Der Fastenmonat Ramadan ist vorbei, ohne das übliche Fest in der Yeni-Camii-Moschee am Refrather Weg. Die Muslime aus der Stadt und dem Umland feierten aufgrund Corona nur im kleinen Kreis. Inzwischen ist die Moschee unter Auflagen wieder geöffnet, der Gebetsruf des Muezzin war nur zweimal ertönt.

„Wie alle Kirchen mussten auch wir unsere Moschee zu Beginn der Corona-Krise schließen“, berichtet Lokman Aksu. Er ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Bergischen Verein für Bildung und Integration e.V., dem Träger der Moschee in Bergisch Gladbach.

Das muslimische Gebetshaus im Refrather Weg wurde 2003 gebaut

Das Haus am Refrather Weg besteht seit 2003 und umfasst neben Gebetsräumen auch Sozialbereiche sowie ein Schülerwohnheim. Die Gemeinde, die bereits seit 1976 existiert, hat rund 80 bis 90 Mitglieder und spricht Muslime von Mülheim/Dellbrück über Burscheid bis Overath an.

Fasten – eine der fünf Glaubenspraktiken

Ramadan, der neunte Monat im arabischen Kalender fiel in diesem Jahr genau in die Corona-Krise. Es ist ein heiliger Monat. Muslime fasten und beten von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Doch in diesem Jahr war die Zeit vom 23. April bis 23. Mai anders: Der Gang in die Moschee, das gemeinsame Gebet – all das musste entfallen.

Auch das tägliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang fand ausschließlich zuhause im Kreis der Familie statt. Die Mitglieder der muslimischen Gemeinde hätten großes Verständnis dafür gehabt. Maßnahmen wie ein Shutdown seien zudem aus dem Koran abzuleiten, erklärt Herr Aksu. Das sei für praktizierende Muslime sehr wichtig.

Schon gewusst: Das Fasten gehört zu den fünf Glaubenspraktiken des Islam – öffentliches Glaubensbekenntnis, das tägliche rituelle Gebet, die soziale Spende, das Fasten während des Ramadan und die Wallfahrt nach Mekka. Muslime, die an Corona erkrankten, waren vom Fasten während des Ramadan ausgenommen. Das Fasten ist ausdrücklich nur den Gesunden gestattet.

Und auch das dreitägige Ramadanfest konnte am 24. Mai nicht wie gewohnt stattfinden: Wo sich sonst bis zu 300 Muslime in der Moschee am Refrather Weg versammeln, um gemeinsam das Ende des Fastens mit einem gemeinsamen Gebet zu feiern, konnten in diesem Jahr aufgrund der Berücksichtigung des sozialen Abstandes nur eine begrenzte Anzahl von Muslimen teilnehmen, die sich zuvor angemeldet hatten.

Das Gedenken der Älteren, traditionell mit Besuchen zuhause und dem Handkuss verbunden, musste ebenfalls entfallen. Die Gemeinde habe Alt wie Jung dafür sensibilisieren können, aus guten Gründen auf diese Tradition zu verzichten, macht Lokman Aksu deutlich. Er betont nochmals, dass die Akzeptanz in der Gemeinde für die Beschränkungen sehr hoch gewesen sei.

Kein Ersatz für Gebete

Während des Shutdowns hat, wo möglich, auch die muslimische Gemeinde improvisiert. Gebete Richtung Mekka konnten zuhause, alleine, auf einer reinen Unterlage durchgeführt werden. Die Unterlage trenne den Gläubigen von weltlichen Dingen, symbolisiere das Haus Gottes, und sei daher ein gleichwertiger Ersatz der Kaaba, ganz so wie die Moscheen.

Im Gebetsraum der Moschee: Am Boden sind die gelben Markierungen zur Einhaltung des Abstands zu erkennen

Gottesdienste seien per Skype oder in Live-Streaming übertragen worden. Nur für die fünf rituellen Gebete des Tages habe es aus theologischen Gründen keinen Ersatz geben können, erklärt der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit.

Moschee geöffnet – unter Auflagen

Dies hat sich seit kurzem wieder geändert: Die Türen sind geöffnet, unter strengen Auflagen finden in der Moschee wieder Gebete statt. So müssen die Gläubigen eine eigene, reine Unterlage für den Gebetsraum mitbringen, zudem eine Schutzmaske. Die rituelle Reinigung muss bereits zuhause durchgeführt werden. Die Waschräume in der Moschee sind hierfür derzeit gesperrt.

Kinder unter zwölf Jahren haben zudem keinen Zugang zur Moschee, ebenso wie Gemeindemitglieder über 65. Wer am Gebet teilnehmen möchte, muss sich vorher anmelden und seine persönlichen Daten hinterlassen. Im Gebetsraum sorgen Markierungen auf dem Boden für ausreichend Abstand.

Abstands- und Hygieneregeln hängen am Eingang zur Moschee aus

Nur der Ruf des Muezzin ist seit der Öffnung der Yeni-Camii-Moschee wieder verstummt. Nach einer Abmachung zwischen dem Gemeindevorstand, Bürgermeister Lutz Urbach und dem städtischen Stab für außergewöhnliche Ereignisse erschallte der traditionelle Gebetsruf an zwei Freitagen im Refrather Weg.

Die Regelung galt während des Shutdown, bis zur Öffnung der Gotteshäuser. „Ich fände es gut, wenn unser Muezzin weiter zu hören wäre, wenigstens einmal die Woche“, meint Lokman Aksu. Aber die Moschee kehrt langsam wieder zurück zum Betrieb vor Corona-Zeiten. Ohne Muezzin.

Fotos: Holger Crump

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Die neue Regeln gelten ab dem 30. Mai. Zur Gastronomie lauten die wie folgt:

    „An einem Tisch dürfen maximal zehn Personen zusammensitzen – oder Personen aus zwei Hausständen bzw. Verwandte in gerader Linie. Weiterhin sind geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts, zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern sowie zur Rückverfolgbarkeit zu treffen, die Detailregelungen finden sich in den jeweiligen Hygiene- und Infektionsschutzstandards.

    In gastronomischen Betrieben sind weiterhin nur nach der Verordnung zulässige Veranstaltungen, Versammlungen und Zusammenkünfte möglich (z. B. Gremien- oder Parteisitzungen) – also bis auf weiteres keine mit geselligem Charakter (z.B. Hochzeitspartys, runde Geburtstage). Dies gilt ebenfalls für die Vermietung von Räumlichkeiten ohne gastronomischen Service (Catering oder Selbstverpflegung).”

    Offizielle Infos finden Sie immer auf den Seite der Landesregierung: https://www.land.nrw/de/wichtige-fragen-und-antworten-zum-corona-virus

  2. Nachdem ich alles durchforste habe ,fand ich keine aktuellen Regeln zu Abständen und Personenzahlen die sich an einem Tisch in einer Gaststätte aufhalten dürfen . Gibt es neue Regeln ab Juni ?