Das Kickehäuschen in Refrath. Fotos: Helga Niekammer

Aktualisierung 25.3.: Eigentümerin Inge Trepel hat sich zu Wort gemeldet und versichert, das Kickehäuschen wieder als Gasthaus vermieten zu wollen; der Getränkegroßhändler Fako-M spricht mit drei Interessenten. Allerdings müsse der Sanierungsbedarf noch geklärt werden, daher gebe es noch keinen Termin für eine Wiedereröffnung.

Seit mehr als 100 Jahren ist das Kickehäuschen ein bekanntes Ausflugsziel und Treffpunkt der Refrather. Doch jetzt ist das Gasthaus am Waldrand geschlossen. Nicht zum ersten Mal – aber jetzt könnte es endgültig sein. 

Evangelos Michail hatte das Kickehäuschen 2011 neu eröffnet und mit seinem bunten „12-Apostel”-Konzept neu belebt. Der Biergarten war im Sommer bei gutem Wetter immer rappelvoll, hier trafen sich die Vereine, hier fanden viele Familienfeiern und Beerdigungskaffees statt. 

Noch stehen die Tagestipps („Dienstag Schnitzeltag”) auf der Tafel, doch die Türen sind verschlossen. Mit einer kurzen Notiz verabschiedet sich Michail von seinen treuen Gästen. Er hat eine neue Stelle als Geschäftsführer des Mayflowers am Peter-Bürling-Platz – doch was aus dem Kickehäuschen wird, ist unklar. 

Michail sagt, dass sein Vertrag gekündigt wurde und er das Haus kurzfristig verlassen musste. Eigentlich wollte er wenigstens noch bis September weitermachen, parallel zur Arbeit im Mayflowers. Dass eine Erhöhung der Pacht drohte, war im schon länger klar, die Immobilienmakler waren schon im Haus. 

Ob das weitläufige Haus und Grundstück weiter als Gaststätte betrieben werden soll, weiß auch Michail nicht. Ein Nachfolger müsse auf jeden Fall viel Geld in die Hand nehmen, um ein paar Dinge zu sanieren. 

Die Eigentümerin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen; auch der Getränkeverlag, der als Zwischenvermieter im Boot ist, kennt die Pläne nicht. 

Die Refrather schauen voller Sorge auf die Entwicklung. Sie befürchten, dass die Gaststätte abgerissen werden und das Grundstück neu bebaut werden soll. Ein Trend zur „Verdichtung”, der überall in Bergisch Gladbach und im Moment ganz besonders in Refrath zu beobachten ist.

Hans Peter Müller

„Man muss mit dem Abriss rechnen”, sagt Hans Peter Müller, der langjährige Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins Refrath: „Das ist eine bittere Angelegenheit für ganz Refrath, vor allem aber für die Vereine.” Dann geben es nur noch die „Ewigen Lampe”, als Ort für die regelmäßigen Treffen der Vereine.

Der Stadtverwaltung liegen dazu keine Informationen vor. Zwar war Bürgermeister Lutz Urbach am letzten Öffnungstag zufällig selbst bei einer Veranstaltung in der Kicke, eine Voranfrage oder gar ein Antrag auf eine Abrissgenehmigung liegt der Stadtverwaltung nicht vor. 

Unter Denkmalschutz steht das Gebäude nicht, berichtet der Architekt und Heimatforscher Michael Werling, der gerade an einem Denkmalschutzplan für Refrath arbeitet. Er hatte das Kickehäuschen als „erhaltenswürdig” eingestuft, eine Entscheidung darüber trifft demnächst der Landesverband Rheinland. Ein solcher Status kann das Gebäude aber auch nicht schützen. 

Das Gebäude gehe auf einen „Getränkeschuppen” zurück, der bereits vor dem ersten Weltkrieg die Ausflügler versorgt hatte. In den 1920er Jahren entstand das heutige Gebäude mit dem Saal. Es gehörte zum Gastro-Imperium von Richard Arzt, der in Refrath mehrere große Gasthäuser besaß – und befindet sich noch im Besitz der Familie. Das Kickehäuschen sei auch städtebaulich von Bedeutung, habe aber vor allem für die Refrather eine wichtige soziale Funktion, sagt auch Werling. 

Fotos/Mitarbeit: Helga Niekammer

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Kickehäuschen: Wiedergeburt eines Refrather Klassikers

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Jetzt ist bauen angesagt es fehlen tausende Wohnungen.. Daher ist der Kommentar sinnlos.!Es scheint wieder soweit zu sein…das die die hab und gut haben..nicht wollen das andere es auch bekommen

  2. Auch ich kann mich den div. Kommentaren nur anschließen! Es ist unglaublich, was hier in Refrath z.Zt. vor sich geht. Riesengebäude werden an kleine Strässchen in 1 m Abstand zum Straßenrand errichtet (Altrefrath). Das letzte Grün verschwindet für Autostellplätze und Garagen. Kleine Straßen ohne Bürgersteige für Fußgänger entwickeln sich zu Durchgangsstraßen und zu Schleichwegen, wobei das vorgeschriebene Tempo 30 verdoppelt wird. Keine Partei, kein Politiker interessiert sich noch für die Belange der Menschen. Ich fragte kürzlich beim Bauamt nach, wer das alles genehmigt und ob man dort überhaupt weiß, was man genehmigt. Statt einer Sachaufklärung erhielt ich einen dicken offiziellen Brief mit allen Unterlagen zu einer Klage, was man mir auch empfahl, obwohl ich gedanklich weit davon entfernt war. So zogen /ziehen sich eben die Verantwortlichen aus der Affäre. Sollten mehrere Bürger mein Empfinden teilen, so sollten wir uns schnellstmöglich zusammensetzen.
    Immer nur Schimpfen führt zu nichts

  3. Ich finde es ist eine Frechheit , was hier abläuft! Und ich kann nicht verstehen, dass hier eine Baugenehmigung nach der anderen erteilt wird! Wenn ich mir überlege , dass man nicht mal eine Gaube auf sein Haus setzen darf , dann aber überall diese Riesen Einheiten gebaut werden dürfen- frag ich mich geht das mit rechten Dingen zu?
    Darüberhinaus bricht die Infrastruktur in Refrath zusammen, keine Betreuungsplätze für die Kinder , die Verkehrssituation ist unzumutbar. Die Bürger müssen auf die Barrikaden , man kann sich nicht alles gefallen lassen! Wenn ich dann noch überlege, dass man vor Jahren hier eine Grundschule schließen wollte, da frage ich mich tatsächlich was die Städteplaner in Bergisch Gladbach hauptberuflich machen..

  4. Es ist eine Katastrophe was zur Zeit in refrath abläuft – eine Katastrophe die wohl niemand im der Lage ist aufzuhalten….Geldgier????Unverstand????oder alles zusammen??? Wenn ICH als eigentümer dinge in der familie halten werfe ich doch dem Pächter keine Knüppel zwischen die Beine in Form einer pachterhöhung….aber alles egal ….diese Herrschaften Leben im hier und jetzt und brauchen niemandem etwas zu erhalten, so wie in früheren Generationen üblich…..schade….