Gebetsraum der Moschee am Refrather Weg, Foto: Holger Crump

Mit dem Morgengebet am 28. Juni haben auch für die Muslime in der Stadt die Feiern für das Opferfest begonnen, dem höchsten muslimischen Feiertag im Jahr. Saim Basyigit, ehemals Vorsitzender des Integrationsrates, erläutert die Hintergründe des Fests und nimmt uns mit zum Gebet in die Moschee am Refrather Weg. Damit starten wir eine Serie unter dem Schlagwort #darumfeiernwir.

Am 28. Juni beginnt das muslimische Opferfest (türkisch kurban bayrami, arabisch Id al-Adha). Es wird auch von den Gläubigen in Bergisch Gladbach als höchstes Fest im Jahr gefeiert und dauert bis zum Abendgebet am 1. Juli. Der Auftakt erfolgt mit dem Morgengebet, das unter anderem in der Moschee „Yeni Camii“ am Refrather Weg verrichtet werden kann.

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Saim Basyigit im Gebetsraum der Moschee Yeni Camii, Foto: Holger Crump

Früh um sechs Uhr strömen Männer und Söhne zu dem Gebetshaus, das heute gut besucht ist. Während der Imam aus Texten zitiert, füllt sich der Gebetsraum. Wer zu spät kommt, nimmt auf der Empore Platz. Die Mischung der männlichen Gläubigen ist bunt: Von Teilnehmern mit obligatorischer Kopfbedeckung, Hemd und Anzug bis zu Betenden in Jogginghose.

#darumfeiernwir: In Bergisch Gladbach wird mehr als nur Ostern und Weihnachten gefeiert. Aber nicht jedes Fest wird – so wie die christlichen Feiertage – in der Öffentlichkeit sichtbar.

Darum berichtet das Bürgerportal unter dem Hashtag #darumfeiernwir über Feste und Bräuche von Religionsgemeinschaften und Menschen internationaler Herkunft. Und zeigt damit die Vielfalt unserer Stadtgesellschaft auf.

Feiern Sie auch ein Fest, über das wir berichten sollten? Dann melden Sie sich bei de redaktion@in-gl.de.

Das Opfer

„Beim Opferfest feiern wir die Barmherzigkeit Allahs und erinnern an unseren höchsten Propheten Abraham”, berichtet Saim Basyigit. Der Prophet war bereit, seinen Sohn zu opfern. Als Dank für dessen Gehorsam schenkte Gott Abraham einen Widder, der stattdessen zum Opfer fiel. Diese Prüfung Abrahams ist auch in der Bibel und in der Tora überliefert. 

„Zum Gedenken opfern Muslime an diesem Tag ebenfalls ein Tier, sofern dies vor Ort möglich ist”, sagt Basyigit. Nach muslimischem Brauch müssten die Tiere jedoch geschächtet werden, nur so könne man sie anschließend auch verzehren. Da dies in Deutschland grundsätzlich verboten sei, spendeten die Muslime stattdessen Geld an spezielle Organisationen. 120 Euro pro Person, je nach Familie auch für die Kinder, sei der Richtwert.

Das Geld fließe dann an Einrichtungen im Ausland, wo Tieropfer gestattet seien. Dort würde das Fleisch an Bedürftige verteilt. So kämen die Muslime gleich zwei Pflichten nach: Dem Opfer und der Spende an Bedürftige. „Was man hat ist keine Selbstverständlichkeit”, betont Basyigit.

Das Gebet

Der 47-jährige Vater von drei Kindern arbeitet bei Ford in der Logistik. An diesem Morgen folgt er dem Morgengebet von der Empore der Moschee aus, gemeinsam mit seinen beiden jüngsten Söhnen. Das Gebet wird vom Imam der Gemeinde vorgetragen, der in schwarzem Gewand mit weißem Hut vor der Gebetsnische an der Stirnseite der Moschee Platz genommen hat. Die Gemeinde antwortet dem Gesang.

Dann folgt eine Ansprache von der Kanzel aus, in Arabisch, Türkisch und Deutsch. Dabei ruft der Geistliche nochmal die Regeln des Festes auf, mahnt zum Besuch der Alten und Verwandten, ruft zur Versöhnung auf. Nach einem kurzen Bittgebet ist das Morgengebet bereits beendet. Für die Männer. Zwar gebe es auch extra Räume für Frauen in der Moschee, erklärt Basyigit. Zu den Feiertagsgebeten kämen in dieser Gemeinde aber generell keine Frauen.

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Mit Mechtild Münzer und Saim Basyigit gehen demnächst zwei zentrale Vertreter des Integrationsrates von Bord. Wir haben nachgefragt: Was sind die Gründe für ihr Ausscheiden, was hat der Integrationsrat erreicht, wie läuft die Integration in der Stadt? Und ist ein/e Bürgermeisterkandidat:in mit Migrationshintergrund eine realistische Option?

Viele „Türen durchlaufen“

„Die Gemeindemitglieder wünschen sich nun ein gesegnetes Fest”, erklärt Saim Basyigit. Auch auf dem Handy treffen nach und nach viele Glückwünsche ein. „In der Regel sollen die Jüngeren die Älteren besuchen!” Würden die Familien jedoch getrennt voneinader leben, sei ein Anruf oder eine Textnachricht auch in Ordnung. Hauptsache, man denke daran.

Anschließend wird Saim Basyigit mit Frau und den Kindern nach Dortmund fahren. „Die Familie trifft sich beim Großonkel, dort wird gefeiert, gegessen und getrunken.” Es gebe überwiegend Fleisch, aber auch salzige Backwaren oder gefüllte Weinblätter.

„Wir versuchen in den Folgetagen möglichst viele Freunde und Verwandte zu besuchen”, man nenne dies auch ‘Türen durchlaufen’.” Drei bis vier Durchläufe kämen da gerne zusammen, und überall werde gegessen, erzählt Basyigit. „Für die Kinder gibt es Süßigkeiten oder Geldgeschenke.“

Spezielle Symbole, wie sie bei christlichen Feiern zum Beispiel mit dem Weihnachtsbaum üblich sind, werden übrigens nicht verwandt. Das wäre heidnisch und sei daher verboten.

Foto: Holger Crump

Am Zehnten des Zilhicce

Da das Opferfest in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag ist habe er sich in den vergangenen dreißig Jahren immer Urlaub genommen, wenn das Opferfest auf einen Werktag gefallen sei, berichtet Basyigit.

Das habe mit etwas Planung eigentlich immer gut geklappt. Denn das Opferfest verschiebt sich jedes Jahr um zehn Tage. „Der muslimische Kalender hat nur 355 Tage, und das Opferfest findet immer am zehnten Tag des Monats Zilhicce statt.”

Es folgt genau auf den Hadsch, die islamische Pilgerfahrt nach Mekka, ebenfalls eine der Pflichten für Muslime. Basyigit hat sie bereits zweimal hinter sich gebracht: Einmal alleine, und ein weiteres mal mit seiner Frau.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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  1. @Dr.Alban
    Da stimme ich ihnen voll und ganz zu.
    Gut das dies in dem Artikel angesprochen wurde, hoffentlich regt das zum Nachdenken an.

    Hinweis der Redaktion: Martina Schüttler ist Beisitzerin im Kreisvorstand der AfD Rhein-Berg und vertritt die AfD als sachkundige Bürgerin im Stadtrat von Bergisch Gladbach.

  2. Vielen DANK für diesen aufklärenden Artikel! Wann kann man als Nicht-Muslim die Moschee besuchen?

    1. Der Tag der offenen Moschee findet am 3. Oktober statt. Dann sollte das Haus geöffnet sein.

  3. Danke für den Artikel, dennoch zwei Punkte die traurig stimmen:

    Ausgerechnet am höchsten Feiertag kommen keine Frauen dazu, oder dürfen sogar nicht?
    Spenden sammeln, damit Tiere in archaischer Weise in anderen Ländern geschächtet werden.

    Zwei Dinge, die eine fortschrittliche Gemeinde überwinden sollte.

    1. @Dr. Alban:
      Hier ist es noch nicht so lange her (Ihre Generation?), dass das Ehe- und Familienrecht den Mann zum Alleinherrscher über Frau und Kinder bestimmte. Die Frauenbewegungen ab den 1970ern kämpften noch für Gleichberechtigung von Frauen und Männern und es hat sicherlich noch sehr lange gedauert, bis das von allen Männern akzeptiert wurde. Ich gehe davon aus, wenn muslimische Frauen diesen Brauch nicht in Ordnung fänden, würden bzw. werden sie sicherlich auch rebellieren.
      Und: die qualvolle Massentierhaltung und -tötung hierzulande ist viel schlimmer für die Tiere, schauen Sie sich entsprechendes Filmmaterial einmal an, die leiden ein ganzes Leben lang. Das sollten Sie helfen zu überwinden.