Mit einer Ausstellung in der RheinBerg Galerie macht der Nahverkehr Rheinland (NVR) deutlich, wie groß und komplex die Planung für den Ausbau der S 11 und des ganzen Projekts „Bahnknoten Köln“ tatsächlich ist. Die Planung geht voran – aber bis zur Inbetriebnahme ist es noch ein weiter Weg.

Mit Texten, Videos und Grafiken informiert die Wanderausstellung über das Megaprojekt der Bahn im „Knoten Köln”: von der Dimension über den aktuellen Stand der Planungen bis hin zum Umwelt- und Lärmschutz. Bis zum 24. Oktober ist die Ausstellung im Erdgeschoss der RheinBerg Galerie werktags von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

„Ein Infrastrukturprojekt dieser Dimension braucht den Rückhalt der Bevölkerung“, sagte NVR-Verbandsvorsteher Stephan Santelmann bei der Eröffnung. Bei der Beteiligung in der frühen Planungsphase konnten die Bürger:innen ihre Ansichten einzubringen, nun sollen noch mehr Menschen informiert werden.

Der Ausbau der S 11 von Bergisch Gladbach nach Köln ist ein wichtiger Baustein dieser Pläne. Nach dem zweigleisigen Ausbau soll der S-Bahn-Takt von 20 auf 10 Minuten verkürzt werden.

Ein Bahnhof mit vier Gleiskanten – Variante 1 für den Ausbau in Gladbach. Hellblau ist das geplante Stadthaus eingezeichnet

Das Ziel ist klar

Die Bürgerbeteiligung 2018 war in einen neuen Entwurf eingeflossen, den Bahn, NVR und Land im April 2019 vorgestellt hatten. In einer sogenannten Vorzugsvariante waren einige wichtige Eckpunkte festgelegt worden: alle Stationen werden barrierefrei, Bergisch Gladbach bekommt drei weitere Bahnsteigkanten – und die Strecke wird auch in Thielenbruch zweigleisig. 

Hinweise von Naturschützern, im Bereich des sensiblen Naturschutzgebietes Thielenbruch sei ein Verzicht auf eine Zweigleisigkeit möglich, waren zurückgewiesen worden. Nur so sei ein zuverlässiger Zehn-Minuten-Takt zwischen Bergisch Gladbach und Köln zu gewährleisten. Tunnel unter dem Gleis für Tiere sind geplant, beim Grundwassermonitoring arbeitet die Bahn mit den Naturschutzverbänden zusammen.

Keine Angaben zum Zeitplan

Zur Frage, wann das zweite S-Bahngleis fertig sein soll, gibt es nach wie vor kein Aussagen der Projektpartner. Klar ist nur: schnell geht da gar nichts.

Nach dem Abschluss der Vorplanung wird zur Zeit das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt vorbereitet. Noch in diesem Monat, das berichtet NVR-Pressesprecherin Jessica Buhl auf Nachfrage, soll der Ingenieurvertrag für die Planung (Leistungsphase 3 und 4) von der DB Netz vergeben werden.

Diese Planung soll im ersten Quartal 2022 abgeschlossen werden – denn im April 2022 will die DB Netz das Planfeststellungsverfahren und damit eine neue Etappe starten.

Anwohner und Naturschützer können noch einmal Einwände erheben

Ein solches Planfeststellungsverfahren dauert, so das Eisenbahn-Bundesamt auf seiner Website, ein bis drei Jahre, je nach Art und Größe des Projektes. Zum Verfahren gehören Anhörungen und Offenlagen, bei denen Privatpersonen und Naturschutzverbände Einwände erheben können, die oft vor Gericht landen.

Wann das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden können sei daher „überhaupt nicht abschätzbar“, sagt die NVR-Sprecherin Buhl, und hänge auch davon ab, ob und in welchem Umfang geklagt wird.

Nach einem rechtssicheren Planfeststellungsbeschluss können die Aufträge europaweit ausgeschrieben und vergeben werden, bevor irgendwann der erste Spatenstich getan wird.

Mehr Bahnsteige, mehr Barrierefreiheit

Dabei ist der Ausbau der S 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln kein isoliertes Projekt, sondern integraler Teil der Ertüchtigung des Bahnknoten Köln. Damit die Züge zweigleisig fahren können, müssen der Kölner Hauptbahnhof und der Bahnhof Köln Messe/Deutz jeweils einen zusätzlichen Mittelbahnsteig mit zwei neuen Gleisen erhalten.

Die Haltepunkte Holweide, Dellbrück und Duckterath werden barrierefrei ausgebaut, sodass alle Stationen von Köln Hauptbahnhof bis Bergisch Gladbach barrierefrei zugänglich sein werden. Dieser Wunsch wurde bei der Bürgerbeteiligung häufig geäußert.

„Wir sorgen für mehr Kapazitäten im Knoten Köln und tragen so zur grünen Verkehrswende bei“, so Manfred Gutfrucht, Leiter Großprojekte Knoten Köln. „Hinter den Planungen rund um den Ausbau des ausgelasteten Knoten Köln steckt jahrelange, komplexe Detailarbeit, die wir mit den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der Wanderausstellung teilen möchten.“

Gästebuch und Gesundheitsschutz

Die Besucher haben bei der Wanderausstellung die Möglichkeit, dem Projektteam über ein Gästebuch Anregungen zu hinterlassen.

Der Gesundheitsschutz der Ausstellungsbesucher wird berücksichtigt: Die wenigen Kontaktpunkte werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Die Informationstafeln sind so aufgestellt, dass sich Besucher gut aus dem Weg gehen und den geforderten Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten können. Wie in der gesamten RheinBerg Galerie gilt auch in der Ausstellung die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Ein Vorschlag: die S-Bahn aus Köln endet in Delbrück. Zwischen Delbrück und Bergisch Gladbach pendelt ein separater Zug im 10-Minuten-Takt hin und her. Die Fahrgäste müssen umsteigen, das ist in Delbrück ohne Treppenlaufen möglich, also zumutbar.
    Die Fahrzeit beträgt in einer Richtung 4 Minuten, hin und zurück folglich 8 Minuten. Mit den 3 Haltepausen lässt sich ein 10-Minuten-Takt auf dem eingleisigen Abschnitt so realisieren.
    Der Mehraufwand bedeutet ein zusätzlicher Zug und mehr Personal.
    Der Mehraufwand für ein zusätzliches Gleis ist im Vergleich dazu um ein Vielfaches höher. Und auch nach einem teuren und flächenintensiven Ausbau steigt der Aufwand an Zügen und Personal durch die Verdoppelung des Taktes.