Schaubild der Freitreppe mit Mauer aus den AUKIV-Unterlagen. Aus der Marktgalerie wurde längst die Schlossgalerie

Die Stadt treibt die Pläne voran, die neue Freitreppe an der Schlossstraße durch eine Betonwand abzusichern. Dabei muss sie zunächst eine hohe Kostensteigerung aus dem Weg räumen. Pläne für eine Begrünung spielen dabei keine Rolle.

Für die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) in einer Woche legt die Stadt einen Maßnahmenbeschluss vor, mit dem deutlich gestiegene Kosten für die Freitreppe und die damit verbundene Mauer genehmigt werden sollen.

Zur Erinnerung: die Treppe von der Schlossstraße hinauf zum Alten Markt, entlang der künftigen Schlossgalerie, wird im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) mit Landesmitteln zu einer eleganten und großzügigen Freitreppe ausgebaut. Die Kosten dafür waren – zunächst vom Architekten der Schlossgalerie -, auf  850.000 Euro (2014) und dann 920.000 Euro (2017) veranschlagt worden.

Inzwischen ist die Treppe dem Gesamtprojekt „Neue Schlossstraße” zugeschlagen worden, für den das Kölner Büro Club l 94 den Wettbewerb gewonnen hatte.  Nun liegen erste konkrete Berechnung des Büros sowie eines Gutachters vor – und demnach wird die Treppe sowie der unten angrenzende „Stadtplatz” 1,6 Millionen Euro kosten.

Grund dafür sei vor allem, dass das alte Konzept für die Absicherung des Hangs auf der linken Seite durch eine sogenannte Bohrpfahlwand „unter den vorgegebenen topographischen Rahmenbedingungen technisch gar nicht realisiert werden konnte”, schreibt die Verwaltung in der Ausschussvorlage. Daher seien Treppe und Stützwand neu konzeptioniert worden.

Eine Skizze aus dem Siegerentwurf von club L 94

Die Mehrkosten sollen weitgehend aus den Fördermitteln finanziert werden; da die aber fix sind wird an anderer Stelle gespart werden müssen. Den vollständige Vorentwurf für die Planung der Schlossstraße soll der club L 94  erst Ende Februar im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss vorstellen. Dann will die Stadt auch eine Gesamtkostenschätzung vorlegen und erklären, wo das Geld herkommen soll.

Zur Gestaltung Betonmauer, die wichtiger Teil der Hangsicherung ist und mit einer Länge von rund 60 Metern und einer Höhe von bis zu drei Metern eine prominente Rolle für den künftigen Charakter der der Freitreppe und der Schlossstraße spielt, macht die Vorlagen keine Aussagen.

Sie nennt nur verschiedene Varianten der Stützwand „(Ortbeton oder Fertigteile, Oberflächenbehandlung oder Verkleidung)”, mit Blick auf die Kosten. Im Dezember hatte der club L 94-Planer Skizzen möglicher Mauer-Gestaltungen durch Schriftzüge oder eine Oberflächenstruktur gezeigt.

Aktuelle Planung der Bauabschnitte. Die Freitreppe ist „STEP 2017″ und soll 2019 fertig werden

Forderungen aus der Bensberger Bevölkerung, der Grünen und der Naturschutzverbände, diese Mauer zu begrünen oder durch einen befestigten Hang zu ersetzen, tauchen in der Vorlage ebenfalls nicht auf. In der letzten Sitzung des AUKIV 2018 hatten vor allem die Grünen gegen eine Betonmauer argumentiert, waren aber von einer deutlichen Mehrheit überstimmt worden. Auch die Stadtplaner hatten klar gemacht, dass sie davon – aufgrund der hohen Folgekosten – wenig halten.

Allerdings tagt seit Anfang Januar der „interfraktionelle Ausschuss”, bei dem Verwaltung, Ratsmitglieder und Vertreter der Bürgerschaft miteinander reden, unter Ausschluss der Presse. Dort könnte das Thema Begrünung (neben den Parkplätzen) wieder eine Rolle spielen. Denn bei vielen Bensbergern trifft die Aussicht auf den Bau einer Mauer auf Widerspruch.

Dokumentation: Die Ausschussvorlage

Weitere Beiträge zum Thema:

Presseschau Bergisch Gladbach 13.12.2018

Der Stand der Dinge beim Umbau der Schlossstraße

Bensberg: So soll die neue Schlossstraße aussehen

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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11 Kommentare

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  1. Warum wird immer nur von einer Betonmauer gesprochen? Könnte man die Mauer nicht mit Grauwacke verkleiden? Ich denke, dies würde mit der Verkleidung der neuen Häuser auf dem oberen Marktplatz sehr gut harmonieren….

  2. Die Aufgabe ist, die Gestaltung des schönsten Platzes von Bensberg für die nächsten 40 Jahre. Zu den Treffpunkten für Bürger in Bensberg wie UMF schreibt, da gibt es offensichtlich einige klare und sehr viele Wunschvorstellungen.
    Während die klaren Vorstellungen schon seit Anfang an in Beton gegossen sind, kommt es immer noch vor, dass sich Bürger mit eigenen Vorstellungen zu Wort melden. Sie finden auch Gehör im vertrauten Kreis und werden dann zur Geheimhaltung verpflichtet, damit der Beton auch Bestand hat.
    Bei aller Wertschätzung der Beteiligten, so wird das nichts, so wird es ein weiteres Denkmal für den Bauherren. Schade.

  3. Die totale Verunstaltung durch den ersten Centerscape-Klotz blieb der Bensberger Innenstadt Gott sei Dank erspart. Dieser war von Rat und Verwaltung bereits durchgewunken und genehmigt und seine Verwirklichung drohte jahrelang unser Stadtbild zu zerstören, bis er dann doch noch in der Versenkung verschwand.

    Heute bleibt zu hoffen, dass eine Verunstaltung von Platz und Treppe in eine graue Tristesse à la Forumpark genau so wenig gelingt und endlich ein ansprechender Ort als Treffpunkt für den Bürger entsteht.

  4. Kann den Ausführungen von Heribert Thimme in vollem Umfang zustimmen.
    Nur die Zustimmung alleine reicht ja nicht. Frage mich schon seit langem, wie
    man den Beton in den Köpfen umwandeln kann? Die Antwort bin ich mir bisher
    schuldig geblieben.
    Delia Zeyer

  5. Passt doch prima ins Konzept – Wald wird Industriegebiet, Naherholung zum Autobahnzubringer, Wohngebiete zur Umgehungsstrasse. Alles zum Wohle GL’s. Wird Zeit, dass sich Bensberg & Refrath wehren. Köln ist uns deutlich näher als GL.

  6. Der Blick auf die oberste Zeichnung lässt eine große Fläche links neben der Treppe erkennen – was wird das – während vorne links und rechts 2 Blöcke zu sehen sind. Die große Fläche taucht in der 2. Zeichnung ebenso wenig auf wie der linke Block, der dort als gastronomisch genutzte Fläche erkennbar ist. Der rechte Block scheint ebenfalls gastronomischer Verwendung zugeführt zu werden. Was davon oder überhaupt verwirklicht wird, könnte der „Vorentwurf für die Planung Schlossstraße“ des Planungsbüros „club L 94“ zeigen, der Ende Februar vorgestellt wird.

    Hä? 5 Monate vor der angeblichen Fertigstellung der neuen Galerie wird „vorgestellt“, wie ein in allen Belangen wesentlicher Teil derselbigen aussehen könnte? Die zuständigen Ausschüsse und der Stadtrat stürzen sich dann wie viele Monate darauf? Alles wie immer?

    Typisch auch die Ignoranz gegenüber der Bevölkerung und dem RBN. Leute, die nicht hier wohnen, entscheiden über Aussehen und Wirkung eines 60 m langen Stücks in der Ansicht der Galerie, die nach der Fertigstellung dieser Betonmauer nie mehr ansichtig werden. Es sprechen so viele Gründe gegen den Beton – in den Köpfen wie in Bensberg – dass ein Festhalten daran wie das Verhalten eines trotzigen Kindes wirkt.

  7. Unwirtlich wird es dort in jedem Fall sein, sollte die Planung so umgesetzt werden! Kalt und zugig im Winter, heiß und komplett schattenfrei im Sommer.
    Dieser Plan ist tatsächlich anachronistisch, aus der Zeit gefallen … einschließlich fehlender Barrierefreiheit.

  8. Das Wort ‚Barrierefreiheit‘ haben die Planer*innen offenbar auch noch nie gehört.
    Wie die Schloßstraße künftig mit Fahrrad, Rollstuhl oder Kinderwagen erreichbar sein wird (oder vielmehr: ob), scheint nicht zu interessieren. Was soll’s, dann gibt’s eben in fünf Jahren die nächste große Baustelle.

  9. ..ich möchten mich den Vorkommentaren anschliessen, wo wir dabei sind, wann werden im Stadtgebiet die Straßen endlich saniert?

  10. Lieber Herr Thimme,
    „Eine Betonwüste, ein Trichter, kühl und kalt.“ – das wird wahrscheinlich im (Hoch)sommer nicht so ganz stimmen, wenn die Sonne tagsüber das Pflaster aufheizt und wir uns nach Kühlung sehnen! Aber mit Wüstenanmutung hat die Stadtverwaltung eben schon Erfahrung, s. Fußgängerzone, Forum“park“ oder den „Wald“ am S-Bahnhof in Bergisch Gladbach. Warum sollte es in Bensberg anders werden???
    Nichts für ungut und schöne Grüße
    Jane Marple

  11. Wenn man sich die Abbildung zur Treppenanlage anschaut, so läuft einem der kalte Schauer über den Rücken. Eine Betonwüste, ein Trichter, kühl und kalt. Seitens der Bürgerschaft, der Händler und auch Teilen der Politik, allen voran den Grünen, formiert sich mittlerweile Widerstand gegen die geplante Maßnahme. Die Verwaltung hat bis jetzt konstruktive Begrünungsvorschläge mit Verweis auf zu hohe Pflegekosten ignoriert. Auf Nachfrage hat sich mittlerweile der Bergische Naturschutzverein RBN aufgeschlossen gezeigt, eine Patenschaft für die Pflege der Begrünung zu übernehmen. In diesem Falle entfielen für die Stadt die Pflegekosten und darüber hinaus zu erwartende zusätzliche Kosten für die Beseitigung von Graffitispuren. Die Stadtplaner in Bergisch Gladbach scheinen weiterhin in längst überholten Denkschablonen zu verharren. Immer mehr Stadtplaner und Institute in Deutschland beschäftigen sich mittlerweile in Deutschland konkret mit der Frage, wie sich mit Bepflanzung ein gesundes Mikroklima in ihrer Stadt erzielen lassen kann. Grüne Städte mit vertikaler Begrünung entstehen in urbanen Räumen, in denen Hochhäuser hinter dichtem Pflanzenbewuchs verschwinden. Diese Zukunft scheint in Bensberg leider noch nicht angekommen zu sein. Statt dessen regieren Betonköpfe, die weiterhin auf Beton setzen, obwohl wir von diesem in Bensberg doch wahrlich mehr als genug haben.