Woche für Woche sorgt unser Autor dafür, dass „sein” Spielplatz angenehm anders ist. Sauber. Dafür betreibt er einigen Aufwand, verbucht aber auch schöne Erträge. Und er entwickelt eine einfache Idee, wie Bergisch Gladbach die Stadt der sauberen Spielplätze werden kann.

Auf rund 150 Bergisch Gladbacher Spielecken, Spiel- und Bolzplätzen dürften sich täglich tausende Kinder vergnügen. Meine Vision ist es, dass auf diesen Spielflächen keinerlei Müll und Unrat liegt. Wie das gehen soll? Lesen Sie weiter!

Alljährlich startet der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb die Aktion Frühjahrsputz. Erstaunlich ist dabei immer wieder, dass sich wirklich viele Menschen und Bürgergruppierungen zusammenfinden, um dem achtlos weggeworfenen Müll zu Leibe zu rücken. Die Ergebnisse sind beachtlich: Für zumindest einen Tag ist das Stadtgebiet auffällig sauber.

Einziger Wehrmutstropfen: Die Nachhaltigkeit ist steigerungsfähig, denn im Laufe der kommenden 365 Tage sind die Straßen, Wege, Grünflächen und Plätze leider wieder vermüllt, und der nächste Frühjahrsputz muss es dann wieder richten.

Die Initiative „ichtuwasfürGL“ hält dagegen: Jeweils einmal im Monat trifft man sich mit Kind und Kegel in einem zuvor festgelegten Ortsteil und sammelt Müll, was das Zeug hält.

Mer fiere, ävver mer rüüme och widder op!

Und jetzt bin ich beim Thema: Die jungen Leute von „ichtuwasfürGL“ waren im Sommer vergangenen Jahres für mich der Impuls, selbst etwas zu tun. Ausgeguckt habe ich mir den Spiel- und Bolzplatz Kolpingstraße in meiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Ausgerüstet mit Eimer, Schutzhandschuhen und Müllzange umrunde ich jetzt seit fünf Monaten einmal wöchentlich das Spielplatzgelände von außen wie von innen.

Nach 45 Minuten ist es sauber. Bei meinen ersten beiden Einsätzen habe ich noch Müllsäcke füllen müssen, inzwischen reicht mein 20-Liter-Eimer.

Und obwohl „mein“ Spielplatz mit Müllbehältern bestens ausgestattet ist – immerhin sieben an der Zahl -, bleibt mein Eimer niemals leer.

Meine Trophäensammlung ist beachtlich: Toilettendeckel, Bett- und Unterwäsche, eine ausrangierte Schneeschaufel, Radabdeckungen, ein Sonnenschirmständer und eine angebrannte Regenweste – alles auf einem Spielplatz oder im Begleitgrün.

Dazu der ständig wiederkehrende Unrat: Flaschen, Zigarettenschachteln, Kippen, Taschentücher, Plastikabfall, das komplette Fastfood-Sortiment und – man lese und staune – mit Hundekot gefüllte Plastikbeutelchen.

Entsorgungsprobleme habe ich keine. Dafür stehen ja ausreichend spielplatzeigene Müllbehälter zur Verfügung, die auch wöchentlich geleert werden.

Mein persönlicher Ertrag …

Und das ist das Ergebnis meiner fünf-Monatsbilanz: 21 Rundgänge mit 21 stets gefülltem 20-Liter Eimer, zuzüglich der eingangs erwähnten Müllsäcke. Macht unterm Strich etwa 500 Liter Müll.

Mein persönlicher Ertrag kann sich auch sehen lassen: Jede Menge frische Luft, nette Gespräche mit Spielplatzbenutzern, -passanten und Hundehaltern und das Wichtigste … ein sauberer Spielplatz – mein ganz persönlicher Beitrag für die Kinder aus der Nachbarschaft.

Mein „unverschämtes“ Anliegen

Abschließend mein „unverschämtes“ Anliegen: Im näheren Wohnumfeld eines jeden Spielplatzes, egal ob städtisch oder privat, dürfte mit Sicherheit ein rüstiger Rentner oder eine rüstige Rentnerin wohnen. Wäre der „saubere Spielplatz“ nicht eine passende Nebenbeschäftigung? Wenn ja, sind die 150 Bergisch Gladbacher Spielflächen in Kürze die saubersten im Lande.

Für weitere Tipps stehe ich gerne zur Verfügung unter meiner Mailadresse.

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Hinweis der Redaktion: Zum Abschluss unserer Serie „Unangenehm anders” über die Verantwortung der Stadt und ihrer Bürger für das Erscheinungsbild von Bergisch Gladbach laden wir zu einer Diskussion am Bürgerportal-Stammtisch – voraussichtlich am 13. März. Mit unserem Serien-Autor Klaus Hansen, der CDU-Sauberkeitsbeauftragten Claudia Casper und einem Vertreter des Abfallbetriebs. Melden Sie sich an, dann halten wir Sie auf dem Laufenden. 

Weitere Beiträge zum Thema:

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Unangenehm anders: Der Hund ist nicht das Schwein

Für die konzertierte Putzaktion werden viele Helfer gesucht

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Peter Schlösser

Ich bin verheiratet, Vater zweier Söhne und wohne seit mehr als 65 Jahren in Bergisch Gladbach, davon bis 1966 in Bensberg. Der Grund dieser Sesshaftigkeit: Ich habe mehr als 40 Jahre für die Stadt Bergisch Gladbach gearbeitet, davon mehr als 30 Jahre als Pressesprecher und Verantwortlicher für die...

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9 Kommentare

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  1. Ich finde Herrn Schlössers Vorschlag sehr gut!
    Er sieht in seiner Umgebung etwas, das nicht ok ist und kümmert sich darum – super!
    Würden sich alle nur über Müll, Dreck und defekte Dinge ärgern/beschweren, wäre das Ergebnis wahrscheinlich, dass Spielplätze geschlossen werden, denn die Ermittlung der Verursacher wird wohl kaum möglich sein.

    Der Spielplatz hier bei uns in Herkenrath in der Siedlung (zwischen Goethe- und Thomas-Mann-Str.) wird von den umliegenden Anwohnern übrigens nicht nur vom Müll befreit, sondern auch regelmäßig gemäht. So ist der Spielplatz in einem guten Zustand und wird von vielen Kindern gerne regelmäßig besucht.

  2. Hey Peter,
    Angie und ich stimmen dir voll zu. Deine Antwort an Herrn Peters ist absolut angemessen richtig.
    Bei meiner vorletzten Müllbeseitigung an der ziemlich versifften Bushaltestelle “Paffrath Kirche” meinte eine ältere Dame fast mitleidig: “Die einenen werfen die Zigarettenkippen achtlos auf die Platten und Sie müssen sie mühsam mit der Zange auflesen und beseitigen.” – Ich müsse das nicht, sondern mache das vollkommen freiwillig, lächelte ich die Passantin an. Irgendeiner sollte doch den Müll forträumen, fügte ich – gut gelaunt – hinzu.
    Natürlich befürworte ich drastische Strafen beim Erwischen von Umweltsündern. Aber die Wegwerfer(-innen) zu erwischen, dürfte ebenso schwierig sein wie die Überführung solcher Untaten.
    Angie und ich und auch andere setzen da auf ein gutes Beispiel und auf eine Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen! Vielleicht entsteht ja daraus eine Bewegung!!

  3. Hallo Peter,
    das ist eine Superaktion – vor allem deshalb, weil du das Woche für Woche machst.
    Ich habe mir den neu gestalteten Spielplatz an der Josef-Roemer-Straße in Paffrath vorgenommen. Ihn möchte ich regelmäßig entmüllen. Da spielen gelegentlich sehr gerne auch meine Enkelkinder. Mitunter liegen hier Pappteller, leere Flaschen, Plastikbecher und jede Menge Kippen.
    Es wäre ein toller Erfolg, wenn sich noch weitere Spielplatz-Patenschaften ergäben. LG jo

  4. Hallo Frau Tucher-Junker,
    Ich stelle Ihnen gerne für Ihren Spielplatz eine Müllzange zur Verfügung.
    Peter Schlösser

  5. Toll, da macht sich ein normaler Bürger der Stadt auf, um einen Kinderspielplatz zu säubern, regelmäßig und gründlich. Dieser Mann braucht keinen Appell von Politiker, keinen Hinweis, wie er sein Rentnerdasein auch sinnvoll füllen kann, nur das Beispiel einer jungen Gruppe von Frauen, die in ebenso bewundernswerter Art Eigeninitiative ergriffen haben. Würde das doch nur Schule machen. Aber schon ein Beitrag zu diesem Artikel macht klar, wie die Denke sehr vieler Menschen zu sein scheint: Herr Peters fürchtet, dass die Verursacher durch Herrn Schlössers Beispiel “disculpiert” (von Schuld befreit) würden.

    Ich halte Herrn Schlössers Vorbild für sehr nachahmenswert, denn wer immer nur darauf wartet, dass irgendwer, auch wenn sie/er “Schuld” hat, an Missständen etwas ändert, kann mit Gemeinwesen wohl nichts anfangen.

  6. Sehr geehrter Herr Peters,

    ich sehe mich nicht als Bürgerputzkolonne und betrachte durch mein bescheidenes Wirken auch nicht die tatsächlichen Verursacher/innen als entschuldigt. Vielleicht bekommt der eine oder die andere ja ein schlechtes Gewissen, wenn sie mich beim Müllaufheben beobachten.
    Das Verursacherprinzip in Ehren. Aber hinter jedem Busch ein Ordnungsdienst ist auch keine Lösung. Was ist verwerflich daran, Unrat und Müll in seinem unmittelbaren Umfeld aufzuheben und zu entsorgen. Die Alternative wäre liegen lassen. Oder haben Sie einen besseren Vorschlag?

    Peter Schlösser

  7. Sehr geehrter Herr Schlösser!
    Hebeln Sie damit nicht das VERURSACHERPRINZIP aus, das ein wesentlicher Teil des Fundaments der “Umweltschutzgesetzgebung” ist, die uns Bürgern ach so teuer ist?
    Wenn das Prinzip der Verantwortung zumindest aufgeweicht wird, wo hört das auf? Sind alle “Umweltsünder” exculpiert durch Bürgerputzkolonnen?
    Mich erinnert Ihr Handeln und Reden an den “Sobotnik” osteuropäischer Herkunft, oder noch schlimmer noch an G. Orwell 1984.
    Eine wenig wünschenswerte Welt, die ich 1992/93 in Marijampole ein Jahr lang studieren könnte.
    Robert Peters

  8. Wunderbar, endlich aktive Menschen. Mit relativ geringem Aufwand viel erreichen. Ich selbst habe 3 Kinder hier in Bergisch Gladbach beim Heranwachsen begleitet, warum nicht etwas für die neue Generation tun?
    Ich werde nach einem Platz Ausschau halten und dieses Projekt unterstützen.

  9. Schön das es Menschen in Bergisch Gladbach gibt, die sich für die Sauberkeit einsetzen.
    Aber warum ist das überhaupt notwendig???

    Warum meinen so viele Bürger der Stadt ihren Unrat einfach überall entsorgen zu müssen (Natur, Spielplätze,……..)

    “Bitte verlasse diesen Ort so sauber, wie du ihn selbst vorfinden möchtest.” Diese Schilder waren früher mal an Toiletten vorzufinden. Was geht in den Köpfen der Unrat-Verteiler bloß vor?