Seit zehn Jahren soll auf dem Steinbüchel-Gelände am Rande der Innenstadt gebaut werden, seit 20 Jahren soll die Kalkstraße Richtung Mülheim richtig angebunden werden. Jetzt endlich gibt es einen Plan, beide Projekte mit einem Schlag umzusetzen.

In einer Beschlussvorlage für die Sitzung des Stadtplanungsausschusses hat die Verwaltung jetzt ein umfangreiches Konzept veröffentlicht, das eine Chance für eine neue Nutzung des großen Grundstücks des früheren Sanitärhandels bietet. Und gleichzeitig eine Neuordnung der vermurksten Verkehrsführung zwischen Innenstadt und Gronau. Mit potentiellen Auswirkungen bis hin zum Bahndamm.

Die folgende Google-Karte zeigt die Lage des Geländes und die Optionen für eine „neue” Kalkstraße. Aus Datenschutzgründen ist ein weiter Klick notwendig.

Bislang hatten Klagen des angrenzenden Industriebetriebs Saint Gobain Isover G+H eine Nutzung des Steinbüchel-Geländes zwischen Kalk-, Tannenberg- und Dechant-Müller-Straße für den Wohnungsbau blockiert.

Hinter hohen Mauern verfallen die umfangreichen Bürogebäude, Lagerhallen und Parkflächen allmählich. Ungenutzt mitten in einer Stadt, die verzweifelt nach Wohn- und Gewerbeflächen sucht.

Bereits 2014 war ein Plan des damaligen Eigentümers Jürgen Kpos für Wohnungen, Parkhaus und Ärztehaus gescheitert. Ein Klage von Saint Gobain Isover G+H, das sich vor einer heranrückenden Wohnbebauung mit den entsprechenden Auflagen schützen wollte, brachte Kops zur Aufgabe – auch wenn das Verwaltungsgericht Köln die Klage vor einem Jahr abgewiesen hat.

Kops hatte das Grundstück der Stadt angeboten, die ablehnte. Dann stieg offenbar ein anderer privater Investor ein. Und der hat sich inzwischen mit Isover geeinigt, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. Das Unternehmen jenseit der Bahnlinie sei bereit, auf eine neue Klage zu verzichten, wenn ein Neubau zur Kalkstraße einen ausreichenden Schallschutz erhalten würde.

„Wohncarré Gronau“ mit 180 Eigentumswohnungen

Nun liegt ein Plan für ein „Wohncarré Gronau“ vor – und zwar für 180 (statt zuvor geplanten 100) relativ kleinen Wohnungen. Wie inzwischen üblich aber nicht im sozialen Wohnungsbau, sondern frei finanzierte Eigentumswohnungen.

Der Vorlage zufolge ist eine Blockrandbebauung in geschlossener, viergeschossiger Bauweise mit Flachdächer um einen begrünten Innenhof herum geplant. Zwischen den 13 Gebäuden mit farbigen Klinker sollen gläserne Treppenhäuser den Durchblick in einen begrünten Innenhof erlauben. 166 Stellplätze gibt es in einer Tiefgarage.

Eine Bauvoranfrage liegt vor, jetzt will die Verwaltung mit dem Investor über Details verhandeln. Um den Einfluss der Stadt zu sichern schlägt sie vor, für den Bereich zwischen der Bahn, der Tannenberg-, Haupt- und Dechant-Müller-Straße einen neuen Bebauungsplan anzugehen.

Gestaltungsbeirat: Weniger Dichte, Bäume retten

Dabei ziele die Stadtplanung darauf ab, das Steinbüchel-Gelände vernünftig in das Umfeld einpassen und für eine hochwertige Architektur zu sorgen.

Der Gestaltungsbeirat hat sich bereits mit den Plänen befasst, die Blockrandbeabauung begrüßt und einige Empfehlungen gegeben. Zwar sei an dieser Stelle eine Verdichtung angemessen, allerdings würde eine etwas geringere Dichte als geplant zu mehr Wohnqualität führen. Problematisch sei auch, dass die alten Platanen an der Tannenbergstraße weichen sollen.

Die neue Kalkstraße: Optionen für große Verkehrslösung

Besonders spannend wird das Projekt für die Stadtplanung durch einige neue Optionen für die Verkehrsführung zwischen der Innenstadt und Gronau.

Bereits seit über zwanzig Jahren, so die Vorlage, gebe es Überlegungen, den Bereich der unteren Hauptstraße und des Gronauer Kreisels zu entlasten. Und zwar durch eine direkt Anbindung der Kalkstraße an die Mülheimer Straße. Unter Umständen sei auch zwei Verlängerungen möglich: bis zur Bahnunterführung Buchholzstraße und/oder über die Bahndammtrasse Richtung Refrather Weg und in Richtung A4.

Diese Idee rückt jetzt auch deshalb näher, weil die Neugestaltung des Bahnübergangs Tannenbergstraße neu gedacht worden ist. Statt einer gigantischen Unterführung unter den Bahngleisen hindurch soll dieser Übergang jetzt kaum noch genutzt werden – und der Verkehr im Zuge der Ertüchtigung der Brücken beim Ausbau der S 11 über die Buchholzstraße geleitet werden.

Aktuell, so die Vorlage, werde „untersucht, ob die bestehende Unterführung an der Buchholzstraße ausgebaut und für eine attraktive Nord-Süd-Verbindung Verwendung finden kann, so dass der Bahnübergang Tannenbergstraße künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen würde.”

Damit gibt es Spielraum für eine große Lösung – und der Stadt ist jetzt daran gelegen, „im Sinne einer mittel- bis langfristigen Verkehrsplanung (…) für die angedachte Verbindung der Kalkstraße mit der Mülheimer Straße (und ggf. der Unterführung Buchholzstraße) ausreichen Flächenreserven” zu sichern.

Die Flächen im Eigentum der Stadt (rosa) rahmen das Steinbüchel-Gelände ein. Im Norden die Parzelle 226

Zwar räumt die Verwaltung ein, dass es ein legitimes Interesse des Investors ist, möglichst nah an die Kalkstraße heranzurücken. 

Aber: Das südlich angrenzende, neun Meter breite Flurstück 226 gehört bereits der Stadt. Und das Grundstück zwischen den Gleisanlagen und der Kalkstraße (mit dem „Fressnapf” und dem Mineralölhandel Kops) gehört dem selben Eigentümer wie das Steinbüchel-Gelände.

Blick in die obere Kalkstraße Richtung Innenstadt. Mit den großen Platanen

Damit seien zwei Optionen möglich:

Eine „optimale Trassenführung” für eine neue Kalkstraße verlauf über das nördliche Betriebsgrundstück („Fressnapf“), mit ausreichend Platz für die Fahrbahnen, Fuß- und Radwege und noch Freiraum hin zu den Bahnanlagen. Zudem könne die Baumreihe auf der Südseite der Kalkstraße stehen bleiben. Für die Wohnhäuser könnte die Stadt einen Teil der 226 abgeben.

Im zweiten Fall, wenn das „Fressnapf”-Gelände nicht genutzt werden kann oder soll, müsse die „neue” Kalkstraße ein Stück weiter südlich verlaufen, auf der städtischen Parzelle 226. Dann müsste das Wohnbauprojekt weiter nach Süden rücken. 

Am liebsten würde die Stadt die „neue” Kalkstraße über das Kops-Gelände führen. Rechts der Fressnapf, dahinter der Ölhandel

Unter dem Strich habe die Verlängerung der Kalkstraße für die Stadt „oberste Priorität”, heißt es in der Vorlage. Zudem seien die Platanen entlang der Tannenbergstraße und die Linden an der Kalkstraße zu erhalten.

Die Bauvoranfrage wird in der Sitzung von der Verwaltung an diesem Mittwoch vorgestellt. Am Donnerstag danach will der Investor gemeinsam mit der Stadt in einem Pressegespräch über seine Pläne informieren.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. @Biker:
    Ein Stück Radschnellweg auf der West-Ost-Achse von Bergisch Gladbach: Wie revolutionär ist das denn? Da käme man ja richtig zügig und ungehindert voran, zumindest bis zur Fußgängerzone ;-)

  2. @ Oliver Wuttke

    Die Fakten werden leider schon am laufenden Band geschaffen. Erst der Verkauf des Güterterminals an Krüger, der diese öffentlich geförderte Anlage direkt für alle Zeiten still legt und zurückbaut. Damit will er Fakten für “seine” Straße auf dem Bahndamm schaffen.

    Weiter geht’s an der Bahnunterführung Tannenbergstraße (da wollte man ja sogar mal einen unterirdischen Kreisverkehr für LKWs bauen, jetzt reicht eine Sparvariante), außerdem die “Querspange” durchs Industriegebiet Zinkhütte als Radweg. Ein schönes Beispiel für diese Salamitaktik. Dort soll eigentlich eine Straße entstehen, die den Verkehr auf den Bahndamm führen bzw. abführen soll (auch um den Kosten-Nutzen-Faktor zu erhöhen, der eh kritisch ist). Selbst wenn man von der Straße entlang des Bahndamms überzeugt wäre – was ich nicht bin und viele Bensberger und Gladbacher ebenfalls nicht – ist dies ein neuer Quell von Steuergeldverschwendung. Wenn, dann soll man dort doch bitte direkt eine Straße und einen Radweg bauen und nicht erst auf Fördergelder für die Straße oder einen Bau durch das Land warten. Ein Bau in zwei Schritten ist selten günstiger. Hier sieht man schön, dass man in der Stadtverwaltung offenbar nicht vom Bahndammkonzept gänzlich überzeugt ist, denn andernfalls würde man diese Querspange dann direkt bauen. Das was bei Steinbüchel passiert soll in der Tat Fakten schaffen, damit das gewünschte Ziel irgendwann vermeintlich alternativlos ist.

  3. @Biker: Eine sehr gute Idee – das unterstütze ich voll! Was den schon bestehenden Teil am Fressnapf betrifft: Das ist halt das, was in GL als “ausgebaut” gilt …

  4. Kann man diese Idee mit einem Radschnellweg kombinieren? Das wäre eine wirklich sehr gute Lösung – von der Radstation /S-bahn bis zur Buchholzstraße – gerne auch parallel zur normalen Straße. Der Teil bis zum Fressnapf ist ja bereits “ausgebaut” und müsste nur ENDLICH mal saniert und ROT angemalt werden. Ein enormes Zeitersparnis, wenn man aus Gladbach mit dem Fahrrad Richtung Duckterath fährt! Dazu parallel zur S-Bahn eine Strecke ohne Steigung. Auch wenn man ab der Buchholzstr. dann das letzte Stück auf der Mülheimer zurücklegen müsste – das wäre ein sehr,sehr wichtiger Baustein. Ich hoffe, dass dies auch in den Überlegungen eine Rolle spielt.

  5. Täusche ich mich oder wäre mit der Straße die Option der (zusätzlichen) Straßenbahn über den Bahndamm bis zum Bahnhof hinfällig?

    So kann man auch Fakten schaffen bzgl. der möglichen Optionen für den Rest des Bahndamms.