Beim Bergischen Naturschutzverein war Martin Sorg zu Gast: Der Biologe, der das dramatische Insektensterben nachgewiesen hatte. Die Ursachen sind vielschichtig, die notwendigen Maßnahmen vielfältig. Dabei müssen vor Ort Politik und Bürger ihren Teil beitragen.

Mehr als 100 Interessierte konnte der (Rheinisch)-Bergische Naturschutzverein (RBN) bei seiner Jahreshauptversammlung im Naturschutzzentrum in Untereschbach begrüßen. Der Grund dafür: Zu Gast war Dr. Martin Sorg vom Entomologischen Verein in Krefeld.

Der Biologe beobachtet seit über 20 Jahren Insekten, sein dramatisches Fazit hat inzwischen die Runde durch alle Medien der Republik gemacht: Der Artenbestand der Insekten ist in den letzten 20 Jahren um etwa 75 Prozent gesunken. Auch die anderen Tiere in der Fraßkette, etwa Vögel, haben einen erschreckenden Rückgang zu verzeichnen.

RBN-Vorstandsmitglied Thomas Stumpf, Sprecher der Bergischen Ornithologen, weist seit Jahren darauf hin, dass etwa im Rheinisch-Bergischen Kreis früher oft zu beobachtende Vögel wie die Bodenbrüter Kiebitz und Feldlerche so gut wie verschwunden sind. Sowohl Insekten wie Vögeln fehlen die Lebensräume und die natürlichen Nistgelegenheiten, ihnen, fehlt die Vielfalt an blühenden Pflanzen und Sträuchern, die ihnen Nahrung und Deckung verschaffen.

Die Besucherinnen und Besucher der RBN-Versammlung waren beeindruckt, über welch einen Zeitraum mit welchen Details die Biologen, unter ihnen auch das RBN-Vorstandsmitglied Hubert Sumser, die traurige Entwicklung verfolgen konnten, unter anderem auch im Bergischen Land im Bereich des Wasserschutzgebiets Wahnbachtalsperre sowie an anderen ausgesuchten Standorten.

Die Ursache für das Artensterben dürfte vielschichtig sein, darüber sind sich die Experten einig. Dass aber eine in weiten Teilen industrialisierte Landwirtschaft mit Monokulturen wie etwa dem auch im Bergischen Land ausgeweiteten Maisanbau als eine der Ursachen in Frage kommt, wurde bei der Veranstaltung und den Diskussionen deutlich.

Das Phänomen des Insektensterbens, auch in unserem direkten Umfeld im Rheinisch-Bergischen Kreis, ist nicht zuletzt dank der Beobachtungen und Forschungen etlicher RBN-Mitglieder erkannt. Aber was kann dagegen getan werden? Was muss getan werden, damit nicht eines Tages wie bereits in Teilen Chinas die Obstbäume von Hand bestäubt werden, um für eine Ernte zu sorgen? Was kann schon heute getan werden, den Lebensraum von z.B. Bienen zu verbessern?

Der RBN hält gewaltige finanzielle Anstrengungen des Landes Nordrhein-Westfalen für notwendig, zum Beispiel großflächig Gebiete aufzukaufen und auszuweisen, in denen keine intensive Landwirtschaft betrieben und keine Chemie eingesetzt wird, in denen Blühpflanzen in großer Anzahl vorhanden sind, um insbesondere Wildbienen einen Lebensraum zu bieten.

Beispielsweise sollten Blühstreifen in der freien Landschaft mit Grünland und Hecken entlang der Wege oder Grundstücksgrenzen gefördert werden, hier sollte Geld als Ankauf der Flächen oder als Entschädigung für die Landwirte eingesetzt werden.

Dagegen: Gut gemeinte kleinteilige Maßnahmen inmitten des Straßenverkehrs, wie kürzlich in Bergisch Gladbach für städtische Flächen publikumswirksam eingeleitet, bewirken das Gegenteil. Blühstreifen entlang von Land- und Kreis- oder Gemeindestraßen mit einer Mischung aus blühenden Blumen zu versehen, zieht die Insekten sicherlich an, aber wie viele von ihnen sterben beim An- und Abfliegen den Autotod?

Was, so fragt der RBN den Bergisch Gladbacher Bürgermeister Lutz Urbach, glaubt er gegen den Artenschwund wirksam erreichen zu können, wenn er für die paar Quadratmeter, die jetzt mit Blütenpflanzen bestückt werden sollen, insgesamt 150 Hektar Grünland und Wald nach dem letzten Stand des Flächennutzungsplans-Entwurfs zu opfern bereit ist?

Den Bienenfreunden wortreich hilfreich zur Seite stehen, aber gleichzeitig den summenden Mitgeschöpfen weiteren Lebensraum in Wald und Flur nehmen? Dafür haben die RBN-Mitglieder kein Verständnis, erst recht nicht, nachdem sie aus erster Hand beeindruckend über das verhängnisvolle Wirken der letzten Jahrzehnte informiert worden sind.

Rettet die Bienen: Große Koalition für großes Gesumm

Der RBN appelliert vielmehr an den Bürgermeister, die Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt dazu aufzurufen, ihre privaten Gärten entsprechend hierzurichten: Statt Friedhofspflanzen wie Lebensbaum, Fichte und Kirschlorbeer anzupflanzen, sollten heimische Gehölze wieder ihren Platz im Garten finden. Sie bieten Deckung und Nahrung für Vögel.

Die Unsitte, sich Schotter in den Vorgarten zu werfen mit maximal ein oder zwei möglichst immergrünen Gehölzen, trägt nicht dazu bei, ein artenreiches Umfeld zu schaffen. Unabhängig davon, dass diese Monotonie, die leider zunehmend in den Gärten der Bergisch Gladbacher Siedlungen Einzug hält, wenig abwechslungsreich aussieht.

Wie legt man eine Blumenwiese für Bienen an?

Der RBN arbeitet eng mit Bienenzüchtern zusammen. Der Bienenzuchtverein Overath ist Mitglied im RBN und unterhält im RBN-Naturschutzzentrum einen eigens hergerichteten Schleuderraum.

Gemeinsam mit dem Bienenzuchtverein wird sich der RBN dafür einsetzen, dass seitens Land und Kreis mehr Geld für geschützte Gebiete bereit gestellt und deren Nutzung so festgesetzt ist, dass Lebensräume erhalten und wiederhergestellt werden – großflächig.

Und zugleich ergeht der Appell an alle Menschen in den Siedlungen des Bergischen Landes, im Garten mehr Vielfalt an heimischen Pflanzen und Sträuchern herzustellen. Rasen, Schotter im Vorgarten oder in Drahtkäfigen aufgehäufte Steinhaufen – genannt Gabionen – helfen Bienen und Insekten leider nicht.

RBN

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft. Kontakt: info@bergischer-naturschutzverein.de

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2 Kommentare

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  1. Niemand würde den Schutz von Natur und Landschaft nicht begrüßen. Wald und freie Landschaftsflächen sollten geschützt und erhalten bleiben. Doch die Versagung der Kita in Lückerath legt mir ein Gescmäckle auf die Zunge. Weiß der RBN wirklich nicht warum die Blumenwiese auf die Lena Weide muss. Weiß er nicht, dass die Fläche auf dieser Seite der Straße nicht zur ” Grünen Lunge gehört.

  2. Das große Problem ist doch, dass diese Seite wieder nur von den “Bienenfreunden” gelesen wird oder täusche ich mich?
    Ich bin Stadtkind, Elekroingenieur von der Ausbildung zudem, mein Naturbegriff ist ein romantischer, der eher von Fernsehfilmen und Umweltzeitschriften geprägt ist als von tatsächlichem Erfahren und Wissen. Zwar glaubte ich nie, das Kühe lila sind aber ansonsten geht es wahrscheinlich zu Vielen wie mir, dass wir von der Wichtigkeit der Natur wissen, sie aber nicht erleben und daher zu wenig im Alltag beachten. Was wir nun beobachten hat in groben Zügen ja schon Rachel Carson in Silent Spring 1962 beschrieben und damit die amerikanische Umweltbewegung beflügelt – welch Wortspiel zum Thema ;-)
    Vom verschwenderischen Umgang mit der Landschaft, bis zur Weigerung präventiver mit der Natur umzugehen – siehe Glyphosat Diskussion – wir rennen den Problemen hinterher, statt unseren Lebensstil zu hinterfragen UND zu ändern!
    Neben der wichtigen politischen Frage kann jeder, jeden Tag mitentscheiden, ein (selbst-)kritischer Blick in den Einkaufswagen genügt! – zumindest für den Anfang.
    Mit optimistischen Grüßen
    Sascha Gajewski