Thorsten Steinwartz (Kreis), Susanne Rex, Stefanie Vogt (Verbraucherzentrale GL), Landrat Hermann-Josef Tebroke und Brigitte Becker (Verbraucherzentrale GL).

Online shoppen, via Smartphone bezahlen, per Mausklick einen Kredit aufnehmen: Verbraucherprobleme im digitalen Konsumalltag bestimmten die Arbeit der Verbraucherzentrale in Bergisch Gladbach im vergangenen Jahr ebenso wie die Dauerbrenner Drücker an der Haustür oder einschüchternde Inkassoforderungen.

Für rund 9.000 Ratsuchende waren die Verbraucherschützer der Beratungsstelle in persönlichen Gesprächen, Vortragsveranstaltungen und Infoständen im Kreisgebiet Wegweiser zu Rat und Recht.

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Beratungsstellenleiterin Brigitte Becker stellte Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke nun den neuen Bericht vor. Der Rheinisch-Bergische Kreis unterstützt die Arbeit der Verbraucherzentrale jedes Jahr mit gut 115.000 Euro und hilft den Menschen damit, sich vor Betrügereien und Abzocke in möglichst vielen Bereichen zu schützen. „Die Arbeit der Verbraucherzentrale ist sehr wichtig“, sagte Tebroke. „Sie hilft den Menschen bei der Lösung von Problemen und Konflikten mit Anbietern aus ganz vielen Sparten, die Verbraucher betreffen.“

Weiterhin betonte er, dass neben der persönlichen Beratung auch auf der Homepage der Verbraucherzentrale vielfältige Informationen zu aktuellen Themen zur Verfügung stünden. Dazu gehörten beispielsweise auch Musterbriefe und Formulare, um schnell Widerspruch einzulegen.

Unerlaubte Datensammelei

Dank Preissuchmaschine findet man schnell das günstigste Smartphone oder lässt sich bequem innerhalb von 24 Stunden die Ware nach Hause liefern – inklusive kostenloser Rücksendung bei Nichtgefallen. Immer mehr Konsumenten wissen die Vorzüge beim Onlineshopping zu schätzen. Doch wo Klickfallen oder Sicherheitslücken lauern können oder unerlaubter Datensammelei beim Befüllen des Warenkorbs die Tür geöffnet wird, wissen Onlinekäufer oftmals nicht.

„Viele der bei Käufen im Internet abgefragten Daten dienen dazu, detaillierte Kundenprofile zu erstellen – angepasste Angebote, individualisierte Preisgestaltung aber auch unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten, je nach Bonität des Verbraucherprofils, sind die Folge“, so Brigitte Becker.

Kostenfallen durch falsche Versprechen

Ebenfalls mündeten auch falsche Kreditversprechen immer wieder in Kostenfallen. Auf Internetseiten mit verheißungsvollen Adressen wie etwa sorglosduo.de, firstgold.de oder mastercredit.de wurde der unproblematische Zugang zum bargeldlosen Bezahlen angepriesen, selbst wenn der Finanzrahmen in Schieflage geraten war.

„Unverlangtes Werben am Telefon, Unterschieben von Verträgen oder eigenmächtige Vertragskündigungen ohne Vollmacht des Kunden haben wir in 2016 als Türöffner ausgemacht, um an Haustür und Telefon zum Abschluss neuer Energielieferverträge zu kommen“, berichtete Brigitte Becker dem Landrat. Ratsuchende hatten in der Beratung geschildert, dass sich Unternehmen bei ihnen unaufgefordert am Telefon gemeldet und dann mit der Nachricht überrascht hätten, dass angesichts der anstehenden Gas- oder Strompreiserhöhung ein Anbieterwechsel schnell und sorgenfrei echte Ersparnis bringe.

Selbst wenn sich Verbraucher bei einem solchen Telefonanruf lediglich mit der Zusendung von Informationsmaterial einverstanden erklärt hätten, wurden ihnen Vertragsbestätigungen nebst allgemeinen Geschäftsbedingungen und Widerrufsbelehrung zugeschickt.

„Damit wurde der Eindruck erweckt, dass bereits ein Vertrag zustande gekommen war. Eine nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unzumutbare Belästigung, weil Betroffene aktiv werden mussten, um sich gegen den angeblichen Vertragsabschluss zu wehren“, erläuterte Brigitte Becker.

Besondere Vorsicht bei Bonusversprechen

Zudem beschwerten sich Ratsuchende, dass Direktvertriebler an der Haustür unter dem Vorwand geklingelt hatten, um über neue Preise zu informieren, eine Energieberatung durchzuführen oder auch Vertragsdaten abgleichen zu wollen. Bisweilen wurde der Anbieterwechsel auch als unvermeidlich dargestellt, weil es bald nur noch Ökostrom gäbe.

Wie ein Wechsel des Strom- und Gastarifs sicher funktioniert und die Haushaltskassen spürbar entlastet werden, zeigten die Verbraucherschützer den Ratsuchenden in persönlichen Beratungsgesprächen auf. „Neben dem Preis sind dabei vor allem kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen wichtig und die richtige Einschätzung von Preisgarantien und eine besondere Vorsicht bei Bonusversprechen angezeigt“, erläutert Brigitte Becker die Formel für den sicheren Wechsel.

Auch erste Verbraucherprobleme von geflüchteten Menschen sind bei der Verbraucherzentrale angekommen. „So hatten umtriebige Mitarbeiter in Telefonshops Flüchtlingen ein kostenloses Smartphone oder Tablet versprochen und sie damit dann in zwei oder gar drei Verträge mit 24-monatiger Laufzeit gelockt“, zeigte Brigitte Becker auf, dass die Unerfahrenheit dieser Menschen zum Beispiel bei Vertragsabschlüssen ausgenutzt wird.

Aber auch die Zahlungsmodalitäten bei der Energieversorgung mit Abschlägen für Strom und Gas und der Jahresabrechnung für den Gesamtverbrauch sind vielfach unbekannt.

In Bergisch Gladbach startet die Verbraucherzentrale jetzt mit „Get in“ ein Projekt, um geflüchtete Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis fit für den hiesigen Konsumalltag zu machen. Die neue Bildungstrainerin Kerstin Bender vermittelt in Trainingseinheiten während der Integrationskurse etwa das kleine Einmaleins bei Handyverträgen oder Geldgeschäften. Auch Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe gibt sie in Vorträgen gezielt Hilfestellung.

Aber natürlich hat die Verbraucherzentrale noch über viele weitere Themen beraten und bietet diesen Service natürlich auch weiterhin an. Dazu zählen beispielsweise der Wegfall der Roaming-Entgelte beim Surfen, Simsen und Telefonieren ins oder aus dem europäischen Ausland oder ob Banken sich bei der Vergabe von Verbraucherkrediten an die neuen gesetzlichen Vorgaben zur Kreditwürdigkeitsprüfung halten.

Weitere Informationen und Download des Jahresberichtes auf der Homepage der Verbraucherzentrale. 

RBK

Rheinisch-Bergischer Kreis

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