Alexander Engel (l.) ist Fraktionsgeschäftsführer der FDP, Jörg Krell Faktionsvorsitzender und Spitzenkandidat

Die Verkehrssituation in Schildgen ist hoch problematisch, der Handlungsdruck gewaltig – daher darf es keine Denkverbote für umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen geben, fordert die FDP.

In Schildgen kreuzen die Verkehrsachsen Odenthal – Köln und Bergisch Gladbach / Zentrum – Leverkusen: DAS ist seit Jahrzehnten Ursache für die Überlastung der dortigen Infrastruktur, besonders der Altenberger-Dom-Straße im Abschnitt zwischen Leverkusener Straße und Kempener Straße.

All die Verkehrsteilnehmer, die nach Bergisch Gladbach oder dort weg wollen (die Quell- und Zielverkehre) – vielfach Pendler – tragen sehr stark zum Verkehrsaufkommen bei; aber auch der Durchgangsverkehr, z.B. aus Odenthal und dem Umland.  Im gesamten Bereich der Altenberger-Dom-Straße ist die Infrastruktur, z.B. die Beläge der Straßen und der Rad- und Fußwege, in einem erbärmlichen Zustand. Die Führungen der Fahrrouten und der Fußgängerwege entsprechen nicht den anerkannten Standards.  

Diese Verhältnisse beeinträchtigen die Lebensqualität der Anwohner durch Lärm- und Schadstoffemissionen gravierend, untergraben jede Aufenthaltsqualität für diejenigen, die im Nahversorgungszentrum Schildgen einkaufen wollen und schaden damit den lokalen Händlern. Gleichzeitig sorgt die Überlastung der Verkehrsinfrastruktur für Staus, verursacht Sicherheits- und Umweltprobleme und Frust unter allen Verkehrsteilnehmern, ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer.

Letzte Woche wurden nun endlich Lösungsvorschläge vorgestellt: In der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses legten drei Planungsbüros ihre Vorstellungen auf den Tisch. Im Mittelpunkt steht dabei die Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße mit Einrichtung einer 30 Zone, eine Änderung der Vorfahrtsregeln, eine Ausweitung des ÖPNV und eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur mit abgetrennter Routenführung. Die FDP begrüßt diese Vorschläge sehr und fordert die Verwaltung zu einer schnellen Priorisierung und Umsetzung auf.

Daneben gibt es etliche Vorschläge der drei Büros, wie z.B. die Leverkusener Straße zur Einbahnstraße zu machen oder wie Zuflussregelungen. Solche Vorstellungen sind jedoch nicht zu Ende gedacht: Weder die Auswirkungen auf regionale Verkehrsströme noch die Verursachung von Ausweichverkehren durch Wohngebiete in Schildgen oder Paffrath sind untersucht worden.

Die umsetzbaren Vorschläge der drei Büros werden die Verkehrssituation zwar deutlich verbessern, aber nicht grundsätzlich lösen:

Teil einer nachhaltigen Lösung dürfte sein, Bürger zum Umsteigen vom Individualverkehr auf ÖPNV oder Fahrrad zu bewegen. Das wird nur gelingen, wenn die Angebote deutlich attraktiver werden hinsichtlich Reisezeit und Komfort, z.B. beim ÖPNV durch Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von Schlebusch über Schildgen bis nach Odenthal – oder durch Schnellbuslinien nach Bergisch Gladbach Stadtmitte und Leverkusen. Dazu gehören Park & Ride-Anlagen wie auch gesicherte Unterstände für Fahrräder – und vor allem eine digitale Vernetzung aller Verkehrsträger mit aktuellen Informationen. 

Eine Tunnellösung für den Duchgangsverkehr kann ein weiterer Teil einer nachhaltigen Lösung sein. Damit könnte die Vision eines weitgehend autofreien Kernbereichs von Schildgen Realität werden.  

 „Uns ist durchaus bewusst, dass solche Projekte schwierig und umfangreich sind. Ein Denkverbot wie bei den drei Gutachten darf es aber a priori nicht geben“, gibt der Fraktionsvorsitzende Jörg Krell zu bedenken. “Im Gegenteil, wir müssen den Mut haben, wieder in größeren Zusammenhängen zu denken.”

Der Fraktionsgeschäftsführer Alexander Engel fügt hinzu: „Wir werden uns jetzt und auch zukünftig dafür einsetzen, dass solche Großprojekte für Schildgen oder auch an anderen Stellen im Stadtgebiet durch Machbarkeitsstudien auf Realisierbarkeit und Wirkung geprüft werden – denn nur so sind fundierte Entscheidungen möglich.”

Die Bürger werden nur dann ihr Verkehrsverhalten ändern, wenn sie wirklich ein Wahl haben und frei entscheiden können, welches Verkehrsmittel sie nutzen wollen. Auch das Auto muss und wird seinen Stellenwert behalten, durchaus mit zeitgemäßen umweltfreundlichen Antriebsformen.

Zu einer wirksamen, modernen Mobilitätswende gehören für die Liberalen daher attraktive Angebote und optimierte Bedienungen statt Reglements und erhobener Zeigefinger.

FDP

Hier veröffentlichen die Ratsfraktion und der Parteivorstand der FDP Bergisch Gladbach ihre Beiträge. Kontakt: Anita Rick-Blunck, Parteivorsitzende. Mail: rick-blunck@fdp-bergischgladbach.de

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11 Kommentare

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  1. Lieber Herr Havermann,
    offensichtlich ist es Ihnen entgangen, dass es die FDP war, die im AUKIV einen Antrag für eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn von Bensberg nach Herkenrath durchgesetzt hat. Leider wurde dieser Antrag von der CDU geführten Verwaltung blockiert.

  2. Lieber Herr Kleinert,
    Köln ist auch flach, hat aber immerhin eine Machbarkeitsstudie für Seilbahnen auf den Weg gebracht. Es geht ja nicht nur darum, unsere Topographie zu überwinden sondern darum, Autos von der Straße zu holen. Das geht sowohl schneller als bei neuen Straßen, Autobahnzubringern über den alten Bahndamm oder Schaffung neuer Radwege in gefährlicher Umgebung als auch wesentlich preiswerter und umweltschonender und schneller. Herrn Buchens Straße über den Bahndamm würde in 25 Jahren befahren werden können, was neben allen anderen Aspekten, die das Vorhaben geradezu lächerlich erscheinen lassen, schon alleine ein Todschlagargument darstellt.

  3. ‘Größer denken’ ist ein gutes Motto, wenn wir (oder unsere Enkel) eines Tages mal eine Stadt mit ökologischer, effizienter Mobilität erleben wollen. Danke dafür!

    Eine Straßenbahn nach Odenthal könnte tatsächlich viel dazu beitragen, Schildgen vom Autoverkehr zu entlasten. Für Köln bzw. die KVB ist es sicher nicht die erste Priorität beim Netzausbau – aber was hindert GL und Odenthal daran, hier voranzugehen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben?

    Dass ‘das Auto einen Stellenwert behalten wird’, dürfte stimmen – aber wird es das private Auto sein, das die allermeiste Zeit (95%) ungenutzt herumsteht, Platz und Ressourcen verschwendet? Sehr unwahrscheinlich…aber ich kann nachvollziehen, dass das im Jahr 2020 (noch) keine Frage für den Wahlkampf ist. ;-)

    Bei allen Überlegungen sollte aber berücksichtigt werden, dass wir bei ‘Großprojekten’ naturgemäß von langen Zeiträumen sprechen. Was heute geplant wird, kann nicht morgen genutzt werden, sondern erst in 10 oder 20 Jahren. Die Anforderungen an die Infrastruktur ändern sich, manche heutigen Konzepte werden im Jahr 2040 völlig überholt sein. So z.B. die Idee einer ‘Tunnellösung für den Durchgangsverkehr’.

    Lieber Herr Havermann, ich kann mir gut eine Seilbahn als Zubringer von Herkenrath/ Sand zur S-Bahn vorstellen. Aber Schildgen ist flach, da hilft sie uns nicht weiter.

  4. “Ja, liebe FDP, das sind die richtigen Forderungen” werden viele Bürgerinnen und Bürger sagen, wenn sie nicht hinter die Kulissen blicken.

    – Es sind nicht nur die Verkehre aus und nach GL, Paffrath, Schildgen, Odenthal,
    Schlehbusch und Leverkusen! Es geht auch um LKWs, die die Staus des Kölner Rings umfahren wollen oder noch mindestens 5 Jahre die der Leverkusener Rheinbrücke wegen.

    – Die Vorschläge der 3 Büros betrachten nur Schildgen, als wenn es drum herum
    keinen Verkehr gäbe. Die Probleme in Schildgen aber kommen vom “drum
    herum”, weshalb die Situation insgesamt betrachtet werden muss.

    – Auch dieses Mal übersieht, bzw. ignoriert die FDP – wie übrigens alle Parteien in
    GL – die beste, kostengünstigste, umweltfreundlichste und in Betrieb und
    Unterhaltung preiswerteste Lösung: SEIBAHNEN!

    – Na denn zeigen Sie doch mal Mut und befassen sich mit den Seilbahnen. Das
    andauernde Gesülze (nicht nur von der FDP) über verbesserten ÖPNV, neue
    Radwege, verlängerte Bahn- und S-Bahnlinien, Elektroautos und sogar schon
    autonomes Fahren – im Grunde alles wichtige Punkte, aber ohne Lösungen – wird
    bei der Verwaltung und in den Ratssitzungen aktionslos hin und hergeschoben,
    seit 30 Jahren kein Fortschritt.

    – Wenn ich das schon höre: “GROSSPROJEKT FÜR SCHILDGEN, aber auch an
    anderen Stellen . . . “. Wirklich nichts gegen Schildgen, dessen Anwohner wahrlich
    bessere Verhältnisse verdient haben. Aber unsere Politiker schauen seit 30 Jahren
    nur bis zur Nasenspitze, über den Tellerrand zu schauen ist ihnen noch nicht
    eingefallen.

    – Wenn wenigstens die FDP einmal sagen würde, wie sie denn den Autofahrer das
    Umsteigen auf das Fahrrad schmackhaft machen wollen. Aber bei ihr fehlt –
    wie – überall – das, was sie selbst bei anderen reklamiert: “In größeren Zusammenhängen denken”.

  5. Wo argumentiert Herr Eschbach denn unsachlich?

    Im Grunde sehen Sie doch beide, Herr Krell und Herr Eschbach, in die richtige Richtung bzw. in die Zukunft. Und die ist weder richtig noch falsch, sondern folgt täglich auf die / aus der Gegenwart.

    Und zur Wahrheit einer schon aus reinen Quantitätsgründen unvermeidlichen Mobiltätswende (weil eine unveränderte bzw. weiter gesteigerte Quantität von, sagen wir: konventionellem Verkehr jede Qualität des Verkehrs bis hin zum Stillstand aufheben wird) gehört auch, dass noch der modalste aller modalen Shifte es fertigbringen kann und wird, dass niemand etwas vom Shifting-Process bemerkt, sich keiner zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise beeinträchtigt findet, und jeder seine gewachsenen (weder guten noch schlechten, sondern einfach lange selbstverständlich gewordenen) Ansprüche und Gewohnheiten weiter bedienen oder pflegen kann …

    Die Frage ist eigentlich nur noch: Lässt man´s weiter und in alternativloser Komplexität eskalieren bis zum Punkt X, dem Tag der langen Gesichter, oder greift man vorher intelligent steuernd ein?

    Und darüber scheinen Sie mir, wie gesagt, doch beide im Grundsatz einig.

  6. Lieber Herr Eschbach,
    Ihre Antwort ist ziemlich unsachlich; man kann jedes Argument ad absurdum führen. Zu wiederholten Male: die FDP tritt für einen Modalshift ein; dazu haben wir für Schildgen Vorschläge vorgelegt, die sehr viel weiter gehen als die der Ingenieurbüros. Damit wird ein Modalshift gelingen und dadurch der Anteil des Individualverkehrs zurückgehen. Auf der anderen Seite werden ÖPNV und Fahrrad nicht zu jeder Zeit und nicht jedes Mobilitätsbedürfnis für jeden Bürger abdecken können, schon garnicht in unserer Region mit teilweise ländlichen Strukturen. Auf absehbare Zeit wird das Auto eine Rolle spielen und dem muss ein umfassendes Mobilitätskonzept auch Rechnung tragen.

  7. Lieber Herr Krell,

    das ist ja völlig richtig, wenn Sie sagen: “Schauen Sie doch mal in die Zulassungsstatistiken des Kraftfahrtbundesamtes: die Menschen stimmen auch durch Kauf neuer Autos über ihre Mobilität ab”.

    Es würde auch so weiter gehen, bis das letzte Auto produziert wird und alle stehen.

    Es geht eben um den intelligenteren Umgang mit unseren Mobilitätsbedürfnissen, nachdem wir verstanden haben, dass nicht jeder zur gleichen Zeit mit seinem Fahrzeug zum gleichen Ziel kommt. Da ist es ja kein Geheimnis, das für den Fall weiterer Optionen für die persönliche Mobilität, sich der Stellenwert des einzelnen Verkehrssystems ändert, auch der des Autos. Dabei ist auch sein Antrieb nicht wirklich entscheidend.

    Genau die von Ihnen zitierte Zulassungsstatistik beschreibt ja das Defizit, im Ergebnis das Dilemma, die Versäumnisse. Natürlich werden für unsere Mobilitätsbedürfnisse und damit auch für den modalen Shift nur solche Systeme angenommen, die Attraktivität, Komfort, Zeitvorteile, Kostenvorteile, Sauberkeit, Sicherheit, Pünktlichkeit, Bequemlichkeit bieten, entweder als Wechselargument in Kombination oder einzeln.

    Wenn ich also den modalen Shift als Lösung des Problems sehe, dann muss ich andere Verkehrsträger entsprechend gestalten und ausstatten, so auch die Fahrradrouten.

    Es geht nicht nur um das Fahrrad als den Retter der Verkehrswende, es geht um die Modernisierung unserer Verkehrsinfrastruktur im digitalen Zeitalter, ein vielversprechender link anbei: https://www.upbus.rwth-aachen.de/

  8. Lieber Herr Eschbach,
    die von uns befürworteten umsetzbaren Vorschläge der drei Ingenieurbüros und gerade die von uns in die Diskussion gebrachten Vorschläge zu langfristigen Stärkung der Attraktivität des ÖPNV unterstützen doch genau den von Ihnen angemahnten modalen Shift. Damit wird der Anteil des Individualverkehrs abnehmen. Das Auto wird jedoch eine Rolle in der modernen urbanen Mobilität haben, sicher mit anderen Antriebsarten wie Elektromotoren sowohl mit Batterie als auch mit Brennstoffzelle, oder in der ferneren Zukunft als autonom fahrendes Robotaxi. Schauen Sie doch mal in die Zulassungsstatistiken des Kraftfahrtbundesamtes: die Menschen stimmen auch durch Kauf neuer Autos über ihre Mobilität ab.

    ##### Hinweis ####

    Jörg Krell ist Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat der FDP bei der Kommunalwahl.

    Am 13. September wird der Stadtrat und der Bürgermeister neu gewählt, der Wahlkampf spiegelt sich auch in unserer Kommentarspalte. Im Sinne der Transparenz kennzeichnen wir die Kommentator:innen, die bei der Wahl antreten oder zu einem Wahlkampfteam gehören – soweit bekannt.

  9. Es ist großartig, dass die Verkehrssituation von Schildgen einen solchen Stellenwert erfährt und erhalten hat. (Eigene Erfahrung Ende der 60-iger, Bayerbus von Overath über Bensberg, Gladbach nach Lev, Bau des Suedring nach….Overath?)

    Genauso großartig ist es, wenn die FDP nun feststellt, den Verkehr größer denken zu wollen. Wenn man das denn tut, dann stellt man schnell fest, es gibt leider kein singulaeres Problem Schildgen. Die Situation „Schildgen“ wiederholt sich mehrfach in der Stadt, ….yni.

    Insofern kommt bei dem „größer denken“ der Verkehrswende, dem modalen Shift eine ganz besondere Bedeutung zu. Sehr zu unterstützen sind die schnell umzusetzenden Maßnahmen, die Attraktivität und der Komfort als Anreiz zum Umstieg vom Auto-Individualverkehr.

    Nachdenklich stimmt mich allerdings dann die Aussage der FDP ….“Auch das Auto muss und wird seinen Stellenwert behalten….“ . Liebe FDP, wenn die Verkehrswende denn gelingen soll, dann geht das genau nicht. Natürlich soll sich der Freie und mobile Bürger selbst entscheiden können, welches Transportmittel er wählt, allerdings geht die Verkehrswende nur, wenn sich der Stellenwert des Autos ändert, schließlich wird es weitere interessante und komfortable Optionen geben.

    Bei „größer denken“ fällt mir z.B. auch wieder die Seilbahn mit den selbstfahrenden Kabinen ein, RWTH Aachen, ganz nah vor der Tür.

  10. Tunnellösung klingt gut!
    Zur Finanzierung derselben könnte sich die FDP ja gleich mal für angemessene Steuern einsetzen. Aber ich vermute mal: so weit reicht der Mut dann doch nicht.