Die Warteliste hat sich verkürzt, doch zum Schuljahresbeginn fehlt noch immer für viele Kinder ein Platz in der OGS oder im Kindergarten. Die Stadt arbeitet an Abhilfe, eine grundlegende Lösung verzögert sich aber.

Bis zuletzt ist in den Ferien daran gearbeitet worden, weitere OGS-Plätze in den Grundschulen Heidkamp, Gronau, An der Strunde, Kippekausen und Wittenbergstraße einzurichten, die entsprechenden Pläne seien nahezu vollständig umgesetzt worden, teilt die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit.

Einschließlich der 113 Plätze an der Waldorfschule und der Wilhelm-Wagener-Schule stehen damit aktuell 2.939 OGS-Plätze zur Verfügung. Das reicht fast, aber nicht ganz: Die Schulen haben der Stadt bislang noch 38 Kinder gemeldet, die auf einen OGS-Platz warten. Im Juni hatte das absehbare Defizit noch bei 55 Plätzen gelegen.

Die größte Warteliste werde an der KGS Hand geführt – die bislang nicht im öffentlichen Fokus stand und nicht auf der Liste der Ausbaumaßnahmen stand. Auch hier will die Stadt jetzt kurzfristig prüfen, was noch machbar ist – ohne dem Schulentwicklungsplan (siehe unten) zu weit vorzugreifen.

Insgesamt kann die Stadt trotz wachsender Kinderzahlen auf eine im Landesvergleich sehr hohe Versorgungsquote von rund 70 Prozent verweisen.

Hinzu kommen noch Plätze in der Übermittagbetreuung. Wie viele Kinder hier versorgt werden, erfasst die Stadt nach den Ferien, wenn die (ehrenamtlichen) Träger aus dem Urlaub zurück sind.

An den Grundschulen selbst konnten laut Stadtverwaltung alle Erstklässler untergebracht werden, „in aller Regel auch sehr wohnortnah oder in der am zweitnächsten gelegenen Grundschule, wenn die direkt erreichbare Schule voll war”.

Bei den Kitas fehlen mehr als 200 Plätze

Bei den Kindergärten gibt es  dagegen nach wie vor große Engpässe. Für Kinder unter drei Jahren gibt es jetzt 1140 Plätze, für Kinder bis sechs Jahren weitere 2905 Plätze. Unversorgt sind hier nach Angaben der Stadt im Moment 209 Kinder, davon etwas mehr als die Hälfte im U3-Bereich.

Das ist deutlich weniger, als noch im Juni befürchtet wurde. Gemessen an den politisch festgelegten Versorgungsquoten fehlten da noch 359 Plätze.

Bis zum Jahresende sollen 50 neue Plätze in einer Waldkita, in der AWO Kita Rheinhöhenweg, in einer Großtagespflegestelle und einer weitere Kindertagespflegestelle für eine weitere Entlastung sorgen.

Schulentwicklungsplan soll helfen – braucht aber Zeit

Die Stadt und die freien Träger haben inzwischen alle Raum- und Ausbaukapazitäten ausgeschöpft, zum Teil wurden Schulhöfe mit Containern belegt. Da die Verwaltung aber von einem weiterhin wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen ausgeht, hat sie mit der Erstellung eines sogenannten integrierten Schulentwicklungsplan begonnen. Dieser soll klären, wo und wieviele Kindergärten und Grundschulen neu gebaut werden müssen.

„Wir brauchen 350 weitere OGS-Plätze. Und zwar nicht irgendwo in Bergisch Gladbach, sondern genau in den Stadtteilen, wo der Bedarf liegt”, hatte Sozialdezernent Frank Stein bereits im April gesagt.

Allerdings hat sich hier der Zeitplan bereits verzögert. Ursprünglich hatte die Verwaltung die Vorlage für Ende 2018 angekündigt, jetzt vertagt sie sich offenbar um ein halbes Jahr, hatte der KSTA/BLZ gemeldet.

Das bestätigt die Verwaltung auf Nachfrage nur indirekt. Der Zeitplan solle bei den nächsten Sitzungen der zuständigen Ausschüsse vorgelegt werden. Aber: „Hier soll kein Schnellschuss erfolgen, sondern gründliche Vorarbeit geleistet werden”, heißt es.

Dazu gehöre eine Bestandsaufnahme der Grundschulen mit allen aktuellen Raumnutzungen ebenso wie die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Verwaltungsbereiche (Schulverwaltung, Jugendamt, Immobilienbetrieb) und die mehrstufige Abstimmung mit der Politik.

Daher sei „das Zeitfenster bis Dezember zu knapp”. Aber schon durch die reine Bestandsaufnahme seien positive Effekte erzielt werden. So wurde in der Grundschule An der Strunde eine alte Hausmeisterwohnung entdeckt, die für weitere OGS-Plätze eingesetzt werden konnte.

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5 Kommentare

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  1. Es ist mir immernoch unverständlich wie man eine Quote von 70% für gut empfindet. 100% muss das Ziel sein. Wir haben selbst zwei kleine Kinder und haben nur über Vitamin B einen Kita Platz in der Nähe bekommen. Wenn ich das unseren Verwandten in Norddeutschland oder Frankreich erzähle, schütteln diese nur den Kopf über den schlechten Ausbau. Außerdem lieben unsere Kinder es mit anderen Kindern zusammen zu sein.

    Noch einen Punkt zum Author Familie, man schiebt Kinder nicht ab, man unterstützt sie. Ich bin selbst seit dem 2. Lebensjahr im Kindergarten gewesen, geschadet hatte es mir nicht. Ich komme aus einfachen Verhältnissen, hatte noch 2 andere Geschwister und meine Eltern haben gearbeitet. Und wie war es denn früher (damit meine ich 80 Jahre und noch vorher), damals waren die Kinder auch nicht den Tag über bei den Eltern, dass konnten sich diese nicht leisten, denn beide hatten auch ihre Arbeit zu verrichten und diese endete nicht nach Stechuhr. Die Kinder waren zusammen auf der “Straße” unterwegs mit anderen Kindern, nur eher ohne Aufsicht irgendwo. Was soll also so schlimm dabei sein, wenn Kinder mit anderen Kindern zusammen sind nur unter Aufsicht.

    Die jetzigen Kinder werden deutlich sozialer, selbstständiger sein und entwickeln sich schneller, da Kinder besser von anderen Kindern lernen als nur von Eltern.

  2. Ja, es ist unglaublich. Es sind mir so viele Eltern bekannt, die ihre Kinder in die OGS “abschieben” wollen und einen Platz bekommen und andere, die aus finanziellen Gründen einen Platz benötigen und keinen haben.

    Irgendwann wird es Konsequenzen haben für eine Generation die hauptsächlich fremdbetreut wurde ab Babyalter bis durch die Schulzeit.

    Leider aber unterstützt der Staat mit allen Einrichtungen die berufliche Karriere statt Familie und Hausfrauen / -männer.

  3. Wir haben wir es eigentlich geschafft, aufzuwachsen?

    Achja, der Vater hatte einen Job, wo es für die Familie reichte und die Großeltern in der Nähe für den Notfall. Oder den Sportverein oder die Freunde am Nachmittag.

    Ist es mit den Finanzen wirklich so schlimm oder reicht es heutigen Eltern, Teilzeiteltern zu sein und den Rest den Erziehern/den Lehrern zu überlassen?

  4. Es ist mir völlig unverständlich, dass es für eine Stadtverwaltung nicht möglich ist, für die Kinder der Einwohner die entsprechenden Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Bereits vor 20 Jahren war für unser ältestes Kind mit 3 Jahren schon kein Kindergartenplatz vorhanden. Seit Urzeiten hat die Stadt das Problem und ist nicht in der Lage, mit den ihnen bekannten Zahlen zu haushalten. Unglaublich. Bei der Verteilung der OGS-Plätze weiss ich aktuell von Fällen, wo bestimmte -neu zugezogene- Familien bevorzugt wurden und deren Kinder einen Platz bekamen, obwohl die Eltern nicht arbeiten und selbst sagen, dass sie den Platz gar nicht benötigen. Die Kinder gehen ausschliesslich aus Integrationsgründen und wegen ihrer Freunde zur OGS. Dafür haben Kinder, deren Elternteile beide arbeiten, keine Plätze erhalten, obwohl sie dringend darauf angewiesen sind und nicht wissen, wie sie die Versorgung ihrer Kinder gewährleisten sollen. Der Stadt sind derartige Umstände bekannt und ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum diese Problematik seit Jahrzehnten konsequent fortbesteht. Es stellt sich die Frage der Verantwortlichkeit und der Bewältigung von ureigensten Aufgaben, die nur unzureichend wahrgenommen werden.