In der 3. Folge der Krimiserie von Oliver Buslau hat es Gero Gladberg mit dem ominösen DJ Bernie zu tun – und mit Drogengeschäften an der Strunde. Hören Sie es sich an, rätseln Sie mit und gewinnen Sie. 

Text: Oliver Buslau
Illustration: Antje Schlenker-Kortum
Sprecher und Produzent: Klaus Graf

Was für eine spannende Szene! Gero Gladbergs Finger rasten nur so über die Tastatur. In seinem neuesten Bergischen Krimi war er gerade an einer spannenden Verfolgungsjagd angelangt. Der Täter hatte soeben versucht eine Zeugin zu überfallen. Der Ermittler war ihr gerade noch rechtzeitig zu Hilfe gekommen, und jetzt verfolgte er den Bösewicht zu Fuß das Milchborntal hinauf.

Da!

Der Täter war gestürzt.

Jetzt war es nur noch eine Sache von Sekunden, bis …

Das Telefon klingelte.

Fluchend schob Gladberg die Tastatur weg. Am liebsten hätte er weitergeschrieben und den Anruf ignoriert. Aber als er auf das Display sah und die Nummer erkannte, wurde ihm klar, dass das nicht ging.

Gladberg war kein hauptberuflicher Krimiautor, sondern er war Privatdetektiv, und die Person, die ihn da anrief, war eine wichtige Kundin. Agnes Ommerborn aus Moitzfeld, Mutter des sechzehnjährigen Arne, der leider immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet.

„Arne hat wieder Ärger“, sagte sie. „Vorhin kam er mit einem sauteuren Computerspiel nach Hause. Er hat versucht, es vor mir zu verstecken, aber ich habe es dann doch gesehen. Als er mir gesagt hat, woher er das Geld dafür hatte, bin ich ausgerastet. Wir hatten einen Riesenstreit. Er hat sein Mofa genommen und ist weggefahren.“

„Woher hatte er das Geld denn?“, fragte Gladberg, nichts Gutes ahnend.

Agnes Ommerborn seufzte. „Er hat es sich geliehen. Von diesem  DJ Bernie.“

Wenn Gladberg noch einen Moment daran gezweifelt hätte, wie ernst die Lage war – spätestens jetzt hätte er es begriffen. DJ Bernie war ein Drogenhändler, der vor allem im Rechtsrheinischen seine Geschäfte abwickelte. Selbst nur vier Jahre älter als Arne, hatte er immer wieder versucht, seine Kunden selbst zu Händlern zu machen. So wollte er sich ein größeres Vertriebsnetz seiner verbotenen Ware aufbauen.

„Wie lange ist Arne weg?“, fragte Gladberg.

„Höchstens zehn Minuten.“

„Und wo könnte er hingefahren sein?“

„Manchmal trifft er sich mit Freunden hier oben in Moitzfeld. Aber wenn er das Mofa nimmt, ist er eher unten in der Stadt. Vielleicht am Bahnhof.“

Gladberg ließ sich die Nummer von Arnes Mofakennzeichen geben. Dann rief er eine Bekannte an, die bei der Polizei arbeitete. Arnes Namen erwähnte er nicht. Er erfuhr, dass Bernd Brockmann alias DJ Bernie in letzter Zeit öfter in Bergisch Gladbach gesehen worden war. Vor allem in der Stadtmitte. „Mehr kann ich dir nicht sagen, Gero. Aber eins ist sicher. Wir stehen kurz davor, seinen kleinen Drogenring, den er da aufgebaut hat, zu zerschlagen.“

Das sah für Arne nicht gut aus. Gero Gladberg schwang sich auf sein E-Bike und fuhr von seiner Wohnung in Lückerath über die Bensberger Straße in die Stadt.

Am Bahnhof war weder von Arne noch von seinem Mofa etwas zu sehen. Zum Glück war es gerade kurz nach 17 Uhr, sodass Gladberg durch die Fußgängerzone fahren durfte. Immer wieder hielt er Ausschau nach Agnes Ommerborns Sohn und dessen Mofa, bis er das Zweirad an der Stadtbibliothek stehen sah.

Arne fand er im Forumpark hinter dem Bergischen Löwen. Als Gladberg ihn sah, erhob er sich gerade von der obersten Stufe neben der Strunde. Offenbar hatte er dort gesessen. Er war allein.

„Deine Mutter macht sich Sorgen um dich“, sagte Gladberg. „Außerdem riskierst du Ärger mit der Polizei, wenn du dich weiter mit Typen wie DJ Bernie einlässt. Hat er dir wirklich das Geld für das Computerspiel geliehen?“

„Meine Mutter versteht überhaupt nichts“, schimpfte Arne. „Sie glaubt einfach nicht, dass Bernie eigentlich ein Supertyp ist. Er hat mir das Geld gegeben, aber ohne Hintergedanken. Er weiß ja, dass er es zurückbekommt.“

Gladberg sah sich um. Von DJ Bernie war nichts zu sehen. Trotzdem war es besser, wenn sie nicht hier blieben.

„Ich schlage vor, wir gehen einen Kaffee trinken und dann erklärst du mir das genauer“, schlug Gladberg vor. „Ich lade dich natürlich ein.“ Kurz darauf hatten sie sich in der Bäckerei Lob mit Kaffee versorgt und spazierten mit ihren Bechern zum Buchmühlenpark.

„Da gibts nichts zu erklären“, sagte Arne. „Bernie hat mir genau die Summe geliehen, die ich in zwei Wochen sowieso von meinen Großeltern kriege. Zum Geburtstag. Das ist alles. Mit Drogen habe ich nichts zu tun.“

Gero Gladberg nickte. Das klang irgendwie einleuchtend, aber …

Plötzlich brummte sein Handy. Es war seine Kontaktfrau von der Polizei. „Nur weil du es bist“, sagte sie. „Ein weitere Information. DJ Bernie ist gerade festgenommen worden. An der Villa Zanders. Die Kollegen haben ihn fast zwei Stunden beobachtet. Dann hat er sich wohl irgendwie seltsam verhalten, und sie haben zugegriffen. Leider hat es nicht funktioniert. Bernie hatte keine Ware dabei.“

„Ist er die ganze Zeit an der Villa gewesen?“

„Ja, seit mindestens anderthalb  Stunden. Wieso fragst du?“

„Nur so.“ Gladberg verabschiedete sich, steckte das Handy weg, und auf einmal fiel ihm auf, dass Arnes enge Jeansjacke an der Brust eigenartig ausgebeult war. Mit einer schnellen Bewegung griff er dem Jungen in die Innentasche und hatte plötzlich eine Klarsichttüte in der Hand. Darin befanden sich etwa ein dutzend bläuliche Pillen.

Arne wurde blass.

„Du hast also nichts mit Drogen zu tun?“, sagte Gero Gladberg und konnte seinen Ärger kaum im Zaum halten. „Los, gehen wir.“

„Wohin?“, fragte Arne.

„Zur Polizei natürlich. Sie haben Bernie an der Villa Zanders verhaftet. Sie haben aber nichts bei ihm gefunden. Damit das so ist, hat er dir sein Zeug gegeben. Oder du hast es aus einem Versteck geholt. Und dafür hat er dich bezahlt. Willst du das etwa abstreiten?“

„Nein …“, rief Arne erschrocken. „Das heißt ja … Aber … Es war doch ganz anders …“

„Und wie?“

Der Junge suchte nach Worten. „Ich hatte mich mit meiner Mutter zerstritten. Dann bin ich hergefahren, um einen Kumpel zu treffen.“

„Bernie?“

„Nein, jemanden aus meiner Klasse. Ich kann Ihnen die SMS zeigen. Er schrieb mir dann, er hätte keine Zeit.“ Er wollte sein Handy hervorziehen, aber Gladberg stoppte ihn. „Erzähl weiter“, sagte er.

„Ich war aber schon am Forumspark. Ich setzte mich auf die Stufen, wo Sie mich getroffen haben. Ich hatte überlegt, was ich machen soll. Und wie ich so auf die Strunde gucke, kam durch das Gitter was angeschwommen. Ein weißes Päckchen aus Styropor. Es blieb genau vor mir hängen. Rein aus Neugierde hab ich es rausgeholt. Und da war das Säckchen mit den Pillen drin. Es kann sein, dass es Bernie gehört. Wahrscheinlich hat er es an der Villa in den Bach geworfen.“

„Du meinst, er hat es die Strunde entlang geschickt, damit es jemand anders entgegennimmt?“

Arne nickte. „Für mich war es jedenfalls nicht bestimmt. Aber Sie wissen ja, dass Drogenhändler ihr Zeug manchmal auf sehr abenteuerliche Weise verstecken. Es war mein Pech, dass ich so neugierig war. Aber als Sie kamen, wollte ich gerade zur Polizei gehen. Ich schwöre es. Auch wenn ich Bernie damit reingerissen hätte. Das hat ja mit dem Geld, das er mir geliehen hat, nichts zu tun. Nächste Woche kriegt er es zurück. Eigentlich ist es ja sogar gut, dass ich das Zeug gefunden habe. Die Polizei müsste mir dankbar sein.“

„Du redest dich um Kopf und Kragen, Junge“, sagte Gladberg. „Du hast natürlich recht. Was Verstecke betrifft, sind Drogenhändler sehr einfallsreich. Trotzdem ist deine Geschichte vollkommen erlogen. Ich glaube, dass du enger mit Bernie zusammenarbeitest, als du zugeben willst.“

Jetzt sind Sie dran

Was hat Gero Gladberg an Arnes Geschichte stutzig werden lassen?

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Der Einsendeschluss ist der 26. Mai, 23:59 Uhr.

Die Lösung können Sie ab dem 27. Mai hier abrufen. Oder Sie abonnieren unseren kostenlosen Newsletter „Der Tag in GL” – dann werden Sie über die Lösung informiert und verpassen keine Folge.

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Zur Person: Oliver Buslau – bitte anklicken
lebt seit 1992 in Bergisch Gladbach. Schon als Schüler und Student schrieb er für Zeitungen und war als Komponist und Musiker tätig. Nach dem Studium in Köln und Wien arbeitete er bei EMI Classics, als Verlagsredakteur und freier Autor von Texten über klassische Musik.

Seit 1999 schreibt Buslau Kriminalromane. Bekannt wurde er mit der Serie um den Wuppertaler Privatdetektiv Remigius Rott. Seit 2015 steuert er Geschichten zur Serie „Cotton Reloaded“ und seit 2017 zur klassischen Jerry-Cotton-Heftromanreihe bei. Auch als Autor vom Kurzkrimis und Kurzgeschichten hat sich Buslau einen Namen gemacht.

Als Musiker ist er Bratschist in Amateurensembles – unter anderem im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und im Bergisch Gladbacher Kammerorchester „Concertino“.

In seinen Krimis und anderen Büchern schlägt er immer wieder die Brücke von der Musik zur Literatur: 2017 veröffentlichte er den populären Musikführer „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“.

Foto: Susanne Prothmann

Alle Bücher von Oliver Buslau finden Sie im Online-Shop der Buchhandlung Funk.

Mehr Informationen über Buslau finden Sie auf der Website und in diesen Beiträgen 

Gero Gladberg und seine SchöpferInnen

Gero Gladberg und das Bruch-Rätsel: Die Lösung

Gero Gladberg und das Max-Bruch-Rätsel

„Gero Gladberg und die Fahrerflucht”: Die Lösung

Gero Gladberg … und die Fahrerflucht

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Oliver Buslau

spielt seit 2013 im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach Bratsche. Der studierte Musikwissenschaftler arbeitete bei der Schallplattenfirma EMI Classics, und ist unter anderem Autor von zehn Bergischen Kriminalromanen. 2017 veröffentlichte er das Sachbuch „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen...

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