An diesem Mittwoch tagen ab 17 Uhr die zuständigen Ausschüsse des Stadtparlaments von Bergisch Gladbach erneut öffentlich im Bürgerhaus Bergischer Löwe. Dort soll der nächste Schritt zum neuen Flächennutzungsplan entschieden werden.

Die Stadt Bergisch Gladbach will die schönsten und letzten Wiesen zubauen, die aber als überregionale Kaltluftschneisen die Kölner und Bergisch Gladbacher Luft säubern. Dabei liegen die Stickoxide in beiden Städten massiv über den Grenzwerten. 

Für die massiven Baumaßnahmen plant die Stadtverwaltung auch Wälder und Biotope mit seltenen Tieren (Rotmilane, Mäusebussarde, Fledermäuse) zu zerstören. Auch auf dem beliebten Naherholungsgebiet Nußbaumer Feld mit dem “Kölner Fenster” soll eine Siedlung entstehen, deren Größe fünf Fußballfelder überragt.

Hinweis der Redaktion: Eine neue, detaillierte Biotop-Analyse des Nussbaumer Feldes für die Bürgerinitiative finden Sie weiter unten.

Dabei birgt die Versiegelung dieser Fläche auch Gefahren für das Grund- und Trinkwasser sowie für die Stabilität des Kölner Stadtteil Mülheims. Das Nußbaumer Feld ist ein sandiges Auffangbecken für das Grundwasser des rechtsrheinischen Kölns. 

Auch im Bergisch Gladbacher Stadtteil Heidkamp soll ein Biotop geopfert werden, damit die erfolgreiche Krüger GmbH dort ein Bürogebäude und einen Parkplatz errichten kann.

Es werden am Mittwoch viele Bergischer Gladbacher Bürger erwartet, die die Argumente der Stadtverwaltung und der Politiker nicht nachvollziehen können. Schließlich sind die Flüchtlingszahlen rückläufig und das Land prognostiziert bis 2030 eine Stagnation der Einwohnerzahl.

Zudem bieten genügend Brachflächen auf dem eh. Köttgen-Areal und auf dem Zandersgelände ideale Optionen für zentrumsnahe und verdichtete Wohnbebauung, die flächenschonend ist. Dabei hat die Stadt zu wenige Parks – nur ein Prozent der gesamten Fläche sind Friedhöfe und Parks.

Zum Hintergrund: Biotop-Analyse „Nußbaumer Feld“ (= Nu7 Nord)

Erstellt von Sofie Schönian, Biotop-Beraterin

I. Geographische Lage

Aufgrund der geographischen Lage, Unterboden und Bodenstruktur und gewachsenem Wasserhaushalt, müssen dem Nußbaumer Feld folgende Eigenschaften zugeordnet werden:

Der Unterboden ist Granit-Gestein und damit sehr dicht und hart aufgrund geologischer Einwirkungen und seiner Entstehungszeit vor ca. 3 Milliarden Jahren und mehr.

I. a) Prähistorische Entstehung: Sand und Ton

Als westlicher „Strandbereich“ des Urkontinents Pangea wurde durch die Aufspaltung und Kontinentaldrift der östlichen Kontinentalteile die ursprüngliche Ostküste Pangeas rund um den Planeten befördert und ist letztendlich an die alte Platte von Westen angestoßen. In der Kollisionszone bildete sich eine Vulkankette, die heutige Eifel.

Das Urmeer hinterließ hier in Nußbaum einen Urstrand, feinen Sand der sich abwechselnd mit tonhaltigen Feinstsedimenten ablagerte. In den Tälern des Bergischen Landes (z.B. Lindlar) bildete sich durch Korallenriffe in den damaligen Lagunen der heute hoch geschätzte feine graue Kalk-Sandstein (Wacke).

Nach Kollision der beiden Kontinentalplatten bildete sich das quer durch Europa verlaufende (heutiger Rheingraben) Urmeer Tetis, das zum 2. Male feine Sandablagerungen in der Kölner Bucht sowie weitere tonhaltige Sedimente ablagerte.

Dies spielt für das Verständnis der örtlichen Konditionen des Nußbaumer Feldes eine wichtige Rolle.

I. b) Nußbaum in der Neuzeit: Mitten im Sumpf tritt Granitfels wieder hervor, Nutzung als Steinbruch

Bis ins 19. Jahrhundert waren „Unter-Nußbaum“ und „Unter-Paffrath“ ein sumpfiges für keine Landwirtschaft geeignetes Gebiet. Das „Tonwerk“ neben der alten Paffrather Mühle zeigt klar auf, daß die Menschen die Resourcen erkannten und zu nutzen wußten. Deshalb sind viele alte Häuser in Paffrath und Nußbaum aus Ziegelsteinen, die man durch die Verbrennung von Ton gefertigt hat.

Im oberen Teil Paffraths (Nußbaumer Wald) trat durch Erosionseffekte der ursprüngliche Granitfels ans Tageslicht und wurde von meinen Vorfahren als Steinbruch genutzt. Aus den Nußbaumer Bruchsteinen wurden der älteste Teil der Paffrather Kirche im 12. Jahrhundert und z.B. die alte Wasserburg Haus Blegge erbaut.

I. c) Ackerbau auf dem Nußbaumer Feld ab dem 12. Jahrhundert

Durch umfangreiche Entwässerungsarbeiten im gesamten Paffrather Einzugsgebiet wurden die Bäche „geregelt“, so dass der Wasser schnell abfloss.

Ab dem 12. Jahrhundert wurden die oberen Bereiche Nußbaums trocken gelegt.

Dann begann die Bevölkerung mit der Acker- u. Landwirtschaft im oberen Teil Nußbaums auf dem Ackerland, das heute „Nußbaumer Feld“ genannt wird.

II. Das Grundwasser und der Sand

II. a) Flächenversieglung senkt Grundwasser

In Nußbaum hatte jedes Haus im Garten einen eigenen Brunnen. Diese begannen in den 60er Jahren auszutrocknen. Der Grund: Die Entwässerungsmaßnahmen und die zunehmende Bebauung (=Flächenversiegelung) in Nußbaum. Dadurch fiel der Grundwasserspiegel rapide ab. Bis heute hält dieser Prozess an, d.h. der Grundwasserspiegel sinkt immer noch weiter.

II. b) Hebborner Wald lenkt Regenwasser in Mutzbach

Der „Hebborner Wald“ im Osten und oberhalb des Nußbaumer Feldes hat für den Erhalt des unterirdischen Wasserhaushaltes eine überaus wichtige Funktion.

Der Wald steht auf Sand und lehmigen Bodenschichten, die aber schon bei einer Tiefe ab ca. 1 m in Felsgrund übergehen.

Die oberen Schichten sind aufgrund ihrer sandigen Struktur nicht geeignet, Wasser fest zu halten. Sie filtern Regen- und Schmelzwasser schnell in gewachsene Drainage-Kanäle, durch die alles Wasser aus Ober-Nußbaum in den Verlauf des „Mutzbachs“ eingespeist wird.

II. c) Mutzbach versorgt Holweide mit Trinkwasser

Der Mutzbach wiederum fließt in das Trinkwassersystem Kölns, exakt in das Wasserwerk Köln-Holweide. Wegen der Trinkwasserversorgung musste der Mutzbach in den vergangenen Jahren wieder „renaturiert“ werden, um den zu schnellen Wasserabfluß zu verhindern.

Der Wasserwirtschaft sind die Folgen der Bebauung in Nußbaum klar bewußt: Durch Erschließungsmaßnahmen im gesamten Nußbaum, auch in den oberen Ortsteilen auf dem Nußbaumer Feld, hat die Oberflächenversiegelung durch Baumaßnahmen unangemessene Ausmaße angenommen.

II. d) Folgen der geplanten Baumaßnahmen im Nordosten des Nußbaumer Feldes

Seit den 90er Jahren entstehen bereits ernsthaften Konsequenzen für das gesamte Ökosystem. Bei einer erneuten, großflächigen Bebauung und Versiegelung des Nußbaumer Feldes würde erneut eine großflächige Kanalisation notwendig werden. Dieser zusätzliche Kanal würde den Wasserabfluss zu stark beschleunigen.

Die Gefahr der Trockenlegung des Hebborner Waldes ist schon jetzt abzusehen. Der gesamte Lebensraum Nußbaum-Paffrath würde dadurch unangemessen gefährdet sein.

III. Das Biotop Nußbaumer Feld

Das Biotop Nußbaumer Feld ist für eine nachhaltige Stadtentwicklung und den Erhalt der gewachsenen natürlichen Diversität in höchstem Maße schützenswert.

Hierzu muß unbedingt eine Nachhaltigkeitsstudie in Auftrag gegeben werden!

Dazu kommt die unschätzbare Wichtigkeit, der Natur Freiräume zu belassen, um gewachsene Biodiversität nicht weiter zu zerstören, sondern im Gegenteil zu erhalten und zu unterstützen.

IV. Die Bedeutung des Nußbaumer Feldes für die Lebensqualität

Der weitere Wert, den das Nußbaumer Feld für die Bergisch Gladbacher Bürger hat, kann nicht hoch genug bewertet werden. Das Nußbaumer Feld trägt zur Lebensqualität der Bürger bei, insbesondere zu ihrer Erholung und zur Erhaltung ihrer Gesundheit.

V. Schlussfolgerung

Der im gegenwärtigen FNP-Entwurf ausgewiesene Flächenverbrauch würde Nußbaum als Biotop irreversible in Gefahr bringen und durchaus zerstören.

Die systemischen Risiken sind mit Weitblick, Untersuchungen und Experten-Wissen zu bewerten und in jedem Fall wegen der schweren Folgen für das Gemeinwohl individuellen Interessen überzuordnen.

Bergisch Gladbach, den 3.12.2017

Anmerkung zur Ergänzung der Tierartenliste von Herrn Carsten Leite vom 30.11.2017: Neben den von Herrn Leite aufgeführten Tierarten bestätige ich noch folgende weitere Tiergattungen aufgrund langjähriger, täglicher persönlicher Beobachtungen:

Säugetiere:

Waldkaninchen
Haselmäuse

Amphibien:

Laubfrösche
Wasserfrösche
Erdkröten
Feuer-Salamander

Vögel:
Saatkrähen
Elstern
Hühnerhabichte
Wildtauben
Kleiber
Stare
Rotkehlchen
Zaunkönige
Amseln
Buchfinken
Kohl- u. Blaumeisen
Schwanzmeisen
Spatzen (Sperlinge)
Waldkäuze (div. Eulenarten)

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1 Kommentar

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  1. Super Analyse und Bericht!
    Nicht zu vergessen sind Dachse, die unweit ihre Höhlen haben!

    Aber wie alles, was nicht von der Stadt in Auftrag gegeben wurde, wird dies wohl leider auch in der Schublade verschwinden. Schade drum.