schmalen Radschutzstreifen

Was ist ein Fahrstreifen, was ein Schutzstreifen?
Der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen liegt darin, dass Schutzstreifen durch eine unterbrochene Linie gekennzeichnet werden, die von Autofahrern bei Bedarf und ohne Gefährdung des Radfahrers überfahren werden darf.

Zudem weisen Schutzstreifen nur eine Breite von 1,25 – 1,50 m auf, Radfahrstreifen sind in einer Breite von 1,85 – 2,0 m mit einer durchgezogenen Linie markiert und dürfen von Autofahrern nur beim Ein- und Abbiegen überfahren werden.

Mehr Infos: Der wahre Unterschied zwischen Fahr- und Schutzstreifen (ProVelo)

Die Argumente für diese Einrichtungen: Beide Radverkehrsanlagen sind auf der Fahrbahn markiert und bringen Radfahrer so in das Blickfeld der Autofahrer. Viele Radfahrer fühlen sich beim Fahren auf der Fahrbahn unsicher, doch Statistiken belegen, dass Schutzstreifen auf der Fahrbahn sicherer sind als bauliche Radwege neben dem Fußweg, da es dort eine erhöhte Gefahr durch die Vielzahl an Ein- und Ausfahrten gibt, an denen Autofahrer häufig herausfahren, ohne auf Radfahrer zu achten.

Auf der Fahrbahn wird der Radfahrer sofort wahrgenommen und muss sich nicht im Slalom um die oft in den Radweg ragenden Autohauben herumquälen.

Die Stadtverwaltung hatte als erste Maßnahmen im Rahmen des neuen Mobilitätskonzeptes im vergangenen Herbst auf der Kölner Straße in Bensberg die Streifen eingerichtet. Dabei waren 39 Parkplätze weggefallen und ein Teil des Verkehrs in Seitenstraßen verdrängt worden, was bei Anwohnern heftige Proteste ausgelöst hat – zumal die Straße bislang nur selten von Radfahrern genutzt wird. 

ProVelo schlägt nun eine grundlegende Änderung vor, von der alle profitieren könnten. Demnach sollen auf der bergab in Richtung Frankenforst die Markierungen entfallen. Bergab könnten die Radfahrer besser und sicherer im Verkehr mitschwimmen, hier sind ohnehin nur erfahrende Alltagsradler unterwegs. Unter Umständen könnte ein Tempolimit von 40 km/h angeordnet werden. 

Bergauf soll dagegen ein ausreichend breiter Radfahrstreifen markiert werden, damit Kraftfahrer auch bei Gegenverkehr bequem an den langsamen Radfahrern vorbeifahren können.

Diese Lösung hätte laut ProVelo sogar den Vorteil, dass auf der Strecke bergab wieder ausreichend Platz für einen Parkstreifen wäre – und damit die Probleme der Arztpraxen und anderer Anwohner der Kölner Straße gemildert werden könnten. 

Diese Form der asymetrischen Radstreifen könnte auch auf anderen geeigneten Strecken genutzt werden, regt ProVelo an. Zum Beispiel auf der 

  • Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße zwischen S-Bahnhof und Paffrather Straße
  • L 289 (Am Stockbrunnen / Wipperfürther Straße / Moitzfeld)
  • B 506 (Alte Wipperfürther Straße) zwischen der Kreuzung Paffrather Straße und Reuterstraße oder Am Vogelherd

Weitere Beiträge zum Thema:

Crashtest für das MobiK – und die Lokalpolitik

Wohin mit den Radfahrern an der Kölner Straße?

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Ich verlinke hier mal zu einem Bericht des SWR (Achtung: nur zeitlich begrenzt verfügbar):
    bit.ly/Fahrradkrieg_wem_gehoert_die_Stadt

    Für mich aber bestimmt auch für die Planer und Mobilitätsmanager der Stadt interessant!

    Was habe ich z.B. daraus entnommen:

    – Der Begriff “Ichlinge” – Nehmt einfach mehr Rücksicht aufeinander!
    – Bergisch Gladbach hat 50 Jahre zu spät mit der Verkehrsplanung angefangen
    – zukünftig wird man dank der Pedelecs mehr “rüstige rasende Rentner” im Krankenhaus anfinden
    – …

  2. Ich kann einen meiner Vorredner nur zustimmen. Es ging hier nie um die Radfahrer. Diese waren nur das vorgeschobene “gute, postive” Argument damit die Parkplätze für die Autos an der Straße, auf öffentlichen Grund, erhalten bleiben. Der Kompromiss spiegelt dies sehr deutlich wieder. Leider zeigt dies, wieder einmal deutlich das leider nie das ganzheitliche Bild im Auge behalten wird, sondern sich immer wieder kleineren Interessengemeinschaften gebeugt wird, wodurch sich letztlich nichts ändert, oder das entstehende Stückwert viel Geld gekostet hat und sinnlos ist. Anzumerken ist hier, dass ich es nicht verstehen kann, dass wenn Neubauten enstehen, nicht eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen auf dem bebauten Grundstück mit vorhanden sein müssen. Hier rede ich von min. 2 Parkplätzen pro Wohnung, denn ein Auto ist schon sehr selten gewurden.

  3. Nach meiner Beobachtung werden die Radfahrer immer rücksichtsloser: Es wird (obwohl vorhanden) nicht auf dem Radweg gefahren, weil ja dazu keine Pflicht mehr besteht. Radwege werden entgegen der Fahrtrichtung benutzt, ganze Pulks blockieren die Straße, weil man ja dazu ab einer bestimmten Teilnehmerzahl das Recht hat. Sind denn alle Radfahrer nur mit ihrem Drahtesel unterwegs? Nutzt keiner von denen auch mal eine Blechkiste? Das Scheuklappendenken, verbunden mit Rücksicht- und Respektlosigkeit setzt sich immer mehr durch – nun auch beim eigentlich harmlosen Thema “Fahrradfahren”. Autofahrer, die verzweifelt einen Parkplatz suchen zu verteufeln, ist der falsche Weg! Vielmehr sollte man gemeinsam versuchen nicht nur beiden Interessenlagern gerecht zu werden, sondern bei den Überlegungen auch noch andere Verkehrsteilnehmer einzubeziehen: Es gibt auch noch Menschen die die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen (und die brauchen im öffentlichen Raum Platz), mit Gehhilfen oder Rollstühlen unterwegs sind und, man mag es kaum glauben, sich per Pedes bewegen. Setzt Euch (ohne Politiker) mal an einen Tisch, hört einander zu, besteht nicht nur auf Eurer Meinung und schließt vernünftige Kompromisse, die ihr den Verantwortlichen präsentiert. So kann man Bürgerwillen auch herbeiführen – und bald sind Wahlen, so dass die Chancen gut sind, dass Politiker tatsächlich zuhören.

  4. ProVelo ist eine Interessengemeinschaft von Anwohnern der Kölner Str., welche die Zielsetzung verfolgt, sich auf Kosten der Allgemeinheit kostenlose Parkplätze auf öffentlichem Grund zu erstreiten. Makaber ist nun der vermeintliche Kompromiss dieser Interessenvertretung seitens des Fahrradstreifens bergab, diesen Fahrradstreifen zugunsten von Parkplätzen zu streichen und statt dessen den Fahrradstreifen bergauf zu verbreitern. Ursprünglich war die Argumentation dieser Interessenvertretung, der Berg hinauf würde aufgrund der großen Steigung von den Fahrradfahrern nicht angenommen. Nun soll genau dieser Abschnitt verbreitert werden. In Zukunft werden jedoch überwiegend eBikes genutzt werden, so dass ein Berg aus Fahrradsicht keine Hürde mehr darstellt. Wenn in Zukunft das Allgemeinwohl noch eine Rolle spielen soll, ist dieser rücksichtslosen Lobby ProVelo nun wirklich politisch kein Gehör zu schenken.

  5. Mit ProVelo und ADFC haben wir professionelles Fahrrad Know How in der Stadt. Toll wäre, wenn man diesen Erfahrungsschatz nutzt und Maßnahmen des Mobilitätskonzeptes den Radverkehr betreffend mit ihnen vorher durchspricht.
    Die Maßnahme in der Kölner Straße ist ja nur die erste dieser Art, viele weitere sollen und müssen folgen.
    Wenn alle Maßnahmen sofort im Ausschuß für Anregungen und Beschwerden wieder in Frage gestellt werden, ist niemandem geholfen.
    Vielleicht müssen aber erst Durchfahrverbote für LKWs kommen, damit ein Umdenken bezüglich Emmissionsvermeidung stattfindet.

  6. Wenn die Angaben von ProVelo stimmen, ist bewiesen, das die lächerlichen 100 m auf der Kölner Str. reines Alibi sind nach dem Motto: “Sehr her, wir haben was getan.” Das ist um so verwerflicher, als das Fahrrad- und mindestens Autofahrer – die in den LKWs sitzen zu hoch und ignorieren ohnehin Fahrräder – nicht sicherer fahren können sondern im Gegenteil die Gefahrenstufe erhöht wurde.