Wie kann man hier vor Ort die Nachhaltigkeit stärken, welche Rolle kann die Kunst dabei spielen? Mit dieser Debatte ist die Kampagne „Weltbaustellen NRW“ in Bergisch Gladbach eröffnet worden. 

Hinter den „Weltbaustellen NRW” steht das Eine Welt Netz NRW e.V., das in diesem Jahr in zehn Städten Künstlerwettbewerbe organisiert, aus dem ein großes, öffentliches Kunstwerk entsteht – das wiederum die Auseinandersetzung der Menschen mit dem Thema Nachhaltigkeit und den 17 Zielen der globalen Agenda 2030 anregen soll. Christian Gollmer, Gründer es Forums für Nachhaltigkeit im Bergischen, hatte dafür gesorgt, dass in diesem Jahr Bergisch Gladbach eine dieser der zehn Städte ist.

Eine Stunde lang versuchten Gollmer, Lina Dybowski vom Eine Welt Netz und der Rösrather Stifter Jürgen Rembold bei der Eröffnungsveranstaltung im Kulturhaus Zanders, das Konzept zu erklären. Mit vielen schönen Worten. Doch damit lösten sie erst einmal eine Debatte aus. Was hat dieser Wettbewerb mit Nachhaltigkeit zu tun? Müsste man da nicht viel direkter rangehen, fragen Zuhörer.

Den Umweg über die Kunst gehen

Tatsächlich, das machten die Initiatoren deutlich, handelt es sich zunächst einmal nur um eine Öffentlichkeitskampagne. „Klar könnte man einfach das Plastik abschaffen”, sagt Rembold, „aber dafür müssten alle mitmachen. Also müssen wir den Umweg über die Kunst gehen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.”

Die 17 großen Ziele der Agenda 2030, ergänzt Gollmer, müssten erst einmal verstanden werden; dann können man schauen, was sich vor Ort konkret anpacken lässt. Zum Beispiel durch einen Unverpackt-Stammtisch.

Neben der Kunstaktion gibt es in den kommenden Wochen eine ganze Reihe von Veranstaltungen, bei denen das Forum für Nachhaltigkeit mit der Weltbaustelle Präsenz zeigen will. Bei einer Lesung im Adra-Shop, beim Sommerspecial des ReimBerg Slam (der am 20.7. das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt), beim Strundetalfest, beim Stadt- und Kulturfest und einigem mehr.

Ausschreibung stößt auf Kritik und Ablehnung

Im Zentrum steht aber eigentlich die Kunstaktion. Nur das ist so einfach nicht. Die erste, sehr anspruchsvolle Ausschreibung des Künstlerwettbewerbs, der zudem mit einer sehr niedrigen Summe dotiert ist, stieß bei den lokalen Künstlern auf Kritik und Ablehnung.

Gollmer räumt ein, dass nach Ablauf der knappen Frist kein Beitrag eingereicht worden ist. Er sieht Fehler und Unkenntnis bei der Ausschreibung, will jetzt  in Gesprächen mit Künstlern und Künstlervereinigungen neu ansetzen. Das Verfahren ist ausgesetzt, jetzt wird „einfach nur nach einer Idee” gesucht, mit der die Initiatoren wiederum an die Stadtverwaltung herantreten und für eine große, aufmerksamkeitsstarke Installation, Perfomance oder was auch immer, werben können.

„Vor Ort schauen, was uns umtreibt”

Was das sein könnte, erläutert Dybowski am Beispiel der Stadt Bedburg, direkte am Braunkohlerevier gelegen. Dort hatten Künstler einen interaktiven „Bohrturm” konstruiert, der mit Wind- und Solaranlagen Strom erzeugte, bei dem die Menschen aber auch mit einer Handkurbel selbst Strom erzeugen und ihr Handy aufladen konnte. „Man muss vor Ort schauen, was treibt uns um”, sagt Dybowski.

Der stellvertretende Bürgermeister Josef Willnecker, der für Bürgermeister Lutz Urbach eingesprungen war, sagte in seinem Grußwort: „Die Weltbaustelle NRW stößt die öffentliche Debatte neu an. Das Ziel ist eine Veränderung im Denken und Handeln aller erreichen”, sagt  Und zitierte „Die Ärzte”:

Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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