Die Auswirkungen der Coronakrise beschäftigen auch die Landwirtschaft der Region. Wie sieht es mit dem Absatz aus, reichen die Hilfen – und wo sollen die Erntehelfer herkommen? Wir haben nachgefragt, in der Rinder- und Milchwirtschaft und bei einem Obstbauern.

Unsere erste Station ist Norbert Stamm. Er ist Inhaber der Obstanlagen Mönchhof in Burscheid – und hofft sehr auf die angekündigten Hilfen.

„Der Mönchhof macht mit Obst einen Umsatz von rund einer Millionen Euro im Jahr. Durch die Corona-Krise könnten sich die Ausfälle auf einen hohen sechsstelligen Betrag summieren”, sagt Stamm. „Die Ware verdirbt, wir können sie nicht im kommenden Jahr wieder anbieten. Zudem laufen die Fixkosten weiter. Die Existenz unseres Hofs steht auf dem Spiel.“

Zwar stünden Finanzhilfen bereit, aber diese Darlehen müssten rückgezahlt werden, was selbst bei niedrigen Zinsen eng werde. Druck über Mieten könne man – anders als große Unternehmen – nunmal nicht ausüben.

Lokal kaufen!

„Ich kann nur an die Endverbraucher appellieren, während und nach der Krise lokal vor Ort beim Einzelhandel und den produzierenden Landwirten und Obstbauern zu kaufen“, sagt Stamm.

„Damit stärken Sie die Erzeuger und Händler Ihrer Region. Nutzen Sie bei den Bauern gerne auch die Stände an den Straßen. Nur so können wir die lokalen Betriebe am Leben halten.“

NRW braucht 50.000 Helfer

Schon Ende April zum Start der Erdbeerernte benötigt Stamm sechs Helfer. Ende Juni, zur Haupterntezeit seines Hofes, wächst der Personalbedarf rapide auf 50 bis 60 Helfer an.

Sein Problem bislang: Die langjährigen Helfer aus Rumänien oder Bulgarien dürfen nicht einreisen. Polnische Helfer könnten einreisen. Sie müssten sich bei ihrer Rückkehr indes einer Quarantäne unterziehen, so dass die meisten wahrscheinlich lieber zuhause bleiben.

Die aktuellen Pläne in Berlin, die für April und Mai immerhin je 40.000 Saisonarbeitern die Einreise ermöglichen, heißt Stamm grundsätzlich gut. Aber geprüft werden müsse das Angebot in der Praxis. Alleine in NRW würden rund 50.000 Erntehelfer benötigt.

Zudem sieht er Probleme in der Unterbringung. Hier fordert das Ministerium Zimmerbelegung mit maximal halber Kapazität. Weiterhin sei es angesichts der langen Warteschlangen vor Supermärkten fraglich, wie eine große Zahl an Erntehelfern sinnvoll auf den Höfen ernährt werden könnten – „wenn schon der Kauf von 2 Litern Milch eine Stunde dauert“, so Stamm.

Freiwillige Helfer sind willkommen

Der Rheinische Landwirtschafts-Verband setzt auf Hilfe aus der Region: „Mit den Onlineangeboten www.saisonarbeit-in-deutschland.de und www.daslandhilft.de des RLV stehen Möglichkeiten bereit, unter denen sich freiwillige Erntehelfer melden können. Das ist gut und wir erhalten auch Rückmeldungen über die Plattformen“, macht Stamm deutlich.

Er schränkt aber zugleich ein: „Die Gefahr besteht jedoch, dass die freiwilligen Erntehelfer wieder abspringen, sobald die Kurzarbeit beendet ist und die Menschen zurück an ihren Arbeitsplatz können. Zudem müssen die Helfer grundsätzlich alle neu angelernt werden“, erklärt Stamm gegenüber dem Bürgerportal. Auf die Angebote haben sich bereits 3.000 Interessenten per Mail beworben.

Milchversorgung läuft

Die meisten Landwirte im Bergischen haben jedoch andere Probleme. „In unserer Region ist das kein großes Thema, da wir als Grünland-Region überwiegend auf Rinderhaltung bzw. Milchproduktion setzen“, erklärt Peter Lautz vom Hebborner Hof, der Kreisvorsitzender der Kreisbauernschaft Rhein-Berg ist.

Gleichwohl sieht er die Situation alles andere als entspannt: „Wenn bei Obst und Gemüse nicht alles geerntet werden kann werden die Produkte knapper, was sich wiederum auf den Preis auswirken kann. Umgekehrt können die Ernteausfälle existenzbedrohend für die Landwirte sein.“

Speziell bei der Milchproduktion sei es oberste Prämisse in der Region, die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu beliefern. Die Hygieneregeln in der gesamten Verarbeitungskette seien den Erfordernissen entsprechend angepasst worden. Die Betriebe würden für volle Regale sorgen, die Nachfrage nach Milchprodukten sei gut.

Lautz weiter: „Ob und inwieweit sich die Corona-Krise auf die Erlöse der Landwirte in unserer Region auswirkt ist nicht vorhersehbar. Wir haben eine sehr starke Nachfrage an der Ladentheke, also beim Endverbraucher. Andererseits ist der weltweite Handel eingebrochen. Hotels und Gastronomie fragen Milchprodukte derzeit ebenfalls nicht nach.“

Abhängig vom Weltmarkt

Auch hier ist die Entwicklung, so wie bei den Obst- und Gemüsebauern, von der internationalen Lage mit abhängig.

„Sollte sich der Auszahlungspreis der Molkereien (Preis der Molkereien an die Landwirte für die angelieferte Milch, Anm. der Redaktion) verschlechtern, so wäre das für unsere heimische Landwirtschaft eine Katastrophe. Hinzu kommt noch das der Markt für Rindfleisch jetzt schon sehr angespannt ist“, zeichnet Peter Lautz ein eher trübes Bild.

Foto: S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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