Kaltluftschneisen – wie hier in Kalmünten – haben eine wichtige Rolle für das Stadtklima

Der Klimawandel hat auch schwere gesundheitliche Folgen, die bereits jetzt spürbar sind. Daher muss die Politik jetzt handeln, auch in Bergisch Gladbach, fordert die Freie Wähler Gemeinschaft. Und nennt konkrete Punkte.

Das Deutschen Ärzteblatt vom 22.11.2019 berichtet über den Jahresbericht der internationalen Forschungsinitiative „Lancet Countdown“. The Lancet ist eine der ältesten und renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt.

Der Bericht warnt vor bis zu fünf zusätzliche Hitzewellen in Norddeutschland und bis zu 30 zusätzliche Hitzewellen in Süddeutschland – jeden Sommer, außerdem ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 3,7° C. Diesen für die kommenden Jahrzehnte prognostizierten Klimaveränderungen hat das deutsche Gesundheitswesen – zumindest aktuell – nichts entgegenzusetzen.

Benno Nuding ist Vorsitzender der FWG

Der Hitzestress, aber auch die hohen bodennahen Ozonkonzentrationen während der Hitzeperioden können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, insbesondere bei älteren Menschen und solchen mit kardiovaskulären oder Atemwegserkrankungen.

Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert deshalb Länder und Kommunen auf, konkrete Maßnahmenpläne für Kliniken, Not- und Rettungsdienste sowie Pflegeeinrichtungen zur Vorbereitung auf Hitzeereignisse zu entwickeln.

Dabei dränge die Zeit, sagte BÄK-Präsident Dr. med. Klaus Reinhardt, denn die Auswirkungen des Klimawandels seien nicht irgendwann, sondern bereits hier und heute spürbar.

Was hat das mit Bergisch Gladbach zu tun?

Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach hat diesen Herbst beschlossen, die Resolution zur Ausrufung des Climate Emergency zu unterstützen. Die Stadt Bergisch Gladbach erkennt damit die Eindämmung des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität an.

Dies ist prinzipiell ein richtiger Schritt, dem nun Taten folgen müssen.

Einmal müssen Maßnahmen ergriffen werden, um den Klimawandel abzuschwächen.

Für das Leben in unserer Stadt ist es aber auch wichtig, die Hitzebelastung für die Bürger während heißer Perioden zu begrenzen. Vorrangige Maßnahmen sind dabei eine möglichst weitgehende Begrünung der Innenstadt (der Forumspark ist das Gegenbeispiel!!), eine Förderung von Fassadenbegrünungen und ein Erhalt klimatisch wichtiger Freiflächen.

Ein Erhalt der Kaltluftentstehung ist nur durch eine Verhinderung der Versiegelung möglich. Das Grundprinzip der potenziellen Kühlleistung des Bodens besteht darin, dass der Boden Wasser, welches in ihm gespeichert ist, zur Verdunstung bereitstellt. In der Regel erfolgt die Verdunstung über Pflanzen.

Alle neuen Wohnbauflächen des FNP haben klimatische Bedeutung. Viele gehören zu Kaltluftentstehungsgebieten und Kaltluftleitbahnen, z.T. mit überregionaler Bedeutung (unten finden Sie dazu eine genaue Auflistung).

Und auch wenn es langsam nerven mag: Die Zerstörung dieser Grünflächen durch Bebauung muss verhindert werden. Wer am FNP festhält hat die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Stadt noch immer nicht verstanden.

Und bei der Planung des Zandersgeländes sollte auch ein Hochbau mit Fassadenbegrünung in Erwägung gezogen werden, um möglichst ausgedehnte Freiflächen zu schaffen.

Hier geht es nicht um ein „Heute ist aber ein heißer Tag“ sondern um die Gesundheit und sogar manchmal Leben breiter Bevölkerungsgruppen.

So schreibt der Monitoringbericht 2019 der Bundesregierung: „Die Ergebnisse zeigen, dass im Jahr 2003 etwa 7.500 Menschen mehr gestorben sind als ohne Hitzewelle zu erwarten gewesen wäre. Für die Jahre 2006 und 2015 ergeben sich jeweils etwa 6.000 zusätzliche Todesfälle.“

Es sollte jedem klar werden: Wir brauchen nicht nur schöne Worte sondern auch Taten um die Folgen des Klimawandels in unserer Stadt halbwegs erträglich zu halten.

Klimaanalyse des Freiraumkonzeptes für die neuen Wohnbaugebiete des FNP

Asselborn2 – Unterheide, 8,4 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Asselborn4 – Oberheide, 5,6 Hektar
Auf der Klimakarte nicht mehr erfasst
Wahrscheinlich:
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Bärbroich1 – Ottoherscheid, 1,2 Hektar
Auf der Klimakarte nicht mehr erfasst
Wahrscheinlich:
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Hebborn6 – Am Mutzer Feld, 1,3 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kleinflächiger innerstädtischer Freiraum

He7 – Alte Wipperfürther Straße/ Odenthaler Straße, 4,8 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn
Kaltluftsammelgebiet

Hebborn12 – Schützenberg, 7,5 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn

Heidkamp3a – Oberheidkamper Straße 3,5 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn
Kaltluftsammelgebiet

Heidkamp4a – Lerbacher Weg, 1,4 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn

Herkenrath6a – Goethestraße, 1,7 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Herkenrath10 – In der Flade, 3,8 Hektar
Auf der Klimakarte nicht mehr erfasst
Wahrscheinlich:
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Katterbach 7a – Herkenfelder Weg, 0,5 Hektar
Kaltluftschneise mit überregionaler Bedeutung
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Katterbach 8c – Lubusch, 2,5 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Katterbach 10 Kempener Straße, 0,9 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Großflächiger innerstädtischer Freiraum

Lustheide1 Kinderdorf, 1,0Hektar
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Moitzfeld7c An der Grube, 1,6 Hektar
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kleinflächiger innerstädtischer Freiraum

Moitzfeld7d An der Grube, 2,0 Hektar
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Nussbaum 1c – Im Weidenbusch, 3,2 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Nussbaum 7a Peterskaule Nord, 4,4 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn

Nussbaum 7b Peterskaule Nord, 3,0 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn

Refrath8a im Buchenkamp, 0,6 Hektar
Kleinflächiger innerstädtischer Freiraum

Refrath8b – Im Buchenkamp, 1,1 Hektar
Großflächiger innerstädtischer Freiraum
Mit Bedeutung für die Luftqualität

Romaney5a – Romaney 1,8 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Sand3b – Am Kleifeld/ Häuser-Dombach
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Evtl. (Karte zu wenig detaillegetreu):
Kaltluftleitbahn
Kaltluftsammelgebiet

Sand3c – Am Kleifeld/ Häuser-Dombach, 2,9 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftleitbahn
Kaltluftsammelgebiet

Sand3d – Am Kleifeld/ Häuser-Dombach, 0,6 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kleinflächiger innerstädtischer Freiraum

Schildgen 2c – Kalmünten, 1,3 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Schildgen 5b – Zum Scheider Feld, 1,5 Hektar
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)

Schildgen 16b – Im Aehlemaar, 1,9 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Startpunkt einer Kaltluftleitbahn

Schildgen 16d – Odenthaler Markweg, 1,2 Hektar
Kaltluftentstehungsgebiet
Landschaftlicher Freiraum (klimarelevant)
Kaltluftschneise mit überregionaler Bedeutung

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3 Kommentare

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  1. Das viel größere Versiegelungsproblem sind die Verkehrsflächen, insbesondere für ruhenden Verkehr sprich Parkplätze. Wenn wir den Autoverkehr (weitestgehend) aus der Stadt verbannen, können wir massenhaft Flächen entsiegeln und gewinnen Aufenthalts- und Lebensqualität. Ganz abgesehen davon, dass wir dann weniger zur Verschärfung der Klimakrise beitragen. Ein paar neue Wohnhäuser sind eher ‘Pillepalle’.

    Dass der FNP im Fall(!) einer Umnutzung des Zanders-Geländes Altpapier ist, ist allgemein bekannt und keine sehr originelle Feststellung.

  2. Meiner Skepsis gegen die FWG wurde wieder ein Stück genommen. Welche Partei – von unserer Veraltung kann man das wohl überhaupt nicht erwarten, die dreht sich lieber um sich selbst – hat sich jemals derart dezidiert mit den oben genannten Problemen beschäftigt, die aus dem neuen FNP erwachsen? Wir in Bensberg können ein Lied davon singen nach all dem Leid mit Schlossgalerie und Schlossstraße, das noch lange vorhalten wird.

    Bäume, eine Spezies, die seit vielen Jahren von Umweltsünden und daraus entstandenen Schäden gebeutelt ist, die auf vielerlei Art Symbol ist wie im Lied “Stark wie ein Baum, möchte ich werden, . . . “, die zum Bild der Natur gehört wie kaum ein 2. Gewächs, beginnen, sich von der Erde zu verabschieden. Das haben wir Menschen schon geschafft, andere uns immer gegenwärtig und deshalb als selbstverständlich angesehene
    Mitglieder von Flora und Fauna werden folgen. Der Mensch sägt nicht den Ast ab, auf dem er sitzt. Den gibt es bald nicht mehr. Er gräbt sein eigenes Grab und das vollen Bewusstseins.

  3. Dem Klimaschutz Taten folgen lassen.
    Dann muss sich das Baumschutzkonzept in der Schloßstrasse daran messen lassen und überarbeitet werden, damit zumindest die neuen Bäume nicht nur eine Chance zum wachsen haben sondern dem Klimaschutz und Hochwasserschutz dienen können. Dafür gibt es besondere Pflanzsysteme für Stadtbäume, die Regenwasser speichern und dadurch Starkregen speichern und sich selbst bewässern und zudem noch das Aufbrechen des Bodenbelags verhindern. Sonst enden die Bäume genauso katastrophal wie in der Fußgängerzone in GL.