Nach dem 2. Weltkrieg galt es, den Wiederaufbau auf den Schultern halbwegs unbelasteter Zeitgenossen vorzunehmen. Dies verlief nicht ohne Debatten, wie das Beispiel Peter Bürling zeigt. Erste Wahlen brachten so etwas wie Normalität in den politischen Alltag. Bergisch Gladbach wehrte die Eingemeindung durch Köln ab. Bensberg erhielt Stadtrechte.

Der Beitrag ist Teil einer Serie zu Bergisch Gladbach nach dem Zweiten Weltkrieg. Themen sind u.a. Entnazifizierung, Kommunales, Auswirkungen des Marshall-Plans oder auch die Gründung von Apotheken, Arztpraxen und Schulen. Hier finden Sie alle Beiträge.

Entnazifizierung

Ab Juli 1945 begann die Entnazifizierung. Ziel war es, alle Bereiche der Gesellschaft, der Politik, Justiz, Wirtschaft, Kultur und Presse von Einflüssen des Nationalsozialismus zu säubern.

Grundlagen dafür waren die alliierten Beschlüsse von Jalta vom Februar 1945 bzw. die der Potsdamer Konferenz vom 26. April 1945. Die NSDAP wurde verboten, alle ihr angeschlossenen Organisationen aufgelöst. Eine Direktive des Alliierten Kontrollrats in Berlin legte fest, welche Personen unter die Regelung der Entnazifizierung fallen sollten.      

Peter Bürling

Aufgrund seiner Tätigkeit für den Volkssturm wurde auch Peter Bürling zunächst als belastet eingestuft. Zwar hatte er manche Refrather vor der Einberufung in den Volkssturm gerettet, doch waren andere wiederum eingezogen worden. Und die sagten ihm Übles nach. Seine Mitgliedschaft in der NSDAP und damalige Funktion machten ihn den Engländern verdächtig.

In Erklärungen über seine Haltung zum NS-Regime und seine Tätigkeit im Volkssturm legte er der Militärbehörde seinen Widerstand dar. Außerdem konnte er zahlreiche Bescheinigungen Refrather Mitbürger und seines Arbeitgebers vorlegen, die seine Aussagen bestätigten.

Laut eidesstattlicher Erklärung vom 21. August 1946 ist er von der Militärregierung zunächst überprüft und für unbelastet eingestuft worden. Das eigentliche Entlastungszeugnis stammt vom 12. Januar 1949.

Damals sollte er – wie in diesen Fällen üblich – für die „Kosten des Entnazifierungsverfahrens“ 120 DM bezahlen, die auf seinen Antrag hin auf 60 DM ermäßigt wurden. Mittlerweile hatte es ja schon die Währungsreform gegeben.

Diskussion um Peter Bürling Platz

Warum gerade Peter Bürling als Beispiel? Er hatte sich schon als junger Mann in der 1920 gegründeten Interessengemeinschaft Refrath (Vorläufer des Heimatvereins) engagiert. Als Vorsitzender wurde er 1934 von Ortsgruppenleiter Breuer bestätigte.

Nach dem Krieg gehörte er zu den Mitbegründern des 1953 vom Bensberger Verein abgetrennten „Bürger- und Heimatverein Refrath“, dessen Vorsitzender er zeitweise war. Viele Jahre hat er sich für die Belange Refraths eingesetzt, insbesondere auch für die Erforschung der Ortsgeschichte, besonders durch die Herausgabe des Buches „Refrath“ von Gerd Müller 1974.

Die Diskussion um seine Rolle zur Zeit des Nationalsozialismus entbrannte neu, als Anfang der neunziger Jahre die Namensgebung des neu geschaffenen Platzes im Zentrum Refraths anstand. Mit der Mehrheit des Rates der Stadt Bergisch Gladbach wurde er 1992 nach Peter Bürling benannt.

Politische Entwicklung in Bensberg

Im September 1945 wurden wieder Parteien zugelassen unter der Bedingung, dass sie sich auf demokratischer Grundlage organisierten. In der Gemeinde Bensberg waren dies die CDU als Nachfolgerin der Zentrumspartei, die SPD und die KPD.

Die Engländer hatten zunächst eine Gemeindevertretung von 29 Personen auf der Grundlage der Wahlergebnisse von 1928 etabliert. Damals hatten Zentrum, SPD und KPD die meisten Wählerstimmens errungen, die NSDAP nur fünf. Zwei Jahre später waren es schon 165, aber keineswegs die Mehrheit.

Erster Bürgermeister

Ab Februar 1946 fungierten diese Vertreter als ernannter Gemeinderat. Dieser reichte einen Haushaltsplan ein, der bei null Einnahmen nur Ausgaben vorsah, was ein Defizit von 1,1 Millionen Reichsmark bedeutete. Die bei Kriegsende noch vorhandenen 50.000 Reichsmark waren mit der Verlegung des Postscheckamtes nach Erfurt dorthin gekommen – und damit nicht erreichbar.

Am 1. März 1946 ernannte die Militärregierung Jean Werheit zum „ersten Beigeordneten mit den Aufgaben eines Bürgermeisters“. Er war mit den hiesigen Verhältnissen vertraut, genoss das Vertrauen seiner Mitbürger und der Militärbehörde, gegen die er sich ggf. aber auch zur Wehr setzte.

Erste Kommunalwahl

Am 15. September 1946 fanden die ersten Kommunalwahlen statt. Als Vorbereitung musste eine Liste mit namentlich aufgeführten Kandidaten an Major Inkson eingereicht werden. Er behielt sich deren Genehmigung vor. Belastete Personen durften nicht wählen.

Anhand der damaligen Einwohnerzahl sollten 24 Ratsmitglieder gewählt werden. Die Wahlberechtigten, alle registrierten Männern und Frauen über 21 Jahre, wählten nach dem englischen Mehrheitswahlrecht.

Bei einer Wahlbeteiligung von 80,8 Prozent kam die CDU auf 67,5 Prozent, die SPD auf 22,5 Prozent, die KPD auf 9,5 Prozent, Unabhängige auf 0,5 Prozent. Aufgrund des angewandten Wahlrechtes bedeutete das 22 Sitze für die CDU und nur 2 für die SPD. Die KPD ging leer aus.

Zum Bürgermeister wurde Jean Werheit gewählt. Schon im März hatten die Engländer das Amt des Bürgermeisters vom Amt des Gemeindedirektors getrennt. Der erste hieß Anton Klaes, wurde aber krankheitshalber nach nicht einem Jahr von Theodor Hötter abgelöst.

Es folgten am 13. Oktober 1946 die Kreistags- und am 21. April 1947 die ersten Landtagswahlen. Nach dem für das Land NRW im August 1948 ein neues Gemeindewahlgesetz erlassen worden war, fanden am 17. Oktober 1948 erneut Gemeinderatswahlen statt.

Dieses Mal war die Wahlbeteiligung deutlich niedriger, nämlich nur 63,8 Prozent. Gewählt wurde nun nach Verhältniswahlrecht. Die CDU erhielt 59,2 Prozent, die SPD 26,7 Prozent, das neu gegründete Zentrum 7,2 Prozent und die KPD 6,9 Prozent. Das ergab folgende Sitzverteilung im Rat: CDU 15 Sitze, SPD 7 Sitze, KPD und Zentrum je 2 Sitze. Bürgermeister Werheit wurde wiedergewählt.

Bensberg erhielt 1947 die Stadtrechte. Foto: Helga Niekammer

Bensberg erhält Stadtrechte

Eine Episode sollte nicht vergessen werden: Am 9. August 1945 hatte die Stadt Köln bei der Militärregierung beantragt, den Rest des früheren Kreises Mülheim einzugemeinden. Betroffen gewesen wären: Die Stadt Bergisch Gladbach, die Gemeinden Odenthal, Bensberg, Rösrath, Overath und Porz.

Der Rheinisch-Bergische Kreis wehrte sich vehement gegen diesen Plan in einer Eingabe vom 13. November 1945 und 1946 in einer Denkschrift. Es kam nicht dazu, wie die heutige Kreiseinteilung auch belegt.

Mehr Erfolg als die Kölner hatten die Bensberger mit ihrem Verlangen, Stadt zu werden. Ihr Antrag wurde von der Militärregierung genehmigt und Bensberg zur Stadt erklärt. Am 17. Juni 1947 bestätigte Colonel Inkson die Verleihung der Stadtrechte, aber erst am 5. November kam auch die Zustimmung des neuen Innenministers von Nordrhein-Westfalen.

Stadtteile waren damals; Refrath mit Frankenforst, Moitzfeld, Herkenrath, Bärbroich, Dürscheid und Immekeppel. Die Grenze verlief durch Untereschbach. Ober- und Mitteleschbach und das Gebiet am Bahnhof gehörten zu Bensberg. Der Rat bestimmte den 16. November 1947 zum Feiertag für alle Bensberger Bürger.

Hintergrund: Zusatzinformationen zum politischen und wirtschaftlichen Neuanfang in Deutschland und Hintergründe zur Entnazifizierung finden Sie in diesem Dokument:

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Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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