Werksleiter Markus Kaptain vor der großen Papiermaschine

Im Ringen um einen langfristigen Pachtvertrag mit der Stadt meldet sich Zanders zu Wort: Die Papierfabrik habe immer wieder geliefert, jetzt müssten letzte formale Fragen rasch geklärt werden – damit das Unternehmen durchstarten könne. Das Geschäft laufe ganz gut, aber mit einem Pachtvertrag und mehr Liquidität wäre mehr drin.

Bislang hatte sich die Zanders GmbH aus der öffentlichen Debatte über die Zukunft des Unternehmens herausgehalten, Presseanfragen nur knapp beantwortet. Dafür habe das kleine Team keine Zeit gehabt, sagt Werksleiter Markus Kaptain. Viel sei über Zanders geredet worden, jetzt wolle das Unternehmen seine Sicht der Dinge erläutern.

Der Kern der Botschaft: Zanders habe viele Anforderungen erfüllt, nun sei es Zeit für einen Abschluss. Da die Stadt offenbar weitere Forderungen oder Wünsche habe solle sie eine entsprechende Liste vorlegen. Die werde das Unternehmen dann rasch abarbeiten.

Im Gespräch mit dem Bürgerportal lassen Kaptain und Finanzchef Hans-Günter Wierichs die letzten Monate Revue passieren, die sich unerwartet zur Achterbahn entwickelten – und im Unternehmen Irritationen hinterließen. Manche im Unternehmen fragten sich, ob die Stadt Zanders wirklich erhalten wolle.

Terje Haglund

Zur Erinnerung: Nach der Insolvenz hatte der norwegische Papiermanager Terje Haglund das Unternehmen 2018 gekauft und als Zanders Paper GmbH neu gegründet. 2019 gab er 75 Prozent der Anteile an die schwedische Jool-Gruppe ab, mit deren Chef Tom Olander er eng zusammenarbeitet. Seither ist Olander der strategische Kopf im Hintergrund, Haglung führt die Geschäfte mit Kaptain, Wierichs und Vertriebschef John Tucker vor Ort.

Grundstück, Gebäude und Maschinen gehören nicht Zanders

Eigentlich soll das Team die Papierproduktion wieder nach vorne bringen. Es entwickelt auch neue Produkte und stellt Mitarbeiter ein, beschäftigt sich aber vor allem mit juristischen Fragen. Denn nach wie vor operiert es auf einer komplizierten Basis: Haglund hatte dem Insolvenzverwalter nur das Unternehmen abgekauft. Die Maschinen sind vom Insolvenzverwalter geleast, Grundstück und Gebäude gehören der Stadt.

Dafür gibt es keinen richtigen Pachtvertrag, sondern nur eine Duldung, die mehrfach verlängert wurde. Zanders benötigt jedoch einen Vertrag über mindestens zehn Jahre, um wieder Kredite bei den Banken aufnehmen, in größerem Umfang Rohstoffe einkaufen und investieren zu können.

Markus Kaptain und Lutz Urbach nach der Pressekonferenz

Nach vielen Verhandlungen und Gutachten schien im Januar alles geklärt. Bürgermeister Lutz Urbach lud für den 21. Januar zur Pressekonferenz ein und verkündete, der Pachtvertrag sei nun unterschriftsreif, Zanders stehe eine helle Zukunft bevor.

Der Optimismus hielt wenige Tage. Im Vorfeld der Sitzungs des Ausschusses für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr kursierten neue Informationen, die Kaptain als „Gerüchte” qualifiziert: Das Unternehmen verweigere den Zugang zur Buchhaltung, das entscheidende Gutachten sei nicht mehr aktuell und Zanders habe einige Rechnungen nicht beglichen, u.a. an den Strundeverband in sechsstelliger Höhe.

Vertagung – Zanders kalt erwischt

Bürgermeister Urbach erschien selbst im Ausschuss und trug in nichtöffentlicher Sitzung neue Bedenken vor. Daraufhin votierte der Ausschuss einstimmig gegen einen Beschluss und übertrug die Entscheidung an den Stadtrat. Im Hintergrund stand die Befürchtung, dass die Ausschuss- und Ratsmitglieder für finanzielle Folgen haftbar gemacht werden könnten.

Die CDU-Fraktion legte zwei Tage später nach: Die CDU sehe sich „in der Pflicht, wegen ausstehender Details auf transparente Darlegungen der Firmenverantwortlichen zu pochen“, schrieb Fraktionschef Michael Metten. Das sei in den zwei Wochen bis zur nächsten Ratssitzung durchaus machbar.

Das ließ die Zanders-Führung konsterniert zurück. Wenn man mit ihnen gesprochen hätte, hätten die Fragen rasch geklärt werden können – doch es habe niemand mit ihnen gesprochen, sagt Kaptain. Der Hauptkontakt für das Unternehmen sei der von der Stadt beauftragter Anwalt, der die Vorschriften extrem eng auslege.

Die Gerüchte, so Zanders, hätten sich zwar schnell ausräumen lassen, die geforderte Aktualisierung und erneute Prüfung eines externen Restrukturierungsgutachtens sei so schnell aber nicht machbar.

Daher zog Zanders die Reißleine und bat um eine erneute Verlängerung der Duldung. Die läuft jetzt bis zum 30. April. Eigentlich genug Zeit, aber auch die wird jetzt wieder knapp.

„Wir erfüllen alle Verpflichtungen”

Und was ist dran, an den Gerüchten? Den Vorwurf, Zanders gewähre keinen Zugang zur Buchhaltung weist Finanzchef Wierichs klar zurück. Wer mit einem begründeten Interesse komme, könne die Bücher einsehen.

Hans-Günter Wierichs

Er räumt ein, dass es bei der Buchhaltung Defizite gebe: sie war im Insolvenzverfahren aufgelöst und ausgelagert worden, das neue System werde den Bedürfnissen eines Industriebetriebs nicht gerecht. Der neuen Zanders diesen Umstand anzulasten sei nicht legitim.

Sehr viel schädlicher war offenbar der Vorwurf, Zanders habe erneut Rechnungen nicht bezahlt. Nach einer gerade überstandenen Insolvenz schon fast ein Totschlagargument – das die Unternehmensführung verärgert zurück weist.

Es gebe hin und wieder mal einen Zahlungsverzug, eine Rechnung sei zwischenzeitlich verloren gegangen, sagt Wierichs. Aber Zanders Paper habe seine Verpflichtungen stets erfüllt – wenn die Zahlungspflicht klar war.

Genau das sei im Fall der offenen Rechnung des Strundeverbands nicht der Fall. Zanders bezahle seine Rechnungen nicht, hatte der Verbandsvorsteher und Chef des städtischen Abwasserwerks gesagt. Immerhin 100.000 Euro pro Jahr.

Allerdings, erläutert Wierichs, habe der Strundeverband den falschen Adressaten erwischt: Mitglied im Verband sei das alte, insolvente Unternehmen, daher sei der Insolvenzverwalter zuständig. Wenn geklärt sei, dass die neue Zanders GmbH die alten Lasten übernehmen müsse, werde sie das auch tun.

Andere strittige Punkte, wie das Brandschutzkonzept und der Wunsch der Stadt, früher auf größere Flächen des Zanders-Areal zugreifen zu können, seien geklärt.

Damit bleibt ein großer Stolperstein auf dem Weg zum Pachtvertrag: das aktualisierte und überprüfte Unternehmensgutachten. Es soll belegen, dass Zanders tatsächlich ein Restrukturierungskonzept hat, mit dem es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit überleben könne.

Dieses Gutachten braucht die Stadt aus rechtlichen Gründen: sonst liefe sie Gefahr, bei einer erneuten Insolvenz die erhaltenen Pachteinnahmen zurückzahlen zu müssen.

Ein Gutachten – und eine letzte Hürde

Ein solches Gutachten hatte die Unternehmensberatung BDO im Herbst vorgelegt – doch schon im Januar befand der Rechtsbeistand der Stadt, es sei nicht mehr aktuell, müsse aufgefrischt und erneut von einem unabhängigen Experten geprüft werden.

Diese Notwendigkeit bezweifelt Wierichs: ein Gutachten über die Entwicklung der nächsten vier Jahre sei nicht schon nach zwei Monaten veraltet.

Dennoch spiele Zanders weiter mit. Diese Aktualisierung müsse jetzt aber endlich in Angriff genommen werden. Denn bis Ende April werde es schon wieder eng.

Zuvor muss ein weiteres sensibles rechtliches Problem gelöst werden – bei dem es erneut um die Haftung geht. Bevor sich die BDO erneut an das Gutachten macht verlangt sie von der Stadt einen sogenannten „Hold Harmless Letter”. Der besagt, dass die Berater für ein Fehlurteil zur Überlebensfähigkeit des Unternehmens später nicht voll haftbar gemacht werden. Hier geht es immerhin um Millionenbeträge.

Diese Haftungsbeschränkung liegt immer noch nicht vor. Aus Sicht von Zanders deshalb, weil der Rechtsbeistand der Stadt die Gespräche weitgehend blockiert. Zwar habe es kurz vor Weihnachten eine vorläufige Einigung gegeben, die sei aber von der Stadt nicht weiter verfolgt worden.

Brief an den Bürgermeister

Aktuell, weniger als zwei Monate vor der Deadline, hat die Zanders-Führung kein Gefühl dafür, wie es weitergeht. Daher hat Kaptain jetzt im Auftrag von Terje Haglund einen Brief an den Bürgermeister geschickt, mit der Bitte um einen Zeitplan. Und einer abschließenden Liste der Punkte, die Zanders noch erledigen müsse.

Gleichzeitig will Zanders direkt mit den Fraktionen im Stadtrat reden. Bislang sei die Kommunikation über Urbach gelaufen, jetzt gehe das Unternehmen auch direkt auf die Politik zu, sagt Wierichs.

„Wir wollen keine Konfrontation, sondern ein offenes Verhältnis – aber wir müssen endlich zum Abschluss kommen”, ergänzt Kaptain.

Die Ungeduld ist spürbar, die Manager wollen sich um ihre eigentlichen Aufgaben kümmern und die Papierproduktion optimieren. Aber nur wenn es einen Pachtvertrag gibt, kann Vertrauen zu Lieferanten und Kunden aufgebaut werden. Im Moment muss Zanders 80 Prozent seiner Einkäufe vorab bezahlen, kann keinen Lagerbestand aufbauen und kaum investieren.

Zanders kann viel mehr

Dabei laufe das Geschäft eigentlich gut, die Nachfrage sei stark. Das operative Geschäft – ohne die Sonderausgaben für Gutachten und Berater – schreibe schwarze Zahlen, berichtet Wierichs.

Im Februar seien 500 Tonnen Papier mehr als ein Jahr zuvor produziert worden, rund 4500 Tonnen wurden verkauft, sagt Kaptain. Aber Zanders könne sehr viel mehr.

Alle Beiträge zu Zanders finden Sie hier.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Herr Meier,
    Sie haben grundsätzlich Recht, würde es sich nicht um eine Firma handeln, die die Stadt geprägt hat wie keine andere, deren Fortführung weiß Gott wie oft für eins der wichtigsten Ziel der Stadt apostrophiert wurde und deren Mitarbeiter nun schon so lange auf klare Signale der Stadt warten. Das Gezerre um die Bedingungen einer planbaren Zukunft muss den Mitarbeitern enorm an die Substanz gegangen sein. Nun aber immer weiter lediglich Duldungen zuzulassen, ist wie das Medikamentieren eines Kranken, von dem man nicht weiß, ob das noch anschlägt.

  2. Ist doch klar das Zanders einen Schuldigen sucht. Nicht die Stadt ist für die jetzige Situation des Unternehmens verantwortlich. Dennoch versucht sie im Rahmen der Möglichkeiten alles machbare. Wie fändetet ihr es wenn die Stadt Millionen in den Sand setzten würde. Die Stadt würde in der Luft zerrissen! Es geht mittlerweile nur noch um verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze. Kleinere Unternehmen müssen selber sehen wie sie zurechtkommen. Da gibt es keine Hilfen seitens der Stadt. Das darf man nicht vergessen. Ich wage zu bezweifeln das die investierten Gelder und Energien jemals wieder zurückfließen werden. Vielleicht wäre es besser gewesen in die Entwicklung eines neuen zentrumsnahen Stadtteil mit Wohnbebauung zu investieren…..

  3. Was mag die Stadt, die sich auf die Fahnen schrieb, Zanders als Arbeitgeber zu erhalten, dazu bewegen, die Firma nicht von der Leine zu lassen? In das mindestens monatelange Geschacher hat nun das Bürgerportal ein wenig Licht gebracht, sodass man etwas klarer sieht. Zanders macht gute Geschäfte, könnte bessere machen, wenn die Stadt mit dem versprochenen langfristigen Mietvertrag rausrückt. Dagegen hat der penible RA der Stadt Bedenken was dem Rat Angst macht, eines Tages in Regress genommen zu werden. Alle bisherigen Diskussionen sollen einzig und allein über den Schreibtisch des Bürgermeisters gegangen sein, der das Problem Zanders ja zur Chefsache erklärt hatte. Chef ist er aber nur noch 6 Monate und 2 Wochen, weshalb er sich doch einen guten Abgang mit dem langfristigen Mietvertrag verschaffen könnte. Aber nein, wieder nur eine kurze Duldung, wieder keine wirkliche Perspektive für Zanders, wieder nur Stückwerk. Alle auf Seiten der Stadt scheinen Angst zu haben, den entscheidenden Schritt zu tun. Geht das noch länger so, wird man Angst vor Regressforderungen der Investoren haben müssen.

  4. Wie immer in Gladbach, die Politik bzw. die Behörden blockieren wieder alles!