Heinz P. Hinterecker, Immobilienmakler und Projektentwickler in Bergisch Gladbach-Bensberg. Foto: Ulrich Kaifer

Im Büro von Heinz P. Hinterecker hängt ein Satellitenbild. Von Bergisch Gladbachs Innenstadt (rechts) zielt der Bahndamm wie ein Pfeil auf die A4. Foto: Ulrich Kaifer

Heinz P. Hinterecker ist seit 1969 in Bergisch Gladbach bei vielen großen Ansiedlungsprojekten dabei und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Im Interview erläutert der Immobilienmakler und Projektentwickler die Standortvorteile der Stadt und zeigt die Probleme aus Unternehmenssicht auf.

Er fordert mehr Mut im Stadtrat, Entscheidungen auch gegen Widerstand durchzusetzen – und plädiert für zwei Seilbahnstrecken, von Gladbach und von Bensberg nach Spitze. Ganz im Ernst.

Herr Hinterecker, womit kann Bergisch Gladbach als Standort punkten?
Hinterecker: Wir profitieren von der Nähe zu Köln und der Lage mitten im Kraftzentrum NRW. Das Wohnumfeld und die Freizeitangebote sind großartig, vieles ist lebenswerter und preiswerter als in der Großstadt. Bensberg, mit Refrath und Herkenrath, liegt günstig an der A4 und der Straßenbahn nach Köln. In Gladbach gibt es Handel, Wandel, Infrastruktur. Also müssen wir eigentlich von zwei Standorten reden, die beide sehr gut sein könnten.

Sie sind es aber nicht? Wo liegen die Probleme?
In Gladbach ist es der Verkehr, in Bensberg gibt es keine freien Gewerbeflächen und auch dort wachsen die Mobilitätsprobleme.

Bleiben wir beim Verkehr. Was fehlt konkret?
Ein Zubringer vom Zentrum zum Fernstraßennetz. Nach wie vor halte ich die alte Bahndammtrasse für fast genial. Sie tangiert die großen Gewerbegebiete und reicht bis in die Innenstadt. Wir brauchen aber auch ein Netz von Radschnellwegen, einen besseren Busverkehr und den 10-Minuten-Takt bei der S-Bahn. Mein Lieblingsprojekt wäre aber der Bau einer Seilbahn – von der S-Bahn in Gladbach rauf nach Kürten-Spitze und von der KVB-Endhaltestelle in Bensberg über Moitzfeld / Herkenrath nach Spitze.

Im Ernst, eine Seilbahn? Wie realistisch ist das?
Ich bin Österreicher, ich weiß wovon ich rede. Eine Seilbahn kostet weniger als eine Straßenbahn, ist bei geringem Personalaufwand rund um die Uhr bedarfsgerecht einsetzbar und kann über 4000 Personen pro Stunde befördern. Das müsste mal jemand in die Hand nehmen, Stadt, Kreis und die Verkehrsträger, und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Mit der Seilbahn rauf nach Moitzfeld und Spitze. Aber Arbeitsplätze gibt es dort nicht …
Doch, rund um den Technologiepark in Moitzfeld gibt es davon sehr viele – und es werden mehr. In Spitze entsteht ein neues Gewerbegebiet und dazu könnte man auch den Pendlerverkehr nach Köln entzerren.

Aber damit sind wir beim zweiten großen Problem. Es gibt in Bergisch Gladbach fast keine verfügbaren und geeigneten Gewerbeflächen. Eine ganze Reihe von Firmen suchen Expansionsflächen. Sie würden gerne bleiben, aber ihnen fehlt der Platz für Wachstum. Innovative Firmen von außerhalb können wir schon gar nichts anbieten.

Bergisch Gladbach arbeitet an einem neuen Flächennutzungsplan, der 50 Hektar an Gewerbeflächen vorsieht. Bietet das einen Ausweg?
Wir müssten eigentlich 100 Hektar ausweisen. Die Stadtverwaltung hatte 55 Hektar vorgeschlagen, jetzt sind es noch knapp 50. Also netto 35 Hektar, die erschlossen wären. Verteilt auf 20 Jahre Laufzeit ist das nichts, gar nichts. Die Stadt braucht ein echtes Angebot an Flächen, damit sie gezielte Unternehmensansiedlungen vornehmen kann, die zu Bergisch Gladbach passen.

Warum werden die Interessen der Unternehmer nicht ausreichend berücksichtigt?
Es sind ja nicht nur die Interessen der Unternehmer. Es geht um Arbeitsplätze, um Ausbildungsplätze. Und um die Chance, in Wohnortnähe arbeiten zu können. Leider fehlt im Stadtrat der Mut, Dinge nach vorne zu bringen – auch gegen Widerstände. Einige Lokalpolitiker haben die Notwendigkeit für eine Angebotspolitik bei den Gewerbeflächen gar nicht erkannt.

Haben auch die Unternehmensvertreter Fehler gemacht?
Das ist sehr komplex. Wahrscheinlich haben wir immer noch zu wenig erklärt worum es geht. Früher war Bergisch Gladbach eine echte Industriestadt mit rauchenden Schloten und verseuchten Bächen – aber heute doch nicht mehr.

Modernes Gewerbe ist sauber und besteht nicht nur aus Industrie. Auch Handwerker brauchen Gewerbeflächen. Aber letztlich ist es die Aufgabe der Politik, die Bürger zu informieren, mitzunehmen, zu begeistern. Am Ende müssen Mehrheiten stehen, die für die ganze Gesellschaft richtig sind. Bislang konnten die Befürworter nicht ausreichend mobilisiert werden.

Viel Widerstand und auch die Vorbehalte in der Politik machen sich daran fest, dass die Straßen dort schon heute völlig überlastet sind. Können Sie das nachvollziehen?
Damit kommen wir zum ersten Problem zurück. Ja, wir brauchen ein umfassendes, ganzheitliches, überregionales Verkehrskonzept, das für eine echte Entlastung sorgt. Sonst kommt Bergisch Gladbach nicht voran.

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Heinz P. Hinterecker arbeitet seit 1969 mit seinem Immobilienunternehmen in Bensberg. Er engagiert sich in der „Initiative Arbeit und Leben GL“ und in der Industrieakzeptanz-Initiative.

Dieses Interview ist zuerst in gekürzter Form in IHKplus, dem Magazin der IHK Köln erschienen.

Weitere Beiträge zum Thema:

Obereschbach: Blaupause für Gewerbegebiete in GL

Wieviel Gewerbefläche braucht GL wirklich

Status bewahren oder Handlungsspielräume eröffnen?

Wirtschaft fordert: Kreis-Gewerbeflächenkonzept umsetzen

Unternehmer wollen mehr als 55 Hektar

RheinBergs Wirtschaft will selbstbewusster auftreten

Liebt Eure Industrie! Akzeptiert sie wenigstens.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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8 Kommentare

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  1. Dass das Welt- bzw. Stadtbild von Herrn Hinterecker rückständig und bürgerfeindlich ist, haben schon andere Kommentatoren geschrieben, denen ich mich anschließe. Einerseits behauptet er, modernes Gewerbe sei ’sauber‘, andererseits plädiert er für mehr Straßen und damit mehr (LKW-)Verkehr – ja, was denn nun?

    Spannend finde ich dagegen die Seilbahn-Idee. Die vorgeschlagen Strecken nach Spitze leuchten mir nicht wirklich ein – viel zu lang und gradlinig, da ist man per Bus oder Rad schneller. Interessant könnte jedoch m.E. ein Anschluss von hochgelegenen, nur mühsam per Bus erreichbaren Stadtteilen wie Rommerscheid oder Sand an die S-Bahn sein. Das sollte weiter diskutiert werden!

  2. Die Landesregierung NRW hat erst im Februar 2017 einen Landesentwicklungsplan LEP- NRW in Kraft gesetzt. Das ist eine Verordnung der Landesregierung, die für alle nachfolgenden Planungsebenen bindend ist. Dieser LEP fordert an erster Stelle, in NRW den Flächenverbrauch auf 50.000 qm täglich zu begrenzen.“ Der Sicherung und Entwicklung des Freiraumes soll besondere Bedeutung beigemessen werden. Bei Nutzungskonflikten ist den Erfordernissen des Umweltschutzes Vorrang einzuräumen“, LEP S.7!
    Herr Hinterecker sollte sich bei seiner Maklertätigkeit für die Stadt und für hiesige Firmen an den verbindlichen Verordnungen des Landes NRW orientieren.
    Stattdessen stellt er gegenüber Stadtverwaltung und Rat einen Flächenbedarf dar, den er selbst erst aktiv auf Immobilienmessen anheizt.

  3. Herrn Hinterecker in diesem Interview als einen Experten für die Entwicklung von Bergisch Gladbach zu erkennen, gelingt mir nicht. 

    Er wiederholt im Wesentlichen die bekannten Aussagen einiger Industrieunternehmen in Bergisch Gladbach, wenn man die Seilbahn mal weglässt. Im Kern, so habe ich ihn verstanden, soll die Stadt möglichst viel zusätzliche Gewerbefläche anbieten und den Bahndamm als Zubringer für bestehende/zukünftige Gewerbegebiete vorsehen. Aus diesem Angebot soll die Industrie dann auswählen können. Dieser Vorschlag ist sicherlich einseitig, aber im Sinne seiner Klientel nachvollziehbar.

    Nicht akzeptabel, ja unsachlich, finde ich dagegen, wenn Herr Hinterecker der Stadt Mutlosigkeit vorwirft, wenn sie sich neben den Interessen der Industrie auch mit anderen Meinungen („Widerständen“) auseinandersetzt.

    Im Gegenteil: Im Interesse unserer Kinder und Enkel erscheint es mir wichtig, nicht nur an die -kurzfristigen- Interessen der Industrie zu denken. Eine Stadt, die die -nachhaltigen- Interessen der Bürger und des Umwelt- und Klimaschutzes einbindet, ist zukunftsorientiert und m.E. mutig.

  4. Vielen Dank Herr Eschbach, für die Zusammenstellung, die sehr gut aufschlussreich, einsichtig geschrieben ist. Der letzte Absatz trifft es auch auf den Punkt.

  5. Wie stellt der Mann sich die Seilbahn vor? Riesige Stelzen, um die Gladbacher Häuser überschweben zu können?

    Die Leute, die auf der Trasse wohnen, werden sich freuen…

    Ausserdem mag die Seilbahn viele Leute transportieren können. Aber bei dem Tempo ist man wohl mit dem Rad fast genau so schnell unterwegs.

  6. Heinz P. Hinterecker sieht offenbar in erster Linie seinen eigenen Vorteil. Seine Seilbahnen soll er mal in Austria verticken.
    Grüß Gott

  7. Es mag ja sein, dass Immobilienmakler für ein Wirtschaftssystem wie dem Unseren von Wert sind. Sobald sich aber diese Makler auch „Projektentwickler“ nennen, kann es für bestimmte Bevölkerungsgruppen ungemütlich werden. Dazu muss man auch wissen, dass weder das eine noch das andere Ausbildungsberufe sind. Im Zweifel also kann sich jeder Immobilienmakler oder Projektentwickler nennen.

    Nun kann man das auf Herrn Hinterecker nicht anwenden, denn der Mann übt seine Berufe seid Jahrzehnten aus, was ihm natürlich eine gewisse Kompetenz verleiht. Die setzt er sicher bei den vielen Beratungen und Verkäufen ein, die so im Laufe von fast 50 Jahren seine Kompetenz verlangten. Was mir nicht in den Sinn will ist seine Beharrlichkeit beim Thema Bahndamm.

    Wie kann ein Mann, der es besser wissen müsste, derart penetrant ein Projekt reiten, dass über 30 Jahre zu keinem Durchbruch gelangte? Wie kann er ignorieren, dass aus unglaublich vielen Gründen – die alle zu nennen dieses Format sprengen würde – eine Trasse nach seinen und den Vorstellungen seiner Gleichgesinnten niemals kommen wird? Wie ist es möglich zu übersehen, dass eine solche Trasse in frühestens 20 Jahren befahrbar wäre, wir aber heute den motorisierten Individualverkehr von der Straße holen müssen?

    Dass Herrn Hinterecker Landschaftsschutz, Wald und Wiese, Erholungsbedarf und Gesundheit der Bevölkerung ziemlich Latte sind, verbreitet er ebenfalls seit Jahrzehnten. Aber dieser Bahndamm scheint ihm im Traum als einzig seligmachende Zukunft zu erscheinen.

    Gewerbe bzw. dessen Steuern machen Stadtkassen voller, so sie denn am Entstehungsort bezahlt werden. Ein Gewerbering rund um Gladbach aber befördert die Bevölkerung in einen Topf aus Emissionen, zusätzlichen LKW- und Personenverkehr und setzt auch noch durch den Wegfall von Wiesen und Wäldern die Gesundheit der ganzen Stadt aufs Spiel. Hier spielt Herr Hinterecker das Spiel des „Projektentwicklers“, das mindestens die Verwaltung und viele Politiker mitspielen. Das hat Mark Krüger mit seinem Bürgerantrag bewiesen, 1,5 ha Wald zu roden, um sich damit weitere Flächen anzueignen, obwohl die darauf geplanten Bauvorhaben auf eigenem Gelände möglich wären. Dieser Antrag steht als neue Fläche in der 2. Änderung des FNP-E. und wurde mit den Stimmen der GroKo durch gewunken. Hier war sicher Herr Hinterecker mit im Spiel.

    Vielleicht sollte sich der Immobilienmakler und Projektentwickler Hinterecker mit etwas beschäftigen, was in anderen Städten „Leitbild“ genannt wird. Bei all seinen Beratungen und Verkäufen weiß nämlich auch er nicht, welchen Weg Bergisch Gladbach in den nächsten 30 Jahren nehmen soll.

  8. Cui Bono – wem zum Vorteil?
    Ein Immobilienmakler und Projektentwickler erläutert die Standortvorteile der Stadt und zeigt die Probleme aus Unternehmenssicht auf.
    Entschuldigung, aber so liest es sich auch. Schlimmer noch, viele Argumentationen folgen nach wie vor dem siebziger Jahre Approach, wo Flächenverbrauch, Ökologie und nachhaltiges Handeln nicht auf der Agenda standen. Das ist Geschichte, Vergangenheit.
    Ein Update auf Ball Höhe ist empfohlen: https://www.randomhouse.de/Buch/Wir-sind-dran-Club-of-Rome:-Der-grosse-Bericht/Ernst-Ulrichvon-Weizsaecker/Guetersloher-Verlagshaus/e529351.rhd
    Die Zukunft stellt mit dem Wissen von heute andere Anforderungen, man muss sie nur zur Kenntnis nehmen, lebenslanges Lernen ist da angesagt.
    Zunächst ist zwingend die Mobilität zu verbessern, vorher kein befriedigendes Wachstum, kein befriedigendes Wachstum. Keine innovative Idee zur Verbesserung der Mobilität sollte verworfen werden, egal ob cargo cap, Seilbahn oder Heli, egal auf welcher Trasse.
    Sollte es aber Lösungen geben, die in erlebbarer Zeit zu Verbesserungen führen können, dann sollten die in jedem Fall den Vorzug erhalten. Entscheidend sollte die Frage nach der Umsetzung sein, die schnellstmögliche positive Wirkung ist key.
    Vielleicht so, die KVB-Linie 1 von Bensberg bis Moitzfeld – Industriegebiet Obereschbach, Miltenyi Biotec, Technologie Park, mit mehr als 5000 Arbeitsplätzen, ein Verkehrsbauwerk mit Park und Ride, Schnellbusanschluss Köln für die Verkehre von Wipperfürth, Kürten, Lindlar, Overath. Den Bahndamm wieder als Bahndamm benutzt in der bipolaren Stadt für KVB-Linie X, von Moitzfeld über Bensberg zum DB-Netz der S-Bahn nach Bergisch Gladbach, alternativ die Linie 1 nach Weiden. Die Linien 3/18 von Thielenbruch verlängert nach Bergisch Gladbach Schnabelsmühle. Radwegeausbau mit Priorität und Anschluss des Gladbacher Industriegebietes an das Merheimer Kreuz, im besten Fall per Tunnel. Die Digitalisierung tut in der Zwischenzeit ein Übriges.
    Parallel dazu könnte mit der intelligenten Nutzung verfügbarer Flächen, also mit der Verdichtung begonnen werden, da gibt es viel zu tun. Wobei vor jedem neuen Flächenverbrauch um die beste Lösung gerungen werden sollte.
    Die feste Orientierung am Leitbild der Stadt, wie wollen wir leben und arbeiten in Bergisch Gladbach, die sollte das Maß aller Dinge sein.
    Anstatt dem Rat der Stadt Mutlosigkeit vorzuwerfen und zu fordern, Entscheidungen auch gegen Widerstände durchzusetzen, hätte ich eher erwartet, zu den Standortvorteilen etwas mehr zu hören. Die wären es wert, endlich mal in den Vordergrund gestellt zu werden im Naturpark Bergisches Land.