Der Bergisch Gladbacher Stammsitz des Biotech-Unternehmens wächst und wächst: Mit der Grundsteinlegung hat Miltenyi die Basis für das bereits siebte Gebäude auf dem Bockenberg gelegt. Es wird insgesamt vier neue Gebäuderiegel umfassen. Dort sollen Laboratorien, Reinräume und eine eigene Mikrochip-Produktion einziehen.

Text: Holger Crump. Fotos: Thomas Merkenich

Der erste der vier „Riegel“, wie die Gebäude-Formationen bei Miltenyi heißen, solle im Herbst 2021 fertig sein. Der Abschluss des gesamten Komplexes sei noch nicht absehbar, erklärt Miltenyis Projektleiterin Christina Bökels bei der offiziellen Grundsteinlegung am Freitag.

Unternehmenschef Stefan Miltenyi bedankte sich in knappen Worten für die Unterstützung durch Stadt, Kreis und Landesregierung – und insbesondere bei den Bauarbeitern.

Haus 7 werde insgesamt 18.500 Quadratmeter Nutzfläche bieten, davon alleine 5.000 Quadratmeter in Riegel eins, erläutert Bökels. 400 Parkplätze in einer Tiefgarage sollen die Parkplatznot auf dem Gelände des rasant wachsenden Unternehmens etwas lindern. Das Investitionsvolumen alleine für Riegel 1 belauft sich auf 15 Millionen Euro, sagte Finanzchef Norbert Hentschel. Für Haus 7 sind insgesamt 80 Millionen Euro an Investitionen vorgesehen, heißt es im Unternehmen.

Insgesamt spannt sich Haus 7 auf einer Länge von 180 Metern und einer Breite von 50 Metern auf. Mit 100.000 Kubikmeter umbautem Raum wird man rund ein Viertel der Kubatur des Kölner Doms errichten. Über und unter der Erde: Denn von den 22 Metern Bauhöhe liegen lediglich 13 Meter überirdisch.

Das massive Bauwerk werde sich dennoch dezent in die Landschaft einfügen. Man wolle den Bockenberg „respektieren“, Architektur und Natur verbinden. Die Architektur solle nicht dominieren, sagt Ulrich Coersmeier, der Architekt des Komplexes aus Beton, Stahl und Glas.

Neben der Funktionalität solle ein lebenswertes Arbeitsumfeld entstehen. Damit folge das Konzept der Gestaltung der bereits bestehenden, neueren Miltenyi-Gebäude.

Experten gesucht

Nicht nur der Gebäudepark, auch das Personal des Biotech-Pioniers expandiert schnell. Derzeit suche man 400 Mitarbeiter:innen, berichtet Finanzchef Henschel. Alleine im ersten Gebäudeteil würden 50 Mitarbeiter eingesetzt. Einen Großteil der Fläche werde eine Fertigungsanlage für MEMS-Chips einnehmen. Sie kombiniere Mechanik und Elektronik. Die Fertigungsanlage sei „gebraucht“ und stamme aus Bonn.

„Wir stellen selbst in der Krise noch ein und suchen Fachleute“, erläutert die Projektleiterin Bökels: „Hier geht es um Covid 19 und Krebs.“ Diese Krankheiten gehören zu den Forschungsschwerpunkten.

Zum Unternehmen: Der Physiker Stefan Miltenyi startet 1989 in Moitzfeld, mit einigen Ideen zur magnetischen Zellteilung. Schon 1990 ließ er sich die MACS-Technologie patentieren: Geräte, die Zellen mit einem magnetischen Verfahren sortieren und analysieren können und Grundlage des Wachstums wurden. Mit der Pionierarbeit in der biomedizinischen Forschung und Zelltherapie wuchs Miltenyi Biotec rasch, auf derzeit 3.000 Mitarbeitern in 28 Ländern. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen unterstützt Miltenyi Biotec Wissenschaftler weltweit bei der klinischen Grundlagenforschung, zur Behandlung von Krebs, aber auch anderen Krankheiten wie zuletzt bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff.

Bekenntnis zum Standort Bergisch Gladbach

„Nicht wir unterstützen das Unternehmen bei der Biotechnologie, sondern Miltenyi unterstützt uns bei diesem Themenfeld“, unterstrich Christoph Dammermann, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministeriums, die herausgehobene Bedeutung des Unternehmens. Das Land wolle in diesem Bereich einen Schwerpunkt setzen.

Landrat Stephan Santelmann betonte den Raum für Innovationen, der durch Miltenyi geschaffen werde. Er sei dankbar dafür dass Miltenyi jungen Menschen eine Zukunft biete. Das Bauprojekt sei ein Bekenntnis zum Standort Bergisch Gladbach und dem Land NRW insgesamt, so Santelmann.

Stephan Santelmann

Fläche begrenzt, ÖPNV ungewiss

Das weitere Wachstum auf dem Bockenberg ist vor allem von zwei Faktoren abhängig: Bauland und Anbindung an den ÖPNV für die schon jetzt rund 2500 Miltenyi-Mitarbeiter in Moitzfeld.

Laut Christina Bökels biete der Bockenberg noch Platz für zwei weitere, kleinere Bauprojekte. Dann sei in Moitzfeld flächenmäßig Schluss. Wichtig für das Wachstum sei zudem eine Verlängerung der Linie 1, erklärte CFO Hentschler, um Arbeitsplatz im Grünen und den Ballungsraum als Wohnort der Mitarbeiter sinnvoller zu verbinden.

Zum Hintergrund: Die Idee einer Verlängerung der KVB von der Endhaltestelle in Bensberg bis zum Technologiepark oder gar nach Spitze ist nach einer ersten Machbarkeitsstudie unter Beteiligung von Miltenyi vorerst ausgebremst worden. Überlegungen, statt dessen eine Seilbahn zu bauen, haben sich noch nicht konkretisiert. Zuletzt hatte die FDP vorgeschlagen, ein Netz von autonom fahrenden Shuttlebussen einzurichten, um Miltenyi und das Technologiezentrum besser anzubinden.

Christina Bökels hat hierzu zumindest schon einen Vorschlag: Die Haltestelle einer verlängerten Linie 1 könne zentral an der Zufahrtsstraße liegen, um sowohl den Technologiepark, Mittelständler und Miltenyi anzubinden. Dass die ÖPNV-Versorgung relevant für Miltenyi sei, erwähnte auch Landrat Santelmann. Eine Lösung hatte er aber offiziell nicht im Gepäck.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Meinen herzlichen Glückwunsch ans Unternehmen und besonders an Stefan MILTENYI. Er war und ist stets ein sehr sozialer Arbeitgeber!

  2. Ich hoffe, dass die SPD und die Grünen erkennen, dass es neben Zanders und Krüger auch noch andere Firmen in Bergisch Gladbach gibt, die für die Stadt wichtig sind. Eine Erweiterung der Linie 1 bis zum Internet Atom Centrum sollte dringendst weiter voran getrieben werden. In einem weiteren Schritt könnte eine Erweiterung nach Spitze ins Auge gefasst werden. Wichtig ist, dass eine ÖPNV Anbindung schnellsten in Angriff genommen wird. Nur so hat die Stadt auch die Möglichkeit zu einem innovativen Wissenschaftscentrum zu werden.