Wie im letzten Sommer erreichen die Stadtverwaltung von Bergisch Gladbach wieder zahlreiche  Beschwerden. Die Themen sind vielfältig, teilweise auch gegensätzlicher Natur. Für die Verwaltung ist es nicht einfach, Abhilfe zu schaffen.

Eigentlich ist es zu warm, man kann nicht mal rausschauen, da die Rollläden runtergezogen sind. Man will auch nicht aufstehen, um in den Vorjahresbeschwerdenordner reinzuschauen, weil, dann müsste man die Füße aus der Schüssel nehmen und mangels Handtuch wird der Büroboden nass.

Ich habe mir die Beschwerden angeschaut und versucht, sie zu ordnen, zu gruppieren und sie zu gewichten.

Mich persönlich stört zum Beispiel, dass, wenn ich die Hand links neben meinem Laptop lege, sie von warmer Luft angeblasen wird. Gut, ich bin der Einzige, der sich darüber beschwert, aber wenn ich diese jetzt mit einer 9 bewerte, steigt diese Beschwerde schon ziemlich nach oben.

Dann gibt es diese Monsterbaustellen in der Oberheidkamper Straße. Die Bauarbeiter fangen schon um 5:45 Uhr an und machen richtig Krach. Hilfsmittel sind spezielle Maschinen, wie Rüttler, Verdichter und Presslufthämmer. Hinzukommen Kolonnen von Schwerlastern sowie Autos von Handwerkern, die trotz Verbot die Straße zuparken, gerne auch mal 2-spurig.

Aber, mit dem Fahrrad kommt man noch gut aus der Einfahrt raus. Wenn jetzt einer meint, Kindergartenlärm sei laut dann hört euch bitte mal das Schreien der Bauarbeiter an. Was heißt denn hier Flächennutzungsplan? Die Verdichtung der Bebauung bringt hier auf 200 Meter 96 Wohnungen und 150 zusätzliche Autos. Doch wen interessiert das?

Die Leute, die mittags durch die Fußgängerzone schlendern, beschweren sich über Radfahrer, die den „Abstand 1,5 m“ nicht einhalten. Allerdings ist dies für die Kreispolizei kein Problem.

Radfahrer beschweren sich über geparkte Autos auf den Radwegen.

Autofahrer beschweren sich in der 20km/h Zone am Bahnhof, wo Fußgänger die Querungshilfe wie Fußgängerüberwege nutzen.

Fußgängern geht der Lärm der Martinshörner der Einsatzfahrzeuge auf den Geist. Aber Martinshörner sind sozialadäquat, sagt die Rechtsprechung, das heißt sie sind notwendig und unvermeidbar.

Außerdem ist die S11 unpünktlich bzw. kommt gar nicht. Eigentlich kommt sie nur, wenn man nicht damit fahren will.

Die Zugführer beschweren sich über Menschen im Gleisbett oder über rotzfreche Bengel, die sich in die Tür stellen, so dass der Zug nicht losfahren kann.

Die Bengel beschweren sich über zu wenig artgerechte Aufenthaltsmöglichkeiten, auch eine. Folge der Verdichtung (z. B. mutwillige Zerstörung des Heidkamper Kinderspielplatzes an der St. Josef Str. 7-11 durch den Bau von zwei Doppelhaushälften).

Und – hat sich schon jemand über den dumpfen Unsinn der Politiker beschwert. Natürlich nicht! Wer heute den größten Unsinn erzählt – Reaktivierung des Schienenverkehrs auf der Balkantrasse – , wird auch noch gedruckt.

Ich glaube, es ist einfach nur zu warm …

Bernhard Werheid

Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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