Die Quelle der Strunde. Foto: Klaus Hansen

Die Regionale 2010 hatte die Strunde zurück ans Tageslicht geholt, mit der Regionale 2025 könnte der Bach wieder eine prägende Bedeutung für Bergisch Gladbach bekommen. Das wurde beim Strundetal-Forum deutlich, bei dem eine Fülle von Ideen gesammelt wurden – die weit über das Tal hinaus reichen. 

Im Strundetal e.V. hat sich eine Vielzahl von Akteuren zusammen geschlossen, die im Strundetal ansässig sind – von der Quelle in Herrenstrunden bis zum Strundepark an der Locher Mühle. Nach dem Strundetal-Fest im vergangenen Jahr hatte der Verein in diesem Jahr zu einem weit gefassten Strundetal-Forum unter dem Motto „Lebendige Zukunft im Strundetal” ins Kulturhaus Zanders eingeladen.

Um die (zum Teil verborgenen) Schätze des Tals in den Fokus zur rücken und nach Konzepten zu suchen, wie es noch attraktiver gemacht werden kann für die Menschen, die dort wohnen, arbeiten oder Freizeit verbringen.

Dabei blickt der Verein auf die gerade anlaufende Regionale 2025 und die großen Töpfe öffentlicher Mittel, die über sie angebohrt werden können. Daher hielt Thomas Kemme, der als stellvertretender Regionale-Geschäftsführer das Büro hier vor Ort leitet, den zentrale Impulsvortrag und erläuterte den Zugang zu Fördermöglichkeiten.

Bürgermeister Lutz Urbach wies darauf hin, dass das Regionale-Büro auf dem Zanders-Areal direkt an der Strunde residiert – was kein Zufall sein. Entlang der Strunde finde bereits jetzt wahnsinnig viel statt, mit der Regionale 2025 könne der Bach eine noch größere Bedeutung für die Stadtentwicklung bekommen.

7 Werkstätten zur „lebendigen Zukunft im Strundetal”

In sieben Werkstätten befassten sich die rund 50 Teilnehmer des Forums dann sehr konkret mit den einzelnen Aspekten des Strundetals. Dabei wurden unter der Moderation von Thomas Isenberg (Direktor der Thomas-Morus-Akademie)  viele Wünsche, Visionen und auch ganz konkrete Hausaufgaben identifiziert und auf Stellwänden dokumentiert.

Philippe Schaeffer, der in der Burg Zweiffel aufgewachsen ist und dem Bürgerverein Herrenstrunden angehört, leitete den Workshop „Leben und Gemeinschaft im Strundetal”. Dabei ging es um bodenständige Dinge, die für eine bessere Lebensqualität sorgen können. Wie zum Beispiel der Dorfplatz an der Kirche, der von parkenden Autos befreit und damit wieder für jung und alt bespielbar gemacht werden könnte.

Ein Wunsch, der in diesem Arbeitskreis immer wieder hoch kam, bezog sich auf das Alte Freibad, das wieder stärker für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Zum Beispiel durch einen Mehrgenerationen-Spielplatz.

Sie können jedes Foto vergrößern und sich dann durch die Stellwände klicken.

Volker Suermann, Geschäftsführer der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderung, befasste sich mit dem Thema Gewerbe, das zwischen der Locher Mühle und dem Papiermuseum Alte Dombach in den unterschiedlichsten Facetten noch immer im Strundetal beheimatet ist.

Dabei ging es nicht um mehr Gewebeflächen, sondern um eine bessere Nutzung vorhandener Areale. Etwa durch ein Kreativ-, Event- und Gründerzentrum. Der Verkehr spielte hier eine große Rolle – aber auch in anderen Arbeitsgruppen.

Martin Westermann (Wirtschafts- und Tourismusförderung der Stadt Bergisch Gladbach) und Tobias Kelter (Geschäftsführer des Tourismusverbandes Naturarena) luden zur Diskussion, wie die Naherholung und der Tourismus gestärkt werden könnten – ohne das Tal zu überlasten.

Der Workshop ergab u.a., dass die Beschilderungen noch verbessert werden und mehr Übergänge über die Strunde geschaffen werden könnten. Auch wurden ein Rundwanderweg auf den Höhen, ein zusätzlicher Radweg entlang der Straße und Tagungsmöglichkeiten gewünscht.

Mark vom Hofe, Vorsitzender des Bergischen Naturschutzvereins, sammelte Ideen und Vorschläge, wie die Natur geschützt und gestärkt werden könnte. Zum Beispiel durch eine Ausweitung des Naturschutzgebietes auf einige Hänge, die sich in Privatbesitz befinden und bislang außen vor geblieben waren. Der Arbeitskreis wies auch darauf hin, dass die Strunde in ihrem Kernbereich genug Platz habe, im Bereich von Gut Schiff aber viel zu stark kanalisiert sei.

Der Geologe Hans Martin Weber stellte die erdgeschichtlichen Funde im Strundetal in den Vordergrund, und entwickelte gemeinsam mit den Teilnehmern Ideen, wie die fossilen Schätze besser präsentiert werden könne. Am Ende dieses Workshops stand die Vision eines interdisziplinären Naturzentrums, dass die Themen Naturschutz, Geologie, Paläontologie umfasse und Veranstaltungsräume bieten könne. Dort könnte auch ein „Haus der Fossilien” integriert werden.

Michael Werling, Denkmalschützer und Vorsitzender des Bergischen Geschichtsverein, behandelte die reiche Kulturgeschichte des Tals. Er plädierte dafür, die Strunde – auch in ihrem weiteren Verlauf – noch weiter frei zu legen und ihr zum Teil „schreckliches Umfeld” zu verbessern. Dabei hatte er nicht zuletzt die Gohrsmühle im Blick.

Susanne Bonenkamp, Kulturreferentin des Kreises Rhein-Berg, beschäftigte sich mit den Themen Kunst und Kultur – und brachte die alte Idee einer Kulturmeile entlang der Strunde in Erinnerung. In ihrem Arbeitskreis wurde deutlich, dass es viele Informationsdefizite gibt; die Schätze des Strundetals müssten bewusster gemacht und besser vermarktet werden.

Öffentliche Toiletten – und eine Seilbahn

Quer durch alle Themenbereiche kamen einige Grundprobleme immer wieder zur Sprache. So fehle es an der Pflege der (Rad-)Wege, viele Bereiche wucherten einfach zu. Es gebe kaum öffentliche Toiletten und keine Hundebeutel-Spender.

Als besonders kritisch vor allem für die Bewohner und Unternehmen im Strundetal wurde die Verkehrsanbindung eingeschätzt. Die Anbindung ans Stadtzentrum und weiter in Richtung Köln müsse verbessert werden. Durch bessere Busverbindungen – und vielleicht auch durch eine Seilbahn. Eine Idee, die von einigen begrüßt, von einigen belächelt und von den Naturschützern eindeutig abgelehnt wurde.

Die Rolle der Strunde für die ganze Stadt

Immer wieder wurde die besondere Rolle des Strundetals im Zusammenhang der Gesamtstadt diskutiert. Einerseits bekam Susanne Bonenkamp viel Zustimmung für ihr Plädoyer, den klaren Kontrast zwischen Großstadt (bis zum Aldi-Kreisel an der Locher-Mühle) und dem Eintritt in eine Naturlandschaft nicht zu verwischen.

Andererseits forderten Forums-Teilnehmer, auch in die andere Richtung zu blicken und den weiteren Verlauf der Strunde in Richtung Innenstadt stärker ins Auge zu nehmen. Denn dort sei nicht nur städtebaulich viel zu tun – dort führe auch die Strunde noch in großen Abschnitten ein dunkles Kellerdasein.

Der Strundetal-Verein will nun alle Vorschläge sichten, bündeln und bewerten. Einige Dinge lassen sich rasch in kleinere Arbeitsaufträge umwandeln, andere Ideen sollen zu Projekten entwickelt und möglichst in die Regionale 2025 eingebracht werden, kündigte Johannes Bernhauser vom Vorstand des Strundetal e.V. an. Denn das Ziel sei klar: „Wir wollen einen Teil der Fördermittel ins Tal holen.”

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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