Bislang endet die Linie 1 im Bahnhof Bensberg. Jetzt wird eine Verlängerung geprüft – womöglich bis rauf nach Spitze.

Die Verlängerung der KVB-Linie 1 von Bensberg bis zum Technologiepark gilt als wichtiges Element des Ausbaus der Verkehrsinfrastruktur im Osten der Stadt. Mit dem Auftrag für eine Machbarkeitsstudie gehen Stadt, Kreis und Milteny Biotec jetzt den nächsten Schritt.

+ Anzeige +

Seit einigen Jahren wird das Projekt diskutiert, im August 2017 stellten Kreisdezernent Gerhard Wölver und Stadtbaurat Harald Flügge das Projekt detailliert vor – und versuchten, Zweifel an der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit auszuräumen. 

Angesichts der kräftigen Steigungen, die die Stadtbahn auf einer solchen neuen Trasse überwinden muss, war bereits eine technische Trassenplanung für mehrere Varianten erstellt worden. Den Planern kam dabei zugute, dass die KVB inzwischen in der Lage ist, Steigungen von bis zu sechs Prozent zu überwinden, und nicht wie früher zugrundegelegt nur vier.

Ausschnitt einer Karte, die eine mögliche Trasse skizziert.

Außerdem liegt schon seit 2015 eine von der Stadt beauftragte, aber lange unter Verschluss gehaltene Vor-Studie vor. Dieses Papier, dass erst auf Antrag vom Kreis veröffentlicht wurde, bezeichnet die Stadtverwaltung jetzt als „Ideenpapier”, in dem „Randbedingungen und die erforderlichen Planungsschritte” beschrieben würden.

Im nächsten Schritt sollen jetzt die technische Planung ergänzt sowie Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkungen der verschiedenen Trassenvarianten untersucht werden, teilten Stadt, Kreis und Miltenyi Biotec jetzt gemeinsam mit. 

Dazu haben die Stadt, der Rheinisch-Bergische-Kreis als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr und die Firma Miltenyi Biotec eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Der Standort des rasch wachsenden Unternehmens Milteny Biotec  liegt direkt an der geplanten Trasse, daher hat es ein starkes Interesse an einer besseren Verkehrsanbindung.

Die Machbarkeitsstudie erstellt das Büro BPR Künne & Partner aus Hannover, ein Spezialist für Verkehrsinfrastruktur, der gerade ein Büro in Köln eröffnet hat.

Sponsoren-Beitrag

Die Aufgabe ist es zunächst, die bereits vorliegende technische Trassenplanung mit einer Modelldarstellung und einer städtebaulichen Einschätzung zu ergänzen, heißt es in der Presseerklärung. Darüber hinaus werden aber auch die Wirtschaftlichkeit und die Belange des Naturschutzes untersucht. Am Ende sollen die einzelne Varianten nebeneinander gestellt und eine „Vorzugslösung” gefunden werden.

Mit ersten Ergebnissen der Machbarkeitsstudie sei schon im Sommer 2018 zu rechnen, heißt es in der Presseerklärung. Die geschätzten Kosten von 57.500 Euro zahlen je einem Drittel die Stadt, der Kreis und Miltenyi übernommen. 

Der Kreis und die Bezirksregierung haben die Verlängerung der Linie 1 über den bisherigen Endpunkt in Bensberg sogar bis nach Herkenrath/Kürten-Spitze für den künftigen ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW bereits angemeldet.

Wenn das Land das Projekt in den Bedarfsplan aufnimmt steht der Weg zu einer Förderung des gigantischen Vorhabens durch Bund und Land in Höhe von bis zu 90 Prozent offen. Damit wären auch Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro denkbar.

Das Projekt der Linie 1 ist im 33-Punkte-Programm des Interkommunalen Maßnahmeplans für den Verkehr im Rechtsrheinischen als im Entwurf des neuen Bergisch Gladbacher Flächennutzungsplans dargestellt.

Miltenyi baut seinen Standort in Moitzfeld beständig aus

Denn schon jetzt ist die Straßenverbindung von der A4 über Moitzfeld und Herkenrath bis Kürten völlig überlastet. Alleine Miltenyi beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeiter, im Technologiepark kommen 2400 hinzu.

Das Gewerbegebiet Obereschbach wird gerade von weiteren Firmen bezogen. Der Entwurf des Flächennutzungsplan enthält gerade im Osten der Stadt große Potenzialflächen für den Wohnungsbau.

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sind in die Erstellung der Machbarkeitsstudie mit eingebunden. Die Ergebnisse werden auch mit der Gemeinde Kürten rückgekoppelt, die an der Untersuchung wegen der möglichen Verlängerung der Stadtbahnstrecke bis zum Ortsteil Spitze Interesse hat, heißt es in der aktuellen Presseerklärung.

Weitere Beiträge zum Thema:

Linie 1: Kreis und Stadt wollen Machbarkeit prüfen

FNP: Kreis legt Dokumente zum Ausbau der Linie 1 vor

Die Verlängerung der Linie 1 in Theorie und Praxis

Konzertierte Aktion für Verlängerung der Linie 1

#RausausdemStau: AK Rechtsrhein konkretisiert Projekte

Fast 33 Projekte gegen Stau, Staub und Lärm

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

5 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Endlich passiert was in Sachen Schienenverkehr!
    Schon in den 70ern wurde das geplant, aber dann verschwand es in der Schublade, weil die Stadt ‘autogerecht’ werden sollte – das Ergebnis sehen wir jetzt: Verkehrskollaps, Verschandelung der Innenstadt, drohende Zersiedelung des Umlands.

    Wenn wir die Verkehrsprobleme unserer Stadt lösen wollen, führt kein Weg an einem Ausbau des Schienen-ÖPNV vorbei. Klar ist das teuer – aber auch Straßenbau kostet Geld, und die Gesundheits- und Umweltschäden durch den KFZ-Verkehr noch viel mehr. Und neue Straßen, Stichwort Bahndamm, bringen vor allem eines: zusätzlichen Verkehr.

    Die Verlängerung der Linie 1 ist unabdingbare Voraussetzung für alle FNP-Planungen im Osten der Stadt, und über Busse und Park/Bike & Ride schließt sie auch Kürten indirekt ans Schienennetz an.

    Doch sollten die städtischen Verkehrsplaner*innen es nicht dabei belassen: Schildgen ist verkehrstechnisch völlig überlastet – auch hier würde eine Straßenbahn von Dünnwald nach Odenthal (Park&Ride!) Abhilfe schaffen. Und wenn die Stadt schon über einen schön geraden, kreuzungsfreien Bahndamm von Gronau nach Frankenforst verfügt, wäre es doch eine vertane Großchance, dort nicht künftig wieder (Straßen-)Bahnen fahren zu lassen!

  2. Irgendwie scheint für viele Bergisch Gladbacher die Welt an der Stadtgrenze aufzuhören!
    Sonst könnte ich mir nicht so ein zumeist egoistisches Verhalten vorstellen.
    Wahrscheinlich wissen viele noch nicht einmal, wieviel Menschen im “Nirgendwo” wohnen!

  3. Da die ca. 8km bestimmt nicht komplett unterirdisch verlaufen werden stellt sich doch die Frage wie man an die entsprechenden Grundstücke kommen will (Enteignung???).

    Und zum zweiten: Für die wenigen Menschen, die dort hin wollen, die Natur derart zu zerstören! Das muss doch wirklich nicht sein.

    Beim geplanten Streckenverlauf werden im Rahmen des FNP bestimmt wieder ein paar neue Bürgerinitiativen gegründet werden. Oder spätestens dann wenn die Bagger rollen.

  4. Das in der Tat “gigantische Projekt” ist vollkommen irre und Verschwendung des Geldes, das man nicht hat. Ob Land oder Bund, der Steuerzahler zahlt es am Ende. Die prognostizierten Fahrgastzahlen werden einen wirtschaftlichen Betrieb niemals gewährleisten, es sein denn, man baut den unbedingt “erhaltenswerten, ländlich geprägten Osten” (ISEK 2030) der Stadt dann komplett zu. Und das wird dann wohl das Ziel und das Ergebnis sein, totale Urba(h)nisierung. Miltenyi soll einen Pendelbus einrichten, oder die Verlängerung bis unten an den Bockenberg selbst bezahlen und eine Rolltreppe oder einen Aufzug bauen. Es kann nicht angehen, dass für derartige Partikularinteressen der Steuerzahler herangezogen wird, zumal nicht in Millardenhöhe. Aber das Muster ist ja bekannt, Privatisierung der Gewinne bei Vergemeinschaftung der Schulden.
    Das Geld sollte man lieber in die Lösung des Kernproblems investioeren, die fehlende Verkehrsanbindung Bergisch Gladbachs. Denn da liegt die Ursache allen Übels, hierdurch werden auch mindestens 15% der Verkehrsbelastung auf der L289 verursacht. Also, S11 ausbauen und Autobahnanbindung für Bergisch Gladbach schaffen, über den Bahndamm, oder über Kölner Stadtgebiet.

  5. Eine Verlängerung der Linie 1 ins nirgendwo ist Geldverschwendung. Lieber sollte man innerhalb von Bergisch Gladbach versuchen die S-Bahn, die Linie 18 und die Linie 1 zusammenzuführen. Dies würde viel bessere Verkehrsmöglichkeiten erzeugen und Bergisch Gladbach besser an Köln anbinden.