Die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ geht weiter: An der Stationsstraße hat die Stadt rotweiße Kunststoff-Absperrgitter aufstellen lassen, um den Verkehr in rechte Bahnen lenken zu können. Und um Staus zu vermeiden.

Stau durch Fehlverhalten

Meistens ist es stop and go, kein wirklicher Stau, nur ein gefühlter. Als Autofahrer verliere ich tatsächlich nur wenig Zeit. Viele Verzögerungen werden durch Fußgänger ausgelöst. Richtig.

Aber vor allem durch rücksichtslose Autofahrer selbst. Denn immer wieder halten Fahrzeuge, um Mitfahrer oder Mitfahrerinnen im absoluten Halteverbot aus- bzw. einsteigen zu lassen. Schon halten die folgenden Autos und Busse brav. 

Behinderung der Busse

Busse auf dem Weg zum oder vom (permanent ziemlich ungepflegten) Busbahnhof werden häufig durch rücksichtslose Autofahrer behindert, die, anstatt Busse durchzulassen, selbst kleinste Lücken zufahren.

Weil sie das Reißverschlussprinzip nicht kennen oder – noch schlimmer – es nicht begreifen oder anerkennen. Limitierte Intelligenz oder nur unsoziales Verhalten?

Gut zu beobachten am Driescher-Kreisel und am Kreisel vor der Einfahrt zur RheinBergGalerie. Deswegen blockieren Busse in der rush hour auch beide Fahrspuren. Und schon steht alles.

Rücksichtslos gegenüber Behinderten

Die beiden Behinderten-Parkplätze am Busbahnhof sind an der falschen Stelle eingerichtet worden. Nicht dort, wo gehbehinderte Autofahrer den kürzesten Weg über die Rampe zu den Bussen oder zur S-Bahn hätten.

Bis heute ist diese Benachteiligung nicht korrigiert worden. Schlimm. Aber schlimmer noch ist, dass auch beim Umbau der Stationsstraße vor vier Jahren nichts geschehen ist – obwohl die Fehlplanung bereits vor langer Zeit thematisiert wurde.

Menschen ohne Handikap haben den kürzeren Weg. Versteht das noch einer? Man müsste die Plätze nur tauschen. Der neue Baurat hätte, wenn er das acht Jahre alte Problem angehen würde, schnell ein Erfolgserlebnis.

Außerdem: Immer wieder fehlt es Autofahrern am Respekt vor Behindertenparkplätzen. Sie halten dort, blockieren die beiden Plätze, warten auf Mitfahrer, lassen Mitfahrer dort aussteigen. Polizei und Stadt scheinen es nicht wahrzunehmen.

Radfahrer – alleingelassen

Die Fehlplanung der Stationsstraße zeigt sich auch in der Ausklammerung der Radfahrer. Von Anfang an. Ein lächerlich kurzer Radweg am Driescher Kreisel – ungefähr 6 Meter lang – dann wird der Radfahrer alleingelassen. Jetzt fahren die Radfahrer auf der Straße.

Seit die Absperrgitter stehen, fahren sie auch auf dem Fußweg von der Poststraße bis zur Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße.

Übrigens: In Köln darf man als Radfahrer außerhalb der normalen Geschäftszeiten die meisten Fußgängerzonen befahren, in Bergisch Gladbach generell nicht. Bei uns fahren nur Geldtransporter und Apothekenlieferanten auch tagsüber durch die Fußgängerzone. Unerträglich. Aber geduldet.

Was könnte helfen?

Unsere Stadt sollte sich ohne Wenn und Aber konsequent zu „shared space” – also zum gemeinsam genutzten Raum – in der Stationsstraße bekennen und dies engagiert mit einer Kampagne bewerben:

  • Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit im Internet, Radio und Printmedien,
  • mit dem Ansprechen von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern durch Fachkräfte und Ordnungshüter vor Ort,
  • mit Verteilaktionen (auch als Hauswurfsendungen) von Merkblättern zu den Themen „Fußgängerüberwege” und „Reißverschlussprinzip”, zu Themen wie „Gelassenheit“, natürlich „Respekt“ und „gegenseitiger Rücksichtnahme“*.

Nachdenken über Änderungen

Der Verkehr wird weiter wachsen. Absperrgitter und mehr Schilder werden dies nicht verhindern. Das Verhalten muss sich ändern. Die Aktion mit Absperrgittern für Fußgänger ist hilflos und absurd (und inkonsequent, denn im westlichen Teil hat man sie offenbar vergessen).

Sie bringt nichts, denn schon jetzt ist zu beobachten, dass die Menschen dort, wo es keine Gitter geben kann (an den Ein- und Ausfahrten für Busse und Ein- und Ausfahrten für Höfe) weiter die Stationsstraße queren.

Es ist an der Zeit, über andere Möglichkeiten nachzudenken:

  • Zur einfachen Entlastung könnte der LKW-Verkehr aus der Stationsstraße verbannt werden
  • Die Tannenbergstraße könnte zur Entlastung der westlichen Innenstadt geöffnet werden.

* Der 7. Sinn – vor vielen Jahren eine hilfreiche Vermittlung von Verhaltensweisen und Regeln im Verkehr – fehlt heute.

Weitere Beiträge zum Thema:

Experimentierfeld Stationsstraße

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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8 Kommentare

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  1. Die Debatte ist völlig sinnlos. Weder Absperrgitter noch Zebrastreifen oder Ampeln werden an der Situation etwas ändern. Dadurch verringert sich weder die Anzahl der Fußgänger noch die Anzahl der Fahrzeuge, die dort zu Stoßzeiten aufeinandertreffen.
    Wer mit Tempo 20 dort langfährt wird kaum durch Fußgänger gestoppt. Lediglich an dem Zebrastreifen muss man schon einmal stehenbleiben und das wird auch so bleiben.
    Korrekt: verkehrswidriges und dreistes Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer (Parken auf der Verkehrsinsel) verschlechtern die Situation. Und ja, ich würde mir auch wünschen, wenn der PKW Verkehr in der Fußgängerzone und dortiges Parken (!) konsequent geahndet würde. Es ist schon ruhiger geworden, nachdem die KSK abends die Tore geschlossen hält. Danke dafür (auch wenn die Motivation eine andere war)!

  2. Es ist schon so: viele Fußgänger laufen kreuz und quer, ohne zu gucken, über die Straße. Dabei hat der Fußverkehr keineswegs Vorrang wie bei einem Zebrastreifen. Hier kann es mitunter zu gefährlichen Missverständnissen kommen. Ich glaube bei vielen ist es einfach Unwissenheit. Hier könnte natürlich die Polizei schon mal Präsenz zeigen und Leute gezielt ansprechen – und natürlich Autofahrer anhalten, die mit unangemessener Geschwindigkeit durch die Stationsstraße fahren oder im Halteverbot “kurz mal jemanden einsammeln / rauslassen”.

  3. den schwarzen Peter auf die in Bergisch Gladbach ehe schon stark geprellten Autofahrer zu schieben ist mal wieder typisch . Früher mit Ampel war alles okay aber nun das totale Chaos.
    Man hätte eine breite Unterführung von der Fußgängerzone her bauen sollen anstatt den Verkehr so zu beschneiden .

  4. Vieles ist richtig, aber das Radfahrer allein gelassen worden sind, sicher nicht. Radfahrer haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen. Der ist allein für Fußgänger da. Die Zuführung vorher ist schon falsch. Der natürliche Ort für Radfahrer nach Änderung der StVO von 1997 ist die Straße – und Die sollten sie auch selbstbewusst suchen. Genau wie der natürliche Ort für Fußgänger die Stationsstraße ist. Hier haben Kraftfahrzeuge nichts zu suchen!

  5. Ganz ehrlich? Die einfachste und für jeden verständlicheste Variante, wären 2 oder 3 Zebrastreifen vom Kreisel bis zum Marktkauf! Jeder Einzelne sollte breiter sein, als die jetzigen.

  6. Ich lasse die Menschen gerne über die Straße gehen, aber, was mich erschreckt, ist dass die meisten nicht einmal zu mir hinschauen, sondern einfach weiterlaufen :-( Traurig……

  7. Daaaamals, mit der Ampel dort, hat es doch gut funktioniert….. oder ?

  8. Die Argumente von Herrn Hansen, treffen bestimmt auch zu, aber die Fußgänger so zu glorifizieren scheint mir daneben gegriffen zu sein. Ich mache täglich mehrfach andere Erfahrungen. Ohne zu gucken laufen die Fußgänger vom Busbahnhof auf die Straße oder sie rennen auf ihr Handy starrend aus der Galerie auf die andere Seite. Statt sich zu sammeln immer schön wie die Enten hintereinander her. Auch nicht nur an 2 oder 3 Stellen, sondern schön verteilt über die gesamten 200 Meter.
    Aber das Chaos haben die Stadt/Verkehrsplaner zu verantworten. Den Verkehr aus dem grossen Kreisel auf diese Verengung loszulassen war schon eine Schnapsidee!