Edda Jende ist Mitglied im Arbeitskreis der Künstler (AdK)

Das Bemühen der Stadt Bergisch Gladbach, Kunst und Nachhaltigkeit als ein Ziel der städtischen Entwicklung ins Spiel zu bringen, ist lobenswert. Aber um Nachhaltigkeit der Kunst im urbanen Raum zu schaffen, wäre ein von der Stadt unterstütztes „Kunst- und Kulturhaus“ gut.

Bei der Beurteilung des Wettbewerbs „Urbane Kunst trifft Nachhaltige Entwicklung“ entsteht allerdings die Frage, ob es wirklich nachhaltig ist, ein Kunstwerk, das nach einem langen und kostspieligen Prozess der Auswahl als „Sieger“ aus einem Wettbewerb hervor gegangen ist, nur für „einige Tage oder Wochen“ im öffentlichen Raum zu zeigen.

Hinweis der Redaktion: Die Autorin nimmt auf den Wettbewerb „Urbane Kunst trifft nachhaltige Entwicklung” des Eine Welt Netz NRW e.V., den das „Forum für Nachhaltigkeit im Bergischen” unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters nach Bergisch Gladbach geholt hatte. Mehr dazu in diesem Beitrag und in diesem Beitrag

Wo ist dieser Prozess nachhaltig und hätte mit dem investierten Kapital nicht etwas wirklich Nachhaltiges für unsere Stadt geschaffen werden können?

Um Nachhaltigkeit der Kunst im urbanen Raum zu schaffen, ist zum Beispiel ein von der Stadt unterstütztes „Kunst- und Kulturhaus“ nötig, in dem die freie Kunstszene fest verankert ist und damit eine Heimat in der Stadt hat. Vorbei wären die Zeiten, in denen Künstler und Künstlerinnen händeringend einen Platz zur Ausübung ihrer Kunst suchen müssen.

Ich denke an Ateliers, Ausstellungsräume, Räume zur Kommunikation, Verwaltung und zum Verweilen. Hier kann nachhaltige Kunst entstehen, zurder man Muße und auch räumliche Sicherheit benötigt.

Diese Kunst kann durch Ausstellungen und Aktionen den Bürgern näher gebracht werden. Zu den daraus entstehenden Folgerungen sind die Bürger durchaus selbst in der Lage.

Das ist „Nachhaltige Entwicklung urbaner Kunst“ im Sinne des Wortes urban.

Wir alle wissen, wie wichtig und wertvoll die Kunst jedweder Art für das Zusammenleben einer Gemeinschaft ist. Warum ist es nicht möglich, den freien Künstlerinnen und Künstlern diese Möglichkeit in ihrer Stadt zu bieten, anstatt sie vor den Karren einer Veranstaltung zu spannen, die letztlich von vorne herein als kurzfristig Aktion geplant ist?

Weitere Beiträge zum Thema:

„Wir müssen Nachhaltigkeit in die Köpfe bekommen”

Urbane Kunst trifft Nachhaltige Entwicklung

„Man schmückt sich mit Kunst – und ändert nichts”

Freie Kunstszene der Stadt verliert wichtigsten Standort

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Edda Jende

ist Mitglied des Arbeitskreises der Künstler (AdK).

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3 Kommentare

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  1. Urbane Kunst trifft nachhaltige Entwicklung:

    Das Bemühen der Stadt ist anerkennenswert, und auch der Stiftungen ist lobenswert. Doch die Botschaft kommt viel zu spät. Ein nachhaltiges Kunstwerk zu schaffen, braucht ZEIT und Raum. Damit stimme ich der Kollegin Edda Jende, und dem Kollegen Lothar Sütterlin zu.

    Wir im AdK haben an unserem letzten Projekt, ‚es ist alles eitel‘, über ein Jahr lang diskutiert, gearbeitet, Ideen verworfen und neue hereingebracht. Wir haben das Thema reifen lassen. Auch da ging es um Nachhaltigkeit, um Werden und Vergehen.

    Schnelles Handeln in dem oben genannten Projekt wirkt wie Augenwischerei, ist nicht unbedingt nachhaltig. Jeder von uns kann etwas tun, sei es im privaten Bereich, im Beruf oder im Ehrenamt,. Ein ’soziales Gefüge‘, ein ’soziales Kunstwerk‘ schaffen, durch sensitives, menschliches, nachhaltiges Verhalten, unter Einbeziehung der Achtung der Schöpfung und alten Kulturgutes. Politische Rangeleien sollten außen vor bleiben.

  2. Die Ausschreibung für ein Kunstwerk, das den Menschen Nachhaltigkeit vor Augen führt bzw. bewußt macht, ist eine gute Idee. Sie erfordert allerdings vom Künstler bzw. der Künstlerin ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen darüber, was der heutige Mensch bzw. eine heutige Menschengruppe als nachhaltig empfindet und eine gehörige prophetische Begabung. Und das braucht Zeit: Erschwert wird der Prozess des Einfühlens durch die kurze Vorlaufzeit der Kunstaktion; und weil die Aktion nur für einen kurzen Zeitraum von wenigen Tagen vorgesehen ist; müssen die präsentierten Arbeiten ziemlich „laut“ sein, um bemerkt zu werden und in Erinnerung zu bleiben.

    Um sich dem Thema von der praktischen Seite zu nähern bietet sich an, historische Ereignisse aufzulisten, die für unsere Gegenwart nachhaltig sind. Hierzu zählen – will man nicht mit der Erfindung des Feuermachens uder des Rades beginnen – zweifellos die beiden Weltkriege, der Nationalsozialismus und die Wiedervereinigung Deutschlands, aber auch der lange Marsch in China und die Wahl des derzeitigen Präsidenten der USA, um nur einige politische Ereignisse aufzuzeigen. Von großer Nachhaltigkeit ist auch die Formulierung des Planck’schen Wirkungsquantums, der Einstein’schen Energie-Masse-Beziehung oder der Heisenberg’schen Unschärferelation, um nur einige Beispiele für die Nachhaltigkeit aus der Wissenschaft zu nennen. Nachhaltig sind aber auch die Reden von Martin Luther King, der Zwang zum Zölibat und die Beschränkung der Menschenrechte in der Römisch-Katholischen Kirche.

    Die Ausschreibung für das beabsichtigte Kunstwerk enthält sich vornehm der Definition, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen sei. Kriterien für den Beweis der Nachhaltigkeit gibt es auch nicht. Juroren, die die Kunstwerke hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit bewerten, sind nicht benannt. Ich bezweifele auch, ob diese in der Lage wären, Nachhaltigkeit eines Kunstwerkes oder dessen Inhaltes für einen Zeitraum zu erkennen oder zu bewerten, der 2 oder mehr Generationen umfasst.

    Aufgrund meiner einfachen Überlegungen zu Inhalt und Rahmen des Begriffes Nachhaltigkeit halte ich die ausgelobte Kunstaktion für unseriös, ja sogar für schaumschlägerischen Aktionismus. Und ich kann den offenen Brief von Herrn Klaus Hansen nur begrüßen. Den Künstlerinnen und Künstlern rate ich dringend, sich sehr genau zu überlegen, ob sie sich an diesem Projekt beteiligen.

    Lothar Sütterlin