Zanders stellt vor allem Spezialpapiere für Verpackungen her, auch als Ersatz für Plastik

Der zuständige Ausschuss des Stadtrats war eigens zu einer Sondersitzung zusammen gekommen – um dann doch noch keine Entscheidung über einen langfristigen Pachtvertrag mit der Papierfabrik zu treffen. Diese überraschende Vertagung hat formale und inhaltliche Gründe.

Der Ausschuss für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr hatte am Dienstag nicht-öffentlich getagt, einziger Tagesordnungspunkt war ein langfristiger Pachtvertrag für die Zanders Paper GmbH, die das städtische Gelände seit der Neugründung nach der Insolvenz ohne vertragliche Grundlage nutzt.

Nach Angaben der Stadtverwaltung hatten die Ausschussmitglieder einstimmig dafür votiert, dass diese Entscheidung durch den Stadtrat getroffen werden soll – weil die Bedeutung so groß ist. Zudem habe sich in der nichtöffentlichen Diskussion gezeigt, dass es doch noch Fragen an das Unternehmen gibt, die vor einer Entscheidung zu beantworten sind.

Allerdings ging die Initiative offenbar gar nicht von den Ausschussmitgliedern aus, sondern von der Stadtverwaltung, erfuhr das Bürgerportal. Bürgermeister Lutz Urbach selbst habe bereits in den vergangenen Tagen auf neue rechtliche Fragen hingewiesen – und in der Ausschusssitzung eine Vertagung vorgeschlagen. Dabei geht es offenbar um das Problem, dass die Stadt im Fall einer weiteren Insolvenz die Pacht zurückzahlen müsste.

Aber auch in einem Teil der Fraktionen besteht noch Beratungsbedarf. Diese Fragen müssen laut Verwaltung jetzt noch von Zanders beantwortet werden.

Offiziell nimmt mit Hinweis auf die Vertraulichkeit der nichtöffentlichen Sitzung keiner der Beteiligten Stellung, auch die Verwaltung beantwortete Rückfragen des Bürgerportals bislang nicht.

Die nächste turnusmäßige Ratssitzung findet am 18. Februar statt. Die aktuelle Duldungsvereinbarung für Zanders läuft zum Monatsende ab, soll aber offenbar noch einmal verlängert werden.

Diese Vertagung mit den Stimmen aller Fraktionen kommt überraschend, hatte Bürgermeister Urbach im im Pressegespräch vor gut einer Woche von einer sehr guten Lösung für beide Seiten gesprochen. Dabei hatte er die Grundzüge des Pachtvertrages ausführlich erläutert.

Demnach hatten die skandinavischen Eigentümer belegt, dass sie über die Mittel und ein Konzept für die mindestens mittelfristige Fortführung des Unternehmen verfügen. Zudem hatte Zanders eine Standortvereinbarung mit dem Betriebsrat getroffen und sich bereit erklärt, wichtige Produktionsanlagen und das Klärwerk aus dem Rand- in den Kernbereich zu verlegen.

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Die Zanders Group gesteht aus vier Gesellschaften, der Zanders Paper GmbH, der Zanders Logistik GmbH, der Zanders Estate GmbH sowie einer Zanders Beteilungs GmbH.

Geschäftsführer der Gruppe und aller Töchter ist der Norweger Terje Haglund, der das Unternehmen 2018 aus der Insolvenz heraus gekauft hatte.

Aktuell gehören Haglund noch 25 Prozent der Anteile. 75 Prozent hatte er 2019 an die schwedische Firma Jool Invest mit Tom Olander an der Spitze abgegeben. Jool betreibt u.a. die Papierfabrik in Lessebo und kooperiert mit Haglund schon seit langem.

Bürgermeister Urbach lobte beim Pressegespräch am 21. Januar, dass mit dem Einstieg von Olander wieder ein hohes Maß an Verlässlichkeit in den Beziehungen der Stadt zu Zanders eingekehrt sei. Alle Beteiligten betonen, dass die Kontakte von Haglund und Olander in der Papierbranche sehr bei der Neuausrichtung geholfen haben.

„Unter (den Vorbesitzern) Metsa und Mutares ist vieles ausprobiert worden, ohne klare Strategie. Jetzt sitzen wieder die Papierexperten am Ruder, mit einem klaren Ziel”, skizziert Werksleiter Markus Kaptain die neue Lage.

Der starke Mann vor Ort ist nach wie vor Geschäftsführer Haglund, auch wenn er immer nur temporär in Bergisch Gladbach ist und aus dem Hintergrund wirkt. Obwohl er am Dienstag im Unternehmen war, nahm er am Pressegespräch nicht teil, für ein Gespräch stand er bislang nicht zur Verfügung 

Das ist für die Stadt wichtig, weil sie damit eine zusammenhängende Fläche für eine neue Nutzung erhält. Und für Zanders, weil ein langfristiger Pachtvertrag notwendig ist, um für die erforderlichen Investitionen bei den Banken Kredite zu bekommen.

Die Details zum angestrebten Pachtvertrag finden Sie in diesem Beitrag.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Beitrag „Zanders GmbH“

    Guten Tag,
    für mich stellt sich nicht erst seit heute die Frage, ob nicht schon lange ein Großinvestor für das Filet-Grundstück bereit steht und der Stadt im Falle einer „Zusammenarbeit“ enorme Einnahmen in die Haushaltskasse spülen würde.
    Jetzt wird dieser „Investor“ langsam ungemütlich und möchte endlich ins Geschäft kommen, das könnte der Grund für den Eiertanz der GL-Politik sein, die krampfhaft nach Möglichkeiten sucht KEINEN Vertrag mit der Zanders GmbH eingehen zu müssen damit der „Weg zum Geldsegen“ endlich frei wird.
    Ansonsten, wenn es die EHRLICHE Absicht der Stadt GL wäre, sollte ein fairer Pachtvertrag mit der Zanders GmbH doch kein Problem und schon überhaupt kein Risiko sein.

    Oben an der Kreuzung Ecke Feuerwehr hing lange Zeit ein städtisches Banner am Zaun, darauf stand „Sauberkeit ist auch eine Form von KULTUR“, für mich sind WERTSCHÄTZUNG, LOYALITÄT, TRADITION und EHRLICHKEIT ganz sicher auch Form einer kulturellen Gesellschaft, darauf sollte sich die Politik mal besinnen!

    Das ist meine Meinung dazu!

    Beste Grüße
    Cini Wohkittel
    STOLZER ZANDRIANER VON 1982 bis 1992