Nachrichten, Hintergründe, Termine und Service aus Bergisch Gladbach

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Theresia Meinhardt

Stadtrat Bergisch Gladbach
Bündnis ’90/ Die Grünen

27 Kommentare zu “Soll die Musikschule völlig ausbluten?”

  1. Waltraud Badorrek

    Zwei zusätzliche, neue Stellen in Festanstellung zu genehmigen ist doch “ein Tropfen auf den heißen Stein”. Hier bedarf es jetzt einer weiteren, kurzfristigen “Umsteuerung” in der Personalpolitik der Musikschule (schon im 1. Quartal 2018), um endlich einmal ein positives Zeichen gegen das permanente “Kaputtsparen” bei kulturellen, pädagogischen, sozialen und damit gesellschaftlich wichtigen Aufgaben und Funktionen zu setzen. Ein Modell, was überwiegend auf Honorarkräfte setzt und aufgebaut ist, kann kein Modell der Zukunft sein. Es wäre doch mal sehr erfrischend, wenn es hier zu einem parteiübergreifenden Konsens und einer entsprechenden gemeinsamen Initiative/Kraftanstrengung aller Beteiligten (bis hin zu unserem Bürgermeister) zugunsten der Musikschule käme. Hierüber würden wir uns sehr freuen. Waltraud Badorrek & Ulrich Paul

  2. Nikola Wellmann

    Das finde ich nun ein bisschen arg pauschal gedacht, Herr Schreiner! Es geht ja nicht darum, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann, sondern darum, dass die Stadt auf der einen Seite monatlich die Beiträge von den Eltern einnimmt, aber sie andererseits an die unterrichtenden Lehrer nicht weitergibt. Wir zahlen komplett Feiertage und Ferien durch und die Stadt steckt das Geld einfach in die eigene Tasche? Hier saniert man sich doch auf Kosten derer, die eine schwache Position haben!

  3. Nikola Wellmann

    Ich finde es ja erfreulich, dass die Stadt nun zwei neue Stellen an der Musikschule schaffen will. Aber den derzeit tätigen Honorarkräften ist damit kaum geholfen. Wir als Eltern können gar nicht erkennen, ob es sich bei einem Lehrer um eine Honorarkraft ohne einen fest angestellten Lehrer handelt. Es ist ein Unding, dass man durch die Hintertür zum Mittäter einer derartigen Ausbeutung gemacht wird!

  4. Bernd Kämmerling

    Was Herr Gerhardus zu den verschiedenen Tätigkeiten schreibt finde ich (ebenfalls Musikschullehrer sowohl auf Honorarbasis in GL als auch festangestellt anderswo) absolut richtig.
    Aber Festanstellung heißt an Musikschulen nirgendwo sofort auch Vollzeit. Das ist meines Wissens auch bei den festangestellten Lehrkräften in Berg. Gladbach so. Auf diese Weise sind tatsächlich verschiedene Modelle möglich. Obwohl ich an unterschiedlichen Stellen unterrichte, summieren sich diese Tätigkeiten bewusst nicht auf eine volle Stelle, was den Raum für meine musikalischen Aktivitäten offen hält.
    Hätte ich aber nicht auch festangestellte Musikschularbeit, könnte ich mir als Jazzpianist und Familienvater die freie Arbeit mit ambitionierten Projekten gar nicht leisten. Denn uns (nicht wirklich berühmt gewordenen) Musiker treffen zudem ja die knappen Finanzen in allen kulturellen Bereichen, was das Erzielen auskömmlicher Gagen für unsere Konzerte oft unmöglich macht.
    Ich habe bereits mitleidiges Lächeln von Menschen geerntet, denen ich die TVöD-Tarifstufe von Musikschullehrern an öffentlichen Musikschulen genannt habe. Man wird davon sicher nicht reich, kann m.E. aber gut damit Leben. Als Honorarkräfte verdienen wir aber wirklich nochmal sehr viel weniger.

  5. Petra Mattke

    Es ist schon traurig und beschämend, das die Stadt Bergisch Gladbach auf Kosten von motivierten Lehrkräften spart. Jeder hat doch wohl Anspruch auf eine gerechte und soziale Behandlung. Es kann nicht sein, das Honorarkräfte im Falle einer Krankheit oder für die Dauer der Ferien nicht bezahlt und abgesichert sind, nur weil die Stadt den Sparhebel ansetzt. Wir Schüler der Musikschule bezahlen monatlich eine Schulgebühr, egal ob der Unterricht stattfindet oder auch nicht (wie in den Ferien oder Feiertage). Und so sollen auch die Lehrkräfte ihr monatliches Entgelt beziehen – egal ob der Unterricht stattfindet oder auch nicht. Meine Forderung: Festanstellung für alle Lehrer!!!

  6. Andreas Gerhardus

    Stellungnahme eines Betroffenen!

    Ich denke, es ist nicht damit getan, ein paar freiwerdende Festanstellungen jetzt nicht in Honorarverträge umzuwandeln, oder gar ein paar (oder alle) Honorarverträge in Festanstellungen zu überführen.
    Vielmehr sollten flexible Lösungen gefunden werden, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Lehrer gerecht werden.
    So gibt es sicherlich etliche Kollegen, für die eine Festanstellung das angemessene Arbeitsverhältnis ist. Das werden vor allem diejenigen sein, die ihr Geld meistenteils mit Unterrichten verdienen wollen.
    Aber für mich und sicherlich einige andere ist das Modell mit ein bis zwei Unterrichtstagen pro Woche die Lösung, die genügend Freiraum für unser künstlerisches Schaffen lässt.
    Die Verknüpfung der künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit wirkt sich meiner Erfahrung nach sehr positiv auf die Qualität des Unterrichts aus:
    – Es entsteht keine ermüdende Routine
    – Konzerttätigkeit und Unterricht befruchten sich gegenseitig:
    * Vorbildwirkung für angehende Berufsmusiker
    * Erziehung zu Konzertgängern über direkten Bezug („Mein Lehrer hat ein Konzert in der Kölner Philharmonie. Da will ich hin!“)
    * dadurch auch Stärkung des Bewusstseins für die Bedeutung von Kultur in unserer Gesellschaft

    Eine Verbindung zu professioneller Ausbildung wird z.B. in meinem Falle geschaffen durch meine Tätigkeit als
    – Dozent des Bundesjungendorchesters („Deutschlands jüngstem Spitzenorchester“)
    – zeitweiliger Dozent für Kammermusik an der HfMT Köln

    Durch den Bezug zum praktischen Musikleben sind wir „auch lehrenden“ Musiker dicht am Puls der musikalischen Entwicklungen der verschiedenen Musikbereiche (Neue Musik, Alte Musik, Kammermusik, sinfonische Musik, Jazz, Pop, etc.).
    Das Sich-Bewegen in beiden Tätigkeitsfeldern ermöglicht uns immer wieder einen freudigen Zugang zu unseren Schülern und zur Musik.

    Die bitteren Wermutstropfen an der Situation als Honorarkraft sind die schlechte Bezahlung und die Ungleichheit der Arbeitsbedingungen im Vergleich zu den Festangestellten. (keine Jobtickets, keine Entlohnung der immer anfallenden Zusatzarbeiten für jede Unterrichtsstunde, keine Bezahlung im Krankheitsfall, keine Bezahlung bei Unterrichtsausfällen durch Feiertage, keine Bezahlung von Ferienzeiten, während aber die Entgelte für den Unterricht an die Musikschule unabhängig von Feier- oder Ferientagen durchgezahlt werden.)

    Eine gerechtere und angemessenere Behandlung würde sicherlich das Gefühl einer “Zwei-Klassen-Gesellschaft“ vermindern und das Arbeitsklima zwischen den Kollegen verbessern.

  7. Mehmet Schreiner

    Natürlich ist es zu unterstützen, dass Lehrer und allgemein Arbeitnehmer fest angestellt werden.

    Ich habe aber auch den Eindruck, dass viele Beiträge von Menschen stammen, die Parteien gewählt haben, die z.B. das Euro-Krisenmanagement, die schlecht geregelte Migrationskrise sowie z.B. die schlecht umgesetzte EEG-Regelung unterstützen.

    Sich dann zu wundern, dass irgendwann an allen Ecken Geld fehlt liegt nun mal an der Tatsache, dass jeder EUR nur einmal ausgegeben werden kann.

  8. Christiane Olbert

    Gleichbleibende Qualität auf einem angemessenen Niveau lässt sich bekanntermaßen , egal in welcher Branche , nur mit einem festen Mitarbeiterstamm erreichen. Und Angestellte sind, ebenso keine neue Erkenntnis, am ehesten an einen Arbeitsplatz fest zu binden, wenn sie einen feste Anstellung zu fairen Bedingungen bekommen. Dies gilt also natürlich auch für eine Musikschule. Festanstellungen sollten daher die Regel, Honorarverträge die Ausnahme sein.
    Honorarkräfte sind sicher gut, um das Angebot einer Musikschule zu optimieren und bunter und vielfältiger zu machen, kontinuierliche Qualität und Niveau lässt sich damit aber auf Dauer nicht bewerkstelligen.
    Ich spiele selber in einem kleinen Akkordeonensemble dieser Musikschule mit , und bin froh, das dieses von der Musikschule angeboten wird.

  9. Dr. Susanne Heydasch-Lehmann

    Den vielen Kommentaren kann ich mich nur voll und ganz anschließen: Die Stadt Bergisch Gladbach würde erneut einen großen Fehler in puncto Kulturpolitik begehen, wenn sie daran festhielte, die in jeder Hinsicht adäquaten und notwendigen Festanstellungen in Honorarverträge ohne längerfristige Perspektive umzuwandeln. Gern schmückt sich die Stadt mit den “für unsere Stadt” so wertvollen (und meist für die Zuhörer kostenlosen) musikalischen Beiträgen der Musikschule. Die interkulturell und sozial verbindende Kraft der Musik (siehe Städtepartnerschaft) ist nicht hoch genug einzuschätzen!
    Auch unsere Kinder sind von ihrer Vorschulzeit bis zum Abitur von absolut qualifizierten und hoch engagierten Lehrern unterrichtet und immer wieder zum Ensemblespiel animiert worden: dafür möchten wir ihnen ausdrücklich danken.
    Jetzt möchte unsere Tochter Musikpädagogin werden – welche berufliche Perspektive können Sie, liebe Stadtverordnete und Ratsmitglieder, ihr persönlich und vielen anderen musisch und pädagogisch engagierten jungen Menschen anbieten? Angesichts der derzeitigen Kulturpolitik Bergisch Gladbachs kann man ihnen wohl nur dringend davon abraten, sich hier niederzulassen – oder?

  10. Jutta Dunkel

    Toll, dass so viele schreiben! Feste Stellen, sonst nix!
    Schon allein aus folgendem Grund:
    Was für ein Irrsinn wird hier in Deutschland betrieben: Man stelle sich vor, dass jeden Morgen und jeden Abend Blechlawinen über die Straßen/maroden Brücken wälzen, Gestank, Abgase mit sich führend.

    Mit ein Grund dafür: Die in den Autos (denn S-Bahn 11 funktioniert nicht zuverlässig …) sitzenden (Musiklehrer-)Arbeiter finden keine (feste) Stelle in der Nähe des Heimatortes. Sie sausen durchs halbe NRW, um ihr Leben und das ihrer Familien zu finanzieren … Und nirgendwo sonst fühlen sie sich so verbunden, wie an dem Ort, an dem sie leben. Es bleibt also auch eine spannende Chance ungenutzt, MusiklehrerInnen zusammen mit den ansässigen KünstlerInnen ins lebendige Kulturleben einer Stadt mit einzubeziehen.

    Hinweis: Das Geld sitzt z.B. dort, wo riesige, reiche Firmen (jeder weiß, wer z.B. gemeint ist) Steuern sparen dürfen mit dem Einverständnis der Stadt.

  11. Dr. Roland Weyhenmeyer

    Vielen Dank für den engagierten und notwendigen Artikel. Der Gemeinderat muss dringend den Automatismus aufheben, dass Feststellen durch Honorarverträge ersetzt werden. Die Steuereinnahmen steigen nicht nur beim Bund, sondern auch in den Gemeinden. Damit wird eine verlässliche Planung wieder möglich, mit der die Unsicherheit der Lehrkräfte und ihrer Schüler beendet werden kann. Für Musikschulen charakteristisch sind Angebote im Ensemblespiel, das nur mit festen Bezugspersonen Sinn macht. Eine Musikschule dient nicht der “Elite” sondern dient auch denjenigen (kinderreiche Familien), die sich freien Musikunterricht nicht leisten können. Sie unterrichtet nicht nur für Klassikfans, sondern bietet auch Jazz und Pop. Musikschulen bilden nicht zwangsläufig Profimusiker aus. Sie haben vornehmlich die Aufgabe, die Freude und das Verständnis für Musik zu fördern. Sie ergänzen damit auch den Musikunterricht an Schulen, der dort meist nur ein Randfach ist und Instrumentalunterricht nicht leisten kann. Die Max-Bruch-Musikschule genießt einen sehr guten Ruf. Dieses Aushängeschild Bergisch Gladbachs darf nicht weiter beschädigt werden.
    Dr. Roland Weyhenmeyer, Vorsitzender Sinfonieorchester Bergisch Gladbach

  12. Constantin Herzog

    Vielen Dank dafür, dass das Thema zur Sprache gebracht wird!

  13. Olaf Droste

    Ich bin sowohl Vater eines Musikschülers als auch selber Schüler an der Max-Bruch Musikschule.

    Es ist eine Zumutung mitzuerleben, unter welch prekären Bedingungen hochgebildete und hochmotivierte Lehrkräfte ausgebeutet werden. Der gesellschaftliche Nutzen musikalischer Bildung ist dagegen unstrittig. Daher können auch leere Kassen kein Argument für eine derartige Lohnpolitik sein. Der Staat, das Land und auch die Kommunen machen ohnehin Schulden. Daher ist es notwendig diese sinnvollen Investitionen in unsere Gesellschaft zu tätigen.

    Unseren Bürgermeister Lutz Urbach möchte ich an dieser Stelle an das Versprechen seiner Partei erinnern, dass es Niemandem durch die Ankunft der zahlreichen Schutzsuchenden schlechter gehen soll. Ich fordere ihn daher auf dieses Versprechen einzulösen.

    Die allermeisten Schüler der Musikschule sind Kinder. Daher wird diese Problematik auch nur vermindert wahrgenommen. Liebe Eltern, machen Sie sich stark für unsere Lehrkräfte, unsere Kinder sollten es uns wert sein.

  14. Wolfgang Molinski

    Ich bin seit 15 Jahren als Honorarlehrer mit Hochschulabschluss an der Musikschule.

    Ich fordere gleichen Lohn für gleich geleistete Arbeit wie jeder mit Festanstellung.
    Als Honorarkraft erwirtschafte ich zwölf Monate lang Einkünfte für die Stadt, werde aber nur für die gegebenen Unterrichtsstunden bezahlt.
    Kein Geld in den Ferien, heist für mich kein Urlaub seit Jahren.
    Was erwartet die Stadt von mir?
    Engagement, Beteiligung an Konzerten, Unterrichtsvorbereitung, unentgeldlich?
    Krank werden?
    Das kann ich mir gar nicht leisten!
    Wenn sich dann wegen Unterrichtsausfall ein Schüler abmelden würde, muss ich um meine Existenz fürchten.
    Jetzt bin ich bereit ein weiteres grosses Ensemble zu leiten, damit den Schülern diese Möglichkeit gegeben wird.
    Ja, ich lasse mich gerne ausbeuten!

  15. Christine Moscho

    Als Mutter dreier Kinder sage ich: Danke an alle engagierten Vertreter, die sich dafür einsetzen, dass hochqualifizierte Lehrkräfte, die sich für die musikalische Ausbildung junger Menschen engagieren, ein ihrer Qualifikation und ihrem Einsatz angemessene, sicheres Gehalt erhalten.

  16. Bernhard Beller

    Musik ist eine internationale Sprache, verbindet, integriert, bildet, gestaltet Kultur. Ein elementarer Beitrag für die Seele und somit für das Wohlbefinden eines Jeden. Ohne Musikschaffende wäre, das Leben grau und eintönig! Wir haben eine gemeinsame Verantwortung dafür, dass die Menschen, die sich engagieren jungen und älteren Musiknachwuchskünstlern in ihren Entwicklungen behilflich sind ihre Potentiale zu entfalten und dadurch für zukünftige Lebensqualität in unserer Stadt sorgen, ordentlich bezahlt werden. Ja, sparen kann man bestimmt gut, wenn Personal in einer so wichtigen Institution reduziert. Glaube ich gerne! Es ist mal wieder sparen an der Vielfalt und Bildung von Kindern. Ist ja irgendwie passend für unser „Grau Glattbach“ !! Graue-nhafte Innenstadt, grauenhaften Forumpark, demnächst dann auch noch grauenhafte Töne aus der Musikschule, weil die ausgebeuteten Honorarlehrer Ihre Lebensfreude in ihrem Überlebenskampf verlieren. Nur weiter so, dann ist der Weg zur grauenhaftesten Stadt Bestens geebnet!
    Ich bin damit nicht einverstanden! Aber wenn ihr von uns gewählten Vertreter weiterhin die Attraktivität der Stadt an den Grund wirtschaftet, entwickle ich Fluchtfantasien. Unsere Stadt braucht Familien mit Kindern um lebendig zu bleiben! Kultur und vor allem Musik ist ein Grundbedürfnis!

  17. Christoph Turwitt

    Als Honorarkraft an der Musikschule kann ich mich meinen VorrednerInnen nur anschließen. Selbst als qualifizierte, studierte Fachkraft kann man sich im Bereich der Instrumentalpädagogik im Grunde nur noch mit diversen kleinen, unsicheren Verträgen in verschiedenen Städten durchschlagen. So beißen sich viele fantastische Musikpädagogen als umherreisende Freelancer durch. An finanzielle Sicherheit für das Ernähren einer Familie ist da kaum zu denken, es sei denn, man nimmt jedes mögliche Angebot an und ist dementsprechend gar nicht mehr zu Hause bei der Familie. (von den Konzerten an Wochenenden, die nun mal zum Profimusikeralltag dazu gehören, ganz zu schweigen).

    Natürlich sieht es für die Stadt zunächst so aus, als könne sie auf diese Art und Weise Geld sparen. Tatsächlich ist es allerdings sehr kurz gedacht anzunehmen, dass die Honorarkräfte dieselbe Arbeit leisten können wie fest Angestellte:

    Ein fest angestellter Lehrer baut sich eine langfristige Existenz in (auch räumlicher) Verbindung zur Musikschule auf. Er identifiziert sich mit der Schule, baut Instrumentenklassen und Ensembles auf, organisiert Konzerte, gegebenenfalls Fahrten etc.. Auf ebensolche Lehrkräfte ist jede Musikschule angewiesen. Sie machen das dortige Leben und Treiben aus.
    Des Weiteren steigert ein fester Vertrag natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass den Kindern in den Einzel- und Gruppenunterrichten permanente Lehrerwechsel erspart bleiben. Dass allerdings eine langjährige, konstante, gewachsene Lehrer-Schüler-Beziehung für die pädagogische Arbeit sehr wichtig ist, dürfte selbsterklärend sein.

    Von den Honorarkräften kann man all dies nicht erwarten: weder die eindeutige Identifikation mit der Institution, noch den herausragenden Einsatz, noch die langjährige Bindung an die Musikschule. Zum einen sind sie als freie Mitarbeiter zu keinem dieser Aspekte vertraglich verpflichtet. Vor allen Dingen aber können sie das schlichtweg nicht leisten, selbst wenn sie es wollten, weil sie an zu vielen Stellen gleichzeitig arbeiten müssen um ihr nötiges Einkommen zu erreichen. Darunter leidet nicht zuletzt der Konzert- und Ensemblebetrieb der Musikschule, welcher – wie bereits angedeutet – elementarer Bestandteil der besonderen Qualität dieser Einrichtung sein sollte.

    Ich habe diese Entwicklung schon an einer anderen städtischen Musikschule miterlebt. Dort hat man selbst in der Politik irgendwann begriffen, dass das Einführen von Honorarverträgen die Musikschule – wie oben beschrieben – wortwörtlich ‘ausbluten’ lässt. Es wurde dann reagiert und wieder vermehrt auf einzelne, größere, feste Stellen gesetzt. Die daraufhin einsetzende Produktivitätssteigerung in allen betroffenen Instrumentengruppen hat der Stadt gezeigt, dass sie mit den Honorarverträgen auf das falsche Pferd gesetzt bzw. an der falschen Stelle gespart hatte.

    In jener Stadt wurde zwar spät, aber nicht zu spät gegengelenkt. Für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in Bergisch Gladbach – allen voran natürlich der Kinder -, kann man nur hoffen, dass es bald in eine ähnliche Richtung geht, denn die Lebensqualität hängt immer auch vom kulturellen Angebot der Stadt ab.

  18. Jutta Lambeck

    Ich kann mich den Vorrednern und Kollegen nur anschließen. Vielen Dank für das Engagement!

  19. Karlfried Hartmann

    Wie in vielen anderen Bereichen wird auch hier an unserer Zukunft gespart. Dass die betroffenen Musiklehrer trotz dieser prekären Situation einen hochqualifizierten Unterricht abliefern, ist Ihnen hoch anzurechnen. Wenn unsere Kinder von Sparmaßnahmen nicht direkt betroffen sind – wie in der Schule – werden andere an den Rand des Ruins getrieben, um Gelder einzusparen. Marktwirtschafliche Interessen haben offensichtlich Vorrang vor einem für alle Beteiligten interessanten und effzienten Lernerfolg. Von Mitmenschlichkeit weit und breit keine Spur. Das muss sich ändern!

  20. Theresia Meinhardt

    Ich bin gespannt auf die angekündigte Vorlage zum Auschuss. Ein erstes richtiges Zeichen ist es, die freigewordenen 2,5 Stellen wieder neu fest zu besetzen. Ich erhoffe aber vor allem darin einen ernstgemeinten Vorsachlag für einen strukturellen Wandel für die Musikschule zu finden. Wenn jetzt alle “nur” froh sind, dass es keinen weiteren Stellenwegfall gibt, dann heißt es ja, dass wir mit dem jetzigen Status Quo zufrieden sind.

    Gelernt habe ich gestern außerdem, dass die Personalzahlen im Haushaltplan an vielen Stellen nicht stimmen. Bei der Musikschule wurde fälschlicherweise eine 0,75-Stelle zuviel angegeben.
    Wie man als Feierabendpolitikerin seinen Auftrag der Kontrolle halbwegs seriös ausführen soll, wenn das Zahlenwerk an zentralen Stellen nicht stimmt, ist mir schleiherhaft.
    Den Vorwurf, dass man dadurch unnötiges Erregungspotential selbst erzeugt, sollte sich unsere Verwaltung sehr zu Herzen nehmen!

  21. Dr. Achim Kampf

    Nicht nur als Vorsitzender des Elternbeirates der Max-Bruch Musikschule, sondern auch als Vater zweier Kinder, die intensiv vom Angebot der Musikschule profitiert haben, kann ich mich den Kommentaren im Wesentlichen nur voll und ganz anschließen. Kommunalpolitiker aller Couleur werden nicht müde, in Sonntagsreden die Bedeutung von Musikschulen und deren kultureller Bedeutung zu preisen. Doch geht es dann an die Haushaltsaufstellung, fallen Musikschulen leider zunehmend durch das finanzielle Raster und werden geschlossen, in fragwürdige Konstrukte überführt oder personalmäßig ausgedünnt. Klar, Sachzwänge der kommunalen Finanzpolitiker sind nicht zu leugnen und wird nicht bei den Musikschulen gespart, muss dies an anderer Stelle getan werden. Eine Abwägung mag da im Einzelfall schwierig sein. Eines sollte man sich aber immer vergegenwärtigen: Musikschulen leisten neben dem regulären Schulbetrieb einen nicht hoch genug anszusetzenden Beitrag für die geistige und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Beherrschung eines Instrumentes ist geeignet, zur seelischen Gesundheit für das ganze Leben beizutragen. Dazu bedarf es dann aber auch eines angemessenen Vergütungssystems in würdigen Beschäftigungsverhältnissen für die in der Regel sehr gut qualifizierten Lehrkräfte. Ansonsten wird sich die musikalische Bildung unserer Kinder irgendwann in Schlachtgesängen auf Kunstrasenplätzen erschöpfen!

  22. Birgit Bischoff

    Dem Beitrag von Frau Meinhardt sowie allen anderen Kommentaren schließe ich mich gerne an. Über meine Funktion als Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule und Mutter von drei Kindern, die an der Musikschule seit Jahren unterrichtet werden, hinaus, möchte ich aber auch als kulturpolitische Sprecherin der CDU etwas zur Diskussion beitragen.

    Verwaltung und Politik wissen um die personellen Probleme in der Musikschule und waren in den letzten Monaten nicht untätig, auch wenn das für die Öffentlichkeit bis jetzt „noch“ nicht sichtbar geworden ist.

    Mit dem Haushaltsentwurf für 2018 steht nun aber ein erster Schritt in Richtung Abwendung von der bisherigen rigiden Personalpolitik der Musikschule bevor. In der kommenden Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur, Schule und Sport am 6.12.2017 wird die Verwaltung der Politik vorschlagen, erstmals seit mehr als 10 Jahren wieder 2,5 feste Stellen in der Musikschule wieder zu besetzen. Ich persönlich rechne mit einer fraktionsübergreifenden Mehrheit für diese längst überfällige Maßnahme. Denn die anfänglichen Spareffekte, die sich durch den seit 10 Jahren konsequenten Ersatz fest angestellter Lehrkräfte durch Honorarlehrer ergeben hatten, haben sich längst in mehrfacher Hinsicht in ihr Gegenteil verkehrt. Die Musikschule kommt ihrem öffentlichen Auftrag heute vor allem durch ein hohes Maß an Improvisation und mit viel gutem Willen nach. Der Beschluss 2,5 feste Stellen in der Musikschule wieder zu besetzen kann also nur ein Anfang ein, aber der richtige.

  23. Claudia Bacmeister

    Wikipedia definiert Musikschulen so:

    „Musikschulen
    sind öffentliche gemeinnützige Einrichtungen der Musikalischen Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und erfüllen einen öffentlichen Bildungsauftrag.
    Sie führen an die Musik heran.
    regen Musikalität an.
    finden und fördern musikalische Begabungen.
    leiten zum aktiven Musizieren an.
    vermitteln lebenslange Freude an der Musik.
    bieten eine Musikalische Früherziehung / Grundausbildung.
    geben qualifizierten Instrumental- und Vokalunterricht.
    ermöglichen das gemeinsame Musizieren in Orchestern, Chören, Ensembles.

    Sie haben einen eigenen Platz im Bildungsgefüge und
    sind in der Regel in öffentlicher Trägerschaft oder erfüllen als e. V. eine öffentliche Aufgabe
    ersetzen nicht den Musikunterricht in der Schule.
    machen ein spezielles musikalisches Ergänzungsangebot.
    arbeiten mit Schulen, Laienmusikvereinen, Jugendzentren, Volkshochschulen, Kirchen, freien Trägern und anderen zusammen.“

    In diesem Sinne dienen Musikschulen nicht der Elitebildung, sondern erfüllen einen sozialen Auftrag. Besonders durch das gemeinsame Musizieren werden besonders Kinder und Jugendliche zu Teamwork und Aktivitäten angeregt, die sie in den Medien so nicht finden können. Diese Alternative zu Handy, PC, TV, etc. weiter finanziell zu beschränken, zeigt einen großen Mangel an Weitsicht und sozialer Verantwortung.

  24. Anja Dewey

    Gerne stimme ich den anderen Kommentaren und dem Artikel von Frau Meinhardt zu.
    Auch wir sind mit unseren Kindern seit vielen Jahren an der Musikschule und beobachten die Entwicklung. Ebenso kennen wir aus persönlichen Bindungen die Situation der Honorarkräfte an Musikschulen. Daher noch dieser zusätzliche Gedanke. Da sind Menschen oft an mehreren Musikschulen beschäftigt und können die “Zusatzveranstaltungen”, wie zum Beispiel Konzerte, Konferenzen, Tag der offenen Tür, Probenwochenenden der Ensembles und Fahrten (das Musikschulorchester hat im Rahmen einer solchen Fahrt zur Pflege der deutsch-französischen Freundschaft in unserer Partnerstadt Joinville-le-Pont im letzten Schuljahr mit viel Einsatz seines Leiters einen wertvollen Beitrag geleistet) außerhalb des Unterrichts gar nicht mittragen, da die Verpflichtungen an anderen Orten dem entgegenstehen. Wenn aber diese organisatorischen, aber auch öffentlichkeitswirksamen Dinge nur von den immer weniger werdenden fest angestellten Lehrerinnen und Lehrern geleistet werden sollen/müssen, dann soll man sich nicht wundern, wenn hier die Zahl der Veranstaltungen abnimmt. Dies bedeutet dann auch weniger Kinderkonzerte mit freiem Eintritt, weniger musikalische Rahmen bei Städtischen Veranstaltungen durch Schüler der Musikschule, weniger Möglichkeiten für unsere Jugendlichen sich zu präsentieren und dadurch zu lernen, und letztlich auch weniger Werbung für unsere Stadt, als Wohnort attraktiv zu bleiben.
    Außerdem finde ich es sehr bedenkenswert, wenn trotz der momentanen Entwicklung unserer Gesellschaft hin zu immer mehr Verflachung unseren Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit genommen wird, sich mit unseren kulturellen Schätzen auseinander zusetzten und so als Erwachsene einen geweiteten Blick auf das Leben zu gewinnen. Dies wird allein auf privater Ebene nicht allen Schülerinnen und Schülern der Musikschule möglich sein. Und das wäre mehr als schade.

  25. Arne Meinhardt

    „Zeit für mehr Gerechtigkeit!” Das war der Slogan der SPD für die vergangenen Bundestagswahlen.
    Und unsere (noch) Bundeskanzlerin sagt auch gerne Sätze wie: „Unsere wichtigste Ressource in Deutschland sind kluge und kreative Köpfe. Deshalb geht es uns natürlich darum, den Nachwuchs zu fördern, Talente zu fördern. “(Jahrestagung Humboldt-Stiftung 2011) oder „Dabei geht es um die wichtigste Ressource unseres Landes: das Wissen und das Können von Leistungsträgern unserer Wirtschaft.“ (Eröffnung Gamescom 2017).

    Beides zusammen, Liebe GroKo in Bergisch Gladbach, kann nur heißen, dass Sie als Vertreter der SPD heute dafür sorgen, dass die Lehrkräfte (nicht nur an der Musikschule) gerecht bezahlt werden, damit aus kreativen Köpfen und Talenten in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen die Leistungsträger von morgen werden, wie Sie es als CDU postuliert.

    Sie haben es in der Hand, dem Sozialdumping und der Ausbeutung von Zukunftsressourcen entgegenzutreten. Ein langer Weg, aber Sie können und müssen den ersten Schritt tun!

  26. Holger Faust-Peters

    Nur noch ein paar kleine Details, um die Situation der Honorarkollegen besser zu verstehen: Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine bezahlte Zeit für Unterrichtsvorbereitung, kein Jobticket, keine Anstellung über eine halben Stelle, keine Sozialleistungen. Und das bei höchstqualifizierten und trotz allem motivierten Mitarbeitern mit Hochschulabschlüssen u.s.w.

  27. Nadine Rothe

    Wir sind seit über 10 Jahren mit unseren Kindern an der Musikschule und ich kann dem von Frau Meinhardt beschriebenen Zustand der Musikschule nur zustimmen. Immer mehr Honorarkräfte, die teilweise von einer zur nächsten Musikschule pendeln müssen; gute Lehrer, die von heute auf morgen weg sind, weil sie woanders eine feste Stelle bekommen haben; immer mehr private Förderung durch Förderverein, weil die Stadt nur am kürzen ist.
    Der Artikel zeigt mal wieder ganz deutlich, dass die Stadt Bergisch Gladbach sich kaputt spart und offensichtlich vielmals Prioritäten setzt, die ich als Bürger dieser Stadt nicht nachvollziehen kann. Statt an den richtigen Stellen zu investieren, wird weiterhin eingespart. Wieso gibt es offensichtlich aktuell niemanden in der CDU Kommunalpolitik, der sich damit auseinander setzt, was Bergisch Gladbach als Wohnort, Standort und Heimat attraktiv macht? „Kultur freiwillige Leistung der Stadt und nur für Eliten?“ Interessantes Argument. Angenommen es wäre so, wer wird denn zur Elite gezählt? Die vielen Eltern, die Ihre Kinder an der Musikschule unterrichten lassen? Die Besucher der zahlreichen Konzerte, u.a. Erzählkonzerte die oft kostenfrei auf Spendenbasis von der Musikschule angeboten werden und welche das kulturelle Angebot der Stadt deutlich aufwerten?
    Man nennt sich hier gerne den Speckgürtel von Köln. Junge Familien mit Kindern, wollen/sollen hierher umsiedeln. Was ist denn diesen Familien wichtig? Sicher das kulturelle Angebot vor der eigenen Haustür, das gute Bildungsangebot für ihre Kinder, wozu auch eine intakte Musikschule gehört und eine gute Anbindung mit dem Öffentlichen Verkehr etc. Wo ist in Bergisch Gladbach der Speck? Attraktive Innenstadt mit Einkaufszentrum und „neuem Pflaster“ was schon nach den wenigen Jahren überall kaputt geht? Verstopfte Straßen und riesige Investitionen in Kreisverkehre, statt in Öffentlichen Nahverkehr? Chronisch unterfinanzierte Schulen, Musikschule, Schwimmbäder, Bibliotheken? Alles nur Dinge die die “Elite“ benötigt? Weiter so, dann bildet sich garantiert der Speck um Köln nicht mehr in Bergisch Gladbach aus, womit dann auch die Einkommenssteuer leider woanders hinfließt und die Abwärtsspirale weiter antreibt!

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