Stefanie Marx-Bleikertz und Oliver Bleikertz im künftigen Unverpackt-Laden „Büggel” in der Gladbacher City

Ein Büggel ist eigentlich nichts weiter als eine Tasche. Bald steht der Begriff aber auch für den ersten Unverpackt-Laden rechts des Rheins: Eine erfahrene Unternehmerin eröffnet das Geschäft am Markt in Gladbach, bietet Lebensmittel und Hygieneartikel ohne Plastik an – und einiges mehr.

Ende Oktober, spätestens aber zum verkaufsoffenen Sonntag am 3. November will Stefanie Marx-Bleikertz das Geschäft „BÜGGEL – bergisch unverpackt“ auf rund 80 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnen. In einem Altbau hinter der markanten Eichentür, direkt gegenüber vom Rathaus an der Paffrather Straße.

Dahinter steckt eigentlich ein Familienprojekt, berichtete Marx-Bleikertz jetzt bei einem ersten Rundgang durch die noch leeren Räume. Die Idee habe sie gemeinsam mit ihrer Tochter Jana Marx entwickelt, ihr Mann Oliver Bleikertz arbeitet ebenfalls mit.

Die 52-jährige Unternehmerin aus Kürten-Bechen, die früher Sozialpädagogin und Finanzbuchhalterin war und zuletzt selbständig Events organisiert hatte, war vor einem Jahr in ihren ersten Unverpackt-Laden geraten und hatte Feuer gefangen.

Businessplan und viel Rückenwind

Mit ihrer Tochter stellte sie eine Businessplan auf und rechnete alles durch: den letzten noch notwendigen Schub verlieh ihr der „Zero Waste-Unverpackt- Stammtisch”, wo ihr Konzept auf große Zustimmung stieß.

In dem leerstehenden Ladenlokal, dem ehemaligen Wäschegeschäft am Rathaus, fand Mark-Bleikertz einen geeigneten Laden und legte los. Im Moment wird das Geschäft mit viele Eigenkapital hergerichtet, mit einem Lager, einem großen Laden und einer Café-Ecke. Linoleum und alte Apothekerschränke sollen für Atmosphäre sorgen, der Cappuchino kommt aus einer Siebträgermaschine.

Im Altbau rechts im Bild wird der Unverpackt-Laden eingerichtet

Das gibt es zu kaufen

Angeboten werden Lebensmittel, so weit wie möglich in Bio-Qualität und aus der Region. Das werden vor allem trockene Waren wir Nudel, Gewürze oder Müsli sein, aber auch Käse und Molkereiprodukte. Außerdem gibt es Hygieneartikel, Reinigungs- und Waschmittel.

Die Lieferanten und Kooperationspartner in der Region werden gerade ausgesucht. Honig wurde bereits bei Grega’s Imkerei in Engelskirchen gefunden, Eier soll der neue Biobauer Felix Korff aus Kürten-Herweg liefern. Wichtig ist Marx-Bleikertz, dass auch die Lieferanten die Ware so unverpackt wie möglich anliefern, wenigstens in Papier- statt Plastiktüten.

So funktioniert der Einkauf

Die Kunden bringen ihre Behälter – egal, ob Plastik- oder Baumwolltasche, Gläser oder Tupperdosen – mit oder kaufen im Laden Mehrwegbehälter. Es herrscht Selbstbedienung, in der Regel lagern die Waren in großen Gefäßen zum Abzapfen.

Die Kunden wiegen ihr Behälter, schreiben das Gewicht drauf, füllen es mit dem gewünschten Waren selbst auf und zahlen den Inhalt an der Kasse.

So sieht es im Unverpackt-Laden in Mainz aus. Foto: Unverpackt Mainz

Was kostet die unverpackte Bioqualität?

Die Preise bewegen sich laut Marx-Bleikertz auf dem Niveau eines Bio-Supermarktes. Man spart zwar nicht gerade beim Einkauf, kann sich aber die gewünschte Menge genau abwiegen. „Wer 100 Gramm Quinoa für sein Rezept braucht, muss kein Pfund kaufen”, sagt die künftige Inhaberin.

Obst und Gemüse wird es im „Büggel” nicht geben, das könne man ja zweimal die Woche nebenan auf dem Wochenmarkt kaufen, auch ohne Verpackung. Einen anderen Unverpackt-Laden dagegen gibt es erst weit im Bergischen Hinterland, selbst im rechtsrheinischen Köln gebe es keinen, sagt die Unternehmerin.

Nachhaltiges Netzwerk

Sie versteht den „Büggel” als ganz normalen Laden, der genug Umsatz machen müsse, um davon leben zu können. Neben der eigenen Familie soll es einige Teilzeit-Angestellte geben. Marx-Bleikertz kann aber auch auf ein ganzes Netz von Helfern setzen, die sich unentgeltlich engagieren.

Sie alle gehören zum wachsenden Netzwerk rund um das „Forum für Nachhaltigkeit fürs Bergisch”, den „Unverpackt Stammtisch” und die „Klima Freunde”. Später sollen auch Seminare und Workshops zum Thema Nachhaltigkeit im „Büggel” stattfinden.

Denn hinter dem Geschäft steht natürlich ein größeres Ziel: Schritt für Schritt sollen die Konsumenten sehen, dass der Verzicht auf Plastikverpackung und anderes umweltschädliches Verhalten im Alltag gar nicht so schwer ist.

Einen echten Büggel soll es im „Büggel” demnächst auch geben. Allerdings nicht als Henkeltasche, sondern als zeitgemäßen Rucksack.

Weitere Informationen gibt es bald auf einer Website und schon jetzt auf Facebook.

Anschrift: Büggel, Paffrather Straße 5, Bergisch Gladbach

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Lieber Holger Jacobs,

    schade, dass Sie in unserem Laden waren und uns nicht direkt angesprochen haben. Wir hätten Ihnen gerne erklärt, dass unsere Ware zu 95 % von Bio-Großhändlern oder Bio-Herstellern kommen. Momentan dürfen wir das aber noch nicht ausweisen, da wir selber noch nicht die Bio-Zertifizierung haben. Dies ist ein zeitaufwendiges und teures Verfahren, das wir Anfang nächsten Jahres anstreben. Ein anderer Aspekt ist die Regionalität, die wir bei der Sortimentsauswahl berücksichtigt haben.

    Unsere Produkte sind hochwertige Produkte, die einen höheren Preis erfordern, vergleichbar mit der Bio-Ware in kleineren Bio-Läden. Hier und da können wir sogar mit den Preisen der Bio-Discountern mithalten.

    Einige wenige Produkte haben recht hohe Preise. Wie z.B. der Kaffee aus einer regionalen kleinen Rösterei in Wermelskirchen. Der Kaffee wird nachhaltig, ökologisch angebaut und per Hand gepflückt und verarbeitet, ist teilweise Bio-Zertifiziert und die Kaffee-Bauern bekommen 40% mehr bezahlt, als die konventionellen Kaffeebauern.

    Wenn man sich also mit der Herstellung und den fairen Preisen für die Produzenten auseinander setzt, dann muss jeder für sich entscheiden, ob es ihm das Wert ist, diesen Preis zu zahlen.

    Was für mich ein Widerspruch in sich ist, dass man hochwertige Produkte für wenig Geld mit wenig Zeit einkaufen kann. Wenn das gewünscht wird, sind wir tatsächlich der falsche Laden.
    Wir würden uns freuen, wenn Sie die Chance nutzen, uns ein zweites mal in unserem Laden zu besuchen und mit Zeit über unsere Produkte zu diskutieren.

    Mit unverpackten Grüßen
    Stefanie Marx-Bleikertz vom BÜGGEL-bergisch unverpackt

  2. Unverpackt ist eine großartige Idee. Das Geschäft hat mittlerweile eröffnet, ohne dass es einen weitere Artikel dazu hier gegeben hat.

    Neulich habe ich den „Büggel“ besucht und war entsetzt ob der Preise. Für alle Waren zahlt man ca. das vierfache des gewohnten Preises. Und das, nur weil die Verpackung fehlt?

    Viele Menschen wollen sich engagieren und Plastikmüll vermeiden. Aber durch den zusätzlichen Weg zum Unverpackt-Laden verursachen sie auch wieder Umweltschäden, wenn sie nicht gerade zu Fuß gehen können. Zeit benötigen sie dafür natürlich auch, die leider meistens knapp ist.

    Wenn dann noch solch astronomischen Preise verlangt werden, ohne dass die Waren mit „bio“ (Nach welchem Standard? EU-bio ist nicht so toll.) oder als „fair trade“ gekennzeichnet sind, dann muss ich einfach sagen: Tut mir leid. So wird das nichts.

    Eine vertane Chance!

  3. Ic bin begeistert von den neuen Entwicklungen in Bergisch Gladbach.Denn Umwelt- und Klimaschutz sind so was von wichtig!